THE GEMS, KING ZEBRA und MIA KARLSSON - Nürnberg

02.04.2026 | 14:04

30.03.2026, Hirsch

Ein abwechslungsreicher Abend im "zweiten Wohnzimmer".

Wie schon am Samstag hat Frau Holle das billige Parkett von Obi geraucht. Von Frühling keine Spur, es schneit. Aber es nützt ja nix, und trotz des widrigen Wetters erreiche ich pünktlich mein zweites Wohnzimmer, den Nürnberger Hirsch. 

Der Einlass läuft reibungslos und es gibt noch Karten an der Abendkasse. Der Abend scheint recht abwechslungsreich zu werden. 

Okay, den Headliner kenne ich schon seit Gründung der Band und KING ZEBRA habe ich zumindest schon mal auf der Konserve gehört. Und dann spielt ja auch noch eine gewisse MIA KARLSSON. Es bleibt noch Zeit für ein Kaltgetränk - leider wird hier kein Glühwein angeboten.

MIA KARLSSON ist mir absolut kein Begriff. Kurz vor Beginn mache ich mich auf dem Weg Richtung Fotograben. Die Halle ist recht gut gefüllt, doch nicht ausverkauft. Hatte ich beim ANGUS MCSIX-Konzert noch paradiesische Verhältnisse, muss ich mich jetzt wirklich in den Graben kämpfen. Die Lücke zu unserem Bereich ist knapp 20 Zentimeter breit und somit eine Herausforderung für schwer bepackte Fotografen. Das Licht geht aus und auf der Bühne steht eine junge Frau mit Akustikgitarre. MIA KARLSSON kommt aus Schweden und ist eine Sängerin und Songwriterin.

Ihre Songs wie 'Quiet' und 'Raindrops' sind eher ruhig und passen eigentlich nicht direkt in das heutige Line-up, aber der berühmte Blick über den Tellerrand lohnt sich. Mir gefällt das Dargebotene der schwedischen Sängerin wirklich gut und auch die Metalfraktion vor dem Wellenbrecher fühlt sich gut unterhalten.

Zwar werden keine Refrains mitgebrüllt und Pommesgabeln in die Luft gereckt, doch nach jedem Song gibt es amtlichen Applaus. Wer mehr von der Künstlerin hören möchte, dem empfehle ich auf einer bekannten Videoplattform den Song 'Safe'.

Durch den eher minimalistisch ausgestatteten Auftritt von MIA KARLSSON dauert die Umbaupause nur sehr kurz.

Nach einem Intro startet KING ZEBRA mit 'Wicked' vom 2024 veröffentlichten Album "Between The Shadows". Natürlich habe ich in unserem Magazin recherchiert, ob die Schweizer Band um Sänger Eric St. Michaels Zuwendung erfahren hat. Das Ergebnis ist eher dürftig: ein magerer Bericht von einem Festival aus 2019, 7,5 Punkte für die ebenfalls 2019 veröffentlichte EP "King Zebra" sowie 8 Punkte für "Survivors" aus 2021. 

Also gefühlt eher eine Band, die unter dem Radar fliegt. Ein für mich nahezu unverständlicher Zustand. Okay, die Geschmäcker mögen verschieden sein, doch live ist KING ZEBRA echt eine Bank, es gibt gefälligen Melodic Rock auf die Ohren. Sänger Eric hat eine enorme Bühnenpräsenz und zieht mit seinem Auftreten die Metalheads in seinen Bann. St. Michaels ist ein alter Hase im dem Metier, hat er doch viele Jahre bei der ebenfalls aus der Schweiz stammenden Band CHINA am Mikrofon gestanden.

Doch nicht nur der Frontmann weiß zu überzeugen. Die Mitmusiker Jerry Napitupulu (g/v), Roman Lauer (g/v), Manu Judge (b/v) und Benjamin Grimm am Schlagzeug haben sichtlich Spaß am Gig in Mittelfranken. Schaut Euch einfach mal die Fotos in der Galerie an. 

Doch KING ZEBRA kann nicht nur melodisch, 'Under Destruction' ist eine astreine Hard Rock-Nummer. Insgesamt 12 Stücke spielt die Band im Hirsch, was ich jetzt für eine Supportband ganz ordentlich finde. Der Fokus liegt mit sechs Tracks auf dem aktuellen Album. 

Lauschte die Crowd bei MIA CARLSSON noch andächtig, gibt sie jetzt gut Gas, nun werden auch die  Pommesgabeln in die Luft gereckt. Mit 'Children Of The Night' verabschiedet sich die Band unter großem Jubel aus der Frankenmetropole. Gut gemacht, gerne mehr davon!

Es ist angenehm war geworden im Hirsch und es gibt noch einen Headliner. Es würde zu weit führen, hier die Entstehungsgeschichte von THE GEMS aufzudröseln. Doch zumindest für mich hat es etwas Gutes, sind doch aus einer guten rein weiblich besetzten Hardrock Band, gleich zwei gute rein weiblich besetzte Hardrock-Bands geworden. 

Für meine Ohren gibt es da kein besser oder schlechter, ich mag beide Formationen. Die 18 Stücke umfassende Setliste beginnt mit 'Year Of The Snake' vom gleichnamigen Album, welches vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Schlangen erkennt man dann auch auf dem Outfit von Sängerin Guernica, welche bestens gelaunt über die Bühne tobt. Die Stimmung ist sowohl auf als auch vor der Stage hervorragend. Okay, die Textsicherheit bei den Metalheads gerade bei den neuen Songs hat noch etwas Luft nach oben, aber das wird bestimmt in der nächsten Zeit besser werden.

Musste die schwedische Hard Rock-Band auf dem Rockharz-Festival im letzten Jahr noch auf Gitarristin Mona aufgrund Schwangerschaft verzichten, ist die Saitenhexerin in Nürnberg wieder am Start.

Sie macht ihre Sache verdammt gut und kann mit einem Gitarrensolo glänzen. Auch ihre Akustik-Einlage zum Medley von 'Ease Your Pain' / 'Running' / 'Fruits Of My Labor' kann überzeugen. 

Auf der rechten Bühnenseite erkenne ich eine Dame am Bass, welche am frühen Abend eine eher ruhige Kugel geschoben hat. Mia Karlsson fährt also eine Doppelschicht, welche unterschiedlicher nicht sein kann.

Am Drumset sitzt wie gewohnt Emlee. Ich kenne nur sehr wenige Schlagzeugerinnen und nur Frau Johansson lächelt, lacht und grinst das komplette Set von ihrem Drumraiser runter. Einfach super sympathisch. Dazu hat sie sich meines Erachtens in den letzten Jahren enorm gesteigert.

Es geht Schlag auf Schlag durch die Setliste, Guernica bedankt sich mehrmals beim Publikum für die gute Stimmung. Aus 'Firebird' wird eine Maxiversion und die Sängerin steht plötzlich im Graben und hält ihr Mikro in die Menge. Der Refrain wird mal schief, mal gut, aber vor allem laut und euphorisch ins Mikro gebrüllt. Ich schaue mir das Treiben genüsslich von der Seite an und habe echt Spaß an der Sache. 

Mit 'Happy Water' verabschiedet sich THE GEMS erst einmal von ihren Fans, welche natürlich lauthals eine Zugabe fordern. Die Edelsteine lassen auch nicht allzu lange auf sie warten und kommen noch einmal zurück. Guernica fragt, was das Publikum gerne hören möchte, hier scheinen jedoch die Meinungen auseinanderzugehen.

Mit 'Like A Phoenix' trifft THE GEMS dann den richtigen Nerv und die Band wird noch einmal richtig abgefeiert. Auch ich bin zufrieden und mach mich auf den kalten Heimweg. Sachdienliche Hinweise zum Verbleib von Frau Holle bitte direkt an mich, ich muss ein paar Dinge mit ihr klären.



Text und Photo Credit: Andre Schnittker

 


Redakteur:
Andre Schnittker

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