GEMS, THE - Year Of The Snake
Mehr über Gems, The
- Genre:
- Hard Rock
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- Napalm Records
- Release:
- 13.03.2026
- Walls
- Year Of The Snake
- Gravity (Tommy Johansson)
- Diamond In The Rough
- Live And Let Go
- Clout Chaser
- Hot Bait
- Forgive And Forget
- Go Along To Get Along
- Math Ain’t Mathing
- Firebird
- Stars
- Buckle Up
- Happy Water
Spaßiger Retro-Rock-Trip mit einigen schmissigen Hits!
Manchmal entstehen gute Dinge aus Situationen, die erst einmal wie eine Katastrophe wirken. So auch im Februar 2023, als THUNDERMOTHER ziemlich überraschend implodierte und Filippa Nässil mit Sängerin Guernica Mancini, Bassistin Mona Lindgren und Schlagzeugerin Emlee Johansson praktisch die komplette Bandbesetzung vor die Tür setzte. Doch das Trio ließ sich davon nicht entmutigen, sondern gründete schlicht und ergreifend mit THE GEMS eine neue Band und startete mit dem Erstwerk "Phoenix" gleich ordentlich. "Year Of The Snake" legt nun nach und soll die Schwedinnen weiter vom THUNDERMOTHER-Erbe emanzipieren. Ob das gelingt?
Nun, 'Walls' eröffnet die Scheibe schon einmal reichlich überraschend. Treibende Synthesizer, dazu mehrstimmiger Gesang und vereinzelte Noise-Einschübe - das Intro hat seine Momente, wirkt aber auch wie ein Relikt der Achtziger, das erst einmal nicht so richtig in den Rock-Kontext passen will. Da die Gesangslinien von Guernica aber unheimlich zwingend sind, ertappt man sich kurz vor dem Ende der gut 80 Sekunden aber doch dabei, wie man im Geiste die Hookline schon mitsingt, auch wenn der Track definitiv nicht als vollwertiger Song gezählt werden kann.
So ist es dann auch erst der Titeltrack, der "Year Of The Snake" dann so richtig eröffnet und gleich eindrucksvoll klarmacht, dass THE GEMS anno 2026 nicht angetreten ist, um die Rockmusik in die Zukunft zu führen. Nein, wie schon von THUNDERMOTHER gewohnt, geht der Blick in die Vergangenheit, richtet sich dabei aber auf die eben bereits genannten Achtziger, deren ummissverständliche Liebe zur poppigen Eingängigkeit hier mit dem sprödern Hard Rock der Siebziger gemischt wird. Noch eine Prise stampfenden Heavy Metals dazu und fertig ist eine unheimlich prägnante Nummer, die einem sofort im Ohr bleibt und mich persönlich wohltuend an die BATTLE BEAST-Anfangstage erinnert, bevor die Finnen sich gänzlich dem Achtziger-Kitsch hingaben und mehr zur Partyband mutierten.
Glücklicherweise umschifft THE GEMS die Kitsch-Klippen auch im weiteren Verlauf der Platte, denn auch wenn die poppigen Achtziger-Refrains weiterhin ein gern gesehener und konstanter Begleiter bleiben, ist das musikalisch Fundament doch immer rockig und bissig genug, um bei der Genre-Kategorisierung der Schwedinnen keine Fragen aufkommen zu lassen. Gerade das Wechselspiel zwischen kantigen Strophen und hymnischen Refrains in 'Live And Let Go' oder 'Gravity' gefällt mir dabei unheimlich gut, sodass ich euch diese beiden Tracks als Anspieltipp mit auf den Weg geben möchte, auch weil Guernica hier stimmlich all ihre Stärken perfekt in Szene setzen kann.
Doch auch die etwas ungestümer rockenden und weniger eingängigen Nummern wie 'Clout Chaser' oder 'Diamond In The Rough' wissen zu überzeugen. 'Hot Bait' bringt dann sogar noch eine Prise Sleaze mit ein, wobei mir hier gerade GUNS N' ROSES als Referenz in den Sinn kommt. Und ja, auch ein wenig GOTTHARD-DNA hat sich nach Schweden verirrt, denn 'Firebird' oder 'Go Along To Get Along' hätten sich auch auf einem Album der Schweizer hervorragend geschlagen. So bleibt am Ende als einzige wirklicher Kiritikpunkt die Tatsache, dass "Year Of The Snake" mit vierzehn Tracks etwas zu lang geraten ist, denn gerade hinten heraus können die Schwedinnen das hohe Niveau der Anfangsminuten nicht durchgängig halten.
Wirklich madig machen kann mir das den Hörgenuss aber natürlich nicht, denn unterm Strich bleibt "Year Of The Snake" ein Album, das gerade in der ersten Halbzeit ein paar echte Hits im Gepäck hat und insgesamt schlicht und ergreifend Spaß sehr, viel Spaß macht. Dabei finde ich es besonders bemerkenswert, dass THE GEMS die gute Laune und die klebrigen Hooklines mit genügend Rock-Biss unterlegt und so nicht dem aktuellen Trend erliegt, der ja hin zum Party-Schlager-Schunkel-Metal geht. Der Sprung in die größeren Clubs und auf ein Level mit THUNDERMOTHER dürfte dann wohl auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Tobias Dahs


