MØL, TAYNE und COLD NIGHT FOR ALLIGATORS - Leipzig
11.03.2026 | 15:3608.02.2026, Naumanns
Das dänische Quintett ist in Bestform und ist in kleinerer Runde noch besser als auf großen Bühnen.
MØL an einem kalten kalten Wintersonntagabend. Dänische Musik ist in all ihren Facetten zumeist entweder spannend, bekloppt oder sehr hervorsehbar. Was mich hier erwartet sind die Punkte Eins und Zwei.
Wie bitteschön, soll es funktionieren, Black Metal Gesang mit Post Rock-Gitarren auf Keyboardfrischlinien in einem kleineren Club wie dem Naumanns klingen zu lassen? Wie bekommen die Band es hin, die sehr gelungene Musikmixtur des aktuellen Albums "Dreamcrush" live hinüberzutranspotieren? Also doppelt spannend. Kein Reißbrett.
Die Vorbands COLD NIGHTS FOR ALLIGATORS und TAYNE sind gut ausgewählt: kauzig und spleenig führen sie durch ihre Sets, wobei mir TAYNE in Erinnerung bleibt, weil das Trio seinen seltsamen Powerpopmetal mit wirklich angeschrägten Gesangslinien betreibt.
Seltsam bleibt der Entwurf trotzdem. Passt aber auch zum Kosmos der Headlinerband MØL aus Aarhus. Die betreten pünktlich die Bühne und geben gleich Laut.
Was auch sofort hervorsticht ist das Benehmen des Frontmannes, der sich im Mittelpunkt aber auch recht gut punktiert und präsentiert. Mir ist die Band bereits durch ihre vorherigen Alben positiv aufgefallen, weil sie die Grenzen der Genres spielerisch überhüpft und trotzdem tiefstiefelnd durch den schwarzen Black Metal waten kann. Diese Auflockerungen sind zumindest mir sehr willkommen.
Erwartet unprätentiös dann auch das Auftreten des Fünfers. Die sehen "normal" aus und haben keine unleserlichen Bandnamen auf die schmalen Shirts gebügelt oder sind indes weißschwarz geschminkt. Und ab Minute Eins auch sehr im Saal. Die Anwesenden im gut gefüllten Naumanns haben sich aus diversen Szenen hierher versammelt. Da sehe ich Goths und Altpunks und Jungleipziger Szenesucher und Altmetaller. Zudem ist die Stimmung gelöst, nicht zuletzt, weil die Band an sich versprüht, was ich in einen Konzertbereicht schon immer mal schreiben wollte: Esprit! Ja, Esprit.
Dieses Gefühl, sich da oben wohl zu fühlen und sich seiner Musik selbstsicher sicher zu sein, das überträgt sich auch auf das Publikum, das ganz unterscheidliche Reaktionen zeigt. Die einen recken die Hände, die ersten zwei Reihen versuchen, sich die Winterstarre oder die Bierchen aus dem Gemüt zu tanzen, weiter hinten im Dunklen sieht man wohlwollendes Mitnicken oder Bewegungen, die den Melodien der Band folgen. Diese sind nämlich größtenteils sehr einnehmend, wobei das metallene Handwerk eindeutig im Fokus der Energie steht und so auch transportiert wird. Aber eben ohne viel Aufhebens.
Einzig der Gesangsmann will zum Blickpunkt werden und schafft es durch seine Windungen, Verdrehungen, entrückten Blicke aber und nicht zuletzt auch durch seine gut beherrschte Stimme inmitten des Lärms. Sie wandert zwischen den fast emocorigen Gesangsfragmenten hin zum Bekeifen des Textes hin zu spontanen Oktaven, die man nicht erwartet hat und einen so zum Lächeln zwingen. Ja, das macht Spass hier. Dass die Band als Markenfarbe ein mintiges Grün für sich entdeckt hat, rundet den Abend der Besonderheiten noch ab. Und bald schon bin ich junger Besitzer einer mintgrünen Bandmütze.
Der Fokus des Abends in bestem Sound liegt eindeutig auf den Stücken des aktuellen Albums, welches die Gemüter gut zu spalten bekommt, wie in unseren Reviews zu "Dreamcrush" zu bemerken ist. Also sehe ich hier eine polarisierende Band? Ich denke mir: Das ist Modern Metal, wie er 2026 gern sein darf: großfressig zurückhaltend, kantig aber auch ein wenig seifig. Der Sonntag, der kalte kalte mit scheuem Sonntagabendpublikum und Dänen, die Lust auf Ihre Musik haben, findet in mir einen sehr zufriedenen Abnehmer.
Text und Photo Credit: Mathias Freiesleben
- Redakteur:
- Mathias Freiesleben






