WOLFCHANT: Einmal Vergangenheit und zurück

10.02.2026 | 14:32

Mit "Echoes Of A Time Once Past" hauen die Pagan-Metaller von WOLFCHANT ein nicht nur episches, sondern auch brachiales, kraftgeladenes Album in die Menschenmenge, ihr insgesamt achtes! Neues (eigenes) Label, frische eingängige Metalhymnen und Musik, die vor Inbrunst förmlich schreit. Mit Lokhi, seines Zeichens für die harschen Vocals bei den Bayern zuständig, sprechen wir also über die prunkvolle Vergangenheit, mitreißende Gegenwart und verheißungsvolle Zukunft.

Hallo Lokhi, wie ist die Lage bei WOLFCHANT?
Hallo Marcel, vielen Dank fürs Interview. Die Lage ist ganz gut. Wir sind in freudiger Erwartung auf den Release und natürlich in eifriger Vorbereitung auf die Tour.

Ihr habt vor zwei Jahren euer zweites Album noch einmal eingespielt - wie kam es zu der Entscheidung? Ein Geschenk für 20 Jahre WOLFCHANT? Welche Bedeutung hat "A Pagan Storm" für euch in der Retrospektive?
Es gab immer wieder Anfragen von Fans nach dem Album, da es nicht mehr erhältlich war. So kamen wir zusammen mit Reaper auf die Idee die Scheibe nochmal neu aufzulegen und als kleines Schmankerl alles nochmal neu aufzunehmen und als Doppel-Digi anzubieten. So haben die Fans einen schönen Anreiz das Album zu erwerben und können Alt und Neu vergleichen. Es hat viel Spaß gemacht die Songs aus 2007 nochmal einzuspielen und nur so viel wie nötig zu verändern. Es ist uns bewusst, dass "A Pagan Storm" einen gewissen Kultstatus genießt und man mit viel Respekt an ein solches Projekt gehen muss.

Zudem war es die letzte Veröffentlichung bei Reaper Entertainment. Ihr habt euer eigenes Label gegründet, nicht wahr? Welche Herausforderungen machen sich dadurch bemerkbar und welchen Mehrwert hat das für euch?
Der Mehrwert ist in erster Linie, dass wir alles absolut in der Hand haben, und dass wir in jeder Entscheidung absolut unabhängig sind. Natürlich können wir uns jetzt auch unseren komplett eigenen und passenden Zeitplan erstellen und immer anpassen, wenn es nötig ist. Die Herausforderung ist hauptsächlich der zusätzlich entstehende bzw. entstandene Aufwand und die Mehrarbeit. Viele Telefonate, Besprechungen und Entscheidungen, die man früher nicht so treffen musste. Aber es macht Spaß!

Eure achte Scheibe steht nun in den Startlöchern - die erste eben auf dem eigenen Label. Der Beginn einer neuen Ära, oder? "Echoes Of A Time Once Past" heißt das gute Stück. Welche Echos aus einer vergangenen Zeit thematisiert ihr denn auf eurem neuen Hymnen-Bollwerk?
Wir sind jetzt schon sehr lange mit im Geschäft, und haben in der Zeit viele Höhen und Tiefen erlebt. Das ist natürlich bei den meisten Bands so, aber wenn du dann selber auf einmal in dieser Lage bist, überdenkst du natürlich alles und versuchst die Zeit noch einmal zu reflektieren. Mit dem Ansatz gingen wir ins Songwriting und an die Produktion. Es war spürbar nach allem, was wir so erlebt haben in letzter Zeit, dass dieses Album nun etwas ganz Besonderes für uns wird, und wir hatten auch immer das Gefühl, dass wir ggf. einen unserer Höhepunkte abliefern könnten.

"Omega: Bestia" war schon ein sehr mächtiges Album! Worin unterscheidet sich das neue Album von der 2021er Bestie? Zumal stolze fünf Jahre seitdem vergangen sind?
Ich denke, wir sind noch etwas epischer und eingängiger, aber auch technischer und schneller geworden als auf der "Omega". Die Unterschiede sind gar nicht mal so riesengroß, wir reden hier oft auch von Details und den Arrangements, die auf der "Echoes" nochmal intensiver ausgearbeitet wurden, gerade weil wir uns Zeit gelassen haben. Die Produktion ist auf jeden Fall viel besser und passt unserer Meinung nach perfekt zu den Songs.

Vor allem das düstere, aber zugleich auch hell schimmernde Cover imponiert und gefällt - wie steht es in Verbindung zu den Songs bzw. dem Titel "Echoes Of A Time Once Past"?
Das Design ist vom französischen Künstler Pierre-Alain Durand von 3 MMI Design. Wir denken, er hat großartige Arbeit geleistet. In dem Cover wollten wir nicht nur die aktuellen Texte, sondern auch ein bisschen die Arbeit von WOLFCHANT der letzten 20 Jahre mit einfließen lassen. Es war uns wichtig uns auch farblich von den Designs der letzten Alben abzuheben, um klar darzustellen, dass es sich hierbei um einen neuen, weiteren Abschnitt der Bandgeschichte von WOLFCHANT handelt

Im Vergleich zu früheren Alben gibt es mit 'Dem Sturm voraus' nur einen deutschen Titel - ist das eure generelle Wegweisung? Weg von deutschen Titeln und noch mehr Fokus auf englische?
Nein, die Texte entstehen ja nach Thematik immer in Deutsch oder Englisch, wie es gerade vom Gefühl her passt. Wenn wir dann einen Song aufnehmen, stellt man oft fest, dass die jeweilige Sprache doch nicht ganz so wirkt wie man es erhofft hat. Dann probieren wir den Song nochmal mit der anderen Sprache aufzunehmen und auf einmal zündet er. Somit entscheiden wir in dem Prozess oft, welche Sprache wir verwenden. Kann sein, dass das bei einem weiteren Album wieder ganz anders ist.

'Goddess Of Fire' ist ein fantastischer Appetizer - was macht den Song für euch persönlich zu einer perfekten ersten Single-Auskopplung bzw. dem perfekten WOLFCHANT-Song?
Der Song ist ohne Frage natürlich sehr eingängig, enthält aber auf der anderen Seite auch alle wichtigen WOLFCHANT-Trademarks, wenn man das so ausdrücken will. Er kam auch beim Probehören in unserem Umfeld total gut an. Da wir ihn als Band auch sehr stark fanden, war es irgendwann klar, dass das die erste Single wird.

Für mich ist und bleibt 'Witchfinder' noch immer einer der stärksten Songs, die ihr jemals veröffentlicht habt. Grund genug, dass er nach drei Jahren auch auf der Scheibe erscheint? Stammen noch weitere Songs auf "Echoes Of A Time Once Past" aus der damaligen Zeit oder sind alle weiteren Songs brandneu?
Zu der Zeit, als 'Witchfinder' veröffentlicht wurde, haben wir mit dem Songwriting für "Echoes" begonnen. Somit gab es zu dieser Zeit schon viele weitere Ideen, Schnipsel oder Riffs, die entstanden sind und die in Teilen den Weg aufs Album gefunden haben. Insgesamt hatten wir aber viel mehr Songs und nur acht plus Intro haben es am Schluss aufs Album geschafft.

Das Album erscheint Mitte Februar - eine ohnehin noch sehr stürmische, zumeist auch frostige Zeit. Für euch die perfekte Veröffentlichungszeit für ein wildes, melodisches Pagan-/Folk-Metal-Album?
Da ist schon was dran. Wir haben viele Alben um diesen Zeitraum veröffentlicht in den letzten Jahren, sind dann auf Tour oder haben viele Shows und Festivals gespielt. Der Zeitpunkt war immer ganz gut für uns und wir haben das so beibehalten. Wie du schon sagst, passt das noch ganz gut zur Musik und erzeugt eine wunderbar passende Stimmung, die ich nicht missen möchte.

Ihr seid in diesem Zuge auch mit EREB ALTOR und SKYFORGER in Deutschland unterwegs - was verbindet euch mit den beiden Bands? Und inwieweit hat sich WOLFCHANT live in all den Jahren noch einmal weiterentwickeln können?
Es ist auch noch BELORE aus Frankreich mit dabei. Ich finde, die vier Bands repräsentieren eine wirklich tolle Mischung aus unterschiedlichem Pagan und Viking Metal und einen guten Querschnitt aus europäischen Bands. Da ist für jeden was dabei und die Zuschauer sollten auf ihre Kosten kommen. Natürlich kennt man sich mehr oder weniger über die Jahre, hat schon einige Bühnen geteilt. Das wird sicher eine schöne Tour mit viel Spaß, auf die wir uns sehr freuen! Ich denke, wir sind viel professioneller geworden und wissen, wie man ein Publikum mit auf die Reise nimmt.

Gigs in einer Halle sind schön und gut, aber am stärksten kommt ihr doch bei hiesigen Open-Air-Gigs rüber, nicht wahr? Was denkt ihr liegt euch eher? Schweißtreibende Shows im Club oder die kühle Brise eines Open-Airs?
Open-Air-Gigs sind sicher eine unserer Stärken, das hat man in den letzten Jahren auch bei den ganz großen Festivals schon erkennen können. Hier ist es möglich uns aus allem zu bedienen, was wir auffahren können, das sorgt dann immer für eine gute und energiegeladene Show. Für uns ist es wichtig, dass wir Bewegungsfreiheit haben, da eignen sich Bühnen mit viel Platz besser. Wir mögen aber auch die Clubshows mit starkem Kontakt zum Publikum. Es hat beides seinen Reiz und auf der Tour können wir Clubs und Festivals prima verbinden.

Lokhi, ich wünsche euch mit der neuen Scheibe alles erdenklich Gute! Was möchtest du unseren Lesern und euren Fans noch mit auf den Weg geben?
Wir sagen vielen Dank fürs Interview und fürs Lesen. Bitte unterstützt uns, hört mal in die neuen Sachen rein und wenn's gefällt, kauft eine CD und kommt zu den Shows. Danke für den Support und man sieht sich!

 

Fotocredits: Alina Wurm

Redakteur:
Marcel Rapp

Login

Neu registrieren