MESSTICATOR im Interview oder auch: Die totale Unterwerfung

01.04.2026 | 13:30

MESSTICATOR über Death Metal, SLAYER und "Total Mastery".

Mit "Total Mastery" haben die Hamburger von MESSTICATOR eine amtliche Death-Metal-Walze auf den Markt geschmissen und wir wollen mal von Maik Weinhardt (Schlagzeug) und Marvin Brühl (Gitarre) wissen, wie das alles so entstanden ist, warum Videodrehs nicht harmlos sind und was der MESSTICATOR überhaupt ist.

 

Hi Jungs, danke dass ihr euch die Zeit nehmt! Starten wir doch mal ganz entspannt: Wie geht es euch und wie war die Releaseshow von "Total Mastery"?

Maik: Mir geht’s gut, auf jeden Fall. Und das liegt natürlich nicht zuletzt an der Releaseshow und am Release an sich. Wir haben da echt eine geile Party gehabt, es sind viele Leute da gewesen, viele Leute die wir dabei haben wollten, viele Leute die wir auch noch nicht kannten, sozusagen. Und das war einfach wirklich schön. Wir haben uns sehr wohlgefühlt, auch mit SPACE CHASER zusammen, das hat echt Spaß gemacht. Und es war für uns durchweg erfolgreich, würde ich von meiner Seite sagen.

Marvin: Ich schließe mich da Maik auch total an, die Stimmung ist super. Alles, worauf man die letzten Wochen hingearbeitet hat, hat funktioniert. Wir waren ja das Wochenende vorher in Berlin und Bremen mit dem "Space-Fest" zusammen, konnten da quasi schon ein bisschen den Release feiern. Und auch die Show in Hamburg war richtig toll. Wir konnten jetzt so ein bisschen die Früchte der Arbeit vorher ernten und das fühlt sich super an.

Maik: Die Leute hatten Bock (schmunzelt).

Bevor wir gleich über "Total Mastery" sprechen: Wer oder was ist denn nun dieser MESSTICATOR? Ist es eine Entität oder was steckt dahinter? Ihr habt da ja ein konkretes Logo, auch vom Bühnenaufbau her, das wirkt jetzt nicht so zusammengewürfelt.

Maik: Nee, das ist auch nicht zusammengewürfelt. Ausgehend von dem Namen steckt da schon ein kreatives Konzept dahinter, würde ich sagen. Wenn du es dir auf einem Blatt aufmalen würdest, haben wir oben den Namen und das Logo und von dort aus ziehst du Striche nach unten und fügst alles zusammen. Der MESSTICATOR ist tatsächlich eine Figur, wie eine Gottheit kannst du den ansehen. Der ist da, um hin und wieder auf die Erde zu kommen und zu gucken, wer die Erde abfuckt und wen er dafür abstrafen kann.

Momentan gäbe es ja genug Gründe dafür.

Maik: Ja genau. Ich hab das neulich schon mal erzählt, ergänze mich da gerne, Marvin. Ich sage das mal ganz offen: Wir leben momentan ja in einer Zeit, in einer Welt, die sehr unruhig ist und jeder kennt das Gefühl, dass man sich dem ein bisschen ausgesetzt fühlt und dass sich da so eine Machtlosigkeit in einem aufbaut. Man ist dem Ganzen ausgeliefert und du kannst nichts anderes machen, als es auszuhalten. Und da ist es das Schöne, wenn man Künstler ist, wie man das als Musiker oder Kreativer eben auch ist, findet man immer Möglichkeiten, sich in so eine Utopie zu denken. So möchte ich das mal nennen. Und die hilft einem dann auch ein bisschen. Es ist nicht nur so, dass solche Sachen geil und hart sein sollen. Da gibt es dann schon den einen oder anderen Gedanken, in den man sich so reinträumt. Man denkt sich: Wie geil wäre das, wenn jetzt wirklich so eine Übermacht kommt und nimmt so Typen wie Chrupalla, Weidel, Trump und Co. einfach mit? Die sind dann verschwunden und kriegen ihre gerechte Strafe. Und die kommen auch nicht wieder. Danach ist dann einfach Ruhe.

Bis es erneut nötig wird, ne?

Maik: Joar, im besten Fall wirkt diese erzieherische Maßnahme so, dass es nicht nochmal nötig sein muss (schmunzelt).

Es ist ja schon eine Form von Eskapismus. Wie du gesagt hast, ist das so eine Ohnmacht, die man die ganze Zeit hat. Weil: Wo sollst du auch hin? Auf den Mond geht schlecht.

Maik: Ja genau und ich will da jetzt auch nicht zu lange herumschwafeln. Aber ich finde, Metal ist ja auch eine Form von Eskapismus. Jede Szene, die sich jemand aussucht, da flüchtet sich derjenige ein bisschen rein. Warum auch immer. Und Metal ist, das merkt man dann auch immer, wenn dir das Leute sagen, die oft nicht aus der Szene kommen und sie kennenlernen: Da laufen Leute herum, die sehen aus, als würden sie Kinder frühstücken und haben krasse Shirts, sind aber die sozialsten Leute aller Zeiten. Und ich glaube, man hatte als Metalfan oder als Mensch Erfahrungen im jugendlichen Alter, die auch dazu geführt haben, dass man sich so ein bisschen – ohne dass ich das jetzt so ernst meine – verkleidet hat, damit andere Leute erstmal vorsichtig sind. Das ist ja auch eine Form von Eskapismus, wie es im Gaming ja auch stattfindet. Oder beim Cosplay. Ich finde das cool. Das ist ein schönes Ventil.

Definitiv. Jetzt aber mal quasi zurück zur Realität: Als ich vor fast zwei Jahren mit euch gequatscht habe und euch gefragt habe, warum es nur drei von euch gibt, da habt ihr erzählt, euch Drei gibt es nur so im Paket. Jetzt ist Phil nur leider raus aus verschiedenen Gründen und ihr seid jetzt zu viert auf der Bühne. Was ist denn da passiert?

(betretenes Schweigen, Marvin setzt an, wird von Maik unterbrochen)

Maik: Äh…Oh sorry, Marvin. Latenz.

Marvin: Ja, das hat so ein bisschen gewackelt. Aber alles gut. Die Entscheidung, dass Phil die Band verlassen wird, haben wir alle zusammen getroffen. Da wir einfach festgestellt haben, dass die Vorstellung, wo es hingehen soll mit der Band und die Möglichkeiten, die jeder so hat – aufgrund von Familie und Job – dass die sich nicht mehr decken. Da haben wir dann eine freundschaftliche, aber leider notwendige Entscheidung getroffen. Dann haben wir natürlich geguckt. Wir wären gerne weiterhin zu dritt geblieben, weil das auch cool ist und so. Von der Ausstrahlung her. Aber es hat sich dann als relativ schwierig herausgestellt, jemanden zu finden, der das abdecken kann. Der in der Lage ist, ordentlich Bass zu spielen und dabei auch noch zu singen. Und dann auch noch gut abliefert auf der Bühne. Da hatten wir mit Phil einen absoluten Glücksgriff. Dann hat sich herausgestellt, dass wir das so nicht hinkriegen und dann haben wir uns recht schnell gesagt: Lass uns doch einfach nach zwei Personen gucken, ne? Auch mit dem Aspekt, dass dann jeder noch ein bisschen mehr beisteuern kann und wir die Arbeit auf zwei Schultern mehr verteilen können. Damit man auf der Bühne mehr machen kann. Wenn du singst und ein Instrument zusammen spielst, musst du immer Abstriche machen, was die Performance angeht. Wenn du einen eigenen Bassisten und einen eigenen Sänger hast, hast du da mehr Möglichkeiten. Das haben wir geschafft. Wir haben ja mit Thomas einen neuen Sänger gefunden, der von der Stimme perfekt das widerspiegelt, was wir uns vorgestellt haben. Wir haben jetzt mit Lommer auch einen Bassisten gefunden, der auf der Bühne total abgeht. Und wir sind da echt super happy.

Kanntet ihr Thomas jetzt schon eher oder ist durch das "Casting" und diesen Aufruf dann dieser Kontakt zustande gekommen?

Marvin: Nee, Thomas kenne ich schon 10-15 Jahren, wir kommen aus derselben Stadt, wir machen auch schon in einer anderen Band zusammen Musik seit zehn Jahren. Als dann klar war, dass wir für MESSTICATOR jemanden suchen, war er auch im Rennen, sag ich mal. Dann haben wir mal ein Demo aufgenommen, das hat uns super gefallen Und dann war klar: Jo, wir haben Bock drauf, wir machen das mit ihm zusammen.

Wie hat sich dann diese Erweiterung um zwei Leute auf euer Songwriting ausgewirkt? War das kein Aspekt oder hat sich da auch noch mal was geändert?

Marvin: Da hat sich nicht viel daran geändert, da das Album schon fertig war, als Thomas in die Band gekommen ist. Das wird sich dann vielleicht beim nächsten Album bemerkbar machen.

Ah, alles klar. Ich kann mir vorstellen, ihr hattet davor drei Meinungen, wo möglichst zwei der gleichen Meinung sein müssen. Jetzt hat sich das ein bisschen vergrößert und den demokratischen Prozess ein bisschen gesprengt.

Marvin: Ja genau (grinst).

Du hattest es schon erwähnt, ihr habt jetzt mit Lommer einen neuen Bassisten, der Tobbo abgelöst hat, der den Bass bei "Total Mastery" eingespielt hat.

Marvin: Naja, Tobbo hat auf der Platte auch nicht gespielt. Der Bass kommt auch von mir.

Wenn wir jetzt mal ganz an den Anfang zurückgehen: Als ihr angefangen habt, MESSTICATOR-Musik zu schreiben, was waren da eure Einflüsse? Ihr habt ja eine große Liebe zu Thrash Metal. Aber es ist dann ja doch recht straffer Death Metal mit Thrash-Metal-Schlagseite geworden. Ihr hättet ja auch Thrash Metal spielen können.

Maik: Da wollten wir uns gar nicht limitieren. Als wir das erste Mal über MESSTICATOR gesprochen haben bzw. uns grundsätzlich überhaupt unterhalten haben, dass wir was miteinander machen wollten, da war das Thema sofort, dass wir es einfach passieren lassen wollen. Natürlich aufgrund der Bandgeschichte vom jeden einzelnen oder von uns allen zusammen vorher, gab es da schon immer eine Thrash-Metal-Leidenschaft und Affinität. Aber eher diese – hm, wie sage ich das am besten – AT THE GATES war immer so ein Thema. Die sind ja auch irgendwie thrashig. Aber dann kommt der große Streuer Death-Metal-Salz obendrauf, sozusagen. Das war dann schon immer so eine Idee und Inspiration für uns. Wir machen das jetzt nicht so, dass wir sagen: "Das wäre cool, das Riff. Aber das können wir nicht machen, weil das passt ja nicht. Wir spielen ja Death Metal." Oder Thrash Metal, was weiß ich. Sondern die Offenheit für das, was sich gut anfühlt und gut klingt. Die macht es bei uns am Ende dann auch aus, glaube ich. So hat das von Anfang an gestartet.

Vor ein paar Jahren hattet ihr die "Seasons In The Abyss"-EP veröffentlicht, mit ein paar SLAYER-Covern. SLAYER ist da offenbar ein großer Einfluss, natürlich. Da fand ich es gut, dass ihr da nicht die üblichen Verdächtigen gecovert habt, also nicht 'Angel Of Death', 'Raining Blood', sondern 'Hate Worldwide', 'Repentless'… War das auch wieder eine bewusste Entscheidung, da nicht so die Hits abzudecken, sondern auch eher unpopulärere Nummern zu nehmen, so falsch das jetzt auch klingt? Das fand ich ziemlich cool, gerade 'Repentless' habt ihr ja eine eigene Note gegeben.

Marvin: Wir haben uns da damals gesagt, dass sich jeder seinen Lieblingssong aussuchen konnte. Das war dann ein positiver Nebeneffekt, dass es dann nicht die 08/15-SLAYER-Songs waren, die man eventuell auch erwarten würde. Sondern dass es Songs waren, die man nicht so an erster Stelle hat. Das hat sich so ergeben, tatsächlich. Wir haben da nicht gesagt: Nö, die wollen wir nicht spielen. Das war die freie Entscheidung von uns allen.

Gerade 'Hate Worldwide' ist von der "World Painted Blood", was jetzt nicht so ein alter Schinken ist.

Marvin: Ja genau, der ist nicht so alt. Gleiches gilt aber auch für 'Repentless'. Der war von mir, glaube ich.

Durch Verbindungsprobleme entstand ein Durcheinander, wo jeder sich gegenseitig ins Wort fiel und Chaos ausbrach.

Der war von dir?

Maik: Öh, der kam von mir. Den wollte ich haben.

Marvin: Genau, den hat sich Maik ausgesucht. Also 'Hate Worldwide'. 'Repentless' war von mir und 'Disciple' war von Phil.

Wenn ihr "Total Mastery" jetzt mit eurem Debüt "Forthcoming Revelation" vergleicht, wie seht ihr das Album rückblickend? Seid ihr noch zufrieden oder würdet ihr da gerne noch etwas daran ändern? Rückblickend gibt es meist immer etwas, was man gerne ändern möchte.

Marvin: So rückblickend denke ich da gar nicht negativ darüber. Das waren zu der Zeit die Songs, die wir als erstes zusammen geschrieben haben. Wir spielen davon immer noch einige Songs live. Die machen auch weiterhin Spaß und kommen gut bei den Leuten an. Die neue Platte ist da einfach eine Weiterentwicklung. Wir haben jetzt auch ganz plakativ in den Pressetexten gesagt, es ist von allem mehr, es ist schneller, härter, melodischer. Das kann man bei der zweiten Platte machen, finde ich (schmunzelt). Du hast ja nur eine Platte davor als Referenz. Das war auch so unser Ziel. Wir haben mit der ersten Platte abgesteckt, worauf wir Bock haben. Und in den letzten zwei, drei Jahren haben wir gemerkt, wir können und wollen von allem ein bisschen mehr. Das ist auch der Anspruch an uns selber. Das haben wir mit "Total Mastery" ganz gut hingekriegt.

Definitiv.

Maik: Ich finde auch, dass wir uns in dieser Band seit Anfang an so gechallenged haben. Das kommt auch noch dazu, dass man durch technische und musikalische Challenges auch anfängt, über das hinauszuwachsen, was man aktuell kann. Für mich zum Beispiel war es so, dass auch die neuen Songs, die wir jetzt auf dem Album draufhaben, am Anfang echt eine Herausforderung waren. Und dass da Songs dabei waren, wo ich anfangs dachte: Oh Gott, ok. Wie soll ich die denn live spielen? Oder wie soll das überhaupt funktionieren? Und das ist auch so eine Sache, die bei MESSTICATOR echt Spaß macht. Da gab es in den letzten Jahren nicht einmal dieses Thema, dass wir etwas nicht machen können, weil ich es nicht spielen kann. Bei niemandem von uns. Da hat man schon irgendwie Bock auf die Herausforderung. Das hört man bei "Total Mastery" auch deutlich. Wenn du die beiden Alben miteinander vergleichst, finde ich auch, dass "Forthcoming Revelation" sich gar nicht verstecken braucht. Das ist immer noch ein Top-Album. Wie Marvin schon sagte, ich spiele die Songs weiterhin gerne. Und ja, wir haben einen kleinen Reifeprozess hinter uns.

Ich habe großen Spaß mit der Platte, daher auch hier zusätzlich zur Review nochmal Glückwunsch von mir zum Album! Es haut einfach ordentlich rein.

Maik: Super cool, vielen Dank!

Ihr habt dann ja zu 'Bloodsport' ein Video veröffentlicht. Wie viele blaue Flecken gab es denn hinterher? Das sah ja gefährlich aus.

Marvin: Es gab zwei geprellte Rippen und einen dreifachen Bandscheibenvorfall (allgemeine Belustigung in der Runde).

Maik: Was du dann im Video siehst, ist tatsächlich nicht in Slo-Mo aufgenommen und dann schnell abgespielt. Aber die Leute hatten echt Bock. Das hat man gemerkt. Wenn du dir das Video anguckst, gibt es im Hintergrund diese beiden Holzwände, wo diese ganzen Messer und so weiter hängen. Wir haben vor jedem Take immer wieder gesagt: "Bitte passt auf, dass ihr da nicht drankommt. Wenn die runterfallen, das ist echt gefährlich."

Ach, das war echt? Das ist nicht aufgedruckt?

Maik: Nein, nein! Wir haben tatsächlich alle unsere Videos – und dann auch das – selber ausgestattet und haben dann im Freundes- und Bekanntenkreis alle möglichen Utensilien zusammengesammelt - im Schuppen und sonst wo – die wir so brauchten und haben das selber gebaut, selber eingerichtet. In dem ganzen Gewirr und dann das Strobolicht dazu, da konnten sich die Leute teilweise auch nicht so wirklich koordinieren und sind dann regelmäßig dagegen gestoßen und die Sachen sind abgefallen. Es ist zum Glück keiner ernsthaft verletzt worden. Aber ja, das ging schon ordentlich ab.

Bei ein paar Szenen habe ich schon gedacht, gleich holen sie die Baseballschläger raus. Das sah schon gefährlich aus.

Maik: Auf jeden Fall (schmunzelt).

Aber ich habe tatsächlich gedacht, dass das ein Druck gewesen ist. Das sah so ein bisschen aus wie "Surgical Steel" von CARCASS.

Maik: Nee, das sind Holzwände, die wir höchstpersönlich weiß gestrichen oder gerollt haben und dann die ganzen Utensilien drangenagelt haben.

Nehmt ihr die mit auf Tour oder bleiben die lieber zuhause?

Maik: Ich glaub, die Erfahrung zeigt, dass wir sie lieber zuhause lassen sollten.

Was mich dann allerdings am meisten überrascht hat: Obwohl ich 'Leathermilf' vom Debütalbum kannte und dann 'Cougar Claws' vom neuen Album gehört habe, habe ich mir nur gedacht: Was ist denn da passiert? Maik, du hattest da schon mal gesagt, dass das ein Spaß ist. Aber als ich den Song immer wieder gehört habe, habe ich überlegt: Ist das eine Variante bzw. eine Richtung, in die ihr euch weiterentwickeln könntet?

(Maik grinst während der gesamten Frage, Marvin schüttelt sofort mit dem Kopf.)

Maik: Ich würde da gleich an Marvin abgeben, aber es ist tatsächlich so, dass beide Songs, also 'Leathermilf' und 'Cougar Claws (Return Of The Leathermilf)' eigentlich Jams gewesen sind. Wir haben halt irgendwie im Proberaum herumgealbert und haben uns warm gejamt. Und haben dann selber festgestellt: Krass, die Riffs sind so catchy. Erst hatten wir gedacht, so einen Hidden Track zu machen, jetzt sind es quasi Bonustracks geworden, wenn man so will. Zusätzlich sind es dann auch noch Kulttracks geworden. Hat irgendwie funktioniert, witzigerweise wird das auch oft in den Reviews hervorgehoben. Es gibt echte Fans von der "Leathermilf"-Trilogie, die es noch nicht ist.

Uh, Spoiler!

Marvin: So ein Spoiler, ja (grinst)! Musikalisch bleiben wir uns da treu mit Thrash, Death, ein bisschen Black, da haben wir Bock drauf. 'Leathermilf' und 'Cougar Claws' sind so ein bisschen "outside the box" gedacht. Ich selber höre gerne Heavy Metal und bin riesiger JUDAS PRIEST-Fan. Und wie Maik schon sagte, 'Leathermilf' ist durch einen Jam entstanden, durch Ideen, die ich mal auf Lager hatte. Dann haben wir den Song fertiggeschrieben und dachten: "Ist cool und so, das ist ein guter Song." Der ist jetzt nicht so 100% MESSTICATOR, aber wenn wir wollen, können wir auch sowas machen. Dann war eigentlich klar, dass wir auf der neuen Platte eine Fortsetzung rausbringen wollen. Einfach so als Joke oder so. Wie viele Death-Metal-Bands gibt’s denn, die auch gute Heavy-Metal-Songs schreiben? Nicht so viele. Uns macht das Spaß, sowas ab und zu einzubauen. Einfach mal zu jammen im Proberaum. Das war so ein bisschen das Ziel.

Wobei das ja schon das Konzept ein bisschen gesprengt hat. Davor totale Unterwerfung, Tod und Teufel. Und dann kommt plötzlich die Leathermilf um die Ecke.

Marvin: Ja, die Leathermilf unterwirft sich ja auch. Zum Gesamtkonzept passt das ja schon (lacht).

Gehen wir noch mal zurück zum letzten Jahr. Da seid ihr mit DESERTED FEAR unterwegs gewesen, für die "Veins Of Fire"-Releasetour. Wie ist denn da der Kontakt zu der Band entstanden?

Maik: Das kam durch unsere Bookingagentur, die das vorgeschlagen hat. Wir hatten ja damals in Chemnitz auch mit DESERTED FEAR zusammengespielt. Die waren ja Headliner an dem Tag. Da haben wir schon gemerkt, dass das ganz gut passt. Da haben wir uns gut verstanden. Da wir bei derselben Bookingagentur sind, kam da auch die Idee zustande, mit KVAEN und auch DESERTED FEAR eine gemeinsame Tour zu spielen. Da gab es dann irgendwann mal die Frage, ob wir Lust darauf haben und ob wir uns das vorstellen können. Das haben wir natürlich sofort gemacht. Das war keine wirklich große Überlegung und nicht wirklich eine Frage, ob wir das machen sollten oder wollen. Dann hatten wir echt eine super Tour, sehr viel Spaß und haben die Jungs noch besser kennengelernt. Wir haben ja auch letztes Jahr nochmal zwei Shows mit ihnen gespielt. Oder auch die KVAEN-Jungs, die Schweden, mit denen haben wir uns Bombe verstanden. Da ist auch eine richtig coole Connection entstanden.

Ihr seid ja jetzt schon gut herumgekommen. Ihr habt ja auch schon ein paar Shows in Dänemark gespielt. Das leitet jetzt direkt zur nächsten Frage weiter: Wie sind da jetzt eure nächsten Pläne in der Richtung? Maik, du hast es vorweggenommen, du bist bei einer Bookingagentur tätig: Wie geht sich das aus? Würdet ihr sagen, das MESSTICATOR mehr als ein Hobby für euch ist?

Maik: Ich bin nebenberuflich bei der Bookingagentur als Freelancer beschäftigt. Ich sag mal so: Wenn du eine Band aufziehen willst und Ambitionen hast, dann ist das ab einem gewissen Punkt sehr viel mehr als nur ein Hobby. Als wir uns gegründet haben, hatten wir irgendwann einen Punkt gehabt, wo wir gesagt haben: Wir wollen versuchen, das Erreichbare zu erreichen. Wir haben jetzt im Laufe der Jahre wirklich viele Sachen erreicht, die wir erreichen wollten. Und jetzt ist die Chance und das Potenzial da, noch mehr zu erreichen. Noch mehr zu spielen, uns noch einen größeren Namen zu erspielen. Und uns zu gestalten in dieser Szene. Genau das wollen wir gerne machen. Wir sind da jetzt nicht diejenigen, die alles andere unterordnen. Aber MESSTICATOR ist uns so wichtig und ist halt so ernst, dass es sehr viel mehr ist als ein Hobby. Und wo wir da jetzt auch richtig Arbeit investieren. Es ist auch mehr als ein ambitioniertes Hobby, finde ich. Es ist fast so, als hätten wir eine Marke gegründet und würden diese Marke aufziehen. Und verbreiten, sozusagen. So würde ich das beschreiben.

Also kann ich da bald mit der ersten Headlinertour von euch rechnen.

(Heiterkeit bei Maik und Marvin)

Maik: Du, wir sind da erstmal für alles offen. Es gibt auf jeden Fall weitreichende Pläne für dieses Jahr. Da gibt es ein paar Sachen, die noch nicht spruchreif sind und über die wir vor allem noch nicht sprechen können. Fakt ist, man wird uns dieses Jahr auf jeden Fall häufiger live sehen. Ob das auf Festivals ist oder bei Clubshows. Vielleicht gibt es eine Tour, wer weiß. Da passiert auf jeden Fall was. Und wir werden den Wind unter den Flügeln von "Total Mastery" nutzen, um da noch mehr draus zu machen. Das ist tatsächlich etwas, worüber man ehrlich sein darf. Die Arbeit mit Testimony Records und was das alles mit sich bringt, hilft uns natürlich enorm, den Name MESSTICATOR weiter auszubauen. Und uns als Band halt, ne?

Ich hatte bislang auch nur gute Reviews zu der Platte gesehen. Von daher: Ich fand sie ja auch gut.

Maik: Wie soll es denn zu der Platte auch schlechte Reviews geben? Nein, Spaß! Aber da freuen wir uns total drüber. Das ist nach den Jahren, wo Marvin und ich schon so lange in dieser Metal-Szene unterwegs sind und du hast natürlich bei jedem Festival, bei jeden großen Konzert etc. immer den Traum... Ich möchte auch mal auf der großen Bühne stehen, ich will auch mal, dass Sachen von uns im Metal Hammer zu sehen sind. Und da jetzt Reviews zur eigenen Scheibe zu lesen, die so positiv sind, das ist wirklich schön. Finde ich total geil.

Also ihr lest da auch die Reviews? Es gibt ja einige Bands, die interessieren sich nicht für die Reviews, die glauben an das Album an sich und ob es den Fans gefällt.

Maik: Mich interessiert's. Und natürlich ist das immer Geschmackssache. Wenn Leute ein Review schreiben, ist es ja auch nicht immer gesagt, dass die krasse Death-Metal-Fans sind. Das ist ja auch so eine Geschichte. Du kannst die Platte zehn Leuten zeigen und jeder hört irgendwas anderes raus. Jeder findet sie unterschiedlich gut. Dem einen gefällt sie gar nicht. Aber ich finde, so ein Review ist für dich als Schaffender und Musiker auch irgendwo ein Abgleich, wie kommt die Platte draußen an. Dass wir die Songs gut finden, die wir auf diese Platte gebracht haben, das versteht sich ja von selbst. Sonst hätten wir sie nicht rausgebracht. Am Ende des Tages ist es auch wichtig, in zweiter Linie: Wie finden die Leute die Platte? Wie findet die Fachpresse die Platte? Wie finden Veranstalter die Platte und so weiter. Darum finde ich es wichtig, sich auch damit zu beschäftigen. Auch wenn es ein Review gäbe, das nicht so gut ist. Da ist dann die Frage, warum hat es demjenigen nicht gefallen?

Das sind jetzt fast gute Schlussworte, hätte ich gesagt. Daher habe ich nur noch eine Frage an euch: Berühmte letzte Worte an die Leser von POWERMETAL.de?

Maik: Marv, ich übergebe da jetzt gleich an dich, aber von meiner Seite aus: Zieht euch "Total Mastery" rein, zeigt es euren Freunden, kauft euch die Scheibe. Wir haben die Scheibe als Vinyl in zwei Versionen, als CD, auf Tape. Die gibt es auf allen Streamingdiensten, die ihr kennt und euch vorstellen könnt. Packt die in jede Playlist, die ihr so habt. Obey your master and see you in the pit!

Marvin: Kommt zu unseren Shows, wir sind live noch viel netter als so im Stream. Und was Maik gesagt hat: Obey your master and see you in the pit! Ab geht’s!

 

Photocredit: Franz Schepers

Redakteur:
Kevin Hunger

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