LUNA KILLS: Interview mit Sängerin Lotta

15.04.2026 | 09:17

"Ich glaube nicht, dass wir eine Band sind, die auf Nummer sicher geht."

Im Winter war LUNA KILLS als Support von BLOODRED HOURGLASS auf Tour in Europa. Ich habe mich mit Sängerin Lotta Ruutainen in Hamburg zusammengesetzt und mit ihr über den Unterschied von finnischem und deutschem Publikum geredet, sowie den Zuspruch nach dem Debütalbum "Deathmatch" vor einem Jahr. LUNA KILLS spielt diesen Sommer auf mehreren Festivals, bevor es im Herbst auf große Tour mit FUTURE PALACE und AS EVERYTHING UNFOLDS geht.


Hallo Lotta, wie geht's dir? Wie läuft die Tour bisher?

Mir geht's gut und die Tour läuft super, danke.

Was können die Leute von einem LUNA KILLS-Konzert erwarten?

Nun, jede Menge Energie, würde ich sagen. Wir sind auf der Bühne richtig energiegeladen. Es gibt großartige Musik und eine großartige Show.

Als ich mir den Tourplan angesehen habe, habe ich gesehen, dass ihr vor und nach dem Zentraleuropateil viele Konzerte in Finnland habt, eurem Heimatland. Wie unterscheiden sich die Konzerte in Finnland von denen in Mitteleuropa?

Nun, das kommt auf das Land und die Stadt an, würde ich sagen. Aber die Leute sind im Ausland energiegeladener als in Finnland. In Finnland sind die Leute viel zurückhaltender, finde ich. Und sie müssen viel mehr trinken, bevor sie richtig in Stimmung kommen. Ich würde sagen, die Leute sind im Ausland energiegeladener, aber ansonsten ist alles gleich.

Ich habe zwei Jahre in Norwegen gelebt. Und wenn ich auf Konzerte ging, gab es Sicherheitspersonal, das darauf achtete, dass niemand in den Moshpit ging oder so.

Ja, genau.

Das ist hier anders.

Ja, das stimmt. Und es kommt darauf an, mit wem man spielt. Wenn wir zum Beispiel mit Bands spielen, die normalerweise keine Moshpits haben, sind die Leute überall vielleicht auch etwas zurückhaltender. Aber es hängt auch vom Publikum ab. Man weiß nie, was einen erwartet.

Können wir denn aber Moshpits bei einem LUNA KILLS-Konzert erwarten?

Ja, definitiv. Das hoffe ich. Wir versuchen immer, sie zumindest anzuregen.

Euer erstes Album "Deathmatch" ist im April 2025 erschienen. Wie waren die Reaktionen?

Sie waren überwältigend! Wir hatten wirklich nicht viel erwartet, schließlich ist es unser Debütalbum. Aber wir waren wirklich froh zu sehen, dass es den Leuten so gut gefallen hat. Und es freut mich sehr zu hören, dass die Leute es als frischen Ansatz für härtere Musik, auch in der Metalcore-Szene, empfinden. Also ja, wir waren wirklich begeistert, dass es so gut ankam.

Das Album erschien nach sechs Jahren Bandgeschichte. Warum hat es so lange gedauert?

Nun ja, wir haben Singles veröffentlicht und so weiter, aber wir haben nach den perfekten Partnern für die Zusammenarbeit gesucht, also nach Labels, Management, Booking und so weiter. Und wir hatten ein bisschen Schwierigkeiten, unseren Stil zu finden. Wir haben vor dem Debütalbum schon viel Musik veröffentlicht, aber wir haben versucht, uns als Musiker zu finden. Wir entwickeln uns auch weiterhin ständig weiter, aber ich glaube, diese Richtung fühlt sich langsam nach uns an. Daher war es der perfekte Zeitpunkt für die Veröffentlichung des Albums.

Wie würdet ihr eure Musik jemandem beschreiben, der euch noch nicht gehört hat?

Ich habe oft gehört, dass wir wie NO DOUBT klingen würden, nur mit mehr Metal. So wie Gwen Stefani auf Metal. Ich würde eher sagen, wir sind Alternative Metal. Wir haben eingängige Refrains und Ohrwürmer und so weiter. Und dann gibt es die härteren Riffs und Breakdowns. Wir haben richtig viel Groove. Wir wurden stark von Blues, Soul und Jazz beeinflusst. Das hört man auch ein bisschen in unserer Musik.

Als ich das Album zur Veröffentlichung rezensiert habe, war ich total überrascht, wie viele Elemente ihr aus so ziemlich allem aufnehmt. Wie funktioniert der kreative Prozess bei so einem komplexen Projekt, wo ihr doch so vieles einfließen lasst?

Nun, für uns ist das immer wieder witzig, weil es für uns ganz natürlich ist, diese Art von Musik zu machen. Wir hören zum Beispiel viel Soundtrack-Musik, Videospielmusik und so weiter. Diese verschiedenen Einflüsse sind uns also quasi in die Wiege gelegt worden. Und wenn wir schreiben, machen wir einfach Musik, die uns persönlich gefällt oder die wir gerne hören würden. Für uns ist das ein ganz unkomplizierter Prozess. Wir fangen einfach an, vielleicht mit einem Refrain oder einem guten Riff. Und dann fügen wir nach und nach Dinge hinzu, die unserer Meinung nach zum Stück passen. Und ja, nach einer Weile wird daraus dann ein LUNA KILLS-Song. Aber für uns ist es wirklich unkompliziert. Wir integrieren einfach viele verschiedene Elemente.

Apropos Soundtracks und Spiele: Was sind eure Lieblings-Soundtracks oder Spiele-Soundtracks?

Im Moment höre ich selbst den Soundtrack zum "Silent Hill 2"-Remake. Den haben wir bisher noch nicht in unsere Musik integriert. Aber der gehört definitiv dazu. Und "Cyberpunk 2077" ist einer meiner absoluten Favoriten. Und natürlich liebe ich zum Beispiel die Musik von Hans Zimmer. Er hat eine großartige Diskografie mit verschiedenen Filmen und so weiter. Das macht mir wirklich viel Spaß.

Spielst du die Spiele auch?

Auf jeden Fall. Ich höre mir normalerweise die Soundtracks der Spiele an, die ich spiele. Also, du weißt schon, "Fallout", "Cyberpunk" und so was.

Was ist denn dein Lieblingsspiel im Moment?

Ich würde sagen, die "Silent Hill 2"-Remake-Version. Vor der Tour habe ich "Silent Hill f", das neue "Silent Hill"-Spiel, durchgespielt und es hat mir auch gefallen. Aber ja, das "Silent Hill 2"-Remake ist aktuell mein absoluter Favorit.

Und dein Lieblingsspiel aller Zeiten?

Mein Lieblingsspiel aller Zeiten? Ganz klar "The Last Of Us Part II".

Sehr gute Wahl. Ich bin mir nicht sicher, ob mir der zweite oder der erste Teil besser gefällt.

Ich fand den zweiten Teil großartig, weil die Geschichte viel herzzerreißender war. Man durchlebt eine richtige Reise. Und ich liebe es, wenn ein Kunstwerk das schafft. Ich weiß, dass es aus verschiedenen Gründen nicht gut ankam. Aber ich mochte besonders, dass das Spiel unsere menschliche Seite zum Vorschein bringt.

Ich brauchte etwas Zeit, um mich daran zu gewöhnen. "Jetzt spiele ich Abby. Im Grunde bin ich jetzt die Bösewichtin. Warum bin ich jetzt die Bösewichtin?"

Aber ich persönlich liebe die Figur Abby.

Absolut.

Es war anfangs schwierig, mit ihr zu spielen, wegen der Spielhandlung. Aber nachdem man das Spiel durchgespielt hat, mochte ich den Charakter wirklich sehr.

Apropos Bösewichte, die Finnen…

(lacht) Ja?

Nein, nur Spaß! Aber ja, Finnland hat ja die meisten Metal-Bands pro Kopf weltweit. Trotzdem denkt man bei Finnland nicht sofort an Metalcore. Man denkt eher an Death Metal, Black Metal, APOCALYPTICA, LORDI...

Ja.

...aber nicht an Metalcore.

Das stimmt. Nun, ich denke, Finnland ist vor allem für seine traditionellen Heavy-Metal-Bands bekannt. Es gibt zwar auch eine Metalcore-Szene und eine Alternative-Metal-Szene, aber die ist im Vergleich zur traditionellen Heavy-Metal-Szene relativ klein. Ich glaube, es gab eine Zeit, in der kaum neue Bands gegründet wurden, weil es schwierig war, Auftritte zu bekommen. Und ich denke, als YouTube populär wurde, haben die Leute keine Bands mehr gegründet. Sie wollten YouTuber werden, so wie die jüngere Generation. Aber jetzt hat sich das geändert, und ich denke, die Metalcore-Szene ist definitiv im Aufwind.

Was hat dich persönlich am Metalcore fasziniert?

Für mich ist es die Genre-Verschmelzung. Denn es kann alles sein, was man will. Ich persönlich habe mich nie an der Diskussion beteiligt, ob etwas nun Metal ist oder nicht. Ich mag einfach gute Musik. Und da ich gerne klar singe und auch gerne screame, ist es für mich die Mischung aus beidem. Man kann so viele verschiedene Emotionen ausdrücken, wenn man Musik macht. Das ist für mich definitiv ein wichtiger Punkt.

Da du auch ausgebildete Jazzsängerin bist: Hat das Einfluss darauf gehabt, in welche Richtung sich dein Metal entwickelt, oder war das unabhängig davon?

Es hat sich einfach so entwickelt. Denn für mich ist beim Songwriting und auf der Bühne das Wichtigste, die Emotionen zu vermitteln. Wie ich meine Stimme einsetze, bestimmt, wie die Texte klingen werden und wie das Lied die Dinge ausdrücken soll, über die ich singe. Das hat sich anfangs etwas im Hintergrund entwickelt, aber ich möchte der Geschichte mit meiner Stimme das geben, was ich erzählen möchte.

Apropos Themen in deinen Liedern: Wenn ich mich nicht irre, schreibst du alle Texte selbst?

Ja.

Und einige davon behandeln auch Themen wie Depressionen und psychische Gesundheit. Wie hilft dir die Musik dabei?

Musik und insbesondere das Schreiben waren in meiner Jugend sehr wichtig für mich. Ich konnte so meine Gefühle verarbeiten und die Dinge, die ich durchgemacht habe, besser verstehen. Das hat mir enorm geholfen, mich selbst und meine Gefühle zu begreifen. Ich habe manches dadurch auch aus der Perspektive einer Außenstehenden erleben können. Musik ist also ein sehr wichtiger Teil meiner Auseinandersetzung mit meiner psychischen Gesundheit. Und ich denke, jede Art von Kunst kann ein gutes Ventil sein, um Gefühle auszudrücken und sie zu verarbeiten.

Was können wir denn in Zukunft von dir und LUNA KILLS erwarten? Was hält 2026 für euch parat?

Nun, wir touren 2026. Wir spielen auf einigen Festivals in Europa. Und wir schreiben natürlich auch neue Musik. Wir arbeiten gerade daran. Wir hoffen also, dass wir vielleicht ein oder zwei Singles veröffentlichen können.

Also müssen wir nicht wieder sechs Jahre warten?

(lacht) Nein, nein. Diesmal geht es schneller.

Und ich habe gesehen, dass ihr schon für Wacken und Summer Breeze bestätigt seid.

Ja.

POWERMETAL.de ist immer mit einem großen Team beim Summer Breeze vor Ort. Wir werden euch also definitiv wiedersehen.

Ja, sicherlich. Ich freue mich schon darauf.

Wir uns auch. Und wir sind gespannt, was die Zukunft für euch bereit hält!
Lotta, vielen Dank dir für das Interview.

Danke, dir auch.

Ich freue mich auf eure Show gleich und über euer tolles Album. Es hat mir wirklich gut gefallen.

Oh, vielen Dank. Danke für die Einladung. Schön, dass es dir gefallen hat.

Ich war überrascht, wie viele verschiedene Einflüsse da mitschwingen. Das ist wirklich interessant, vor allem für ein Debütalbum. Normalerweise gehen Bands ja eher auf Nummer sicher.

Ja, ich glaube nicht, dass wir eine Band sind, die auf Nummer sicher geht.

 

Alle Fotos wurden von mir im Rahmen von LUNA KILLS' Auftritt im Bahnhof Pauli in Hamburg gemacht.

Redakteur:
Chris Schantzen

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