ZU - Ferrum Sidereum
Mehr über ZU
- Genre:
- Progressive Metal / Jazz
- ∅-Note:
- 8.00
- Label:
- House Of Mythology
- Release:
- 09.01.2026
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- Ferrum Sidereum
Kontrolliertes Chaos im metallischen Jazz-Universum!
Wie kann man einen wirklich beschissenen Tag mit reichlich Chaos noch anstrengender gestalten? Vielleicht indem man sich mit jazzigem Instrumental-Prog beschäftigt und dabei eine der meist unterschätzten Kapellen des europäischen Undergrounds in die Playlist setzt - denn schlimmer kann es ja ohnehin nicht mehr werden. Also darf die neue Platte von ZU mich auf knapp fünf Stunden Bahnfahrt gleich mehrfach begleiten, mich davor schützen, ob des einmal mehr indiskutablen Verhaltens mancher Fahrgäste völlig durchzudrehen, da man ansonsten wahrscheinlich die Konzentration verlieren würde - und eben auch die Nerven.
Denn "Ferrum Sidereum" mag über weite Strecken sehr anspruchsvoll und immer wieder auch mal sehr verspielt sein, doch das aufgeregte Spiel mit den teils beklemmenden, teils geradezu klaustrophobischen Stimmungsbildern sorgt immer wieder dafür, dass man im Wust der lebendigen Arrangements nicht den Faden verliert und durchgehend am Ball bleibt. Und das ist bei diesem römischen Trio eigentlich deshalb schon nicht selbstverständlich, da die Wahl der Komponenten von klassisch aufgebautem Prog bis hin zu avantgardistischem Metal reicht und man in der Theorie vermutlich eine ganze Weile benötigen würde, um "Ferrum Sidereum" wirklich zu entschlüsseln. Doch obschon die Songs relativ lang sind und mit unterschiedlichen Fragmenten gefüllt werden, sind die Kontraste genauso wenig abschreckend wie die manchmal recht bizarre Darbietung. Wenn beispielsweise einige lärmige Bläser simuliert werden, um der bedrohlichen Atmosphäre noch einmal besonders Nachdruck zu verleihen, kann man das schon als widerspenstig und befremdlich empfinden - im Werk von ZU macht es aber jederzeit Sinn. Und auch wenn die Grooves teilweise auf gleichbleibenden Ansätzen beruhen und die Italiener hier zumindest eine klar durchschaubare Grundrezeptur entwickeln, kommt in den knapp 80 Minuten, die das neue Album andauert, keine Form von Gleichförmigkeit auf, noch wiederholt sich die Band in irgendeiner Weise. Es sind lediglich leichte Variationen von der basischen Marschrichtung, immer wieder neu auf die Spitze getrieben, manchmal auch erheblich defragmentiert, aber dennoch Garanten für Homogenität, Wiedererkennbarkeit und vor allem Nervenkitzel.
Nun ist das beschriebene Szenario in den öffentlichen Verkehrsmitteln und das damit verbundene Chaos vielleicht nicht die passende Umgebung für eine Platte wie diese. Doch aus der heutigen Erfahrung schließe ich, dass "Ferrum Sidereum" mitunter sogar etwas Beruhigendes hat - denn wenn draußen Hysterie, Anspannung und Nervenaufreibendes warten, ist man unter den Kopfhörern bestens unterhalten, weil das Chaos hier keine realen Formen annimmt, sondern wunderbar kontrolliert wird. Ich danke den drei Musikern daher auch für diese Erfahrung, denn sie haben nicht nur den heutigen tag gerettet, sondern werden mir sicher auch in Zukunft noch so manche aufregende Stunde bescheren!
- Note:
- 8.00
- Redakteur:
- Björn Backes


