U2 - Easter Lily (EP)
Mehr über U2
- Genre:
- Rock
- ∅-Note:
- 9.00
- Label:
- Island Records
- Release:
- 03.04.2026
- Song For Hal
- In A Life
- Scars
- Resurrection Song
- Easter Parade
- Coexist (I Will Bless The Lord At All Times?)
Die zweite EP in sechs Wochen und der zweite Volltreffer.
Nanu, was ist denn plötzlich in die irische Rock-Legende U2 gefahren? Erst verschwindet die Band in Bezug auf frisches Studiomaterial für Jahre in der Versenkung und vertröstet uns auf "Songs Of Surrender" mit Remakes des eigenen Backkatalogs, und nun bekommen wir innerhalb von sechs Wochen gleich zwei neue EPs serviert. War "Days Of Ash" dabei vor gut eineinhalb Monaten sehr politisch geprägt, geht es beim neuen Output auf "Easter Lily" mehr um persönliche und spirituelle Themen. Sechs Songs umfasst die Kurzrille dabei, die erneut leider wieder nur digital erhältlich ist.
Los geht es dabei durchaus überraschend, denn das Tribut an Musikproduzent Hal Wilner namens 'Song For Hal' wird nicht etwa wie gewohnt von Bono gesungen, sondern Gitarrist The Edge übernimmt hier primär den Gesang. Zugegeben, da die beiden ein ziemliches ähnliches Timbre haben, braucht man eine Sekunde, um diese Tatsache überhaupt zu realisieren. Die wirklich positive Überraschung ist aber die generelle musikalisch Ausrichtung, die mit den wie gewohnt in Delay-Effekten ertränkten Gitarren und einer tollen Gesangsmelodie problemlos auf "How To Dismantle An Atomic Bomb" gepasst hätte. Ein wirklich starker Einstand, der Fans der Iren definitv erfreuen wird. In der gleichen U2-Ära bleiben wir auch für 'In A Life', denn der sehr emotionale und unheimlich prägnante Song über Freundschaft hätte einer der stärksten Songs auf "No Line On The Horizon" sein können, wobei gerade hinten heraus sogar ein wenig die hymnische Klasse von Hits der späten Achtziger durchschimmert und für eine Gänsehaut sorgt.
Den Hit der Platte haben wir damit aber noch nicht gehört, denn diesen Titel sichert sich ganz klar 'Scars' an dritter Stelle der Trackliste. Nicht nur ist der Track lyrisch mit seiner Aufarbeitung von Selbstakzeptanz unheimlich bewegend, auch musikalisch gibt es Bezüge zu "War" und "The Joshua Tree", die mich den Track sofort lieben lassen. Hört euch einfach nur mal an, was Adam Clayton hier in bester Post-Punk-Manier am Bass aufs Parkett zaubert. Von The Edges tollen Gitarrenbeiträgen haben wir da noch gar nicht gesprochen, wobei auch diese definitiv Erwähnung finden sollten. Für 'Resurrection Song' tauchen wir im Anschluss wieder in die U2-Phase in den frühen Zweitausendern ein, werden für diesen zeitlichen Sprung aber mit einem Track belohnt, bei dem Bono seine ganze Klasse ausspielt und uns eine Hookline serviert, die nicht nur sofort ins Ohr, sondern auch langfristig ins Gedächtnis geht. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben soll dabei Schlagzeuger Larry Mullen, der nach seiner Rücken-OP hier mit einem wunderbar groovigen Drumbeat punktet.
Noch mehr Bass-Geniestreiche gefällig? Dann hat Adam in 'Easter Parade' noch ein paar tolle Bassspuren im Gepäck, wobei der eher introvertierte Track mit seinem Mix aus ruhigen Strophen und hymnischen Refrains in Einflüssen von "The Unforgettable Fire" schwimmt, dabei aber durchaus in Konkurrenz zu den starken Tracks dieses Diskografie-Höhepunktes treten kann. Gänzlich ohne kleinen Ausfall kommen wir aber nicht durch die EP, denn 'Coexist (I Will Bless The Lord At All Times?)' wirkt trotz starker Momente eher wie ein unfertiges Experiment, wenn Bono primär über ausladende Synth-Collagen singt und zumindest bei mir mit seinen Gesangslinien keinen bleibenden Eindruck hinterlassen kann.
Dieser Durchhänger zum Abschluss kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass U2 nach der starken "Days Of Ash"-EP mit "Easter Lily" sogar nochmal eine Schippe draufgelegt hat. Wir hören hier eine Band, die so frisch und packend klingt wie lange nicht mehr, gleichzeitig aber recht selbstbewusst die diversen Phasen der eigenen langen Karriere miteinander vereint und so die Fans definitiv beglücken dürfte. Ich jedenfalls war angesichts eines U2-Releases nicht mehr so begeistert wie jetzt, seit "How To Dismantle An Atomic Bomb" erschienen ist. Jetzt hoffen wir, dass der Vierer die kreative Energie auch für das kommende Album halten kann, an dem U2 trotz dieser beiden Überraschungs-EPs weiterhin arbeitet.
- Note:
- 9.00
- Redakteur:
- Tobias Dahs


