LANTLOS - Nowhere In Between Forever
Mehr über Lantlos
- Genre:
- Alternative / Modern Metal
- ∅-Note:
- 6.50
- Label:
- Prophecy Productions
- Release:
- 03.04.2026
- Daisies
- Cherries
- Oxygen
- Jeanet
- Numb TV Superstar
- Solar Death
- AutoGuard
- Planets
- Ghost
- Clockworks
- Windhunter
Ein weiterer Schritt in Richtung Entfremdung.
Als mir neulich der Name LANTLOS wieder einmal begegnet ist, habe ich unwissend einen Direktflug in die nähere Vergangenheit gewonnen. Zu dieser Zeit habe ich mir sämtliche Spielarten jener Musik reingezogen, die so unnachahmlich auch in den miesesten Momenten einen Energieschub für umsonst parat hielten. Darunter tummelte sich auch LANTLOS mit dem faszinierenden – wenn auch mittlerweile ad acta gelegten – Logo und dem Cover von ".neon", was 'Pulse/Surreal' bereithielt. Ein Schlag ins Kontor. Meine unerfahrenen Ohren lauschten dem jazzig-relaxten Intro, waren begeistert vom samtigen Gesang von Neige (ALCEST) und wurde später völlig von diesem unbeschreiblichen Ausbruch bis aufs nachhaltigste verstört. Ich war nicht bereit. "Melting Sun" sollte später wohlklingend-balsamierende Pflaster bereithalten. Dennoch verblasste die schmelzende Sonne. Der Name LANTLOS blieb. Doch 2026, im Hier und Jetzt, gibt es ein neues Lebenszeichen von Markus "Herbst" Siegenhort, der sich nun Markus Skye nennt. "Nowhere In Between Forever" nennt sich der neueste Streich, dazu ein idyllisches Cover, was eine angenehm-distanzierte und doch warme Wirkung entfaltet. Ich atme durch und drücke auf "Play".
Schlagartig wird mir bewusst: Zeit ist nicht relativ. Sie rast ungebremst davon. Bei LANTLOS ist die Zeit genauso wenig stehen geblieben. Die Veränderung massiv. Black Metal und Shoegaze, das war einmal vor langer Zeit. 'Daisies' steht dabei durchaus stellvertretend für das, was Markus Skye und LANTLOS 2026 auszeichnet. Neige ist schon lange nicht mehr dabei. Aus der Band ist eine Ein-Mann-Armee geworden. Der verträumte und eruptive Stil ist gänzlich verschwunden. Moderne, fette und drückende Gitarren bestimmen oftmals das Soundbild. Es schimmert dabei stets eine durchaus eigene Melancholie durch den Text und die bekannte, gleichwohl auch fremdklingende Stimme. Die Produktion ist turmhoch und breitbeinig und erzeugt ein Gefühl von Vertrautheit, die ich zunächst nicht zuordnen kann. Doch je mehr ich "Nowhere In Between Forever" höre, umso deutlicher gewinnt es an Konturen. Hier kann nur "Accelerated Evolution" der DEVIN TOWNSEND BAND ein Einfluss gewesen sein. Hört nur mal in Songs wie 'Suicide' oder 'Storm' rein und ihr werdet verstehen.
Während ich das Album höre, fange ich irgendwann an, nicht mehr zu folgen, sondern mitzutreiben. Im Strom der Klänge, die mal aufbrausend, mal zurückgezogen daher kommen. Und stetig werde ich aus dem Moment gerissen, da in sich stimmige Songs wie das erwähnte 'Daisies' oder das atmosphärisch dichte und schon fatalistisch-glühende 'Solar Death' gänzlich unterschiedliche Ansätze und Stimmungen verfolgen und haften bleiben. Flankiert werden diese ordentlichen Songs vom recht befremdlich wirkenden Stückwerk, wie das unter dem Einfluss von diversen Substanzen stehende 'Jeanet', dessen dudelige Synthesizer an einen Platineninfarkt glauben lassen. Dieses Wechselspiel durchzieht das gesamte Album. 'Oxygen' hat einen gehörigen Schuss Punk injiziert bekommen, der von elektronischem Gesang konterkariert wird. LANTLOS bewegt sich hier in einem schwer greifbaren Grenzbereich zwischen Indie, Punk, Modern Metal und ist alles und doch nichts davon. Immer, wenn ich Gefallen an Songs wie 'Planets' finde - die stellenweise groß und massiv klingen -, ereignen sich merkwürdige, nicht zu Ende gedachte Klangcollagen wie 'Numb TV Star' oder das bizarr-schöne 'Windhunter' (auch hier wieder diese "Terria"- und "Accelerated Evolution"-Klänge von DEVIN TOWNSEND), welches viel zu abrupt endet und einen unbefriedigenden Eindruck hinterlässt.
"Nowhere In Between Forever" ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen versprüht dieses Album ein ganz eigenes, distanziert-warm melancholisches Gefühl, das immer wieder mit Songs gefüttert wird und durchscheinen lässt, wofür LANTLOS teilweise bis "Melting Sun" einmal stand. Da sei vor allem 'Solar Death' erwähnt, das nach kurzer Gewöhnungszeit eine wahre Stimmungsgranate ist und zeigt, was möglich ist. Nur gibt es dazwischen viel Stückwerk mit seltsam anmutenden Klängen, die eher durch ihre Penetranz auffallen und die behutsam errichtete Atmosphäre zwar nicht mit einem kraftvollen Windstoß davon treiben, aber zumindest so weit irritieren, dass man den Song aus den Augen und Ohren verliert. Dazu ist der Gesang von Markus Skye limitiert und oft mit Elektronik überschüttet, was zur Stimmung meistens gut passt, aber die Songs eben auch künstlich wirken lässt. Das soll jetzt kein "Früher war alles besser"-Lamento sein, aber ich blicke doch gerne ein paar Jahre zurück, wo LANTLOS Emotionen weniger synthetisch verarbeitet hat. "Nowhere In Between Forever" beschreitet den eingeschlagenen Weg des Vorgängers "Wildhund" weiter, der dem geneigten Metal-Hörer womöglich noch weniger zusagt als zuvor schon.
- Note:
- 6.50
- Redakteur:
- Kevin Hunger


