MARTRöD - Draumsýnir Eldsins
Mehr über Martröd
- Genre:
- Progressive Black Metal
- ∅-Note:
- 6.50
- Label:
- Debemur Morti Productions
- Release:
- 12.12.2025
- Sköpunin
- Líkaminn
- Tíminn
- Daudinn
Extrem ambitioniert, extrem sperrig.
Bei isländischem Black Metal und den vielen kleinen und verborgenen Schätze der dortigen Szene geraten Kenner gerne mal ins Schwärmen, hat sich die finstere Bewegung im Land der Geysire in den vergangenen Jahrzehnten doch vor allem mit innovativen Acts, eigenwilligem Songwriting und einigen echten Hochkarätern unter Bands und Alben immer wieder ins Rampenlicht kämpfen können. Eine pauschale Glücksseligkeit ist aber dennoch nicht garantiert, wenn lediglich die Landesflagge das Maß der Dinge sein soll, denn bei allem Tatendrang und dem steten Wunsch, dem Genre neue Impulse zu verpassen, verlaufen sich manche Acts hier und da in größerem Chaos - so zum Beispiel MARTRÖD, eine Newcomer-Combo mit einigen erfahrenen Szene-Musikern, die betont progressiv vorgeht und vor allem mit Stimmungen zu jonglieren versucht, sich in ihrem Innovationsbestreben aber manchmal selber im Wege steht.
Das neue Album muss allerdings grundlegend aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Da sind zum einen die arg verschachtelten, extrem verwobenen Arrangements, die auch mit etwas mehr Ausdauer nur schwer zu verdauen und nachzuvollziehen sind und sich gerade über die lange Distanz, über die MARTRÖD die vier neuen Kompositionen dehnt, oftmals in ihren ambitionierten Ideen verlieren. Zwar gehen die Isländer hin und wieder auch ein bisschen zielstrebiger zu Werke und fokussieren all ihr Handeln in die Umsetzung möglichst böswilliger und auch brutaler Stimmungsbilder, doch immer wieder kommt man dabei auch vom Kurs ab, lässt sich von neuen Gedanken treiben und gestaltet die Songs ergo auch ziemlich sperrig.
Die andere Perspektive betrifft den sphärischen Versatz von "Draumsýnir Eldsins", der wirklich allerhöchsten Respekt verdient. MARTRÖD ergründet tiefste Abgründe und die totale Zerrissenheit, kann dadurch auch gelegentlich das Chaos rechtfertigen und schafft es zumindeest auf dieser Ebene, zunehmend stärker mitzureißen - weil die Konsequenz, mit der die Band vorgeht, absolut bemerkenswert ist.
Nur leider bleibt davon auch nach intensiver Bemühung längst nicht alles hängen. "Draumsýnir Eldins" ist speziell in der ersten Hälfte zu unstrukturiert geraten und verbaut potenziellen Zuhörern zu häufig den Zugang. Das handwerkliche Rüstzeug hat die Band sicherlich am Start, definitiv auch eine Vielzahl von vielversprechenden Ideen, aber bei der finalen Abhandlung ist auf alle Fälle noch Luft nach oben.
- Note:
- 6.50
- Redakteur:
- Björn Backes


