IT IT ANITA - Hi Hi Ha Ha
Mehr über It It Anita
- Genre:
- Noise Rock / (Post) Punk
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- Vicious Circle Records/ Bandcamp
- Release:
- 30.01.2026
- Beef Up
- Modern Arcitecture
- Lion Tamer
- Social Dodger
- BIMB
- Cassowary
- Trevor
- Over/ Under
Ein Hoch auf alle Anitas!
Habe ich schon mal erwähnt, dass ich die belgische Musikszene beachtlich super finde? So ein verhältnismäßig kleines Land in Europa, und ich würde Stunden brauchen, die nur mir bekannten Bands aller Coloeur aufzuzählen und loben anzupreisen. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich Trios im Gitarrenmusikkosmos wundervoll finde? Meistens. Nur noch getoppt von den Herzoginnen und Herzogen des musikalischen Mutes zur Verdichtung: den Duos. Gitarre oder Bass, Drums, fertig.
Habe ich schon mal erwähnt, wie mitreißend ich den so genannten Noise Rock finde? Der von Trios gespielt wird? Und dann auch noch aus dem Land der Flamen kommt? Oder der Wallonen, wie im Falle der Band IT IT ANITA. Aus Liege. Lüttich. In diesem Falle. Und habe ich erwähnt, wie ich anbeiße, wenn das Cover wie mundgemalt aussieht und der Titel des Albums mit acht ehrlichen Brummsen einfach mal "Hi Hi Ha Ha" heisst? Gewonnen, Freunde der Reduktion. Ihr habt mich.
Dass ab und zu Bands dieser Art an die Oberfläche meiner Wahrnehmung streunen, ist ein Glücksfall, denn diese kennen kaum Promotion oder Hinterbühnencaterings oder Interviewanfragen. Die wollen nur spielen. Und das macht sie so sympathisch. Und die Stimmung im direkten Angesicht ist kaum zu beschreiben, weil intensiv, verdichtet, ungekünstelt und unaufgebauscht, ziemlich direkt. Zumeist in Kopfhöhe, da nur wenige von ihnen große hohe Hinunterbühnen nutzen. Wer mit WHORES, HELP, ULME, METZ etwas anfangen kann, der ist auch bei IT IT ANITA in der richtigen Rikscha. Die Namen schon allein. Kein großes Gekräuse.
Das aktuelle Album der drei Belgier ist das vierte der Bandgeschichte. Diversen Videos ist zu entnehmen, dass das mal ein Quartett war und schrumpfte. Der Sound ist somit auch pressierter und dichter gelungen, ohne aber an Intensität einzubüßen. Ganz das Gegenteil. Mit der Cleverness und dem Selbstbewusstein dieser Vorgänger ausgestattet, schneiden sie sich gute Brocken zusammen, die breitwandig produziert sind und trotzdem kleine kalkulierte Verirrungen und Dissonanzen loslassen und wieder einfangen. So ist der Doppelstimmgesang, der nie zusammen passt, ein Markenzeichen der Herren. Auf den Böller 'Modern Arcitecture' folgt ein beachtlich behutsames 'Lion Tamer', das schlussendlich doch in einem Ausbruch auf der Innenseite endet. Und dabei mal nebenbei ein sehr spannendes Solo mitfrißt. 'Social Dodger' postpunkt groovend und rastlos und punktet damit trotz der unterdrückten Nervosität.
Selbstredend kann sich das sozial demontierte Wesen nicht zusammenreißen und so beißt sich ein punkiges Riff in das Ende der Darbietung. Was mir ausserordentlich gut zusagt, ist der großmäulige Bass, der sich mit der stramm daneben spielenden Freundin von der anderen Seite des Proberaums Duelle liefert. 'BIMB' ist Ausdruck eines sochen gelebten Streites rund um das Unverständis. Alles liegt quer und ist pissed, aber zusammen geht es besser. Die Auskopplung 'Cassowary' ist ein psychotischer Stampfer, der hohe Weihen verdient hat. Das sanft behauchte Querkopfriffing ist einer DER Kontraste des "Hi Hi Ha Ha".
Mit 'Over/ Under' sind wir nach nicht mal einer Dreiviertelstunde „durch“. Das Stück gleicht einem monotonen Abgesangspsalm und ist gleichzeitig ein Augenzucker, der einen wie aus dem Noise-Rock-Schuppen hinausschubst. Willste nicht als Freunde haben.
Doch.
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Mathias Freiesleben


