DEATH DEALER - Reign Of Steel
Mehr über Death Dealer
- Genre:
- Heavy Metal
- ∅-Note:
- 6.00
- Label:
- Massacre Records (Soulfood)
- Release:
- 23.01.2026
- Assemble
- Devil's Triangle
- Riding On The Wings
- Bloodbath
- Raging Wild And Free
- Blast The Highway
- Compelled
- Dragon Of Algorath
- Sleeping Prophet
- Reign Of The Night
Aus allen Metal-Rohren feuernd!
Zuerst muss ich zugeben, dass ich wohl alt werde. Ich habe bei dem Bandnamen an die kanadische Kapelle gedacht und mich gefreut, dass es da wohl etwas Neues gibt, nach zehn Jahren! Dem ist aber nicht so, was mir sofort klar wird, als ich den Opener 'Assemble' höre. Wer knödelt denn da ins Mikro? Ein Blick auf den Promozettel zeigt, es ist Sean Peck. Ah, den kenne ich natürlich, allerdings bin ich kein Fan. Ja, ich weiß, allgemein heißt es immer, er wäre so ein großartiger Sänger, aber für mich klingt er immer gepresst und angestrengt und seine Gesangsmelodien finde ich meistens nicht griffig. Und CAGE finde ich auch nicht überdurchschnittlich gut. Na, das sind ja beste Voraussetzungen.
Also Pause, jetzt muss ich erstmal ein bisschen recherchieren. Oh, das ist bereits das vierte Album und bei uns ist die Band ja echt gut weggekommen. Tatsächlich klingt "Reign Of Steel" wie eine konsequente Fortsetzung des Vorgängers "Conquered Lands", wie mir eine Review-Pause von einer Dreiviertelstunde mit dem 2020er Album beweist. Die Zutaten sind die gleichen, nämlich eine metallische Soundwand, die uns die Könner Ross The Boss und Stu Marshall an den Gitarren in einem echten Rifffeuerwerk um die Ohren ballern, während der mit einem unvorteilhaften Namen ausgestattete Schlagzeuger Steve Bolognese, bei dessen Erwähnung ich aus unerfindlichen Gründen immer Appetit verspüre, und der metallische Tausendsassa Mike LePond in seiner drölfzigsten Band ein über jeden Zweifel erhabenes Fundament legen.
So gesehen alles im Lot. Zumindest bis Sean Peck richtig loslegt. Ein spannendes Intro, dann wird wild losgerifft und im Galopp aus der Box gestartet, der Gesang beginnt mit einer großartigen Sirene und wird dann - eben Peck. Ich weiß wirklich nicht genau, was mich stört. Dass der Mikromann mir immer ganz knapp neben der erlösenden Harmonie zu liegen scheint? Das fällt mir später in den Versen von 'Riding On The Wings' ebenfalls auf. In der Single 'Blast The Highway' misfällt es mir tatsächlich, wenn er "highway" intoniert, und in 'Dragon Of Algorath' stört neben dem Gitarrensound im Solo genau das mein Hörvergnügen. Da Viele ihn für einen tollen Sänger halten, liegt das wohl an mir, verleidet mir aber den Genuss, vor allem, weil er sehr laut im Mix ist und irgendwie alles andere überschattet.
Im Promotext ist von einem "sonic assault" die Rede und das ist exakt, was ich empfinde. Das Album ist laut, Peck und die Band wirken auf mich, als wollten sie JUDAS PRIEST nicht nur imitieren, sondern in jeder Hinsicht übertreffen und mit den eigenen Waffen schlagen, indem sie einfach von allem doppelt so viel nehmen und alles doppelt so groß sein muss. Sowohl in Sound, Attitüde und Lautstärken, aber leider kann Pecks Stimme nicht mit dem gleichen Charisma aufwarten wie der Metal God und die Kompositionen sind nicht greifbar, zeigen keine Struktur, kein Muster, sie sind vollgestopft und lassen keiner Note auch nur eine Sekunde Zeit zum Atmen. Dabei beweist DEATH DEALER mehrfach, dass man es sehr wohl könnte, nämlich immer, wenn die Band weniger heftig zu Werke geht, weniger "ich beweise dir, wie total metal ich bin"-Passagen spielt. Beispiele dafür gibt es in 'Devil's Triangle', 'Raging Wild And Free', dem im Grunde eher simplen Hardrocker 'Compelled' und zeitweise auch in 'Sleeping Prophet', da wird den Liedern und den Instrumenten auch mal etwas Raum gelassen, zu klingen, anstatt immer mit Vollgas durch die Wand zu brettern.
"Reign Of Steel" ist ein Album, dass das Wort "Metal" in jeder Sekunde, mit jeder Note lebt, Stahl atmet, Feuer speit und mit fünf Könnern - ich möchte nochmal betonen, dass meine fehlende Begeisterung für Pecks Gesang mein individuelles Problem ist und nicht auf objektiven Kriterien beruht - beinahe fünfundvierzig Minuten lang unnachgiebig und ohne Unterlass den Hörsinn belagert und nicht weniger als die bedingingslose Unterwerfung vom Hörer fordert. Damit übertönt man auch so manche kompositiorische Schwäche, wie den höchstens mittelmäßigen Melodic-Metal-Versuch 'Riding On The Wings' und dem schrecklich-hektischen 'Bloodbath'.
So bleibt in meinen Augen ein modern und laut produziertes Album aus überladen klingendem ADHS-Metal, das mich im Laufe des Hören zunehmend ermüdet. Aber immerhin ist das Cover absolut passend und unterstreicht die Attitüde der Band, wenn sich wild umherfeuernde, leicht bekleidete Kriegerinnen in dem apokalyptischen Szenario eines lodernden Schlachtfelds irgendwo in der Schnittmenge aus Battletech und Warhammer 40k heldenhaft und großkalibrig gegen blutrünstige Monster erwehren müssen. Tatsächlich, so klingt die Scheibe auch.
- Note:
- 6.00
- Redakteur:
- Frank Jaeger


