CRYPTIC SHIFT - Overspace & Supertime
Mehr über Cryptic Shift
- Genre:
- Progressive Death Metal / Thrash Metal
- ∅-Note:
- 7.00
- Label:
- Metal Blade
- Release:
- 27.02.2026
- Cryogenically Frozen
- Stratocumulus Evergaol
- Hyperspace Topography
- Hexagonal Eyes (Diverity Trepaphymphasyzm)
- Overspace & Supertime
Auf den Spuren von BLOOD INCANTATION?
Im ersten Moment kam mir der Gedanke, dass die Jungs von CRYPTIC SHIFT womöglich ihren Kollegen von BLOOD INCANTATION nacheifern wollen: Progressive Death-Metal-Arrangements in extremer Überlänge samt einigen Exkursen in völlig abgefahrene Nebenschauplätze. Das klingt nach einem jüngeren Erfolgsrezept, aber natürlich auch nach ziemlich freakigem Nerd-Stoff, der auch nur dann entsprechend zünden kann, wenn die Urheber ihr Metier in PErfektion umsetzen können.
Letzteres ist auf "Overspace & Supertime" allerdings nur in vereinzelten Passagen gegeben, soll heißen die Truppe aus dem britischen Leeds schafft es leider nicht, die Spannungskurven mit derart steilen Verläufen zu versehen, dass man in den ausschließlich überlangen Tracks immerzu allen Gedankengängen folgen kann. Zwar wird das 30-minütige 'Stratocumulus Evergaol' noch einmal in mehrere Sinneinheiten unterteilt, ebenso das abschließende, 21-minütige Titelstück, doch gerade hier fragt man sich dann, warum die Band nicht einfach konsequent ist und die einzelnen Kapitel auch zu individuellen Songs macht.
Denn nur, um eine bestimmte Spieldauer zu erreichen, muss man sicher nicht krampfhaft völlig unterschiedliche Ideen zusammenfügen, wenn sie in der gegebenen Konstellation nicht mehr viel Gemeinsames haben. Genau hier hakt es auf "Oberspace & Supertime" leider immer wieder, denn die vielen guten Teilfragmente innerhalb der jeweiligen Kompositionen funktionieren nur auf Raten ganz gut. Versucht man jedoch, das Ideenkarussell so weit zu drehen, dass man alle Teilfragmente mitnehmen kann, wird einem schnell schwindelig, weil man die Kontraste nicht mehr packen kann.
Grundvoraussetzung, in die Welt von CRYPTIC SHIFT einzudringen, ist daher, sich von der Vorstellung zu lösen, die einzelnen Longtracks würden einen logischen Aufbau mitbringen und zum Ende hin mit einer nachvollziehbaren Konklusion daherkommen. Man muss sich in erster Linie mit dem frickeligen Handwerk beschäftigen, die vielen tollen Thrash-Leads filtern, hier die grandiosen Augenblicke - und von denen gibt es zahlreiche - auskosten und sich Stück für Stück an das vermeintliche Gesamtkunstwerk herantasten, das CRYPTIC SHIFT hier geschaffen hat. Ob man die Platte schließlich als Letztgenanntes wahrnehmen möchte, hängt davon ab, wie viel lineare Songstrukturen man selbst benötigt, wie viel Abgefahrenes man ertragen kann und wie viel Geduld man mitbringt, um sich hier wirklich intensiv heranzufuchsen. Ich für meinen Teil kann behaupten, dass es sich definitiv lohnt, die vielen kleinen Details von "Overspace & Supertime" zu erforschen und zumindest im Ansatz zu erleben, wie eine Parallelwelt zu einem offenkundigen Jahrhundertwerk wie "Absolute Elsewhere" ausschauen könnte.
Um die Klasse von BLOOD INCANTATION beziehungsweise deren letzten Release zu erreichen, muss bei CRYPTIC SHIFT jedoch noch ein bisschen mehr Logik ins Songwriting kommen, damit man zumindest irgendwann durchschauen kann, was die Musiker hier im Sinn hatten. Womöglich sollte die völlig irrwitzige Technik-Show vielleicht ab und an zugunsten atmosphärischer Interludien eingegrenzt werden. Wenn dies beides gelingt, ist die Zielgruppe sicherlich begeistert - bis dahin wird sie jedoch erst einmal nur mitbekommen, dass diese Briten extrem ambitioniert sind, diese Ambvitionen aber noch nicht alle kompakt unter einen Hut bekommen! Was nicht bedeutet, man solle nicht dringend mal ein Ohr riskieren...
- Note:
- 7.00
- Redakteur:
- Björn Backes


