ALICE IN CHAINS - Facelift
Mehr über Alice In Chains
- Genre:
- Alternative / Grunge
- ∅-Note:
- 10.00
- Label:
- Columbia
- Release:
- 28.08.1990
- We Die Young
- Man In The Box
- Sea Of Sorrow
- Bleed The Freak
- I Can't Remember
- Love, Hate, Love
- It Ain't Like That
- Sunshine
- Put You Down
- Condusion
- I Know Somethin Bout You
- Real Thing
Bleed the freak!
Eigentlich betrat Stendahl den ALICE IN CHAINS-Kosmos erst mit dem zweiten, unvergleichlichen Album "Dirt". Das sollte ikonisch werden und von Anfang an geliebt. Das erste Album "Facelift" kam erst später in den CD-Schacht. Da es an dieser Göttergabe gemessen werden musste, hätte es zunächst keinen leichten Stand haben können.
Doch weit gefehlt: Einige Runden mit dem typisch nöligen Gesang, diesem seltsam verschachteltem Groove, den ein Freund so charakterisierte: "Alter, ich muss einfach Viervierteltakt haben, das hier scheint mir keiner zu sein", und den schrägen Leads sollten auch diese Scheibe sogleich in den wohlverdienten Olymp hieven. Seinerzeit entdeckte meine Wenigkeit NIRVANA, SOUNDGARDEN, STONE TEMPLE PILOTS, FAITH NO MORE und die LEMONHEADS, welche alle in felsigen Gegenden herumstromerten, die Bands wie RUNNING WILD, IRON MAIDEN oder RIOT nun einmal nicht beackerten.
Politischer Trotz, Einsamkeit, die Entfremdung von der Gesellschaft und von sich selbst, psychische Achterbahnfahrten und Halluzinationen unter Drogeneinfluss sind hier Themen, die musikalisch und textlich verarbeitet wurden. Das musste naturgemäß anders tönen als der siebte Sohn des siebten Sohnes, Piratengeschichten von kindlichstem Niveau oder die endlose Auflage von Donnerstahl.
Tatsächlich war das Niveau der genannten Alternative- oder Grungebands seinerzeit unfassbar hoch, der kreative Impetus von enormem Glanz umweht. Das 1990 erschienene Debüt hat nun 35 Jahre auf dem nicht vorhandenen Buckel, kaum zu glauben eigentlich. Staley, Kinney, Starr und Cantrell waren eine superbe Bestzung: Sie spielten diese ungewohnt schiefen Licks tight an das Firmament, ließen dem Innen- einen Außenlooping folgen und zimmerten drumherum eine drückende Basslinie, die aus der Sonne eingeflogen kam, um alles mit Donnerhall aus dunklen Wolkengebirgen optimal abzurunden. Der lässige, unendlich coole zweistimmige Gesang wurde ihr Markenzeichen. Die US-Amerikaner mochten die düstere Anfangsphase von BLACK SABBATH, soviel war klar.
Und ob wir nun 'We Die Young', 'Man In The Box', 'Sea Of Sorrow', 'Bleed The Freak' (die Titel waren auch so genial, da kamen so Harmlosigkeiten wie aus einem Weihnachtsvierteiler nach Art von 'Rebel At Heart' nicht mit) nehmen, oder andere Stücke des genialen ersten Albums, man wird dem Sog verfallen, mitgezogen, zäh, unnachgiebig, umflirrt von Soli, erfasst von authentischem Weltschmerz. Tatsächlich verlor ich zu der Zeit auch das Interesse an Metal der "historischen" Art, der ein wenig öden Kommerzialisierung von Metal in der fortwährend gleichen Stillstand-Epik.
Das war unter anderem ALICE IN CHAINS zu verdanken, für mich immer primus inter pares: Ihren Sound mochte ich am liebsten, das Gesäge, die leidende Stimme, die Harmonien. Das ist übrigens noch heute so: Auch die neueren Alben bieten mir mehr als Unterhaltung – sie schaffen ein schmetterlingsfiligranes Lebensgefühl, das berührt, das einen nicht weitergehen lässt.
- Note:
- 10.00
- Redakteur:
- Matthias Ehlert


