ABROGATION - Widerschein
Mehr über Abrogation
- Genre:
- Melodic Death Metal
- ∅-Note:
- 6.50
- Label:
- Massacre Records
- Release:
- 20.03.2026
- Anbeginn
- Puppenspieler
- Kleiner Mann
- Morgenrot
- Der Nimmersatt
- Spieglein, Spieglein
- Nur weil ich es sag'
- Aus Einem hab ich Zwei gemacht
- Gegenwind
- Die letzte Sinfonie
Steigerung nach einer Dekade Wartezeit.
ABROGATION aus Magdeburg darf man mit Fug und Recht als eines der Urgesteine der deutschen Melodic-Death-Szene bezeichnen, denn immerhin treibt das Quintett bereits seit dem Jahr 1995 sein Unwesen. Zuletzt ist es um die Truppe aber überraschend still geworden, denn nach "Urstant" aus dem Jahr 2016 verschwand die Band erst einmal ein wenig von der Bildfläche, zumindest wenn es um die Arbeit im Studio geht. Zehn lange Jahre mussten Fans nun warten, bis mit "Widerschein" endlich das siebte Album der Diskografie in den Startlöchern steht. Ob dabei eine musikalische Steigerung gelungen ist? "Urstant" konnte mich vor gut einer Dekade ja weder gesanglich noch musikalisch restlos überzeugen.
Nun, eine Antwort auf diese Frage verzögert sich erst einmal, denn mit 'Anbeginn' begrüßt uns ein Instrumental, das primär von gesampelten Orchesterinstrumenten getragen wird und als Einleitung einen ganz guten Job macht. Mit 'Puppenspieler' sind dann aber auch die wuchtigen Gitarren mit starker Göteborg-Schlagseite wieder mit im Spiel und der gewohnte Sound des Fünfers umspült die Ohren mit ordentlich Wucht. Große Begeisterung stellt sich bei mir allerdings nicht direkt ein, denn all meine Kritikpunkte vom Vorgänger finden sich sofort auch im Opener des neuen Albums wieder. Besonders sticht hier für mich Fronter Benny heraus, dessen gesanglicher Vortrag und das gerollte "R" in den deutschen Texten doch etwas zu sehr an Till Lindemann und RAMMSTEIN denken lassen. Erschwerend kommt hinzu, dass er weniger growlt, sondern wir es hier eher mit knurrendem Sprechgesang zu tun bekommen, der für mich so überhaupt nicht zum melodischen Todesstahl-Grundgerüst passen will, das die Instrumentalfraktion abfeuert. Schlussendlich ist der Gesang so präsent im Klangbild untergebracht, dass er die Instrumente großteils überlagert und damit dem Song jede Menge Schwung und Durchlagskraft nimmt.
In diesem extremen Ausmaß bleibt der Opener aber glücklicherweise ein Ausreißer, denn auch wenn ich im weiteren Verlauf den Gesang weiterhin für den Schwachpunkt der Platte halte, bettet er sich doch zumeist deutlich besser ins Gesamtbild ein, sodass "Widerschein" schlussendlich doch noch ein paar schöne Momente im Gepäck hat. 'Kleiner Mann' etwa ist gerade an der Gitarrenfront sehr melodisch und packend ausgefallen, sodass hier teilweise wieder das Flair der frühen ABROGRATION-Releases heraufbeschworen wird. 'Morgenrot' hat sogar ein paar folkig-hymnische Untertöne und überzeugt mit rasanten Strophen und einem ausladend arrangierten Refrain, während man sich mit 'Die letzte Sinfonie' an einem epischen Longtrack versucht, der sich angenehm abwechslungsreich gestaltet und insgesamt als dritter Anspieltipp der Platte durchgeht. Dazwischen schleichen sich aber auch immer wieder Durchhänger ein, bei denen die Magdeburger etwas zu sehr nach Schema-F komponieren, dabei die Melodic-Death-Trademarks pflichtbewusst abarbeiten, die ganz großen Ideen allerdings leider vermissen lassen.
Und so ist "Widerschein" am Ende auch keine Rückkehr zu alter Hochform, aber zumindest in meinen Ohren ein Schritt in die richtige Richtung im Vergleich zum direkten Vorgänger "Urstant". Dabei haben die Höhepunkte noch nicht die Überhand gegenüber den eher durchschnittlichen Nummern gewonnen, doch für eine hörbare Steigerung gibt es am Ende 6,5 Zähler und damit einen Punkt mehr als vor zehn Jahren.
- Note:
- 6.50
- Redakteur:
- Tobias Dahs


