Post Rock & Instrumental Rock

Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Eike » Donnerstag 1. September 2011, 01:30

Havoc hat geschrieben:Habe da halt so ein bestimmtes Klangbild im Kopf. So wie LONG DISTANCE CALLING und ISIS halt.
Also zwischen LONG DISTANCE CALLING und ISIS höre ich ganz klar ebenfalls eine Schnittmenge, auch wenn ich die so aus dem Stehgreif nicht in passende Worte fassen könnte.

Teichfrosch hat geschrieben:Eigentlich ist die Definition (relativ) einfach: Rockmusik, die weitestgehend auf Gesang verzichtet (Ausnahmen aka einzelne Lieder bestätigen die Regel).
Mh, finde ich nicht so passend.
Teichfrosch hat geschrieben:Das mit der "Rockmusik" ist allerdings relativ zu sehen, viele bekannte und erfolgreiche Vertreter des Genres rocken nicht sonderlich.
Eben drum.

Postrock bedient sich in der Regel zwar eines klassischen Rockinstrumentariums, gerne auch mal erweitert um dies oder das, und verleugnet nicht unbedingt seine Herkunft vom Rock, bewegt sich aber zunehmend jenseits der dort meist üblichen Songstrukturen/Schemavorgaben. Das führt in der Praxis oft zu ausufernden Kompositionen, Variationsexperimenten, vermehrter Arbeit mit ensembleartigen Klangtexturen statt klassischer Arbeitsteilung in Leadmelodien und Rhythmusbegleitung, mitunter gerne auch mal zu Orientierung am klassischen Bolero oder ähnlichen Langsamzündern statt am rocktypischen Intro-Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-1.Solo-Strophe-Refrain-2.Solo-Refrain-Refrain-Finale-Schema.

Wenn's irgendwann auch wieder formulaisch wird, ist man über einen Umweg dann schon wieder im Fahrwasser des herkömmlichen Artrock angekommen.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Havoc » Donnerstag 1. September 2011, 11:02

Ich merke schon. Eine Definition scheint es auch hier nicht zu geben. Hauptsache ich kann mir was darunter vorstellen. Aber erklärt mal einem Nichtkenner den Unterschied zwischen Death und Black Metal. Das ist im Endeffekt doch alles quark mit den Schubladen. Genau abgrenzen kann man das einfach nicht. Postrock ist das, was ich mir darunter vorstelle. Punkt. ;-) :grins:
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Jesus » Donnerstag 1. September 2011, 11:47

Havoc hat geschrieben:Ich merke schon. Eine Definition scheint es auch hier nicht zu geben.


Frosch, Eike und ich haben doch Definitionen geliefert, man muss nur lesen können ;) Post-Rock verwendet rocktypische Instrumente und malt damit klassische Partituren oder ambientes Gewaber. Selbst wenn Gesang vorhanden ist, so ist er nebensächlich und erscheint meist in Form von gelangweiltem Gelalle (siehe die von mir erwähnten Prototypen des Genres). Mit ENVY würde mir spontan eine "reine" Post-Rock-Band einfallen, die Gekreische statt Gesang verwendet, aber auch da ist es eher zweitrangig und in den Hintergrund gemischt.

Zur Post-Rock-Szene werden dann häufig noch instrumentale Sludge-Bands wie eben PELICAN, RED SPAROWES und CAPRICORNS gezählt, da sie die selbe demographische Gruppe ansprechen und ihrerseits vom "eigentlichen" Post-Rock stark beeinflusst sind. Oftmals werden diese und ihre mit Gesang versehenen Kollegen wie ISIS und CULT OF LUNA unter Post-Metal zusammengefasst, was im Prinzip soviel bedeutet wie Sludge mit viel Post-Rock drin. Mir persönlich missfällt dieser Begriff, aber leider ist er manchmal sehr praktisch, wenn man halt solch schwermetallischen Post-Rock/Sludge/Doom/Prog beschrieben möchte.

Zu Deinen Beispielen: "Heliocentric" von THE OCEAN ist kein Post-Rock. Nicht einmal Post-Metal. Aber ihr Album "Fogdiver" ist definitiv Post-Rock. TODGELICHTER und OCEANSIZE haben mit dem Genre gar nichts zu tun. LONG DISTANCE CALLING ist purer Post-Rock und CULT OF LUNA und ISIS enthalten genug post-rockige Einflüsse, um irgendwie an den Rand des Genres zu passen in die Schnittmenge mit Sludge, Progressive Rock und Post-Metal (was man darunter auch immer verstehen möchte). Hier gibt es natürlich - wie Du schon sagst - keine klaren Grenzen. Post-Rock ist insofern auch eine Bewegung und seine Szene, deren Vertreter nicht immer 100%ig in die Schublade passen. Es gibt Paradebeispiele für Post-Rock, die purer nicht sein könnten und solche Bands, die man nur formal dort einordnet, weil sie sonst nirgendwo hinpassen wollen.

Havoc hat geschrieben:Aber erklärt mal einem Nichtkenner den Unterschied zwischen Death und Black Metal.


Wie beim Post-Rock, Sludge und Post-Metal gibt es auch hier viele Schnittmengen. Für unsere Post-Rock-Diskussion wären gute Beispiele für die Extreme EXPLOSIONS IN THE SKY als purer Post-Rock und GRIEF als purer Sludge. Da würde jeder Nichtkenner den Unterschied erkennen wie zwischen SUFFOCATION und NEGURĂ BUNGET als puristische Extreme für Death und Black Metal. Doch irgendwo zwischen den Polen gibt es eben Bands, die sowohl in die eine als auch die andere Richtung schielen.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Havoc » Donnerstag 1. September 2011, 12:11

Sind CRIPPLED BLACK PHOENIX denn PostRock?
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Jesus » Donnerstag 1. September 2011, 12:14

Japp.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon 123_7 » Donnerstag 1. September 2011, 13:46

Die Band negiert das aber.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Jesus » Donnerstag 1. September 2011, 14:19

Schön für sie. Herr Vikernes spielt ja laut eigener Meinung auch keinen Black Metal.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon 123_7 » Donnerstag 1. September 2011, 14:48

Da ich den Terminus Post-Rock generell etwas nichtssagend finde, erachte ich ihn für CBP doch auch recht unpassend bzw. unpräzise.

Aber was solls. Tolle Band, das ist was zählt.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Peter Kubaschk » Donnerstag 1. September 2011, 14:57

LDC sehen sich auch nicht als Post Rock. Ich auch nicht.

Und wenn die "Frames" von OCEANSIZE nicht massiv Post-Rock-Elemente vorweist, weiß ich auch nicht mehr.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Teichfrosch » Donnerstag 1. September 2011, 16:05

Mal ehrlich, will man mit einem Genrelabel die Band für alle Ewigkeiten in eine Schublade stecken oder einfach die Möglichkeit haben sich ohne großes Beschreiben und Gelaber über die Musik unterhalten zu können? Für mich jedenfalls gilt letzteres, und damit ist die Richtung in die der Thread zu driften droht für mich nicht interessant. Aber macht ruhig weiter wenn ihr euch etwas davon versprecht.

Eike hat geschrieben:Mh, finde ich nicht so passend.


Ich finds auch nicht passend, aber ich finds griffig. Jesus' lange Erklärungen (oder meine eigenen Textwände mit Beschreibungen) sind zwar viel präziser, aber merken kann sich das niemand der kein Klangbild im Kopf hat.

Insofern: Rockmusik ohne Gesang ist vielleicht in vielen Fällen nicht richtig, aber es ist auch nicht immer falsch. Wenn die Straße nass ist muss es nicht geregnet haben, aber immer wenn es regnet ist die Straße nass ;)
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