Platz 05:
Sacrifice | Volume Six
Ein Album, dass mich in diesem Jahr auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hat – mit einer Kaltschnäuzigkeit, die mir immer wieder schonungslos vor Augen führt, was mir 2025 im Metal in der Masse gefehlt hat.
16 Jahre hat sich die Band Zeit gelassen. Merkt man das dem Album an?
Ja – durch die Frische, die aus jedem einzelnen Moment spricht und unverbraucht klingt. Und Nein, denn es wirkt weder kalkuliert noch verkopft oder nach mühsam zusammengewürfelter Versatzstücke. Keine Spur von „Overthinking“-Metal. Stattdessen entlädt sich dieses Album in Windeseile, wie kaum ein anderes, dass ich in diesem Jahr gehört habe. Und das auf ganz natürliche Art und Weise.
Die erste Ansage hört auf dem Namen „Comatose“und gibt unmissverständlich die Richtung dieser angepissten Grundhaltung namens „Volume Six“ vor. Ein Song, der sofort aufhorchen lässt und klar macht, wohin dieses Album will. Den komatösen Zustand der letzten 16 Jahre hinter sich lassend – oder, wenn man so will, wie ein Phönix aus der Asche. Sucht es euch aus. Beides trifft zu.
Das Riffing: so hart, als hätte man es mit Messern aus Damast Stahl eingespielt. Brandgefährlich, wenn man nicht weiß, wie man damit umzugehen hat. Gleichzeitig reibeisentauglich genug im Ergebnis und in seiner Darbietung ausgesprochen roh.
Doch nicht nur das macht dieses Album zu einem zwingenden Erlebnis für jeden Thrash-Fan der die Grenzen zum Death Metal nicht scheut. Es ist vor allem die Frische, mit der die Band zu Werke geht – zugegeben, eine nach verbrannte Erde riechende. Aber wer will in dieser Musik schon malerische Farben und seichte Momente?
Die Songs sind einer nach dem anderen vor Ideen strotzende Biester, ohne auch nur ansatzweise das Gefühlen vermitteln, man hätte all das schon einmal gehört. Und dann diese Produktion: ein weiterer Beweis dafür, dass Thrash sich an den 80ern orientieren kann und trotzdem zu jeder Sekunde fetzen darf wie früher – ganz ohne die Regler bis zum Anschlag hochzudrehen, wie es heute so oft der Fall ist.
Eines meiner liebsten Stücke ist „Underneath Millennia“. Ein Song, der etwas vertrackter daherkommt als der Großteil des Albums, Zumindest in seiner Struktur. Rhythmisch jedoch ein festes Brett, das stellenweise fast schon proggy wirkt. Besonders. Diese wuchtigen, versatzartigen Gitarren und das durchweg gelungene Schlagzeugspiel haben es mir angetan.
Interessant ist auch, dass dieses Album bereits ganz am Anfang des Jahres ein Ausrufezeichen setzen konnte – eines, das bis heute kaum ein anderes Album auch nur annähernd erreicht hat. Und damit wären wir wieder beim Anfang: Bei einem Album, das genau jene ausdrucksstarke Konsequenz besitzt, die mir bei so vielen Veröffentlichungen gefehlt hat. Hier wird nichts angedeutet, nichts zurückgehalten. Hier wird getan und zwar gnadenlos bis zur letzten Sekunde.
Underneath MillenniaExplode