Ich hab mir jetzt einmal die Gruppentherapie durchgelesen und was ich daraus ziehen konnte ist wohl, dass ich vieles sehr gut verstehen kann, wenngleich ich die Meinung nicht teile. Das wäre vor ein paar Jahren noch ziemlich anders ausgefallen. Ich kann nur wiederholen, dass ich selbst nicht vermutet hätte, dass mir die Band mal so zusagt. Dabei muss ich gestehen, dass ich diese Zusammenführung der Mitglieder sehr spannend finde und ich mich da teilweise, auch wenn ich die Interviews lese, wahnsinnig für Kiske, Weiki und Deris freue. Das springt in die Musik hörbar über und ich glaube, dass mit "Giants & Monsters" für mich das vollwertigste Studioalbum ist, bei dem ich am wenigsten auszusetzen habe. Dass das eine verschworene Gemeinschaft geworden ist, merkt man auch vor allem in den Songwritercredits. Es gib nicht viele Bands, die so eine wunderbare Aufteilung zulassen, wie hier. Kiske ist für mich unfassbar angenehm geworden. In "Under The Moonlight" bekomme selbst ich, der die "Keeper" Alben ja gar nicht so verehre, wie manch anderer, unfassbare Gänsehaut.
Warum ich die Gruppentherapie so nachvollziehbar finde liegt an folgenden Punkten:
Tobias Dahs hat geschrieben:Wo "Helloween" wie aus einem Guss klang, wirkt das achtzehnte Studioalbum mehr wie einer von vielen Langspielern der Deris-Ära mit Volltreffern und Durchhängern.
Ich stimme in sofern zu, dass das Ding sehr abwechslungsreich ausgefallen ist. Das birgt natürlich das Risiko des ein oder anderen Durchhängers, und trotzdem finde ich dass der Sound das Album doch zu einer Einheit zusammenhält und eben durchaus die Mitglieder ihren Teil dazu beitragten dieses Album wie ein frisches Gefüge klingen zu lassen, mit vielen Signatures, neuem Terrain, mit Spielwitz, mit Euphorie, mit Motivation.
Frank Jaeger hat geschrieben:Auch fehlen mir ein paar mehr Doppel-Gitarren und mit den bekannten, typischen Melodien, an denen man die Band üblicherweise nach wenigen Takten erkennt, wird eher gegeizt, sodass man als Altfan bei den Refrains von 'Savior Of The World' und 'Under The Moonlight' beinahe aufatmet.
Interessant. Darauf bin ich selbst noch gar nicht gekommen. Da ist sicherlich was dran und kann verstehen, wenn "Giants & Monsters" auch deswegen einige Durchläufe braucht. Ich werde da wohl an andere Dinge erinnert, die mir den Zugang erleichtern und überraschen.
Frank Jaeger hat geschrieben:ie All-Star-Kürbisse gehen nicht den Weg des geringsten Widerstandes, sondern wagen es tatsächlich, ihren Stiefel durchzuziehen und einfach ein gutes Album vorzulegen, das eben nicht einfach Fanbedienung auf Nummer sicher ist. Daran liegt es wohl, dass ich noch nicht komplett mitgerissen bin...
Dieser Abschnitt bestätigt es dann noch zusätzlich. Absolute Zustimmung hier aber auch von mir. Hier wird sehr feingliedrig alles herausgekitzelt. Dieses Gespür dafür, dieses Händchen dafür, Macht das Ding einfach zur größten Überraschung für mich.
Timo Reiser hat geschrieben:Doch weit gefehlt: Hier wird so lässig und geradezu tiefenentspannt in frischen, teils stilfremden Ideen geschwelgt, dass ich meinen Ohren zunächst nicht traute.
Absolute Zustimmung meinerseits auch hier.
Frank Wilkens hat geschrieben:Immerhin haben die Kürbisköppe mit ihrem selbstbetitelten Album vor vier Jahren Heavy-Metal-Geschichte geschrieben, nicht mehr und nicht weniger. Sozusagen Ausrufezeichen im Quadrat! 10 Punkte.
Oh, oh...sowas kommt ja bei vielen engstirnigen gar nicht gut an. Aber warum denn nicht um Himmels Willen? Einer wie ich, der lange Zeit mit "Helloween" so gar nichts anfangen konnte und mit dem letzten Album so richtig auf den Geschmack gekommen ist, hat wenig Bezug zu den Klassikern, welche immer so hochgelobt werden. Nicht falsch verstehen, sicher zu Recht. Aber, ich bin doch wohl auch das beste Beispiel dafür, dass das nicht immer so laufen muss. Wenn ich diesem Album die Höchstnote geben würde, spricht es doch in keinster Weise der Klasse der "Keeper..." Alben ab, oder?
Nun, da dreht man sich wahrscheinlich in der Diskussion 20 mal im Kreis und kommt auf keinen Nenner. Aber so ist es halt.
Holger Andrae hat geschrieben:Wie unschwer zu erkennen ist, ist das leider nicht meine Band, was eben dieser aber völlig egal sein darf, denn der Erfolg gibt ihr ja recht.
Super!
Das meine ich wirklich Ernst. Ich finde das alles sehr differenziert, mit der gewissen Portion Humor. Wie gesagt, noch vor ein paar Jahren, hätte so ein Text wahrscheinlich zu 100 % meiner Wahrnehmung entsprunge sein können. Deswegen ist das auch hier so gut nachvollziehbar für mich....
...wie auch im folgenden Abschnitt
Matthias Ehlert hat geschrieben:Ich mache es kurz: An dem Album nervt mich die poppige Attitüde, das balladeske Element, der schunkelige AVANTASIA-Touch. Der Gesang, die zuckrigen Passagen, das Schlagerhafte, die vielen Schichten von Backwerk übereinander. Okay, der Opener ist recht lässig und man denkt: Wenn es nun so weiterginge...
Natürlich sehr drastisch ausgedrückt. Aber das sind Komponente, die mich auch immer gestört haben. Ich mochte es auch immer mehr, wenn die Band diese zuckrigen, schlageresken Komponenten, weiter in den Hintergrund rücken Liesen und etwas seriöser und ernsthafter zu Werke gingen. Bis ich dann verstanden habe, dass die Band sich selbst nicht gern so ernst nimmt und doch wunderbar komponieren können ohne diesen Aspekt aus den Augen zu verlieren. Das macht die Band über Jahre, für mich, wirklich ausdrucksstark und sympathisch. Deswegen finde ich "A Little Is A Little Too Much" auch deshalb wirklich grandios umgesetzt.
Jonathan Walzer hat geschrieben:Kiske könnte teils etwas präsenter sein...
Hmmm...ja, das ist mir beim letzten Durchlauf, dann auch aufgefallen. Das möchte ich aber nicht als Kritikpunkt, meinerseits stehen lassen. Denn ich Freunde mich gerade und eben mit dem Album so richtig mit Kiskes Stimme an. Der Eindruck passt aber auch zu den Aussagen, der Quasselstrippe, in so manch einem Interview. Finde ich aber nicht schlecht, ich denke es wird die Zeit kommen, in der er was dazuzusteuern hat. Und in der die Gesangsverteilung auch wieder anders verläuft. Für den Moment, ist es die perfekte Dosis in der mir Kiske sich so stark offenbart, dass ich niemals damit hätte rechnen können. Die Band hat bei mir mit diesem Album einfach so vieles richtig gemacht.
Stefan Rosenthal hat geschrieben:Die beiden zusammen sind dann tatsächlich mein persönliches Kryptonit.
Hier ist es leider nur diese Aussage, die ich nachvollziehen kann. Da würde ich mich aber jetzt dann mehrmals wiederholen. Alles andere ist halt die persönliche Wahrnehmung, der ich nichts nehmen kann, die aber trotz der 5,0 von Matthias, textlich in diesem Artikel polarisiert. Hupps...ich will damit nicht negativ klingen oder das negativ herausbrechen. Im Gegenteil. Gruppentherapien dürfen das ja auch!
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Warum? Nun, einfach weil Heroen wie Monstren innert dieses maritimen Oeuvres insgesamt ein sehr ausgewogenes, fein abschmecktes und vielseitiges Bankett orchestrieren. Daran ist besonders bemerkenswert, dass die sieben Köche weder die Reste der Köstlichkeiten von der Neueröffnung aufwärmen, noch das Risiko einer kreativen Neuerfindung eingehen, die ihnen möglicherweise um die Ohren flöge.
Hier finde ich mich auch wieder und beschreibt so ein bisschen auch mein Gedanken- und meine Erkenntnisgewinn wärhendndas Album Runde um Runde dreht. Sicherlich entsteht der Eindruck, die Band betrete leicht neuen Boden. Aber in der Tiefe erkennt man doch auch, dass die Zutaten schonmal alle da waren, wenngleich die Form in der sie dargeboten wird doch sehr Abwechslungsreich und deswegen nicht auf Nummer sicher gehen.
Dominik Feldmann hat geschrieben:Generell beschleicht mich das Gefühl, dass der neue Longplayer bewusst anders als "Helloween" werden sollte.
Darauf habe ich insgesamt dann heimlich doch auch gehofft und die Band hat das voll durchgezogen. Vor allem im Klang. Ich begrüße das. Warum ausgerechnet "Hands Of God" und "Into Zhe Sun" Dafür sinnnildlich stehen soll, erschließt sich mir nicht ganz. Aber das beweist nur mal wieder, wie unterschiedlich man das Album auffassen kann. Aus welchen Blickwinkeln sich so eine Meinung ergibt. Das ist spannend und diese Gruppentherapie zeigt das in Gänze. Großartig!
Thomas Becker hat geschrieben:Angesichts dessen ist "Giants & Monsters" für mich zu keiner Zeit ungewohnt, ist es doch ein wunderbares Kondensat aller HELLOWEEN-Phasen von melodischem Speed Metal bis hin zum knackigen Hard Rock.
Wunderbar nachzuvollziehen.
Danke. Danke für die großartige und facettenreiche Gruppentherapie. Für mich eines der gelungensten Gruppentherapien, die ich lesen durften. Selten konnte ich so viel aus eigenen Erfahrungswerten nachvollziehen. Ich konnte für mich auch echt noch einiges rausziehen und neue Sichten zulassen. Das hat so viel spaß gemacht, wie das Album zu hören.