
Iron Maiden | A Real Life Dead One
Zugegeben, ein Livealbum, das wohl bis zum jetzigen Zeitpunkt, eines der am wenigsten gehörten Compilations/Livealben von mir ist. Der Gedanke, das Album einmal wieder aufzulegen, kam dadurch, dass ich die Diskographie durchgehört hatte und irgendwann an „No Prayer…“ angelangt war. Dieses Album hat schon immer eine ziemlichen Wellengang in meiner Gunst erlebt. Doch irgendwann trat ein faszinierender Effekt ein und jüngst sogar gleich wieder. Es ist keine exklusive Meinung, dass dieses Album als eine Abkehr der großen Epik vorheriger Alben war und die Band den puristische Sound alter Tage wieder aufleben lassen wollte. Das ist sogar Fakt. Doch was höre ich da raus? Soundtechnisch scheint das der Fall zu sein. Mir kam aber bei den letzten Durchläufen der Gedanke, dass es vielleicht nur am Mantel des, ich nenne es mal, räudigeren Sounds liegen kann. Und das bestätigte sich für mich in Teilen. „Fates Warning“, „Run Silent Run Deep“ und „Mother Russia“ sind doch nämlich gar nicht so weit weg vom vorherigen Album entfernt, wie ich finde. Und dann dachte ich: frühere Zutaten beigemengt und Ballast der letzten Alben abgeworfen. Ja, so klingt „No Prayer For The Dying“ für mich.
Was hat das ganze jetzt mit der „A Real Live Dead One“ zu tun?
Nun, ich finde, dass dieses, aus zwei Releases, zusammengeflickte Album, diesen Spirit, der da seit 1990 in der Luft hängt, auch live weiterträgt und ganz deutlich macht, was wohl die Vision der Band war und wie sich präsentieren wollen. Diese Compilation/Live-Album gehört wohl zu den rauesten Live-Veröffentlichungen, der Band und hat mich auf wundersame Weise eiskalt erwischt und führt, obwohl ich von mir behaupten würde, die Band wie meine linken Westentasche zu kennen, zu ziemlich erstaunlichen (zumindest für mich) Erkenntnissen.
Nicht nur, dass die erste CD „A Real Dead One vor allem auch aus Nummern der frühen Phase bis zur „Powerslave“ der Band besteht. Diese ziemlich raue Art der Präsentation der Songs, passt gut in das Bild. Bruce rückt das Reibeisen, dass er seit „No Prayer…“ wohl täglich zum Frühstück verspeist hat, in ein ziemlich heftiges Licht und kommt wohl Songs wie „Running Free“, „Prowler“ oder „Sanctuary“ so nahe wie nie zuvor. Und auch den Songs, auf denen er auch auf den Studioalben zu hören ist, gibt er damit nochmal ein Hieb hinzu. Das klingt für mich manchmal sogar besser als auf der „Live After Death“ bei dem ich immer mal wieder das Gefühl habe ihm geht die Puste aus. Und auch die Band wirkt im Spiel etwas befreiter, schludriger, punkiger und gefühlt auch schneller als je zuvor. Dadurch wirkt der Teil des Albums unfassbar lebendig und greifbar und bringt mich einem Release wie „No Prayer For The Dying“ noch ein Stückweit näher. Abgesehen davon, finde ich es mit das Abwechslungsreichste, wenn man sich die Setlist anschaut und auch Publikumstechnisch finde es sehr gut eingefangen.
Der zweite Teil des Albums, „A Real Live One“ beinhaltet dann Liveperformances aus Songs zwischen der „Somewhere In Time“ und „Fear Of The Dark“. Songs wie „Be Quick Or Be Dead“ oder „Tailgunner“ treten wirklich Arsch. Ich bin ja bis dato kein wirklich großer Freund des 1992er Outputs, aber dieser Teil hat es dann doch irgendwie geschafft, dass ich mich „Fear Of The Dark“ gegenüber etwas geöffnet habe. War dieses Album für mich wohl immer der Output neben „Virtual XI“ in der Summe jenes, mit dem schwächsten Material, dass je auf einem Maiden Album veröffentlicht wurde. Daneben stemmte ich mich immer wieder gegen den Gesang von Bruce, der mir immer zu affektiert und gewollt hart daherkam. Auch da hat sich meine Sichtweise etwas geändert und ich meine verstehen zu können, warum, wieso, und weshalb sich die Band dazu entschieden hat. „A Real Live Death One“ beweist mir jetzt schon zum wiederholten Male, dass ich das doch ganz cool finde und dient überraschend als Türöffner. Denn als ich dann „Fear Of The Dark“ in den Player schmiss, war das deutlich zugänglicher und ziemlich interessant zu Hören und da hat sich in meiner Denke echt etwas getan. „Judas Be My Guide“, „The Fugitive“ (vor allem!), ja sogar „Chains Of Misery“ sind die Songs, die sich mir geöffnet haben…
…oder andersrum. Ich bekomme die seit Tagen nicht aus meinem Schädel. Klar, da gibt es zwischendrein trotzdem Songs, die mir immer noch nicht gefallen, aber im Gesamtbild, hat sich da deutlich was getan und damit hätte ich dann im Leben nicht mehr mit gerechnet. Ebenso nicht, dass ausgerechnet eine Compilation/Livealbum, dass ja auch eher zu den ungeliebten Schwiegersöhnen unter den Liveveröffentlichungen der Band zählt, bei mir noch irgendetwas bewirken oder im Gesamtwerk der Band noch irgendetwas in Bewegung setzen könnte. Es passt einfach so gut und wirkt wie ein Abschnitt aus einer Zeit, die es nicht immer gut gemeint hat mit der Band. Das früh und alt auf eine Art und Weise verbindet, wie ich es noch nie in Betracht gezogen hat. Zugegeben, ich schlage hier ziemlich viele Brücken, die vielleicht nicht für jeden sinnvoll sind und vielleicht ist es mir auch nicht gut gelungen, dass in diesem Text rüberzubringen. Aber habe ich jetzt über die letzten Tage wahnsinnig viele Erkenntnisse gewonnen und es macht einen heidenspaß und das wollte ich gern mit euch teilen. Vor allem, weil ich dieses Thema sehr reizvoll finde. Wann liest man schon einmal etwas über dieses Album? Richtig…
Vielleicht auch deshalb habe ich in letzter Zeit so viel Maiden gehört. Wie wo anders schon einmal geschrieben, es tut gut.
Übrigens eine interessante Veröffentlichungspolitik im Jahr 1993. 3 Livealben zu veröffentlichen. Das würden viele doch gar nicht wagen. Aber, ich denke, dass das vor allem daran lag, dass Bruce die Band verlies. „Live At Donington“ war das letzte groß, große Ding und mit Bruce und auch Adrian Smith ist als Gast bei „Running Free“ zu hören. Das macht es ja doch dann irgendwie reizvoll und halt eben auch „A Real Dead One“ und „A Real Live One“.
Hmm…ob ihr bis hierhin wohl durchgehalten habt?
Ob es nachvollziehbar ist, was ich da aus Gedankengängen und Erkenntnissen zusammenzufügen, gewagt habe?
Was sagt ihr zu dieser Veröffentlichung?



