Ich habe inzwischen die neue WARLORD auch physisch, als CD, und überraschenderweise finde ich sie offenbar dann doch besser als ich es nach all dem überbordenden Vorschusslorbeer, und natürlich den Umständen seiner Genesis, erwartet hätte. Jedenfalls lief sie nach dem Auspacken direkt sechsmal am Stück und wächst eher, als dass sie verlöre.
Die Songs fangen den Spirit der Band schon recht ordentlich ein, wie ich finde. Das Schlagzeug ist für einen mit dem Namen Zonder etwas reduziert, für mein Gefühl, und die Gitarrenarrangements sind teils deutlich weniger verspielt und feinfühlig als dies eben bei Herrn Tsamis der Fall war, aber alles andere wäre halt auch nahe am Wunder gewesen. Die Hooklines und den Gesang von Lavery finde ich tatsächlich ziemlich in Ordnung; die Backing-Chöre und die Keyboards sind hier und da ein bisschen steif.
Dennoch: Mir macht das Album ordentlich Freude. Vielleicht kommt mir da entgegen, dass Warlord jetzt bei mir nie den ganz hohen Rang in der persönlichen Gunst hatte, so dass mich da die Geschichte weder in die unkritische noch in die überkritische Richtung schiebt. Natürlich ist es irgendwo wie Motörhead ohne Lemmy, Grave Digger ohne Chris Boltendahl oder Bathory ohne Quorthon... und ich habe tatsächlich auch gewisse Zweifel daran, dass das wirklich so total "in the spirit" of William J Tsamis ist, aber unterm Strich steckt man da nicht drin. So bleibt für mich natürlich auch ein Fragezeichen über der Veröffentlichung, und würde Tsamis uns nicht bitter fehlen, wäre das ja auch gar nicht normal.
Bleibt am Ende die Frage, ob man ein für sich genommen ziemlich cooles Album mit sehr markanten Warlord-Einflüssen nach Tsamis' Tod als Warlord-Album haben möchte. Ich komme klar damit, aber am Ende muss das wie immer jeder selbst wissen. Verstehen kann ich da problemlos beide Perspektiven.

