Die Diskussion um "Neues entdecken" und "Altem treu bleiben" ist ja alt wie der Wald und jeder wird da irgendwie seinen individuellen Mittelweg finden.
Rein faktisch bin ich wohl etwas näher an Havoc, weil ich auf der einen Seite ja schon ein ziemlich nibelungentreuer Komplettist bei meinen Bands bin und daher mit Sicherheit von einer gut dreistelligen Zahl an Bands eine komplette Sammlung habe und ähnlich wie Havoc auch so sehr mit dem Kompletthalten dieser vielen Diskographien beschäftigt bin, dass das Entdecken neuer bzw. mir bisher unbekannter Bands bisweilen auf der Strecke zu bleiben droht.
Auf der anderen Seite strebe ich aber sowohl aus meiner journalistischen Leidenschaft heraus, als auch aus musikhistorischem Interesse, immer danach, so viele Bands wie möglich zu kennen, neue Bands kennen zu lernen, neue Alben alter Bands, bisher unter dem Radar durchgegangene Diskographien, oder eben auch Altbekanntes neu für mich zu entdecken.
Was für mich seit vergangenem Jahr ein verstärkt interessantes Thema ist, das ist die bisher vor lauter "Great Old Ones" der norwegischen Szene etwas untergegangene Nidaros-Szene des norwegischen Black Metals. Als zumeist etwas später gegründete - nach 1996, oft auch erst im neuen Jahrtausend - Bands aus der Trondheimer Gegend, die einen recht betont ernsthaften, künstlerisch anspruchsvollen, dabei aber doch irendwie sehr typisch norwegischen und traditionell schwarzmetallischen Ansatz verfolgen.
Ein paar Namen möchte ich einfach mal nennen:
MANII
MARE
CELESTIAL BLOODSHED
WHOREDOM RIFE
SALIGIA
VEMOD
ONE HEAD, ONE TAIL
Eine der treibenden Kräfte der Szene ist das Kultlabel Terratur Possessions, und die grundlegenden Einflüsse dürften natürlich die alten Vorbilder aus den Achtzigern und vor allem MAYHEMs Album "De Mysteriis Dom. Sathanas" sein, was kaum wundern darf, wird es doch vom Nidaros-Dom geziert, dem zentralen Wahrzeichen Trondheims, und war es doch wie kaum ein anderes Album Sinnbild des "wahren" norwegischen Black Metals.
Wahrhaftigkeit hin, Wahrhaftigkeit her, die Nidaros-Szene ist für Black-Metal-Puristen mit deutlichem Hang zur norwegischen Schule, die aber von der Kirmes genug haben, die sie ich um manche populäre Vertreter der großen 90er-Welle, entwickelt hat, sicherlich eine wahre Goldgrube an toller Musik, und eine meiner neuesten Errungenschaften aus diesem Umfeld ist die Band
WHOREDOM RIFE aus, ja, eben, Trondheim:

Bis dato hat die Truppe eine MCD und zwei vollständige Alben, sowie eine digitale EP und ab nächster Woche noch eine Split-10" mit TAAKE.
Wer sich an die Band heran wagt, der bekommt tollen norwegischen Black Metal in der Schnittmenge zwischen der ersten Dødheimsgard, der zweiten Satyricon, frühen Taake-Werken und vielleicht auch Mayhems "De Mysteriis" und der dritten Ulver. Das alles jeweils in wunderschönen Artworks und in jeder Hinsicht qualitativ toll umgesetzt.
Hier eine Hörprobe vom Full-Length-Debüt
"Dommedagskvad" in Form des großartigen Songs
'Beyond The Skies Of God':
https://www.youtube.com/watch?v=qtxm5SGlPbw
alias Hugin der Rabe.
Ravnen fra steinfjellet.
Háv. 38