es folgt eine Kurz-Einführung:
Rock'n' Rolf Kasparek gründet die Metal-Band bereits 1976 als "Granite Hearts", bereits Ende der 70er wird der Name in Running Wild nach einem Priest-Song benannt.
1981 wird das Rock From Hell Demo veröffentlicht, und Running Wild gelten als wilde Newcommer der Szene.
Legendär ist 1984 die Death Metal-Veröffentlichung (mit Helloween und Hellhammer!), die mit der später gleich benannten Musik aber nichts zu tun hat - spätestens hiermit stehen die jungen Hamburger mitten im Leben der nationalen Metal-Szene.

1984 kommt Gates To Purgatory, das legendäre und wilde Debüt-Album einer Band, die damals durchaus noch mit okkulten Texten spielt und mit späteren Piraten-Zeiten buchtstäblich nix am Hut hat.

Nach den ersten Gehversuchen folgt das etwas gemäßigtere Branded And Exiled nur ein Jahr später - das Cover schaut allerdings noch relativ wüst aus.

diese ersten beiden Alben spalten ein wenig die Anhängerschaft - für den einen Teil DIE beste und größte Phase, waren sie für viele Fans eher eine Anlaufphase für die großen Klassiker der frühen 90er. Das Piratenimage sollte erst noch folgen...
Und zwar 1987, mit Under Jolly Roger. Dieses Album mag einen der größten Hits der Bandgeschichte beinhalten, darf insgesamt aber als ein noch eher schwächeres Scheibchen betrachtet werden. Klar erkennbar ist aber hier bereits der Imagewechsel.

1988 erscheint mit Ready For Boarding ein Live-Album, das noch ein letztes mal die rohen Frühwerke präsentiert, bevor es dann so "richtig" los geht im Lager der Nordlichter.

Mit Port Royal kommt im selben Jahr wohl das entscheidende Zwischenalbum zwischen dem rohen, ursprünglichen Sound und den großartigen Hymnen der frühen 90er. Ganz klar ein Klassiker!

Death Or Glory, 1989 veröffentlicht, muss als eines der größten deutschen Metal-Alben überhaupt anerkannt werden. Die großen Melodien der Nachfolger fehlen z.T. noch, aber die Spielfreude, die wilden Hymnen und großartigen Nummern machen dies mehr als wett.

Mit Blazon Stone folgt eine etwas kleinere Scheibe der Band, die aber nicht unerwähnt bleiben soll - das Niveau der Vorgänger und Nachfolger wird gehalten, auch wenn DIE ganz großen überflieger z.T. fehlen.

Pile Of Skulls ist Metal-Geschichte und gehört wie Death or Glory in jede bessere Metal-Sammlung. Alleine schon wegen Treasure Island. Ein bisschen roher als der Nachfolger, mit tollen Riffs und einem auch gesanglich gut aufgelegten Rock'n'Rolf zeigen Running Wild hier klar, dass auch in den 90ern Meisterwerke des traditionellen Metals veröffentlicht wurden.

Black Hand Inn stellt einen Drehpunkt in der Band-Geschichte dar: Von nun an zieht Rock'n'Rolf kaum noch mit klarer Besetzung durch die Gegend, die Band mutiert mehr und mehr zum Soloprojekt. Was später durchaus für einen Qualitätsabstieg sorgen sollte, lässt diese Scheibe zum letzten großen Meilenstein mutieren: Einige der besten Songs der Band-Geschichte machen diese Scheibe zu meinem persönlichen Favoriten:

1994 debütieren zudem die Running Wild-Ableger X-Wild mit gleich zwei Alben, die das Niveau der Hauptband zwar nicht ganz erreichen, hier aber nicht unerwähnt bleiben sollen.
Zuerst kam Monster Effect:

Und kurz danach die stärkere So What!

Zurück zur Hauptband, die 1995 Masquerade veröffentlichte. Erste, wenn auch noch leichte Abnutzungserscheinungen sind sichtbar, trotzdem wird weiter auf hohem Niveau musiziert. Es ist wohl das letzte Album, das man kennen und haben sollte, bevor das Niveau leider stetig sank.

mit Savageland kam zudem das dritte und letzte (und für einige auch beste) Album des Ablegers X-Wild auf den Markt.

The Rivalry mit seinem eher klinischen Sound stellte 1998 dann den Anfang vom Ende für Running Wild da - zwischen vielen starken Songs tummelt sich schon etliches an Füllmaterial. Eine große Metal-Band verabschiedet sich mit diesem Album endgültig aus dem ganz großen Zirkus und hechelt fortan der eigenen Geschichte hinterher.

2000 folgt Victory, das nach einem leichten inhaltlichen Bogen von Masquerade über The Rivalry eine ganz leicht zusammenhängende Trilogie abschließt - ganz klar einer der Tiefpunkte der Bandhistory.

Mit dem finanziell erfolgreichen, aber musikalisch eher durchschnittlichen The Brotherhood geht es 2002 weiter bergab - die Piratenband muss zudem auf den zu Stratovarius abgewanderten Jörg Michael verzichten. Angelo Sasso soll der neue Drummer heißen, den es aber in der Öffentlichkeit nie zu sehen gibt. Der Klang wieß immer eher auf einen Drumcomputer hin.

Live 2002 hieß zudem das nächste Live-Album, das einen ordentlichen Überblick über das bisherige Schaffen bot:

Rogues En Vogue sollte dann das letzte Album der Band sein - 2005 verabschiedete man sich noch mal MIT Drummer und auch etlichen starken Songs, aber einer drittklassigen Produktion und dem ständigen Gefühl, seit ca. 10 Jahren nur noch zweite Liga zu spielen. Ein Klassiker schaut anders aus, auch wenn man mit Sicherheit nicht auf dem Tiefpunkt abgetreten ist.

Insgesamt eine der spanndsten deutschen Metal-Bands, die über viele Jahre lang am Thron der großen Bands wie Accept, Helloween und Blind Guardian sägten, aber immer nur die zweit oder drittbeste traditionelle Metal-Bands Deutschland waren - bis es Ende der 90er leider bergab ging.
Ein eigenständiges (Piraten-)Image, ein außergewöhnlicher, exzentrischer Frontmann und einige der besten traditionellen Metal-Alben aller Zeiten machen diese Band zum echten Muss für jeden Metal-Fan!



