ROCK MANIA LEGENDS - Willanzheim

08.04.2026 | 22:18

28.03.2026, Sporthalle

Ein rockiger Abend in der Nachbarschaft.

Willanzheim? Noch nie gehört. Obwohl der ungefähr 800 Einwohner umfassende Ort in Unterfranken gerade einmal 50 Kilometer entfernt von mir liegt, ist dieser mir absolut kein Begriff. Aber auch alte Säcke wie ich können ihren Horizont noch erweitern. Stefan Belik ist ein ausgewiesener Metal-Experte und läuft mir immer wieder mal bei diversen Konzerten über den Weg, ein wirklich feiner Kerl, der Metal im wahrsten Sinne des Wortes lebt und liebt. Für diesen Samstag hat er in seiner Heimatgemeinde die Sporthalle angemietet, um "Rock Mania Legends" durchzuführen. Das kleine Eintages-Festival ist mit 350 Besuchern bereits seit Wochen ausverkauft.

Bei nasskaltem Wetter erreiche ich überpünktlich die Sporthalle. Parkplätze sind zwar rar gesät, doch für eine Nacht kann ich mich problemlos mit meinem Wohnmobil in das angrenzende Wohngebiet stellen. Kurz die Wohlfühltemperatur eingestellt und 222 Meter später stehe ich vor der Location. Draußen entdecke ich einen Foodtruck, in dem wirklich preiswerte Speisen angeboten werden. Direkt daneben gibt es in einer Maschinenhalle einen Ausschank, sowie viel Merch. Die Festivalshirts sind mit gerade einmal 20 Euro mehr als günstig. Auch für die angebotene Hopfenkaltschale muss man kein Vermögen auf den Tisch legen. Es mag am usseligen Wetter liegen, leider ist von der angekündigten "Tiefenstockheimer Blaskapelle" nichts zu sehen. Okay, dann mal ab in die Halle.

Hier läuft aktuell noch der Soundcheck und ich habe etwas Zeit, mich umzusehen. Auch hier kann ich ein Kaltgetränk erwerben, dieses gibt es sogar in Glasflaschen! Keine Geldschneiderei mit zwei oder gar drei Euro Pfand für einen bunt bedruckten Plastikbecher.

Grob geschätzt ist die Mehrzweckhalle in meinem Wohnort drei mal größer. Allerdings finden dort nicht so tolle Dinge statt wie das heutige "Rock Mania Legends".

Während es vorne auf der Stage heute ordentlich zur Sache geht, hängt an der Rückwand ein Kruzifix. Welcome to Söderland! So langsam füllt sich die Halle, es wird Zeit für die erste Band an diesem Tag.

NECK CEMETERY kommt aus Nordrhein Westfalen, spielt klassischen Heavy Metal und feiert heute den Abschluss einer kleinen Europa-Tour.

Während die Band bei POWERMETAL.de immer wieder mal in Form von Reviews, Konzertberichten und News vorkommt, kann ich ganz unbefangen an die Sache rangehen. Was soll ich sagen, das Gehörte gefällt mir echt gut, Sänger Jens Peters gibt ordentlich Gas und die Fläche vor der Bühne verwandelt sich in einen Nackenfriedhof.

Songs wie 'F.O.A.D.' vom 2023 veröffentlichten Album "Bring Us The Head" gehen gut in die Knochen. Doch auch für das Auge wird einiges geboten. Mal singt der Sänger einen schrill aussehenden Puppenkopf an, mal trägt er eine Totenkopfmaske. Die Crowd hat auf jeden Fall ordentlich Spaß in den Backen. Mit dem RAMONES-Cover 'Pet Sematary' ist dann nach sieben Songs Feierabend und NECK CEMETERY verabschiedet sich nach einem gelungenen Auftritt aus dem Frankenland.

Die Umbaupause geht zügig über die Bühne und ich stelle fest, dass ich auch mit der Würzburger Death-Metal-Combo SASQUATCH noch keine Berührungspunkte hatte. Okay, das mag zum größten Teil daran liegen, dass ich in dem Genre einfach nicht zu Hause bin. Die Band um Frontmann Heiko Holzheimer hat sichtlich Spaß am Auftritt.

Während meine weibliche Begleitung die Band ordentlich abfeiert, zieht es mich mal nach draußen. Mittlerweile schneit es mächtig, Frau Holle hat anscheinend Lack gesoffen.

Bewaffnet mit einer Bratwurst schaue ich mich etwas im Merch-Bereich um und führe ein paar tolle Gespräche mit einigen Musikern. Auch Veranstalter Stefan wuselt durch die Gegend und macht trotz seine hohen Arbeitsaufkommens - schließlich möchte jeder was von ihm - einen recht entspannten Eindruck.

In der Sporthalle steht mittlerweile NUMP auf der Bühne. Die Alternative Metal-Band aus dem Raum Kitzingen spielt eine Jubiläums-Show. Vor 20 Jahren erschien das Album "Sigh Of Relief".

Unser Redakteur Björn Backes schrieb damals folgendes Fazit in seiner Rezension (Auszug): "So bleibt diese Scheibe bis zum Ende ein großer Pool an wunderbaren Überraschungen, von denen die größte wohl zweifellos das routinierte und professionelle Auftreten dieser Youngsters ist."

Interessanterweise ist Björn heute ebenfalls in Willanzheim, tourt er doch mit der später auftretenden Band HYENA durch Europa.

Elf Tracks hat NUMP mit in die Sporthalle gebracht und ich erlebe ein durchaus abwechslungsreiches Set.

Mal geht es ordentlich nach vorne, mal schlägt Sänger und Keyboarder Christian Seynstahl etwas ruhigere Töne an. Dieser hat Anfangs ein paar Probleme mit seinem Mikrofon und stibitzt sich einfach das vom LEPROUS-Shirt tragenden Gitarristen.

Nun gut, kein Chor-Gesang, dennoch gefällt mir das gespielte wirklich gut. Auch die Crowd scheint angesichts der guten Stimmung zufrieden zu sein.

Wir haben Halbzeit, drei weitere Bands werden hier noch auftreten. Vor der Bühne ist es nun richtig voll geworden und ich entdecke recht jungen Metal-Nachwuchs mit dickem Gehörschutz auf dem Kopf.

Offensichtlich haben die Member von ETERNAL SADNESS zur Familienfeier geladen. Die Band spielt nach eigener Aussage "Metal mit stilistischen Einflüssen aus Doom, Gothic und melodischem Dark Metal". Also gleich drei Genres, die nicht unbedingt zu meinen favorisierten Stilen gehören. Was aber in den nächsten 16 Songs passiert, überrascht mich wirklich.

Die Setliste beginnt mit 'No More To Live For', vom bereits vor 30 Jahren veröffentlichten Album "Elation". Die Mischung aus teils harten Gitarren und Keyboard-Klängen gefällt mir ausgesprochen gut. Die Saitenakrobaten Wolfgang Lutsch, Alexander Hagenauer (Gitarre), sowie Bassist Jörg Menche sind permanent in Bewegung und zumindest die erstgenannten lassen ihre vorhandenen Matten kreisen. Am Drumset gibt Helmuth Welther den Takt an.

Und dann haben wir noch etwas im Hintergrund Timo Lechner. Der Mann am Klavier hält sich anfangs noch etwas bedeckt, taut jedoch im Laufe des Sets auf und explodiert förmlich auf der Stage. Alter Falter, ich habe schon wirklich viele Keyboarder gesehen, was Timo da jedoch abzieht ist der Wahnsinn. Gefühlt verliert Timo während der Show sechs Liter Schweiß, sein Shirt klebt ihm pitschnass auf der Haut. Zu seinen Fähigkeiten an den Tasten kommt noch sein sehr guter Gesang.

Ich habe mir an der linken Bühnenseite einen Platz ergattert und bin begeistert von dem Geschehen, was auf und vor der Stage passiert. Die Stimmung hat den absoluten Höhepunkt erreicht. Auch Stefan scheint sehr zufrieden mit seiner Bandauswahl zu sein. Mit dem A-HA-Cover 'Take On Me' verabschiedet sich ETERNAL SADNESS unter großem Jubel von den in Willanzheim anwesenden Metalheads. Die Version mit den Gitarrenriffs setzt dem Guten noch mal die Krone auf. Da Auftritte von ETERNAL SADNESS so selten sind wie die blaue Mauritius, lohnt es sich, die Augen offen zu halten. Die Jungs sollten deutlich öfter spielen.

Zeit- und stimmungsmäßig habe ich gerade den heutigen Headliner erlebt. Aber wir haben noch zwei weitere Bands vor uns. Nach der kurzen Umbaupause steht SONS OF ETERNITY auf der Bühne. Ich habe die Band zum ersten Mal 2024 als Support von AXXIS in Geiselwind gesehen und trage seitdem die Fanbrille. Die Jungs um Sänger Schenki und Gitarrist/Sänger Matthias Kirchgessner haben es mir mit ihrer Mischung aus klassischem Heavy und Power Metal einfach angetan.

Nach einem kurzen Intro steigt die Band mit 'Eye Of The Storm' vom 2023 veröffentlichten Debütalbum "End Of Silence" in ihre Setliste ein. Am Tag zuvor haben die Söhne der Ewigkeit mit "Human Beast" ihr zweites Album veröffentlicht, wir befinden uns also mitten in einer CD-Release-Show. Nicht nur mir gefallen die neuen Songs, wie 'Forever' und 'Tearing Down The Walls', ausgesprochen gut, auch vor der Bühne herrscht ordentlich Bewegung. Auch auf dem neuen Silberling gibt es mit 'When Fantasy Dies' eine Ballade, die live gut zündet und etwas Zeit zum Verschnaufen lässt.

Heute bin ich einmal mehr begeistert von der Bühnenpräsenz der Musiker. Neben den bereits genannten stehen von Bassist Freddy sowie Gitarrist Jonas auf der Stage, beide harmonieren wirklich gut mit Matthias und Schenki. Das Los eines Drummers ist, dass er eher statisch hinter seinem Set sitzt und den Rhythmus vorgibt. Den Job erledigt Thomas, wie bereits mehrfach erlebt, ausgezeichnet.

Munter geht es durch die Setliste und die Zeit rennt. So langsam merke nicht nur ich, dass die Kräfte schwinden. Auch der Crowd sieht man langsam aber sich an, dass die letzten Stunden Spuren hinterlassen haben. Mit 'Revolution' ist dann Feierabend. Wieder einmal ein sehr guter Auftritt. Wer sich selbst von der Qualität von SONS OF ETERNITY überzeugen möchte, hat am 9. Mai im Würzburger B-Hof die Gelegenheit dazu. Gemeinsam mit IRON SAVIOR werden dann die Kellergewölbe gerockt. Details dazu findet ihr hier.

Es ist spät, sehr spät. Um 0.30 Uhr gibt es mit HYENA den letzten Auftritt in Willanzheim. Die Peruaner feiern hier ihren "Destroy The Human Race"-Tourabschluss. Ich habe die Band auf dem letztjährigen Keep It True für mich entdeckt. Die Jungs um Sänger Diego hatten den ersten Slot am zweiten Tag und haben die Tauberfrankenhalle in Grund und Boden gespielt.

Und auch heute ist wieder Vollgas angesagt, von Ermüdungserscheinungen aufgrund der späten Uhrzeit und sechs Tourgigs keine Spur. Die Halle hat sich zwar mittlerweile etwas gelichtet. Doch die noch anwesenden Fans der härteren Gangart erleben einen astreinen Auftritt. Wer auf klassischen rohen Heavy Metal steht, sollte sich unbedingt das Album "About Rock & Roll" besorgen.

Während sich HYENA im wahrsten Sinne des Wortes den Arsch abspielt und noch einmal sämtliche Energien im Infield abfordert, merkt der alte Sack (also ich), dass die Kräfte langsam aber sicher schwinden. Da einige meiner Redaktionskollegen Konzerte von HYENA gesehen haben, wird es sicherlich noch einige Berichte geben.

Auf mich wartet die Koje in meinem wohltemperierten Wohnmobil. Ich habe in der Provinz einen hervorragenden Festivaltag erlebt. Macher Stefan hat hier ordentlich was geboten und ich denke, dass hier niemand unzufrieden nach Hause geht. Bis auf ein kleines technisches Problem lief meiner Meinung nach alles wie am Schnürchen. Ich bin dankbar für den Tag und hoffe unbedingt auf eine Wiederholung.

Text und Photo Credit: Andre Schnittker

Redakteur:
Andre Schnittker

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