M'ERA LUNA 2025 - Hildesheim

25.02.2026 | 15:45

08.08.2025, Flugplatz Drispenstedt

Sonne, Latex und die deutsche Bahn.

Sonntag

Der zweite vollwertige Festivaltag beginnt bei mir mit dem Auschecken im Hotel. Da das Festivalprogramm heute nur bis 22 Uhr angelegt ist, steht für viele Besucher am Abend noch die Heimreise an und ich mache da keine Ausnahme.

Dies bedeutet zwar, dass ich, wie gestern, den jeweiligen Headliner verpassen werde, dafür darf ich mich auf mein eigenes Bett freuen.

Als ich auf dem Gelände ankomme und glücklicherweise mit meinem kleinen Koffer ins Pressezentrum gelassen werde, spielt bereits SCHATTENMANN. Die Nürnberger Band bietet Neue Deutsche Härte, von dem bisschen, was ich höre, während ich meine Fotoausrüstung zusammenbaue, kann ich allerdings nicht behaupten, dass ich da besonders viel verpasst hätte – ich vermisse Alleinstellungsmerkmale.

Musikalisch unterwältigt bleibe ich auch bei der Club-Stage, als ich mir kurz NOISUF-X anschaue. Die zwei älteren Herren auf der Bühne spielen das, was mein ungeübtes Ohr ganz banal als Techno einstufen würde.

Der Menge vor der Bühne gefällt es, ich bin jedoch froh, dass ich sehr bald wieder von dannen ziehen muss, denn mich erwartet die erste positive Überraschung des Tages auf der Hauptbühne.

COPPELIUS spielt nach eigenen Angaben "Kammercore". Die Musik geht dabei grundsätzlich in eine klassische Heavy Metal-Richtung, die elektrischen Gitarren und der Bass werden dabei jedoch durch Klarinette, Cello und Kontrabass ersetzt.

Dies erzeugt ein sehr einzigartiges und stimmungsvolles Klangbild und auch die Energie der Truppe wird schnell vom Publikum gespiegelt.

Ich schaue mir vom launigen Auftritt noch ein paar Songs an – zum Glück finde ich etwas Platz unter einem Sonnenschirm. Während der Platz vor der Club-Stage zu großen Teilen von einem großen Sonnensegel beschattet wird, ist die Flucht vor der drückenden Sonne an der Main-Stage leider nur schwer möglich.

Weiter geht es mit einem kleinen Abstecher zum Elektropop von TORUL, bevor ich wieder mit Anni verabredet bin – wir wollen uns die Marktstände an der Club Stage anschauen. Auch hier gibt es neben dem klassischen Festivalkram wieder ein paar Klamotten und Dekoartikel zu entdecken, welche man sonst eher nicht auf einem Festival vermutet, so dass sich der Eindruck bei mir verfestigt, dass hier deutlich mehr Wert auf Qualität und Einzigartigkeit gelegt wird, als ich das von anderen Festivals kenne.

Im Anschluss an den Shoppingtrip höre ich mir ein paar Songs von SIERRA VEINS an. Die französische Künstlerin mischt in ihren Synthwave- und Industrialsound eine gute Prise Metal.

Das ist zwar nichts, was mich persönlich vom Hocker reißt, für ein paar Lieder geht das aber völlig klar, da ist es auch zu verkraften, dass der Auftritt am Anfang etwas mit technischen Problemen zu kämpfen hatte.

Insgesamt durchaus ein Auftritt, den ich unter den positiven musikalischen Überraschungen des Festivals verbuchen werde und wo ich auch in Zukunft mal wieder vorbeischauen würde, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Nach ein paar weiteren Fotosessions geht es dann für mich zum hoffentlichen Highlight des Festivals und heimlichen Grund, warum ich mich trotz meines vollen Terminplanes auf den Weg nach Hildesheim gemacht habe. 

Und LACUNA COIL ist ... ganz ok. Nur. Anfangs, bei 'Layers Of Time', hat die italienische Band mit Soundproblemen zu kämpfen, aber auch als diese gefixt sind, will der Funke nicht so recht überspringen und es schleicht sich der Eindruck ein, dass es Cristina Scabbia und ihren Jungs etwas an Energie und Motivation fehlt.

Klar, Cri und Andrea singen gut, und auch der Rest der Band - welche überraschend nicht im Bühnenoutfit und geschminkt sondern nur in schwarzen Alltagsklamotten auftritt - spielt ohne Aussetzer, aber am Ende steht der bisher schwächste Auftritt, den ich bisher von LACUNA COIL gesehen habe. 

Natürlich kann im stressigen Touralltag immer mal was passieren, was eine Band aus dem Takt bringt und Vorwürfe will ich den Mailändern auch keine machen, schade ist es trotzdem.

Die Setliste besteht dabei naturgemäß vor allem aus Songs der beiden aktuellen Alben, "Black Anima" und "Sleepless Empire".

Als Fan alter Stunde hätte ich mir hier auch mehr Diversität quer durch die Diskografie gewünscht, aber bei einem Festivalauftritt mit begrenzter Zeit müssen halt irgendwo die Abstriche gemacht werden. 'Heaven's A Lie XX', 'Kill The Light' und 'Blood, Tears, Dust' sind die einzigen älteren Orginalsongs, dazu gibt es dann noch das DEPECHE MODE-Pflichtcover von 'Enjoy The Silence'.

Eingeheizt wird dem Publikum dafür danach bei BLUTENGEL umso mehr.

Die Flammenwerfer direkt zum Start sorgen dafür, dass die Aufmerksamkeit beim Publikum geweckt wird.

Der Auftritt fällt leider genau in meinen Zeitslot für den Ausflug auf den Flughafentower, von oben erlebe ich noch mit, wie das Ende des Auftritts allerdings mit noch mehr Feuer, Funkenregen und Flaggenschwenkern zelebriert wird.

Hier hat man sich zumindest vom Aufwand her richtig ins Zeug gelegt.

SUBWAY TO SALLY schließt mein erstes M'era Luna dann ab.

Trotz der mittlerweile sehr staubigen Luft und immer noch drückender Sonne wird mit voller Energie das komplette "Nord Nord Ost"-Album anlässlich des 20. Jubiläums dargeboten. 

Dabei sieht man, dass das auch auf der Bühne für Emotionen sorgt. Da ich bisher mit der Band nie wirklich in Kontakt gekommen bin, sind viele der Songs gänzlich neu für mich, der Auftritt weiß aber trotzdem zu überzeugen. Ganz kann ich mir die Show leider nicht anschauen, muss ich doch zum Bahnhof.

Besucher*innen

Bevor ich zu meinem Fazit zum M'era Luna 2025 komme, möchte ich noch ein paar lobende Worte zum Publikum und der positive Atmosphäre loswerden.

Viele sympathische und positive Gespräche und Begegnungen haben dafür gesorgt, dass ich mich durchweg willkommen gefühlt habe. Noch viel mehr möchte ich dieses Lob im Namen von Bekannten von mir loswerden, welche von vielen anderen Festivals, trotz wohlklingenden Bekundungen, immer noch eher im Abseits stehengelassen werden.

Denn das M'era Luna schafft es, laut Mitgliedern der LGBTIQ+ Gemeinschaft, nicht nur, Zuschauerinnen und Zuschauern ein tolles Erlebnis zu bescheren, sondern auch den Menschen, die sich keinem der zwei Geschlechter zuordnen. Durch kleine Anpassungen, welche mir als heterosexuellem cis-Mann nicht wirklich auffallen, schaffen es Festival und Publikum gemeinsam, einen Safe Space für alle zu schaffen – etwas, was gerne bei allen Festivals Schule machen darf. Daher gibt es an dieser Stelle, im Namen dieser Bekannten, von mir ein Danke.

Fazit

In der Bahn nach Hamburg habe ich die Gelegenheit, mir die vergangenen zweieinhalb Tage durch den Kopf gehen und mein erstes M'era Luna Revue passieren zu lassen.

Grundsätzlich ist es natürlich zuvorderst erst mal ein normales Festival und bietet alles, was man heutzutage auf einem Festival erwarten darf. Zusätzlich gibt es aber eben auch Sachen, die man sonst nicht so oft findet und die das ganze Erlebnis aufwerten.

Klar sind Lesungen, Shoppingvergnügen oder Modeschau nicht für jeden etwas, hier passen sie aber super rein.

Musikalisch wird dabei ein spezifischer Geschmack angesprochen, den man so nicht so oft findet. Ich hab da zwar ein paar Überschneidungen, aber nur wegen der Musik würde ich den Weg nach Hildesheim nicht mehr machen, dafür gibt es einfach zu viele andere Festivals, welche meinen Musikgeschmack viel deutlicher abbilden und -decken.

Trotzdem überlege ich, auch 2026 wieder zum M'era Luna zu fahren. Das Das Line-Up hat wieder ein paar Leckerbissen in petto, die sicherlich für spannende Auftritte sorgen werden.

Hauptgrund für eine Wiederholung wäre für mich aber das ganze Drumherum und die Atmosphäre. Klar ist aber auch, dass ich 2026 nicht wieder von Hannover aus pendeln würde, denn ich will mir auch das Nachtleben anschauen und gucken, was das M'era Luna zu bieten hat, wenn die Sonne untergegangen ist.

Text und Photo Credit: Chris Schantzen

Redakteur:
Chris Schantzen

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