MANNTRA und WISBORG - München
14.03.2026 | 14:3505.03.2026, Backstage Halle
Ein Sturm positiver Energie.
Ja, MANNTRA macht auch diese einfache Musik. Es geht um Refrains, die möglichst schnell ins Ohr gehen. Das Gehirn soll nicht mit Taktwechseln oder gar anspruchsvollen kompositionellen Kniffen belastet werden. Mitsingen und Spaß haben sind das Alpha und Omega bei MANNTRA.
Am Anfang haben wir (Fotografin Nives und ich) uns gegen diese Entwicklung gesträubt. Die ersten drei MANNTRA-Alben waren zwar mehr oder weniger von RAMMSTEIN beeinflusst, hatten aber nie diesen starken Kommerz-Appeal, waren alle in kroatischer Sprache gesungen und hatten bei vielen Liedern auch einen gewissen Tiefgang, musikalisch wie textlich.
2019 kam dann der große Wechsel auf englische (und deutsche) Lyrics und simplere Botschaften. Doch damit steigerte sich auch die Sichtbarkeit und die Band war auch live präsent. Nives und ich sind (fast) immer brav hingegangen, wenn sie in München waren. Und auf dieses heutige Konzert war die Vorfreude besonders groß. Warum?
Es ist einfach unfassbar schwierig, diesen Leuten irgendetwas übel zu nehmen. Und die Entwicklung in Sachen Livepräsenz und Performance seit unserem ersten MANNTRA-Gig im Vorprogramm von den KRUPPS ist gewaltig. Damals waren sie noch etwas unbeholfen, leicht schüchtern und niemand kannte ihre Songs. Heute, viele Touren (letztens mit D'ARTAGNAN) und Festival-Gigs später, überwältigt einen der Sturm positiver Energie.
Bevor wir uns jetzt wegblasen lassen, erstmal ein paar Worte zu Vorband. Das sind die vier fein gestylten, sehr fotogenen Jünglinge von WISBORG, einer Gothic-Rock-Band aus Hannover.
Auf einigen Bildern erinnert mich Gitarrist Peter Thiele gar an einen jungen Dave Mustaine.
Musikalisch ist das für mich aber dann doch eher unspektakulärer poppiger Dunkel-Rock der Marke HIM und mit dem Gesang von Konstantin Michaely komme ich zunächst auch nicht klar.
Zu leise, zu schüchtern, zu sehr mit dem Halbton unter Freunden. Einen Basser hat die Band auch nicht, sondern noch einen zweiten Gitarristen, der aber auch nur einen dünnen Kratzsound produziert.
Die Cover-Version von 'Bitter End' (PLACEBO) in der Mitte des Gigs macht auch keine besonders gute Figur.
Entgegen meinem Eindruck findet Nives die Band aber ziemlich gut und hört hier eine "Hoffnung für die Zukunft". Sie mag aber auch DEPECHE MODE und SISTERS OF MERCY sehr gerne.
Viele aus dem Publikum scheinen auch auf ihrer Seite zu sein und zeigen der Band ihre Anerkennung.
Ich komme aber auch jetzt im Nachgang nicht an die Musik heran, erkenne aber zumindest Tracks wie 'Totentanz' und 'Schmerz vereint' wieder. Immerhin.
Verblüffend schnell ist dann der WISBORG-Gig auch schon vorbei und in der Umbaupause werden mir mit so einigen modernen "Power-Metal"-Hymnen beschallt.
Bei 'Demons Are A Girl's Best Friend' von POWERWOLF wird sogar an einigen Stellen lauthals mitgesungen. Stimmt, das ist von MANNTRA mittlerweile gar nicht mehr so weit entfernt.
Und jetzt kommt der Sturm. Denn MANNTRA legt los wie die Feuerwehr. Die Jungs kommen auf die Bühne und man fühlt sich einfach pudelwohl. Es sind neunzig Minuten, in denen man alles vergisst - selbst die Kritik, die man an der Musik und dem Auftreten der Band üben könnte, ist wie weggeblasen.
Warum? Schaut euch einfach die Bilder an. Marko am Mikro, Dodo an der Klampfe und der kauzige Zoltan am Bass sind einfach tolle Bühnencharaktere. Dazu der "Barren King" mit der Skeletor-Maske, dessen Identität geheim gehalten wird.
Doof? Egal, ich möchte diesen Typen, der alle möglichen Instrumente bedienen kann und dazu noch ein guter Surfer ist, nicht mehr missen. Irgendwie hat es eben doch was, wenn eine Band nicht nur irgendwelche Leute mit Instrumenten sind sondern wenn um sie herum eine Geschichte aufgebaut wird, was viele der momentan so erfolgreichen Metalbands eben auch so tun.
Ich bin bei den ersten fünf Song wie berauscht. Auf jedem MANNTRA-Album gibt es einen Song über eine starke weibliche Persönlichkeit der slawischen Mythologie. Morana ist die Göttin des Winters, der dunklen Zeiten, die jedes Jahr durch Riten ausgetrieben werden soll, Teuta herrschte in den Zeiten von Christus über die südlichen adriatischen Gewässer. Und Yelena? Ist einfach nur eine gefährlich-verführerische Frau, spielt aber auch in der slawischen Mythologie als "Schöne" oder "Weise" eine Rolle.
Bei MANNTRA-Konzerten sind diese Damen Mitsing-Highlights, die auch Tage nach dem Konzert einfach nicht mehr aus den Ohren zu bekommen sind. Ist das nicht auch ein Qualitätsmerkmal für Musik?
Selbstredend ist die Tour dem aktuellen Album "Titans" gewidmet, aber da mir gar die letzten beiden MANNTRA-Alben fehlen, fällt bei diesen Songs auch die Spannung leicht ab, vor allem bei dem auf deutsch gesungenen Fremdschäm-Song 'So ist das Leben' (bitte wieder aus der Setliste nehmen).
Zudem empfinde ich das Cover 'Skål' (MIRACLE OF SOUND) dann einfach zu sehr als Anbiederung an den trinkfreudigen Viking-Metal. Und natürlich werden auch bei MANNTRA zu "Noch ein Bier"-Sprechchören Münchner Helle geext, aber mei, so ist das halt, ich trinke auch Bier heute.
Die Zugabensession ist dann aber wieder ne Bombe. 'Heathens' mit seinem "No Fear"-Schlachtruf und 'Nightmare' sind einer meiner Favoriten der kommerziellen MANNTRA-Phase und mit 'Kiša' bleibt der leider einzige Bezug zu MANNTRAs Anfangstagen Gott Sei Dank immer noch in der Setliste.
Wir träumen zwar von 'Albatros', 'Lanterne' oder 'Mornar', aber diese Song-Kleinode werden wohl nie das Licht der Bühne sehen. Also begnügen wir uns mit dem ebenfalls auf kroatisch gesungenen 'Naranča'. Das ist ein Cover der kroatischen Popband PUTOKAZI, das man sich gerne mal im Original anhören darf und seit Jahren der feuchtfröhliche Abschluss von MANNTRA-Konzerten ist. Keine Frage, wir werden das nächste Mal wieder hingehen!
Setliste MANNTRA: Titans; Morana; Yelena; In The Shadows; Teuta; The Hunter; Barren King; Unholy Water (Voda); The Heart Of The Storm; So ist das Leben; Slave; Higher; Skål (MIRACLE OF SOUND-Cover); Ori Ori; Zugaben: Invocation; Heathens; Kiša; Domain; Nightmare; Naranča (PUTOKAZI-Cover)
Text: Thomas Becker
Photo Credit: Nives Ivić
- Redakteur:
- Thomas Becker






