Kataklysm - Frankfurt

04.02.2007 | 16:10

21.01.2007, Batschkapp

Keine drei Tage nachdem Orkan "Kyrill" über Deutschland hinweggefegt ist und jeden in Mitleidenschaft gezogen hat, geht's heute Abend in der Batschkapp weiter. Zumindest, wenn man auf Death Metal steht. KATAKLYSM haben drei superbe Bands im Gepäck und sollten die Nackenmuskulatur der anwesenden Fans in einem ähnlichen Ausmaß strapazieren, so viel sei schon mal vorweg genommen. Zwar ist die Location nicht ausverkauft, trotzdem tummeln sich knapp eine Stunde vor Eröffnung der Abendkasse eine Hand voll Leute vor der Kapp. Für faire 18 Euro (Abendkasse 19 Euro) kann man da nicht meckern.

Und so verwundert es nicht, dass es bei der ersten Vorband QUO VADIS gegen kurz vor acht kuschelig eng vor der Bühne ist. Nach einem Opernintro haut das kanadische Quintett den verdutzten Fans ein wütendes, technisches Death-Metal-Gebräu um die Ohren. Zwar wirkt einer der Gitarristen wie ein extra für diesen Gig eingeflogener Holzfäller, dafür kann er an der sechssaitigen Axt sehr wohl überzeugen. Sein Gegenspieler wirkt dagegen klein und schmächtig und weckt dabei Erinnerungen an Scott "die Reunion mit Joey Belladonna hat schön die Kassen klingeln lassen" Ian (ANTHRAX). Sänger Stéphane bangt wie ein Bekloppter und stachelt das Publikum zu immer weiteren Höchstleistungen an. (Vor allem Propeller-Bangen und gleichzeitig ins Mikro grunzen muss man ihm erst mal nachmachen. Aber den Stinkefinger mit feistem Grinsen bekommt er noch zurück - augenzwinkernd, Carsten) Musikalisch werden Erinnerungen an DEATH zu "The Sound Of Perseverance"-Zeiten gepaart mit PRETTY MAIDS wach. So ist es kein Wunder, dass angesichts dieser Mischung immer wieder coole Mitsummmelodien in die Songs eingeflochten werden. Dieser Meinung ist auch das Publikum, die QUO VADIS für Vorbandverhältnisse schon fast frenetisch abfeiert. Fazit: Der Sturm befindet sich im Anfangsstadium und nimmt langsam Fahrt auf.

FEAR MY THOUGHTS nehmen den Fahrtwind mit, und so verwundert es nicht, dass sich vor der Bühne der erste Moshpit bildet. Die Freiburger Melo-Death-Kapelle verwurstet AT THE GATES-Melodien mit einer Prise FEAR FACTORY, doch so richtig will der Funke nicht überspringen. Klar, das Quintett geht mit Herzblut an die Sache ran, und jedes einzelne Bandmitglied bangt sich die Seele aus dem Leib, aber nach zwei, drei Songs löst sich die Stimmung in der immer wärmer werdenden Halle in Kondenswasser auf. Das Stageacting kommt auch nicht annähernd an das von QUO VADIS ran, weshalb man nach knapp 33 Minuten als Fazit ziehen kann, dass FEAR MY THOUGHTS nicht halb so viele neue Fans hinzugewonnen haben wie die erste Vorband. Oder wie's ein Besucher treffend zusammengefasst hat: "QUO VADIS haben mir besser gefallen." Erster Zwischenstand: Der Sturm ist ins Stocken geraten und hat sich vorerst zu einem lauen Lüftchen zurückentwickelt.

Doch der Sturm kehrt zurück! NEAERA verwandeln die Kapp in einen Hexenkessel und entsenden wahre Begeisterungsstürme von der Bühne aus. Erste Crowdsurfer (u. a. Stéphane von QUO VADIS) werden gesichtet, und das Quintett ist von den Publikumsresonanzen sichtlich geplättet. Fast könnte man meinen, die Jungs haben hier ein Heimspiel. Die Metalcoresuppe wird mit einigen Melo-Death-Elementen angereichert und scheint der Menge sichtlich zu munden. Man sieht nur Matten durch die Gegend fliegen, und jeder Song wird regelrecht abgefeiert. So was erlebt man bei einem Co-Headliner selten. Außerdem hebt der Sänger positiv hervor, dass keine Kickbox-Aktionen im Publikum veranstaltet werden, was von selbigem in Form von Beifallsbekundungen bestätigt wird. Sichtlich gerührt bedankt sich die Band bei den Fans mit der Aussage, "dass es nichts Schöneres gäbe, wenn die Tour heute zu Ende gehen würde." So langsam geht es in Richtung Endspurt, und man kann nur konstatieren: Die ersten Vorboten des Orkans sind spür- und hörbar.

Und bei KATAKLYSM vor allem spürbar. Was die vier Mann starke Truppe nach einer Umbaupause von knapp 20 Minuten aus den Boxen feuert, ist nicht zu fassen! Arschtight werden die Hits zusammen mit den neuen Tracks rausgehauen. Fast kommt es mir so vor, als ob die "No Mercy"-Tour zusammen mit CANNIBAL CORPSE erst vor wenigen Wochen über die Bühne gegangen ist. Das Quartett knüpft genau dort an, wo es vor knapp acht Monaten aufgehört hat. Mit einer erstklassigen Form und Spiellaune gesegnet, fressen ihnen die Fans förmlich aus den Händen. Viel Zeit zum Erholen bleibt nicht, denn die Tracks werden fast ohne Pause in die wilde Meute gepfeffert. Positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass Maurizio in den Songpausen um einiges redseliger daherkommt. Klar, mit fast doppelt so viel Spielzeit ausgestattet kann er auch viele lockere Sprüche kloppen und ist an keinen Zeitplan gebunden. (Und Maurizio hat jede Menge Zeit, um Stagediver auf die Bühne zu holen, mit ihnen Arm in Arm zu grunzen und übereifrige Securities zurechtzuweisen, sie mögen die Sprungwilligen doch noch etwas auf der Bühne verweilen lassen - Anm. v. Carsten)

Das Konzert unterscheidet sich von vorigen musikalischen Feldzügen in Nuancen: fliegende Matten, schmetternde Refrains und Crowdsurfer, so weit das Auge blickt. Am besten kommen natürlich die eingängigen Tracks der Marke 'Serenity In Fire', 'As I Slither' und 'Illuminati' an. 'Crippled & Broken' würde selbst "einen alten Mann dazu verleiten, wieder aus dem Grab aufzustehen" (O-Ton Maurizio). Nach knapp 60 Minuten ist der Spuk vorerst vorbei, und eine sichtlich erschöpfte Menge giert nach Zugaben. Die bekommt sie auch in Form von 'To Reign Again', 'Manipulator Of Souls' und dem fast schon versöhnlichen Abschlusstrack des aktuellen "In The Arms Of Devastation"-Silberlings, 'The Road To Devastation'. Danach ist nicht nur der Akku des Schreibers leer, sondern auch der des restlichen Publikums. Fazit: Der Orkan KATAKLYSM hat bei allen Beteiligten sichtbare Spuren in Form von Nackenschmerzen und einem ungeahnt hohen Endorphinpegel hinterlassen.

Wer mal wieder die absolute Vollbedienung serviert bekommen wollte, war auf diesem Konzert goldrichtig! Gute bis sehr gute Vorbands, mehr als zivile Merch- und Eintrittspreise und ein sehr enthusiastisches Publikum. Das sollte auf jeden Fall noch angemerkt werden: Ich war ja schon einige Male in der Batschkapp auf Konzerten, aber wie das Publikum die Bands in letzter Zeit abfeiert, ist einfach nur himmlisch. So machen Konzerte auf beiden Seiten Spaß, was für die Zukunft auf jeden Fall beibehalten werden sollte.

Setlist:
Like Angels Weeping (The Dark)
Serenity In Fire
Let Them Burn
The Ambassador Of Pain
Where The Enemy Sleeps
The Resurrected
Illuminati
Crippled & Broken
1999:6661:2000
As I Slither
Face The Face Of War
In Words Of Despairation
Shadows & Dust
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To Reign Again
Manipulator Of Souls
The Road To Devastation

Redakteur:
Tolga Karabagli

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