ICE NINE KILLS, THE DEVIL WEARS PRADA, CREEPER und TX2 - München
29.11.2025 | 15:2124.11.2025, Zenith
Clowns, Anzugträger, Kettensägen und Schaufeln.
Willkommen in "Horrorwood"! Wenn ICE NINE KILLS nach München kommt, verwandelt sich das Zenith in einen Schauplatz für ein Spektakel der Extraklasse. Mit im Gepäck haben die Horror-Metalcore-Ikonen ein Line-up, das bunter und theatralischer kaum sein könnte: Von den energiegeladenen Punk-Rap-Crossovern TX2 über die britischen Vampire von CREEPER bis hin zu den Metalcore-Veteranen THE DEVIL WEARS PRADA.
An diesem Abend treffen Kettensägen auf Moshpits und Broadway-Atmosphäre auf Breakdowns. Doch wenn Äxte, Kostüme und eine massive Produktion die Bühne dominieren, stellt sich zwangsläufig die Frage: Kann die musikalische Qualität mit diesem visuellen Bombast mithalten, oder stiehlt am Ende vielleicht sogar eine der Vorbands dem Headliner die Show?
Pünktlich um 18:30 Uhr fällt im Münchner Zenith der Startschuss für einen langen Konzertabend. Den Auftakt macht TX2. Die Band, die eine wilde Mischung aus Metalcore, Rap und Punk spielt, war dieses Jahr bereits in München zu Gast. Damals traten sie als Headliner im weitaus intimeren Orangehouse des Feierwerks auf – einen Bericht zu jenem Abend, den ich damals eher erdulden musste, findet ihr hier.
Der Sänger agiert sehr aktiv und steht mit starker Präsenz im Zentrum der Bühne. Dabei wird schnell klar: Hier geht es viel um die politische Message und die Show rund um die Band. Der Fronter ist "Queer and Proud" und der Aufforderung "Fists up, if you stand with us" kommt tatsächlich ein Großteil des Publikums nach. Für TX2 ist es sicherlich erneut ein Highlight, mit ICE NINE KILLS unterwegs zu sein, die oft als große Inspiration genannt werden, auch wenn dies nun schon die dritte gemeinsame Tour markiert.
Zwischendurch gibt es die üblichen Ansagen: Applaus für alle drei noch folgenden Bands und diverse Animationen zum Mitmachen. Egal ob Hände hoch, Klatschen oder Mitsingen, das Publikum im Zenith macht mit. Auf Aufforderung entsteht sogar ein erster kleiner Circle Pit, später sieht man auch einen Mosh Pit. 'MAD', der Song mit einem Feature von ICE NINE KILLS sticht hervor, allerdings kommt der Gastpart vom Band und niemand Weiteres betritt die Bühne.
Musikalisch ist der Auftritt okay, wenn auch nicht herausragend und subjektiv einfach nicht mein Fall. Als Vorband erfüllen die Musiker ihren Zweck jedoch hervorragend: Sie wärmen das Publikum auf und bieten eine unterhaltsame Show. Um 18:50 Uhr endet das Set nach knackigen 20 Minuten. Wer möchte, trifft die Band in den Umbaupausen am Merchandise-Stand.
Um 19:20 Uhr wird es Zeit für CREEPER. Dass die Briten nach TX2 spielen, verwundert beim Blick auf die reinen Streaming-Zahlen kurz, gilt die Band doch eigentlich noch als kleinerer Nachwuchs-Act. Doch sobald das Intro vom Band läuft, das mit einer Geschichte über Vampire und den ewigen Kampf von Gut gegen Böse aufwartet, wird klar, warum sie hier sind: Thematisch passt die Truppe perfekt zum Headliner.
Die Bühne verschwindet in Unmengen von Nebel. In diesem Moment bin ich fast froh, heute nicht fotografieren zu dürfen – eine Einschränkung, die der Hauptact des Abends vorgibt, der ausschließlich mit eigenen Fotografen arbeitet. Aus dem Dunst schälen sich schließlich die Musiker: bleich geschminkt, in Lederjacken gehüllt und fast alle mit der identischen Frisur inklusive markanter "Dreieckssträhne" auf der Stirn. Die Vampir-Ästhetik wird konsequent durchgezogen.
Auch wenn CREEPER nicht ganz so hyperaktiv agiert wie ihre Vorgänger, gibt es viel zu sehen. Die Band posiert theatralisch und der Sänger nutzt den Platz auf der Bühne voll aus. Musikalisch bietet der Slot eine angenehme kurze Pause von den "Schreihälsen" des Abends. Zu hören gibt es eine eingängige Mischung aus Horror Punk, Gothic und Rock, getragen von zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug und einer Keyboarderin, die auch gesanglich unterstützt.
Der Fokus liegt dabei auf klarem Gesang, Hardcore-Einflüsse sind trotz anderslautender Einordnungen kaum auszumachen. Die Setliste beschränkt sich exklusiv auf Stücke der beiden aktuellen "Sanguivore"-Werke. Das Publikum nimmt die Show gut an und macht ordentlich mit, auch wenn es im Saal naturgemäß etwas ruhiger zugeht als beim wilden Genre-Mix zuvor. Insgesamt eine gute Vorband, die optisch wie musikalisch überzeugt.
Setliste: A Shadow Stirs; Mistress Of Death; Lovers Led Astray; Headstones; The Ballad Of Spook & Mercy; Parasite; Cry To Heaven
Um 20:10 Uhr betritt mein persönlicher Favorit des heutigen Abends die Bühne: THE DEVIL WEARS PRADA. Die US-Amerikaner starten mit 'Ritual' denkbar stark in ihr Set. Der Song entpuppt sich live sofort als absoluter Ohrwurm und ist ein würdiger Einstieg. Erfreulicherweise liegt der Fokus der Setliste stark auf dem brandneuen Album "Flowers", welches auf dieser Tour zum ersten Mal live dargeboten wird.
Die Band agiert in der Besetzung mit zwei Gitarristen (wobei die Sänger Jeremy DePoyster und der Screamer ebenfalls zur Klampfe greifen), Keyboard und Drums. Leider offenbart sich schnell ein großes Manko: Der Soundmix ist heute nicht der Beste. Während das Wechselspiel zwischen Klargesang und Screams auf den Platten hervorragend funktioniert, ist der Screamer live oft zu laut und übertönt die melodischen Parts von Jeremy DePoyster gnadenlos. Das Ergebnis wirkt stellenweise breiig, und man wünscht sich, der Mann am Mikrofon würde dem Klargesang einfach mehr Raum lassen.
Dennoch ist die Stimmung im Saal prächtig. Beim 2009er-Klassiker 'Danger: Wildman' – den ich persönlich gar nicht auf dem Schirm habe – kocht die Halle, es wird geklatscht und ein Moshpit eröffnet. Mit 'Outnumbered' von der "Zombie"-EP wird thematisch die Brücke zum Horror-Image des Headliners geschlagen. Mir persönlich driftet die Nummer allerdings zu sehr ins Harsche ab, diesen Ausflug hätte es für mich nicht gebraucht.
Jeremy DePoyster zeigt sich derweil begeistert und lobt das Münchner Publikum als "beste Crowd" der bisher "größten Show der Tour". Während die Bühnenshow selbst solide, aber nichts Außergewöhnliches ist, sorgen die ruhigeren Momente für echte Highlights. Schon bei 'For You' zücken viele Fans automatisch ihre Handys, doch bei 'Chemical' wird es magisch: Auf Aufforderung geht das Saallicht aus und das Zenith wird nur noch von tausenden Taschenlampen erhellt – eine tolle Atmosphäre! Mit 'Sacrifice' und der Ankündigung, im Herbst 2026 wieder auf EU-Tour zu kommen, verabschiedet sich die Band um 20:50 Uhr.
Setliste: Ritual; Danger: Wildman; Outnumbered; Salt; Everybody Knows; So Low; For You; Chemical; Sacrifice
Um 21:15 Uhr ist es Zeit für den Headliner. ICE NINE KILLS schießt von der ersten Sekunde an aus allen Rohren. Was nun folgt, ist weniger ein klassisches Konzert, sondern vielmehr ein Musical – nur eben mit Metalcore-Soundtrack und Horror-Thematik. Das Bühnenbild wird dominiert von einer riesigen leuchtenden römischen Neun, flankiert von Videoleinwänden, die in den Pausen Sequenzen auf alten Röhrenfernsehern zeigen.
Die US-Amerikaner fahren produktionstechnisch alles auf, was der Fundus hergibt: Clowns, Anzugträger, Tiermasken, Kettensägen und Schaufeln kommen zum Einsatz, während Statisten als Leiche, Polizist oder in anderen Rollen (inklusive ausgefallener Verkleidung) über die Bretter huschen. Besonders brutal wird es bei der "American Psycho"-Hommage 'Hip To Be Scared', als ein blonder Anzugträger vom Sänger Spencer Charnas mit einer Axt erschlagen wird, woraufhin dieser den abgetrennten Kopf küsst. Leider sehe ich von diesem detaillierten Spektakel oft nur Fragmente, da mir gefühlt drei Meter große Riesen im Publikum die Sicht versperren – ein Schicksal, das bei einer solch visuell ausgelegten Show doppelt schmerzt.
Musikalisch bewegt sich das Ganze auf hohem Niveau, wobei die Setliste zur Hälfte auf das Album "Welcome To Horrorwood" setzt. Das Publikum singt lautstark mit und feiert die Mischung aus Härte und Theater. Auch wenn mir persönlich THE DEVIL WEARS PRADA rein musikalisch heute besser gefallen hat, muss man neidlos anerkennen: Zu sehen gibt es bei ICE NINE KILLS definitiv am meisten.
Setliste: Meat & Greet; Funeral Derangements; Hip To Be Scared; Stabbing In The Dark; Wurst Vacation; Walking On Sunshine; Rainy Day; The Great Unknown; Ex-Mørtis; Farewell II Flesh; A Grave Mistake; The Laugh Track; The Greatest Story Ever Told; The Shower Scene; Welcome to Horrorwood; IT Is The End; The American Nightmare; A Work of Art
Am Ende bleibt das Fazit eines rundum gelungenen Abends mit einer spannenden Mischung. TX2 hat als Opener den Job als Anheizer top erledigt, CREEPER entpuppt sich als positive Überraschung und mein persönliches Highlight ist THE DEVIL WEARS PRADA. Der Headliner überzeugt schließlich mit einer wahnsinnig aufwändigen Produktion, die man gesehen haben muss. Eine klare Empfehlung für diese Tour! Tickets für die wenigen noch nicht ausverkaufen Shows in Deutschland sind über die offizielle Bandwebsite erhältlich.
Text: Noah-Manuel Heim
Photo Credit "TX2": Noah Manuel Heim (vom Konzert in München, am 4.9.25)
- Redakteur:
- Noah-Manuel Heim





