Classic Rock Night 2025 - Burgebrach
31.08.2025 | 12:1728.08.2025, Festplatz
Mit Heavy Metal in die Sommerpause.
Es regnet junge Hunde, als wir uns auf dem Weg zur Classic Rock Night machen, welche im Rahmen des "Sternenfestivals im Grünen" stattfindet. Noch eine letzte Open Air-Veranstaltung, bevor es wieder in die Hallen geht. Ob dies wirklich eine so gute Idee war, bezweifle ich gerade angesichts des Wetters. Die Festival-Saison bot uns irgendwie die ganze Bandbreite an Wetter. Ein verregnetes Metalfest in Pilsen, ein Rockharz-Festival in der Gluthölle von Ballenstedt sowie ein wechselhaftes Summer Breeze sorgten für reichlich Abwechslung.
71 Kilometer später kommen wir im oberfränkischen Burgebrach an, nachdem uns das Navi querfeldein durch die Pampa geführt hat. Ab an den Kofferraum und schnell in die dicken guten Regenjacken. Doch was ist das? Pünktlich zur Ankunft hat der Wettergott ein Einsehen mit den Metalheads und behält dieses ekelhafte Nass für sich. Ja, ich weiß, das Wasser ist gut und wichtig für die Böden. Aber fünf Stunden Regenpause sind doch bestimmt mal machbar.
Zumindest ist es nicht kalt und wir entledigen uns schnell wieder unserer Gummihaut. Der Einlass mit den Formalitäten funktioniert reibungslos und ehe wir uns versehen, stehen wir wirklich im Grünen. Obwohl der Festplatz in Burgebrach sehr citynah liegt, fügt er sich sehr idyllisch zwischen zahlreichen Bäumen ein.
An den Seiten gibt es ein gutes Speise- und Getränkeangebot. Bei letzterem sind wir etwas verwirrt aufgrund diverser Biersorten. Die Lösung liegt darin, dass mehrere heimische Brauereien ihre Kostbarkeiten unter das Volk bringen können. Verkauft wird der Hopfensaft heute durch den Musikverein aus Burgebrach.
Für die kommenden drei Veranstaltungen des Sternenfestivals, unter anderem mit JOHANNES OERDING, übernehmen andere Vereine aus der Gegend den Verkauf. Eine tolle Sache, wenn dadurch der ganze Ort eingebunden wird und sich die ehrenamtlichen Gruppierungen etwas dazuverdienen können. Es bleibt noch etwas Zeit und ich mache mich mit den Gegebenheiten vertraut.
Schnell treffe ich ein Bekannte aus der Metalszene. Von hinten tippt mir jemand auf die Schulter. Ich drehe mich um, kenne das Paar jedoch nicht, was gut gelaunt vor mir steht. Die beiden haben mich anhand meines Shirts als Redakteur von POWERMETAL.de erkannt und bedanken sich bei mir. Die beiden sind zwei von insgesamt vier Gewinner aus der Kartenverlosung für die heutige Classic Rock Night. Wir wechseln noch ein paar Worte, bevor es für mich in den Graben zur ersten Band des heutigen Abends geht. Es lohtn sich also, immer wieder mal bei unserem Instagram-Account vorbeizuschauen.Es ist schon recht lange her, als ich BONFIRE das letzte Mal live erlebt habe. Seit 2022 steht der Grieche Dyan Mair am Mikrofon und ich bin gespannt, ob mich die Band noch wie in den Achtzigern überzeugen kann. Mit Gitarrist Hans Ziller steht immerhin noch ein Gründungsmitglied mit auf der Bühne. Das gebürtig aus Ingolstadt stammende Quintett nimmt das Motto "Classic Rock Night" für bare Münze und beginnt mit dem Klassiker 'Ready 4 Reaction' vom bereits 1987 veröffentlichten Album "Fire Works".
Die Stimmung ist recht gut und vor dem Wellenbrecher entdecke ich immer wieder vereinzelte Pommesgabeln, die in die Luft gereckt werden. Da die Bühne einen Mittelsteg hat, bin ich ordentlich in Bewegung und überlege noch, ob ich Kilometergeld bei unserem bockstarken Chef beantragen werde. Immer wieder nutzt Sänger Dyan seine erweiterte Spielwiese und kommt so den Fans recht nah. Mit 'Never Mind' gibt es einen weiteren Song vom genannten Album. Natürlich ist es immer schwierig, wenn in einer Band die Stimme wechselt und die Sache geht auch nicht immer gut, wie man leider allzu oft erleben musste. Doch meine anfänglichen Bedenken wischt der Grieche mit einem Handstreich binnen Sekunden weg. Kraftvoll haut er die Tracks in die Menge, als hätte er nie etwas anderes gesungen. Für mich passt der Mann wie die Faust aufs Auge zur Band.
Etwas beständiger mit den Musikern sieht die Sache bei Gitarrist Frank Pane und Tieftöner Ronnie Parkes aus. Die beiden verstärken bereits seit 2014 die Band. Drummer Fabio Alessandrini ist mit 32 Jahren das Küken der Band und trommelt seit 2022 bei den Ingolstädtern. Während sich Gründer Ziller eher im Hintergrund hält, bieten seine Mitstreiter eine ordentliche Show und haben sichtlich Spaß in Burgebrach. Die Band hat in diesem Jahr das durchaus gute Album "Higher Ground" veröffentlicht, von dem es mit 'I Died Tonight' jedoch gerade einmal einen Track an diesem angenehm temperierten und dann durchgehend trockenem Abend gibt.
Aber okay, die Spielzeit als Opener ist auf 50 Minuten begrenzt und ich freue mich auf weitere alte Songs aus der guten alten Zeit. 'S.D.I.' darf ebenso wenig fehlen wie die gefühlvoll vorgetragene Ballade 'You Make Me Feel', welche vom Album "Don't Touch The Light" stammt. Kaum zu glauben, dass die Langrille auch schon wieder knapp 40 Jahre alt ist. Die Songs klingen einfach nur toll und frisch.
Mit 'Champion', dem zehnten Song auf der Setliste verabschiedet sich BONFIRE von den oberfränkischen Metalheads unter großem Applaus. Diese wollen noch mehr und verlangen lautstark nach Zugaben. Doch der Zeitplan ist straff gefasst und es kommen noch zwei weitere Bands. Wer BONFIRE noch einmal sehen möchte, hat ab Oktober die Chance. Die Band spielt dann eine Tour.
Ich gönne mir ein weiteres Bier, schließlich muss man sich mal durch die oberfränkische Braukultur probieren. Etwas hopfiger im Abgang behaupte ich und ernte dafür großes Lachen in meiner Metal-Bubble. Aber gut, mein Fokus liegt auch eher auf der Musik, mit der es dank perfekter Organisation minutengenau weitergeht.
Es ist noch nicht allzu lange her, dass ich GRAVE DIGGER live gesehen habe. POWERMETAL.de hat die Tour zum 45. Jubiläum präsentiert und ich habe mir die Show vor 220 Tagen in Nürnberg angeschaut.
Ich erinnere mich noch an heftige Nackenschmerzen nach dem Konzert in Mittelfranken, man wird halt nicht jünger. Auch heute sorgt die Gladbecker Heavy Metal-Combo um Sänger Chris Boltendahl für ordentliches Headbanging in der Crowd. Auch heute trägt er - wie seit vielen vielen Jahren - seine Kutte auf der Bühne. Wenn dies authentisch ist, dann auf jeden Fall bei Chris.
Okay, auch bei Gitarrist Tobias Kersting wirkt die Jeansbekleidung mit Patches vieler Idole meiner Jugend nicht aufgesetzt. Doch kommen wir zur heutigen Show. Chris nutzt immer wieder die erweiterte Stage, um sich zu präsentieren. Mit 'Twilight Of The Gods' geht's dann direkt in die Vollen. GRAVE DIGGER hat in diesem Jahr mit "Bone Collector" ebenfalls ein neues Album veröffentlicht, doch die Band bleibt dem Motto "Clasic Rock Night" treu und es gibt eine Menge alter, sehr gut gereifter Songs. 'Under My Flag' vom Album "The Clans Will Rise Again" ist mit immerhin 15 Jahren der jüngste Track an diesem Abend.
Die Band zeigt sich in allerbester Spiellaune und hat sichtlich Spaß in Oberfranken. Die Stimmung schwappt direkt auf die Fans über und auch ich lasse mich anstecken.
Wie schon in Nürnberg entledige ich mich nach den obligatorischen drei Fotosongs der Technik und stürze mich in die Menge. 'Valhalla', 'Excalibur' und 'Heavy Metal Breakdown' sorgen dafür, dass ich mich am kommenden Tag bei meinen Bürokollegen wieder einmal für meine heisere Stimme rechtfertigen muss. Die lieben Kollegen, sie haben leider keine Ahnung von guter handgemachter Musik.
Nach zwölf Songs ist dann auch für GRAVE DIGGER Feierabend in Burgebrach. Ich bin angesichts der Setliste zufrieden. Klar, mehr geht immer, doch ich hatte ja schon die Gelegenheit, die Headliner-Tour der Band zu erleben. Auch die Fans scheinen glücklich und zufrieden zu sein. Ich sehe um mich herum lauter glückliche und zufriedene Menschen. Was will man mehr? Okay, ich muss nicht fahren, ab zur dritten Biersorte heute Abend. Für günstige vier Euro wechselt Geld und Becher den Besitzer. Das Leben ist schön. Und einen haben wir ja heute noch.Genauer gesagt einE. DORO wurde für die Classic Rock Night als Headliner verpflichtet, was man auch dank zahlreicher WARLOCK-Shirts vermuten konnte, hätte man das Billing nicht zuvor gesehen. Die Düsseldorfer Metal-Ikone bricht etwas aus dem bisher gespielten Schema aus und startet mit 'Time For Justice', einem recht neuen Song vom 2023 veröffentlichten Album "Conqueress – Forever Strong and Proud". Doch mit 'I Rule The Ruins' geht es auch schon in die WARLOCK-Ära, auf der heute offensichtlich der Fokus liegt.
Immerhin neun der 17 gespielten Tracks stammen aus der Zeit, in der ich die Metalqueen zum ersten Mal gesehen habe. Mittlerweile ist es richtig dunkel und die Lichttechnik kommt gut zur Geltung. Natürlich sucht auch Doro immer wieder den Weg über den Steg ins Publikum.
Bassist Nick Douglas sowie die Gitarristen Bill Hudson und Bas Maas nutzen die erweiterte Spielfläche ebenfalls ausgiebig, während Drummer Johnny Dee wie gewohnt an seinem Platz das Rückgrat des Sounds bildet. Neben den durchaus fotofreundlichen Lichteffekten steigen immer wieder mal Funkensäulen in den Nachthimmel.
DORO zeigt sich in hervorragender Verfassung und gibt sich stimmlich absolut keine Blöße. Die Frau ist einfach fit und bietet auch nach mittlerweile vier Jahrzehnten eine hervorragende Show. Die anwesenden Metalfans nehmen auch diese Energie unmittelbar auf und feiern ein gutes Konzert.
Waren die Sänger der beiden Band zuvor mehr oder weniger wortkarg, ändert sich dies natürlich bei Doro. Wer die Dame schon einmal live erlebt hat, weiß, dass sie immer wieder mal zur Meute spricht. Einen Fauxpas kann DORO heute glattziehen. Hat sie mit der falschen Aussprache von Burgebrach als heutigen Veranstaltungsort für einige Lacher in den sozialen Medien gesorgt, betont sie den Ort heute richtig und erntet dafür viel Applaus. Was Doro jeden Fall kann, ist singen. Und so geht es munter und schnell durch die Setliste weiter. Ich habe längst meinen Fotokram verstaut und feiere die Songs mit meiner Bubble. Mit der Ballade 'Für Immer' wird dann ein Gang runtergeschaltet und das weite Rund wird durch Handylichter erhellt, das Ganze gibt in der schönen Location ein sehr stimmungsvolles Bild. Natürlich wird der Song auch in Burgebrach als Maxi-Version gespielt – und das lange, laute "Ohoho" der Menge sorgt für Gänsehaut. Mit 'Fire in the Sky' gibt es einen weiteren relativ neuen Song, um mit 'Metal Racer' wieder an alte WARLOCK-Zeiten zu erinnern.
Drummer Johnny Dee bekommt für sein tolles Drumsolo einen Extra-Applaus. Balladesk wird es zumindest am Anfang von 'Breaking The Law', dem Cover von JUDAS PRIEST. Begleitet von Gitarrist Hudson singt DORO den Song gefühlvoll langsam und die knapp 2.000 anwesenden Metalheads stimmen direkt mit ein. Klar, ich habe die Frau samt Band schon sehr oft gesehen, das letzte Mal 2024 in Nürnberg. Doch nach wie vor habe ich einfach tierisch Spaß an den Shows. All We Are, We Are All.
Auch zu 'All For Metal', dem ersten Song des Zugabenblocks gibt die Crowd stimmlich alles. Ich persönlich werde mit dem Track einfach nicht warm, doch das soll meine gute Laune nicht trüben. DORO sagt, sie haben noch etwas Spielzeit und fragt Wünsche ab.
Ich brülle so laut wie ich kann 'True As Steel' nach vorne und meine Begleiter zucken ordentlich zusammen. Na gut, scheinbar bin ich doch nicht ganz so laut und es geht mit 'Evil' weiter. Okay, damit kann ich dann auch leben.
Meine Nackenmuskulatur wird abermals gefordert bevor es dann in den letzten Song des Abends geht. Ich traue meinen geschundenen Ohren kaum. Was höre ich da? Ist es wirklich der vorhin von mir lauthals geforderte Song? Tatsächlich! 'True As Steel' war viele Jahre nicht auf der Setliste und ich kann mich nicht dran erinnern, dass der Song auch in Nürnberg gespielt wurde. Nun ist der alte Metal-Redakteur auf Wolke sieben und verlässt glücklich und zufrieden Oberfranken.
Thomann-Management hat die Classic Rock Night zum ersten Mal veranstaltet, die Organisation ist perfekt und gut durchdacht. Die Einbeziehung der örtlichen Vereine hat zu einem gelungen Abend beigetragen. Ich hoffe unbedingt auf eine Wiederholung dieser tollen Veranstaltung. Hoffentlich sieht man sich 2026 wieder.
Text: Karin Heinritz, Andre Schnittker
Photo Credit: Andre Schnittker
- Redakteur:
- Andre Schnittker