AVRALIZE, ACCVSED und THROATCUT. - Stuttgart
10.03.2026 | 13:1730.11.2025, Im Wizemann
AVRALIZE, ACCVSED und THROATCUT. auf der "Liminal Tour 2025" im Wizemann in Stuttgart: Moden Metalcore und Hardcore. Für jeden etwas dabei!
Manchmal kündigt sich ein besonderer Konzertabend schon lange vor dem ersten Ton an. Nicht durch große Marketingkampagnen oder gigantische Hallen, sondern durch etwas deutlich Aussagekräftigeres: Tickets, die schneller verschwinden als erwartet.
Genau das passiert bei AVRALIZE in Stuttgart. Ursprünglich ist die Show ihrer "Liminal"-Headliner-Tour im kleineren Club des Im Wizemann angesetzt. Doch der Run auf die Karten ist so groß, dass der Abend kurzerhand in die größere Halle des Hauses verlegt werden muss. Ein deutliches Zeichen dafür, wie schnell sich der Name der Band derzeit in der Szene herumspricht.
Dass diese Tour für AVRALIZE ohnehin eine Art nächster Karriereschritt ist, ist bereits im Vorfeld spürbar. Mit dem zweiten Album "Liminal", veröffentlicht Mitte November, baut die Band ihren Sound weiter aus – eine Mischung aus Metalcore, elektronischen Elementen und einem Songwriting, das sich bewusst nicht an klassische Genregrenzen hält.
Entsprechend neugierig wirkt auch das Publikum an diesem Sonntagabend in Stuttgart-Bad Cannstatt. Vor der Bühne sammeln sich Metalcore-Fans, Szene-Kids und neugierige Konzertgänger – eine Mischung, die gut zu einem Line-up passt, das vom rohen Hardcore-Einstieg bis zu einem der spannendsten modernen Heavy-Acts aus Süddeutschland reicht. Um 19:30 Uhr geht das Licht aus.
THROATCUT. – roher Auftakt um 19:30 Uhr
Die ersten verzerrten Gitarren von THROATCUT. knallen um Punkt 19:30 Uhr durch den Club im Wizemann und setzen sofort die Tonlage für den Abend.
Der Sound ist dreckig, direkt und ohne Schnörkel – irgendwo zwischen Hardcore, Metalcore und einer guten Portion brachialer Energie.
Die Songs wirken wie Faustschläge. Auch ohne jedes Detail aus dem Backkatalog der Band zu kennen, wird schnell klar, worauf THROATCUT. abzielt: maximale Intensität auf kurzer Distanz.
Der Sänger arbeitet sich mit rauer Stimme durch die Tracks, während die Band dahinter ein dichtes Brett aus Riffs und Breakdowns legt.
Die Halle ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht komplett gefüllt, aber das Publikum vor der Bühne reagiert sofort. Erste kleine Moshpits entstehen, Köpfe nicken im Takt, und man merkt schnell: Diese Band hat ihre Aufgabe verstanden. Sie soll den Abend eröffnen – und sie tut das mit Nachdruck.
Gerade diese kompromisslose Direktheit funktioniert live erstaunlich gut. Keine überflüssigen Ansagen, kein großes Drumherum. Song, Breakdown, nächster Song. Fertig. Ein kurzer, aber effektiver Einstieg.
ACCVSED – Druck, Dynamik und eine Menge Bewegung
Um 20:20 Uhr betritt ACCVSED die Bühne – und dreht die Intensität noch einmal eine Stufe höher. Schon mit dem Opener wird klar, dass die Band deutlich stärker auf Dynamik und Struktur setzt. Während THROATCUT. eher mit roher Gewalt punktet, spielt ACCVSED ein deutlich variableres Set, das zwischen aggressiven Riffs, atmosphärischen Passagen und überraschend melodischen Momenten pendelt.
Tracks wie 'Avoider' oder 'Killer of Minds' entwickeln live einen enormen Sog. Die Gitarren arbeiten sich durch verschachtelte Riffstrukturen, während die Rhythmussektion einen präzisen, fast maschinenartigen Groove liefert. Besonders stark funktioniert 'Dealers Of Doom', dessen massiver Refrain vom Publikum sofort aufgenommen wird. Man merkt, dass hier einige Fans im Raum stehen, die die Songs nicht zum ersten Mal hören.
Die Band wirkt dabei extrem eingespielt. Kein unnötiges Posieren, kein Rockstar-Gehabe – stattdessen konzentrierte Performance. Der Frontmann und die Band agieren ständig in Bewegung, suchen Kontakt zum Publikum, während sich der Sound im Wizemann immer weiter verdichtet. Mit 'Currents' endet das Set schließlich auf einem fast epischen Höhepunkt. Ein Song, der live noch einmal alles bündelt: Wucht, Atmosphäre und einen finalen Ausbruch an Energie. Der Boden vor der Bühne ist mittlerweile ordentlich in Bewegung geraten.
AVRALIZE – ein eigenes Kapitel moderner Heavy-Musik
Als AVRALIZE um 21:20 Uhr die Bühne betreten, ist der Wizemann inzwischen gut gefüllt – und die Erwartung im Raum spürbar.
Wer sich mit der Band beschäftigt hat, weiß, dass sie sich nicht so einfach in eine klassische Genre-Schublade stecken lässt.
Metalcore ist sicherlich ein Ausgangspunkt, aber AVRALIZE baut darauf ein ganz eigenes Klangbild auf. Progressive Elemente, elektronische Texturen und moderne Produktion – all das verschmilzt zu einem Sound, der sich live erstaunlich organisch anfühlt.
Der Einstieg mit 'Medicine' funktioniert sofort. Der Song baut sich langsam auf, bevor die Band mit voller Wucht einsteigt.
Sänger und Band wirken dabei bemerkenswert souverän – man merkt, dass hier Musiker auf der Bühne stehen, die technisch absolut wissen, was sie tun. Zu fast jedem Song der Platte hat die Band zwischenzeitlich ein Video produziert - 'Medicine' wird hierbei von sehr vielen gar als "Song des Jahres" gelobt.
Reacts zu solchen Songs sind rar - zu diesem Song gibt es internationale Reactions, in welchen gelobt wird, was die "Germans" hier raushauen. Ein idealer Einstieg ins Set also.
Mit 'Wanderlust' und 'Lotus' nimmt das Set früh Fahrt auf. Gerade letzterer Song zeigt, wie geschickt AVRALIZE Härte und Atmosphäre kombinieren kann.
Die Gitarren liefern druckvolle Riffs, während Synth-Flächen und Rhythmuswechsel für eine zusätzliche Ebene sorgen. 'Bite My Tongue' gehört zu den Momenten, in denen die Band ihre aggressive Seite auspackt. Das Publikum reagiert prompt: Circle Pit, erhobene Fäuste, ein Meer aus nickenden Köpfen.
Ein besonderer Moment folgt mit 'Close To You', das mit einem längeren Gitarren-Lead-in beginnt und dem Song eine etwas emotionalere Note gibt.
Hier zeigt sich erneut, wie vielseitig AVRALIZE arbeitet. Härte ist nur ein Teil ihres Sounds – genauso wichtig sind Atmosphäre und Dynamik.
Mit 'Higher' und dem brachialen 'Stab By Stab' zieht das Tempo danach wieder deutlich an. Gerade letzterer Song entfaltet live eine enorme Wucht.
'Liminal' beginnt mit einem Drum-Solo-Lead-in und gehört zu den musikalisch interessantesten Momenten des Sets. Der Track baut Spannung auf, bevor er sich in einem massiven Finale entlädt.
Danach folgen mit 'Canvas', 'Like A Boomerang' und 'Fading Faster' drei Songs, die noch einmal das gesamte Spektrum der Band zeigen – von melodischen Passagen bis zu knallharten Breakdowns.
Das Publikum ist spätestens jetzt komplett auf Betriebstemperatur.
Zugaben und ein würdiger Abschluss
Natürlich lässt sich AVRALIZE nicht ohne Zugaben von der Bühne verabschieden. Mit 'Helium' und 'Upside Down' liefert die Band noch einmal zwei Songs nach, die das Publikum lautstark feiern.
'Helium' hatte ich schon bei der Rezension der Platte als Rhythmus-Monster-Track gefeiert. Beide Songs funktionieren bestens als finaler Abschluss – zwei Songs, die Energie, Melodie und Druck gleichermaßen verbinden.
Zwischen Bühne und Merch-Stand
Nach dem Konzert zeigt sich dann noch eine Seite, die man bei vielen größeren Acts inzwischen selten erlebt: Die Band taucht kurze Zeit später selbst am Merch-Stand auf. Es dauert nicht lange, bis sich dort kleine Grüppchen bilden - Gespräche über das Konzert, Autogramme, Fotos. Für Vinyl-Sammler ist das natürlich ein besonderer Moment: Das aktuelle Album der Band ist am Stand zu einem überraschend fairen Preis erhältlich. Viele Besucher greifen zu, und kurze Zeit später wandern die frisch gekauften LPs direkt zur Band zum Signieren. Die Stimmung ist entspannt, fast familiär. Smalltalk statt Distanz, ehrliche Gespräche statt schneller Durchlauf. Genau solche Momente bleiben am Ende oft genauso hängen wie das Konzert selbst.
Fazit
Der Abend im Wizemann zeigt eindrucksvoll, wie lebendig und vielseitig die moderne Heavy-Szene derzeit ist. THROATCUT. liefert den rohen Einstieg, ACCVSED erhöht mit druckvoller Dynamik die Intensität – und AVRALIZE setzt schließlich den musikalisch ambitionierten Schlusspunkt mit einem Sound, der sich tatsächlich kaum noch klar einem einzelnen Genre zuordnen lässt.
Gerade live wird deutlich, warum viele Beobachter die Band inzwischen als eine der spannendsten Entwicklungen im modernen Metalcore betrachten. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, dürfte der Name AVRALIZE noch häufiger auf den größeren Bühnen des Landes auftauchen. Und Stuttgart dürfte sich an diesen Abend noch eine ganze Weile erinnern.
Text und Photo Credit: Marc Eggert
- Redakteur:
- Marc Eggert






