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REBELLION: Interview mit Micha und Fabrizio

19.07.2021 | 15:40

REBELLION ist zurück! Nachdem die Schwermetaller auf ihrem letzten Album erneut Shakespeare die Ehre erwiesen, geht es auf Album Nummer neun wieder deutlich politischer und sozialkritischer zu. Doch auch musikalisch haut "We Are The People" lautstark auf den Tisch, was mit Sicherheit auch an zwei Wiedersehen mit alten Bekannten sowie dem frischen Wind innerhalb des Bandcamps liegt. Jahrelange Erfahrung trifft auf frisches Blut. Darum baten wir Sänger Micha Seifert und Neu-Gitarrist Fabrizio Constantino zum Gespräch.

First of all: Wie geht es euch? Wie ist die Stimmung im REBELLION-Lager?

Fabrizio: Hi! Danke, gleichfalls! Wir sind alle gesund – zumindest körperlich – und freuen uns, dass wir seit letzter Woche endlich mal wieder legal proben dürfen. Gerade sind wir mitten in den Vorbereitungen für unser nächstes Video. Wir sind also produktiv wie eh und je!

Seit eurer "King Lear"-Arbeit sind dreieinhalb Jahre ins Land gezogen. Allen voran gab es 2019 einen Wechsel an der Position der Gitarre und zu Beginn des Jahres wurden Schießbude und zweite Gitarre ausgetauscht. Wie kam es dazu, dass sowohl Oliver als auch Stephan und Tommy die Band verlassen haben?

Micha: Da sind tatsächlich unterschiedliche Gründe zusammengekommen, wie z.B. andere Projekte und der Wunsch nach mehr Familienleben und weniger Bandstress. Liegt der Schwerpunkt auf den Bandaktivitäten, gehen dabei einfach vorwiegend viele Wochenenden drauf, und jeder in der Band muss sich immer wieder mal selber fragen, wie viel Zeit und Aufwand er dafür opfern möchte. Daher sind Line-Up-Wechsel leider manchmal zwangsläufig und auch nötig. Wichtig bei der Sache ist, dass man sich auch danach noch gut verstehen kann und es deshalb kein böses Blut geben muss.

Mit Martin und dir, Fabrizio, an den Gitarren sowie Sven am Schlagzeug hat REBELLION allerdings neue Männer gefunden. Wie kam der Kontakt zustande und wie konntet ihr euch in die Arbeiten zum neuen Album integrieren?

Fabrizio: Martin und ich kennen uns seit dem Studium. Wir schreiben und produzieren auch schon ewig Musik zusammen. Nachdem Olli ausgestiegen war, haben die Buschtrommeln den Kreis Gießen quasi erschüttert und Martin hat seine Chance genutzt und für die Band vorgespielt. Er ist ein verdammt guter Gitarrist, wenn ich das mal so sagen darf! Also hat er den Job gekriegt und ein knappes Jahr später wurde wieder eine Stelle frei. Und hier bin ich: Vitamin-B! Ganz klassisch.

Als wir dann einen neuen Drummer gesucht haben, hat uns Sven einfach ungefragt ein Video geschickt, wie er unser halbes Set spielt. Nach dem ersten Beschnuppern war dann klar, dass die Chemie passt. Er ist seitdem für die unwitzigen Witze zuständig. So einen braucht doch jede Band, oder?

Was das Songwriting und die Produktion angeht, ist das wirklich die entspannteste Platte, die wir jemals gemacht haben. Alle waren extrem motiviert und jeder hat seinen Teil sowohl organisatorisch wie auch musikalisch eingebracht. Das lief wie geschmiert.

Stichwort neues Album: Mit "We Are The People" steht REBELLION-Akt Nummer neun in den Startlöchern. Auf diesem widmet ihr euch der Zeit von der Französischen Revolution bis nach dem 2. Weltkrieg. Warum habt ihr euch – auch vor dem Hintergrund des Titels – speziell für diesen Zeitrahmen für euer neues Album entschieden?

Micha: Tomi hat schon länger von diesem Konzept gesprochen, und angesichts der aktuellen Entwicklungen und Rückschläge in Bezug auf die Europäische Union schien es der richtige Zeitpunkt zu sein, diese Thematik im Kontext der Geschichte aufzugreifen.

Fabrizio: Außerdem haben Martin und ich während des Studiums schon viel über die Rolle von Musik in Zusammenhang mit Nationalismus und Aufklärung gelesen und geforscht. Wir konnten jetzt kein Kunstmusik-Album machen, aber wir haben zum Teil wirklich über jeden Ton diskutiert. In 'Shoa (It Could Have Been Me)' war mir zum Beispiel wichtig, dass die Drums entgegen des Riffs spielen und man beim Hören immer wieder Probleme kriegt den Rhythmus zu finden, damit man im Kopf nicht so einfach mitmarschiert.

Was genau ist die Kernaussage von "We Are The People" – speziell des Albums als auch des Songs, der als letzter auf dem Album ist? Welche politischen Hintergründe hat das Album?

Micha: Ich denke, es gibt bei den Menschen verschiedener europäischen Nationen wieder mehr Ungewissheit darüber, in welche Richtung die gemeinsame Reise in die Zukunft gehen soll, und alle sollten sich daher klarer vor Augen führen, wie lang der Weg bis hierhin war, und wie viele Millionen Menschenleben er in Europa als zentralem Schauplatz gekostet hat. "We Are The People" ist ein zentraler Satz, der in den Köpfen der Menschen in der Vergangenheit viel bewegt und in Gang gebracht hat. Leider wird er heute oft von Menschen mit fraglicher Gesinnung genutzt und ad absurdum geführt.

Inwieweit hat die derzeitige Corona-Situation dieses Album beeinflusst?

Micha: Insofern, dass wir uns, wie alle, mit der Situation irgendwie arrangieren mussten. Im Prinzip ist es eine gute Ablenkung, während einer solchen Krise an einem Album zu arbeiten, auch wenn man sich dem ganzen Corona-Frust ja leider nicht total entziehen konnte und wir uns bei unseren Diskussionen bezogen auf das Album vorwiegend nur über Onlinemeetings austauschen konnten.

Mit Herrn Lulis habt ihr ein REBELLION-Gründungsmitglied für die Produkton gefunden. Worin lagen denn eurer Meinung nach die großen Vorteile, dass jemand wie Uwe, der viele Jahre Teil der Band war, den Songs diesen Sound verpasst hat? Was waren eure Gedankengänge hierbei?

Micha: Ich würde sagen, weil wir uns einfach kennen und wissen, wie wir miteinander umgehen und ein gutes Album machen können, auch wenn wir in den letzten zehn Jahren nicht so viel Kontakt hatten und jeder sein Ding gemacht hat. Es hat sich halt richtig angefühlt und wir sind uns in Anbetracht der klasse Produktion alle einig, dass es das auch war.

Außerdem hat eure ehemalige Mitstreiterin Simone ein Gitarrensolo beigesteuert. Es ist der Song 'World War II', nicht wahr? Wie kam dahingehend die Mitarbeit zustande und seid ihr über all die Jahre – von der Trennung 2010 bis jetzt – denn in Kontakt geblieben?

Micha: Es gab immer mal wieder losen Kontakt, sowohl zu Uwe als eben auch zu Simone. Da Uwe sowieso einen Song beisteuern wollte, lag die Idee schon auf der Hand, auch Simone für ein Gastspiel zurückzuholen. Es ist schön, dass dadurch ein bisschen Nostalgie und Erinnerung an die gute alte Zeit aufgekommen ist.

Um weiter auf diesen Song einzugehen: Wie kam es dazu, dass Uwe darüber hinaus den Song 'World War II' fast komplett beisteuerte?

Micha: Das war eben, wie schon erwähnt, Teil der Idee und natürlich auch als zusätzlicher Anreiz für potenzielle Käufer des Albums gedacht, da wir natürlich wissen, dass Uwe bei unseren Fans nach wie vor ein hohes Ansehen genießt.

'Vaterland' wurde laut Info von der deutschen Nationalhymne inspiriert. Was waren eure Gedanken dahinter und was soll speziell dieser Song aussagen?

Fabrizio: 'Vaterland' sollte ursprünglich gar nicht in diese Richtung gehen. Ich wollte den Eröffnungssong zur Französischen Revolution schreiben und habe mir musikalische Zitate gesucht, die dazu passen. In diesem Fall wollte ich 'Ça Ira', ein französisches Revolutionslied, integrieren. Als ich den Song dann vorgestellt hatte, kam Tomi aber sofort die Idee, diesen hymnischen Teil zum Chorus zu machen und lyrisch mit einem zynischen Kommentar zur deutschen Nationalhymne auszustatten. Es ist krass, aber das macht es auch so interessant!

Über den Song 'Risorgimento (Tear Down The Walls)' musste ich erst einmal googlen. Was genau steckt dahinter, auch im Kontext eures Albums?

Micha: Im Prinzip handelt es von dem Einigungsprozess Italiens, welcher grob gesehen eine lange Zeitspanne von der Französischen Revolution bis hin zu der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg umfasste. Schon allein deswegen passt es genau in unser Konzept. Italien ist im Prinzip aus kleinen unabhängigen Territorien entstanden, wurde dann erst zu mehreren Königreichen unter französischer Herrschaft aufgeteilt und ist letztendlich nach zähen Aufständen zu einem freien geeinigten Land geworden.

Mir liegt bezüglich des Artworks noch etwas auf dem Herzen: Es ist das mit Abstand beste eurer Karriere – meiner Meinung nach. Wer war dafür zuständig, in welchem Zusammenhang steht es mit dem Titel "We Are The People" und was symbolisiert es?

Micha: Das Cover-Artwork sollte an sich für sich selbst sprechen und wurde von Björn Gooßes bzw. Killustrations nach unseren Ideen gestaltet. Wir wollten natürlich eine gewisse Aussagekraft in Bezug auf die mühevolle Geschichte der Entstehung Europas, den langen fortdauernden Kampf um Frieden und Freiheit und die wieder ungewisse Zukunft ausdrücken. Ich denke, es ist maximal gelungen.

Wie wird es nach der Albumveröffentlichung am 23. Juli denn bei REBELLION weitergehen? Was ist in Planung?

Micha: Das ist eine gute Frage. Wir hoffen, wie wohl alle Bands, dass wir noch dieses Jahr wieder auf der Bühne stehen können und das Leben wieder in allen Bezügen genießen werden. Sollte also alles stattfinden können, wird es unter anderem eine kleine Tour zum neuen Album geben und dann werden wir weitersehen.

Ihr beiden, vielen Dank noch einmal, dass ihr euch meiner Fragen angenommen habt. Ich wünsche euch mit diesem durch und durch tollen und hochinteressanten Album alles Gute. Euch gebühren die letzten Worte – was möchtet ihr unseren Lesern und all den treuen REBELLION-Fans noch mit auf den Weg geben?

Micha: Vielen Dank für das Interview auch an dich! Hey Folks, REBELLION is back! Hört Euch das neue Album an, besucht uns auf unseren sozialen Kanälen und gebt uns gerne Euer Feedback! In diesem Sinne: We Are The People!!

Redakteur:
Marcel Rapp

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