Perlen der Redaktion: Stephan Lenzes Highlights 2025
01.02.2026 | 13:53Wie, was? 2025 schon wieder vorbei? Na, besten Dank fürs Erinnern.

Privat? Definitiv besser als das vermaledeite Seuchenjahr '24, aber noch immer genügend Luft nach oben. Gesellschaftlich und (welt)politisch? Lassen wir das besser und kommen neben gutem und langem Schlaf ohne lästige Umschweife gleich zur wichtigsten Nebensache der Welt, denn musikalisch hatte das Jahr wieder so einiges im Köcher. Legen wir also los…
Ich bin heilfroh, dass ich von diesem Juwel mit dem Titel "Forbidden Morals" dank eines geschmackssicheren Forums, wenn auch reichlich spät, noch rechtzeitig Wind bekommen habe. Frickel-Progressive Thrash im Fahrwasser von Götterbands wie den verblichenen (?) REALM und den wieder aktiven TOXIK. Solchen Stoff liebt meine Wenigkeit einfach über alles. Wer VOID also bisher noch nicht auf dem Schirm hat, sollte als Einstieg unbedingt den galaktischen Auftritt beim letztjährigen "KIT Rising" als Türöffner nutzen. Was die Jungspunde da, allen voran der 20jährige Frontmann Jackson Davenport, auf die Bretter legen, ist mal einfach nicht von dieser Welt!
Nachdem mich die belgischen Drone Doomer WYATT E. bereits vor einigen Jahren live im Vorprogramm von MESSA vollends überzeugen konnten, ist der Groschen nun auch auf Tonträger endlich gefallen. "Zamāru Ultu Part 1" nennt sich das neue Album. Kulturhistorischer Content, verpackt in mitunter sehr ausladende Kompositionen. "Musik für die Götter der Alten Welt" nennt die Band selbst ihre Kunst. Kann man bedenkenlos so stehen lassen. Anspieltipp: Das grandiose 'The Diviner’s Prayer To The Gods Of The Night', gesanglich veredelt von Gaststängerin Nina Saeidi (LOWEN).
Was wäre die (nationale) Welt ohne TEAM SCHEISSE? In den frühen 80ern hätte die Band, zumindest in der hiesigen Punkszene, wohl sehr gefährlich gelebt von wegen Kommerz, Mainstream und Ausverkauf und so. Zum Glück sind jene finsteren Zeiten aber vorbei und schlussendlich hat sich wohl auch dort der einfache Leitsatz durchgesetzt: Entscheidend ist aufm Platz, äh, auf Tonträger! Und da liefert die Band auch auf "20 Jahre Drehorgel" wieder mal verdammt geil ab. Keine Punk-Band beherrscht das Tandem "griffige Drei-Akkorde Songs/spitzzüngige und gehaltvolle Texte" so kongenial wie eben das gelobte TEAM SCHEISSE.
Die Könige des schwerfälligen Funeral Doom/Death Metal aus Lyndhurst, New Jersey sind zurück. Natürlich ist die Rede hier von EVOKEN. Nicht ganz so klaustrophobisch-erdrückend-genial wie noch auf ihrem ewigen Meisterwerk "Atra Mors" und nicht ganz so angenehm beklemmend wie auf dem Vorgänger "Hypnagogia", aber der überschaubaren "Konkurrenz" doch auch auf "Mendacium" noch immer meilenweit voraus (ESOTERIC mal ausgenommen).
Als alter NECROS CHRISTOS-Fanboy habe ich das Nachfolgeprojekt SIJJIN natürlich immer auf meinem Radarsystem. Meinethalben hätte man im Vergleich zum Debüt ruhig noch eine kleine Schippe draufpacken können, aber unterm Strich ist das hier auf "Combat" natürlich wieder schön morbider Death Thrash auf Champions League-Level, an dem sich so einige namhafte Kapellen da draußen ein, zwei Scheibchen abschneiden könnten.
Bereits beim letztjährigen "Headbangers Open Air" konnte ich mich von der superben Klasse des aktuellen Werks der amerikanischen Prog/Heavy Metaller WINGS OF STEEL überzeugen, denn dort hatten die Jungs bereits drei heiße Nummern des aktuellen Werks "Winds Of Time" mit im Reisegepäck. Aber auch die restlichen fünf Songs haben es absolut in sich, daran ändert auch das furchtbare Cover-Artwork nichts. So manch einer hält die Truppe für einen müden Abklatsch von Bands wie QUEENSRŸCHE und CRIMSON GLORY. Das ist natürlich ganz großer Kokolores, daher rate ich jenen Nörglern höflich: Selber müde, weiterschlafen!
Auf SADIST ist ganz einfach immer Verlass. Sieht man einmal vom Totalausfall "Lego" aus dem Jahr 2000 ab, haben die italienischen Prog-Death-Spezialisten bisher noch nie ein richtig mieses oder auch nur durchschnittliches Album abgeliefert. Das bleibt glücklicherweise auch bei "Something To Pierce" so, auf dem man sich wieder mehr der alten Stärken besonnen hat: Schön verzwirbelte Song- und Breakstrukturen, dazu wieder eine Prise Jazz und vieeeel Groove und dabei immer schön brutal auf die Zwölf. Genau so muss das!
Als Kind der 80er hatte ich natürlich mächtig Spaß mit der neuen Platte "Walk The Shadows" von LORD VIGO. Ewig lange hatte man die Songs unter Verschluss gehalten, bis man letztendlich auf die Idee gekommen ist, diese nun endlich auch mal einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Welch eine fantastische Idee, entfalten die Songs doch zum einen tolles Retro-Feeling als auch durchaus "heutige" Atmosphäre. Der perfekte Hybrid aus Dark Wave/Gothic/80ies Synth, garniert mit LORD VIGOscher DNA. Somit bleibt es auch bei dem neuen Opus: Wo LORD VIGO draufsteht, ist und bleibt auch LORD VIGO drin.
Für mich einer der besten deutschen Newcomer der jüngeren Metal-Geschichte. Konnte ich mit der famosen Debüt-EP "Landscape Of Sorrows" seinerzeit meinen persönlichen Review-Einstand hier feiern, so überzeugt auch das erste abendfüllende Album "Human" von TALES OF MIKE auf ganzer Linie. Dominierte auf dem Erstling noch epischer, elegischer Epic Doom, so überrascht uns Mastermind Mike Hess hier mit einer deutlich breiteren Palette. Thrash-, Heavy- und sogar vereinzelte Prog-Elemente; Nichts scheint den Vollblutmusiker hier wirklich zu schrecken, aber: Wer kann, der kann eben auch. Ich bin gespannt, was uns auf dem nächsten Album erwartet, aber auch hier hat Hess, ich plaudere ein wenig aus dem Nähkästchen, wieder einmal Großes vor.
Unser aller Lieblings-Vampir James Rivera hatte im Vorfeld den Mund ganz schön voll genommen. Vielleicht hatte er aber auch einfach nur eine Margarita zu viel intus. Das neue HELSTAR-Album "The Devil's Masquerade" könne man quasi auf eine Stufe mit den legendären ersten Alben stellen. Nun denn, ich tat mich anfänglich ob dieser Erwartungshaltung ein wenig schwer mit der Platte, mittlerweile läuft das Ding hier aber doch relativ häufig. Wer die letzten Alben gefeiert hat, wird ergo auch mit dem neuen Opus verdammt viel Freude haben.
Nach LORD VIGO folgt hier der 80er-Huldigung zweiter Teil. Kein MESSA-Album gleicht dem anderen. Auch für "The Spin" brauchte ich wieder wirklich viele Spins, bis ich mit dem Material wirklich warm geworden bin, aber dann… Wie gehabt lebt ein Album der sympathischen Veroneser ganz beträchtlich von Sara Bianchins einzigartiger und facettenreicher Stimme und den unverschämt hohen Qualitäten von Gitarrist Alberto Piccolo, den ich nach wie vor wirklich für einen der meistunterschätzten Gitarristen da draußen halte. Wenn auch in meinen Ohren nicht ganz so edel wie der Vorgänger, war es am Ende des Jahres trotz allem eines meiner meistgespielten Alben. Noch weitere Fragen?
Warum man von CANCERs neuem Geniestreich "Inverted World" in den hiesigen Print- und Online-Gazetten so erschreckend wenig vernommen hat, entzieht sich leider meiner Kenntnis, denn die Platte hat mich von Anfang an definitiv härter an den Eiern gepackt als so manch lang ersehnter Release anderer, weitaus namhafterer Kapellen. Kann man nichts machen, also muss ich hier im Nachhinein noch mal ein wenig die Werbetrommel rühren: Tiefschwarzes und garstiges Todesblei mit leichtem FrickelEinschlag und einer richtig amtlichen Thrash-Note. Just give it a try!
Ein sicherer Garant für hohe Song- und Atmosphäre-Qualität sind und bleiben die belgischen Ritual Lovers WOLVENNEST auch mit ihrer neuem Werk "Procession". Dieses Mal hat man gleich Stoff für ein ganzes Doppelalbum in petto. Hypnotischer und beschwörerisch krass verdichteter Psychedelic Doom, wie ihn keine zweite Band zelebriert. Solltet ihr den ultimativen Soundtrack für ein okkult gefärbtes Räucher-Ritual suchen, werdet ihr vermutlich nichts Passenderes und vor allem Besseres finden.
Das erste Highlight des Jahres! Und bereits im Januar hätte ich nach den ersten Durchläufen von AVATARIUMs neuem Album "Between You, God, The Devil And The Dead" meinen Allerwertesten darauf verwettet, dass die Platte am Ende des Jahres auch einen verdienten Platz in meiner Jahresliste finden wird. Und so war es dann auch, und mein werter Hintern bleibt somit weiter in meinem Besitz. Allein für Entenpelle-Inselnummern wie 'My Hair Is On Fire (But I'll Take Your Hand)' und den Titeltrack gebührt den Schweden mindestens der Musik-Nobelpreis, auch wenn es diese Auszeichnung ja leider gar nicht gibt. Vermutlich das beste Album seit dem Debüt!
Man kann es ganz einfach schweizerische Gemütlichkeit nennen, aber erst fünfzehn Jahre nach der offiziellen Reunion das entsprechende Comeback-Album rauszuhauen, bedarf schon einer gewissen Chuzpe, die sich wohl nicht viele Bands leisten können. CORONER kann aber, wenngleich ich ehrlich gesagt auch nicht mit einem solchen Brett von Album gerechnet hatte. Tatsächlich habe ich weder in einschlägigen Foren noch in diversen Reviews nur ein richtig schlechtes Wort über "Dissonance Theory" lesen können, was für sich gesehen zwar schon irgendwie verdächtig erscheint, aber es ist eben, wie es ist. Das Trio schafft es auf wundersame Art und Weise, den Geist der ersten vier Alben mit der Atmosphäre des seinerzeit etwas unliebsamen "Grin"-Albums zu einem absolut griffigen musikalischen Konglomerat in die Neuzeit zu retten. Und erst jetzt wurde ich übrigens der Tatsache gewahr: In all den Jahren und Dekaden ist es nicht nur ansatzweise irgendeiner Band gelungen, das vorhandene "Loch" zu füllen. Ist nun ja aber auch egal, denn das Schweizer Brachial-Uhrwerk ist zurück auf der Bildfläche, und das ist auch gut so.
Auch wenn PHANTOM SPELL und WYTCH HAZEL zweifelsohne auch richtig starke Alben dieses Jahr präsentiert haben, in Sachen okkult angehauchtem und 70ies-beeinflusstem Heavy Rock haben eindeutig die Finnen MAUSOLEUM GATE mit ihrem dritten Album "Space, Rituals And Magick" die Nase vorn. Retrohafter Heavy Metal und mit Verstand und Finesse eingesetzte Twin Guitars, Hammond-Orgel, Mellotron und allerlei anderer schöner technischer Errungenschaften, die ein kompositorisch ohnehin schon bockstarkes Album noch versüßen, machen die Platte einfach zu einem kleinen Geniestreich par excellence.
Eine Platte, die ich seinerzeit nun so gar nicht auf dem Zettel hatte, ist "Braiding The Stories" von GAAHLS WYRD. Aber der feinsinnige Norweger Gaahl hat hier wirklich ein unfassbar gefühlsintensives und düsteres Album vorgelegt. Experimentell-avantgardistische Songstrukturen treffen auf anspruchsvolles Songwriting, surreale Klangwelten und vereinzelt auch einfach nur unsagbar geile Riff-Wände ('Time And Timeless Timeline'). Wahrscheinlich des Meisters bisher reifstes und emotional dichtestes Werk ever!
Eine der wenigen Bands, von denen ich mir wohl bis zur Auflösung der Band jedes Album vollkommen blind und ungehört kaufen werde, hört auf den Namen HEXVESSEL und kommt aus Finnland. Auch wenn die Band um den charismatischen Sänger, Gitarristen und Tausendsassa Mathew "Kvohst" McNerney schon so manche verschiedenen Genres und Stile (mit Erfolg!) beackert hat, setzen sie auf "Nocturne" den auf dem Vorgänger "Polar Veil" eingeschlagenen Weg konsequent fort, heißt: es bleibt überwiegend schwarzmetallisch mit dezenter Folk- und psychedelischer Ambient-Färbung. Ein Konzeptalbum über Nacht, Wald und Einsamkeit kann darüber hinaus übrigens auch einfach kein schlechtes Album werden.
Bis auf zwei (!?!?) News-Einträge (von denen einer von mir selbst stammt und der andere aus dem Jahr 2016 datiert) finde ich in der jahrzehntelangen Historie von POWERMETAL.de NICHTS über die einzigartige, unvergleichliche, großartige und umwerfende Künstlerin ANNA VON HAUSSWOLFF aus Schweden. Kein Album-Review, kein Konzertbericht etc. Was zur Hölle war denn da los in der Vergangenheit, liebe Kolleginnen und Kollegen? Das muss ich jetzt erstmal verdauen und hier in dringender Bälde Abhilfe schaffen. Somit erspare ich mir nun auch jegliche Versuche einer kurzen Zusammenfassung und verweise auf mein bald kommendes Review des wahrhaft göttlichen neuen Albums "Iconoclasts". Menschenskinder…
Dass der amerikanische Wahl-Berliner DAVID JUDSON CLEMMONS seit seinen Tagen bei DAMN THE MACHINE, MURDERCAR und MINISTERS OF ANGER auch weiterhin musikalisch sehr regelmäßig aktiv geblieben war, ist an mir Schlafmütze all die Jahre leider komplett vorbeigegangen. Ich hatte mich auf das Review von "Everything A War" mehr oder weniger blind beworben und erst im Nachhinein begriffen, um wen es sich hier eigentlich handelt. Wenn der Spruch mit dem blinden Huhn zutrifft, war das hier gefundene Korn nicht weniger als das in meinen Ohren BESTE ALBUM DES JAHRES. Keine Platte hat mich emotional mehr berührt. Sieben Songs auf 47 Minuten, jedes Stück an der exakt richtigen Position (wer beherrscht diese vermeintlich einfache Gabe heutzutage denn noch wirklich?). Wer mehr wissen will über das Album, welches bereits jetzt für mich persönlich Klassiker- und Insel-Status besitzt, muss es kaufen und hören, oder WENIGSTENS das entsprechende Hauptreview lesen. Bereuen selbstverständlich absolut ausgeschlossen!

Natürlich war wie jedes Jahr auch eine Menge Schund dabei. Und ehemals richtig ordentliche bis gute Bands wie HELLOWEEN, TESTAMENT oder KREATOR (sorry, gehört ja schon zu 2026) könnten auf ihren musikalischen "Erzeugnissen" höchstwahrscheinlich auch mit elektrischer Ukulele und allem weiteren Nonsens hantieren, und es würde wohl weiterhin megamäßig abgefeiert werden. Zum Glück muss ich aber nicht alles verstehen, was in unserer "Bubble" so alles abgeht. Aber alles andere wäre ja aber auch total langweilig, denn natürlich gilt auch weiterhin die goldene Faustregel: Über Musik lässt sich ganz vortrefflich (nicht) streiten, oder etwa nicht?! In diesem Sinne bleibt streitbar, aber respektvoll und verteidigt auch weiterhin eure Herzens-Alben und die Musik eures Vertrauens wie eine Löwenmutter ihr frischgeborenes Kind!
Allen, die bis hierhin durchgehalten haben, sei mein ergebenster und herzlichster Dank sicher. Ein virtueller Drücker für jede(n) von euch!
Das war's von mir nun auch aus musikalischer Perspektive. Als kleiner Bonus folgt im Anschluss noch ein kurzes und knappes außermusikalisches Ranking. Wir lesen und sehen uns…
RAISE THE FIST OF THE METAL CHILD!
Bester Film: The Life Of Chuck
Beste Serie: Pluribus
Bestes Buch: Thomas Melle - Haus zur Sonne
Beste Theater-Erfahrung: A Perfekt Sky (Regie: Falk Richter, Schauspielhaus Hamburg)
Beste Youtube-Performance: Die militante Veganerin
|
Rang |
Band | Album |
| 01. | DAVID JUDSON CLEMMONS | Everything A War |
| 02. | ANNA VON HAUSSWOLFF | Iconoclasts |
| 03. | HEXVESSEL | Nocturne |
| 04. | GAAHLS WYRD | Braiding The Stories |
| 05. | MAUSOLEUM GATE | Space, Rituals And Magick |
| 06. | CORONER | Dissonance Theory |
| 07. | AVATARIUM | Between You, God, The Devil And The Dead |
| 08. | WOLVENNEST | Procession |
| 09. | CANCER | Inverted World |
| 10. | MESSA | The Spin |
| 11. | HELSTAR | The Devil's Masquerade |
| 12. | TALES OF MIKE | Human |
| 13. | LORD VIGO | Walk The Shadows |
| 14. | SADIST | Something To Pierce |
| 15. | WINGS OF STEEL | Winds Of Time |
| 16. | SIJJIN | Combat |
| 17 | EVOKEN | Mendacium |
| 18. | TEAM SCHEISSE | 20 Jahre Drehorgel |
| 19. | WYATT E. | Zamāru Ultu Part 1 |
| 20. | VOID | Forbidden Morals |
- Redakteur:
- Stephan Lenze





