Oasen der Nostalgie 02/1986: GRIFFIN - "Protectors Of The Lair"

13.02.2026 | 22:44

Das Unperfekte in Perfektion oder zu schräg für empfindliche Ohren?

Willkommen zu Runde zwei der "Oasen der Nostalgie". Nach "Graceful Inheritance" von HEIR APPARENT reisen wir nun noch ein wenig tiefer in den US-metallischen Untergrund und stellen Euch "Protectors Of The Lair" von GRIFFIN vor. Wir haben Stimmen von Redakteuren gesammelt, für welche die Band eine Herzensangelegenheit ist. Doch neben Fakten, Anekdoten und Geschichten von damals schildern wir natürlich auch die Eindrücke unbedarfter Ohren. Gleich vier Therapeuten nehmen diese Gelegenheit zum Anlass, das Album zum ersten Mal unter die Lupe zu nehmen. Reiht sich hier jemand in die Jubeleien der alten Hasen ein, oder ist solche Musik heutzutage chancenlos? 



Da ich das Album "Protectors Of The Lair" auf diesen Seiten in Bälde noch einmal separat würdigen und glorifizieren werde, mache ich es hier kurz. Schon das Intro mit dem "polish king" in der Textzeile führt spannend in die kommenden Großtaten. Die Textzeile "hunger grows wild" beim Auftaktsong bringt es dann auf den Punkt, doch der bietet nicht nur typischen Opener-Speed, sondern auch feine Textzeilen rund um die "vampire queen", die einem für immer im Ohr bleiben werden.

Das gilt ebenso für alle anderen Tracks: US Metal bot seinerzeit mit Flitzegitarren, schrägen Inhalten, harten und dabei melodischen Refrains und großartigen Leads im Dauerfeuer beste Unterhaltung. Die Kreativität war überbordend und ist ähnlich hoch einzuschätzen wie zehn oder fünfzehn Jahre vorher, als die Rockgiganten abhoben.

'Cursed Be The Deceiver' enthält einen Chorus, den man nach vierzig Jahren noch geil findet. Und 'Tame The Lion'? Das ist der Erhabene selbst, hier muss Gott die Band kurz ins Vorzimmer gelassen haben, um ihr ein paar Noten zu schenken. GRIFFIN machte das Beste daraus. Anhören ist Pflicht! So geht das auch auf Seite zwei (hab das Ding als LP, logo!) weiter.

Kurz: zehn von zehn! Vertonte, enthusiastische Jugendzeit, Stendahl hat gesprochen!

Note: 10/10
[Matthias Ehlert]

 

Ich will ehrlich sein und zugeben, dass ich bis zu dieser Gruppentherapie noch nie etwas von der Band GRIFFIN oder dem Album "Protectors Of The Lair" gehört habe. Grundsätzlich bin ich aber neugierig auf musikgeschichtliche Klassiker und höre mir die Platte gerne mal an. Im ersten Moment bereue ich es. Die kurzen Trommelwirbel und die Erzählung über das Grab des polnischen Königs wirken arg merkwürdig. Für mich ist es eines der schlechtesten Albumintros, die ich je gehört habe.

Glücklicherweise gilt dieser Ersteindruck keineswegs für die Musik. Schon beim Opener 'Hunger' werde ich abgeholt. Da scheint in den achtziger Jahren eine junge Band am Werk gewesen zu sein, die richtig Bock auf räudigen Speed und Power Metal gehabt hat. Die Energie ist hör- und spürbar. Das macht über den Großteil der zehn Tracks viel Spaß.

Für den Moment mag ich, was ich höre. Ob es etwas für den Langzeitgenuss ist, weiß ich allerdings noch nicht. Auf Dauer wirken die Lieder doch etwas gleichförmig. Auch der Gesang kann nicht immer überzeugen. Das größte Manko ist jedoch die Produktion. Da wäre doch im Jahr 1986 sicher schon mehr drin gewesen. Warum klingt die Platte nicht wenigstens wie eine "Walls Of Jericho" oder eine "Batallions Of Fear"? Dann hätte sie noch eine ganz andere Aussagekraft und würde für heutige, jüngere Ohren besser gealtert sein.

Noch mehr würde mich jedoch interessieren, wie sich GRIFFIN als Band entwickelt hätte. Großes Potential ist auf "Protectors Of The Lair" herauszuhören. Andere Bands dieses Genres haben ja durchaus interessante und individuelle Wege in den 1990er Jahren eingeschlagen. Das wäre hier spannend gewesen, doch leider hat sich die Gruppe aufgelöst.

So bleibt ein Album übrig, das wohl zurecht von vielen Kollegen als kleines, aber nostalgisches und vielleicht etwas in Vergessenheit geratenes Juwel bezeichnet wird.

Note: 8,5/10
[Dominik Feldmann]

 

Ich kann mich noch genau erinnern an diesen Spätsommertag irgendwann in den sehr frühen 1990ern, als ich in einer ziemlich verlotterten Ecke von Rotterdam einen kleinen, schmuddeligen Plattenladen entdeckte, der sich als wahre Goldgrube erweisen sollte. Mit dem Inhaber kam ich schnell ins Gespräch, war sonst eh niemand da, und bei einem gepflegten Afghan Kush wühlten wir uns durch ein paar verstaubte Vinyl-Kartons.

Das Erste, was ich herausfischte, war "From This Day Forward" von OBLIVEON, Kenner wissen, was das bedeutet. Dann kam "Dead Brain Cells" von DBC zum Vorschein und ziemlich am Ende der Session "Protectors Of The Lair" von GRIFFIN. Diese Göttergabe war mir bisher nur durch Tapetrading zu Ohren gekommen, die Kassette war schon ziemlich durchgenudelt. Jetzt hielt ich endlich die Original-LP in meinen zitternden Händen, und weil ich so gerührt war (oder der Händler so bekifft), bekam ich armer Schlucker sogar noch einen Sonderpreis auf die mindestens zehn eingetüteten Scheiben.

Seit diesem Tag hat das "Protectors Of The Lair"-Vinyl von GRIFFIN einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen und auf meinem Metal-Altar. Ich kenne kaum eine Platte aus den glorreichen 1980ern, die auf so wunderbar eigenwillige und charismatische Art und Weise Speed und Thrash Metal mit frühem, noch nach NWoBHM klingendem US Metal und hymnischem Epic Metal verschmelzen lässt. Hier ist auf herrlich unperfekte Art und Weise einfach alles perfekt: sensationelle Gitarrenarbeit, grandioser Gesang, intensive Atmosphäre und einfach nur jede Menge Heavy Fuckin' Metal, wie ich ihn so sehr liebe.

Wer den Spirit des klassischen Heavy Metals verstehen will, muss "Protectors Of The Lair" zumindest kennen, für mich ein Referenzwerk, völlig unabhängig von seinem (nicht vorhandenen) kommerziellen Erfolg.

Note: 10/10
[Martin van der Laan]

 

Oh, ich mag solche Geschichten, lieber Martin. Dieses Stöbern durch LPs, das Finden lang gesuchter Scheiben, das unverhoffte Entdecken grandioser Musik. Ich hatte ähnliche, unvergessliche Momente erlebt. Und irgendwie ist das heute alles anders.

Von daher kann ich es zumindest versuchen, mich bei meiner Erstbeohrung von GRIFFINs "Protectors Of The Lair" in eine solche Situation hineinzuversetzen, ich stelle mir einfach vor, dies nun gemeinsam mit Dominik zu tun. Und ich habe ja seit Jahren schon großen Spaß, alte und mir unbekannte Klassiker zu entdecken und lieben zu lernen.

Leider komme ich nicht so gut in die Scheibe hinein wie Dominik. Die Gitarren klingen mir etwas zu spitz, zu schraddelig, und wie meistens, wenn meine Kollegen bei etwas von "räudig" sprechen, bin ich schon fast raus. Ich bleibe aber dran und komme durchaus in eine ähnliche Stimmung wie beim Hören von HELLOWEENs "Walls Of Jericho", und das nicht nur, weil Dominik das anspricht. Diese Scheibe ist für mich eben genau dieses perfekt Unperfekte, das Martin beschreibt. Untighte Drums, wackeliger Gesang, verwaschene Schrammelgitarren und trotzdem mit so viel Flair und Charme, dass ich es noch heute über alles liebe. Könnte das auch mit GRIFFIN klappen?

Ich glaube eher nicht, denn ein entscheidender Punkt geht mir hier ab. Es bleiben einfach keine Hooks hängen. Nee, lieber Stendahl, 'Cursed Be The Deceiver' geht mir einfach nicht rein, der Gesang ist mir auch einfach zu spitz, obwohl ich die Inspiration von CIRITH UNGOL höre und heutzutage durchaus auch schätzen kann. Manchmal leuchtet auch MERCYFUL FATE auf und es macht mich ein wenig stolz, dass ich dies erkenne; vor ein paar Jahren noch war ich blank bei solchen Bands. Deswegen kann ich aber auch mit etwas Selbstvertrauen sagen, dass GRIFFIN dann doch nicht so gut ist.

Dennoch, "Protectors Of The Lair" läuft seit einigen Tagen immer wieder und ich bin froh, die Musik nun zu kennen. Ich kann zustimmen, dass 'Tame The Lion' besonders ist, das ist definitiv der Song, der aufhorchen lässt. Die Soli schneiden ins Ohr, die alten Käuze mögen das so, sollen sie. Ich finde sogar Passagen, bei denen ich meine Vorredner mit den Zehnern ansatzweise auch verstehe. Aber so eine Note für dieses Album ist in meiner Welt absurd, ich denke, das wäre sie auch Ende der 80er schon gewesen.

Meiner Einschätzung nach hört man auf "Protectors Of The Lair" absolute Nischenmucke, was erklären mag, warum ich von der Scheibe vorher nie einen Ton gehört habe (oder mich nicht erinnere). Die Musik lässt mich nun auch etwas zerrissen zurück, das ist ungewöhnlich und individuell, aber ist es deswegen auch gut? Bin hier leider noch unentschieden.

Note: 6,5/10
[Thomas Becker]

 

Diese Rubrik wird hier anscheinend meine Metalschule. Denn ähnlich wie bei HEIR APPARENT und deren "Graceful Inheritance", kannte ich auch "Protectors Of The Lair" von GRIFFIN bisher noch nicht. Tja, das kommt davon, wenn man bisher immer selbst Trüffelschwein gespielt hat und keine netten Kollegen hat, die einen mit solchen Schätzen, wie diesem Album hier, füttern.

Dabei bringt das Zweitwerk der Amis eigentlich viel mit um es nicht zu mögen. Die Produktion ist, auch für damalige Verhältnisse, bescheiden. Das Songwriting könnte besser sein, es rumpelt gehörig, die Songs wirken, wie schon meine Kollegen erwähnten, räudig und kauzig. Außerdem gehört Sänger William McKay sicherlich nicht zu den besten Vertretern seiner Zunft. Aber gerade diese vermeintlichen Makel machen das Album (fast) perfekt im Unperfekten, denn das Ergebnis ist mehr als stimmig. Und so ist "Protectors Of The Lair" eine Platte, die bei Gelegenheit auch in meinen Schrank wandern wird.

Note: 9,0/10
[Rene Juffenholz]

 

Ich will ehrlich sein, "Protectors Of The Lair", das hier von Matthias und Martin ja komplett bedingungslos abgefeiert wird, ist mir vor dieser Gruppentherapie tatsächlich noch nicht über den Weg gelaufen, obwohl ich eigentlich ein durchaus offenes Ohr für diese Art von US Metal bzw. Heavy Metal habe. Wird sich GRIFFIN also nun für mich als positive Underground-Überraschung herausstellen, bei der ich weitere Ahnenforschung betreiben werde?

Nun, im Gegensatz zu den Kollegen Dominik und René höre ich die Scheibe als Neuling im GRIFFIN-Kosmos mit deutlich weniger begeisterten Ohren. Dabei stimmt hier handwerklich eigentlich alles: Die Trademarks des Genres werden mit tollen Riffs und teils auch feinen Soli zelebriert, während die Drums die ganze Sache ordentlich nach vorne peitschen und William Rodrick McKay mit seiner heiseren Stimme den erwartbaren gesanglichen Beitrag liefert. Packen tut mich dabei allerdings keiner der Songs in Gänze, denn das Songwriting wirkt durchweg seltsam fahrig und teilweise etwas ziellos und auch, wenn die schrägen Gesangslinien durchaus ein Qualitätsmerkmal in dieser Interpretation des Heavy Metals sind, bleibt mir auch an dieser Front viel zu wenig Zählbares hängen, das dafür sorgen könnte, dass ich wirklich Lust auf einen GRIFFIN-Deepdive bekomme. Wo beispielsweise Matthias den grandiosen Refrain in 'Cursed Be The Deceiver' hört, erschließt sich mir nicht. Und ja, auch klanglich ist nicht alles in Butter, denn auch wenn der rumpelige Sound natürlich für eine Underground-Perle dazugehört, ist doch fraglich, warum ausgerechnet der Bass hier unbedingt die "...And Justice For All"-Behandlung bekommen musste und zumeist gänzlich unhörbar hinter der rumpelnden Bassdrum verschwindet.

So bleibt "Protectors Of The Lair" ohne den Blick des Zeitzeugen, der ein emotionales Erlebnis mit der Scheibe verbindet wie Martin, am Ende ein solides und durchaus kultig angehauchtes US-Metal-Album, dem allerdings für mich der große Aha-Moment fehlt, um es zu mehr als einem durchschnittlichen Genre-Beitrag zu machen. Und da "Protectors Of The Lair" damit hinter den Klassikern dieser musikalischen Spielart deutlich ansteht, gibt's gemäß unserer Notenskala 6,5 Zähler, wobei ich mich zurückhalte, für das reichlich nichtssagende Cover-Artwork noch einen halben Zähler obendrauf abzuziehen.

Note: 6,5/10
[Tobias Dahs]

 

Als klar wurde, dass wir "Protectors Of The Lair" in dieser wundervollen neuen Rubrik vorstellen würden, war mir von Beginn an bewusst, dass die Voraussetzungen anders ausfallen würden als bei WATCHTOWER oder HEIR APPARENT. Die Band GRIFFIN hat es trotz euphorischer Presse und zweier sensationeller Alben nie geschafft, einen höheren Bekanntheitsgrad zu erlangen. Schade und auch erstaunlich, schaut man auf die Geschichte der Band, die bis in die Jahre 1978/79 zurückgeht, wo man unter dem Namen SINISTER SAVAGE in San Francisco aktiv war. Sänger William McKay war sogar kurzzeitig mit Kurdt Vanderhoof in einer frühen Inkarnation von METAL CHURCH aktiv und nahm sich von dort Drummer Rick Wagner mit um seine eigene Band zu gründen. So viel faktisches Beamten-Mikado, nur um einmal aufzuzeigen, dass wir hier keineswegs irgendeine Zweite-Reihe-Band am Wickel haben, die froh sein kann, zwei Alben veröffentlicht zu haben.

Ich weiß noch, wie ich bei Veröffentlichung des ersten Albums "Flight Of The Griffin" im Plattenladen meiner Wahl mit mir kämpfen musste. Denn das Problem war, dass das US-Label Shrapnel damals vier grandiose Scheiben zeitgleich veröffentlichte, die es allesamt nur als teure Importe gab. Neben der GRIFFIN waren das TRAUMA "Scratch And Scream", HEXX "No Escape" und CHASTAIN "Mystery Of Illusion". Meine Wahl fiel auf TRAUMA, allein aufgrund der Burton-Verbindung, und auf eben GRIFFIN. Ich war von Beginn an von dieser grandiosen Mischung aus leicht verschachteltem US Metal und Thrash mit diesem sensationell schrillen Gesang begeistert. Auf dem etwas mysteriösen Nachfolger, um den es hier geht (endlich!), geht man die Sache deutlich thrashiger an, was eventuell an zwei Faktoren lag: dem musikalischen Umfeld der Bay Area und dem Schrumpfen auf ein bassloses Trio. Daher bedient Gitarrist Rick Cooper auf diesem Album auch noch den Tieftöner. Damit ist jetzt aber der trockene Faktencheck endgültig abgeschlossen und ich kann auf die Meinungen der Kollegen reagieren.

Auf die Parallele zur ersten HELLOWEEN muss man erstmal kommen, denn rein musikalisch höre ich da wenig Ähnlichkeiten, außer man beschränkt seine Vergleiche auf eine gleiche Besetzung. Kinderlied-Melodien gibt es auf "Protectors Of The Lair" bei aller Liebe zu "Walls Of Jericho" nämlich keine. Obendrein schrillt der extreme Gesang von McKay auch jegliche Vergleichsoption aus dem Orbit. Darauf muss man natürlich stehen, sonst ist man bei GRIFFIN mit falschen Ohren am Start.

Eine weitere Voraussetzung für eine positive Rezeption der GRIFFIN'schen Musik ist ein grundsätzliches Gefallen an rohen Klangwelten mit Ecken und Kanten, an teils schroffen Riffs und unerwarteten Rhythmusänderungen. Das mag man aus heutiger Sicht rumpelig finden, ich bekomme allein beim ersten richtigen Song 'Hunger' jedes Mal Schweiß im Schritt und wenn McKay sein Speed-Metal-Kieksing betreibt und sich seine Stimme beinahe überschlägt, bin ich im siebten Himmel. Die Nummer habe ich gefühlt auf 1001 Compilation-Tapes verbraten und wurde jedes Mal um Nachschub dieser Band gebeten. Wer es etwas epischer mag, darf sich bei 'Tame The Lion' ein flauschiges Wohnzelt aufbauen, denn hier zaubern die Jungs eine lange Nummer aufs Parkett, die ich in eine Ecke mit SACRED BLADE stellen würde. Magisch!

Von daher runzele ich ein wenig mit den Ohren, wenn Tobi hier die Alleinstellungsmerkmale nicht (an)erkennt, obwohl er die musikalische Klasse hört. Mir fällt tatsächlich keine Band ein, die wie dieser Greifvogel klingt: majestätisch, mysteriös, mitreißend. Aber eben auch schrill, roh, ungezügelt. Die Hoffnung auf eine Veröffentlichung der 1988 entstandenen, bisher unveröffentlichten Songs bleibt im Hinterkopf.

All Hail The Griffin!

Note: 10/10
[Holger Andrae]

 

Es war ja zu erwarten, dass "Protectors Of The Lair" gemischte Kritiken einheimsen würde. Auch zu erwarten war die Lobeshymne von Holg, der ich beinahe uneingeschränkt zustimmen würde. Doch warum nur beinahe?

Daran ist GRIFFIN selbst schuld. In den Tapetrading-Tagen der Achtziger war mir ein Demo untergekommen, das mich sofort entzückte, auch wenn natürlich die Soundqualität unter jeder Kanone war. Das muss man übrigens auch wissen, um zu verstehen, warum Holg und ich guten Sound schätzen, schlechter Sound aber kein Ausschlusskriterium ist. Wir haben ein paar hundert Jahre Rauschen im Ohr Vorsprung!

Dieses Demo war also so stark und das danach folgende Debütalbum solches Metalgold, trotz der meiner Ansicht nach im Vergleich zum Demo viel schwächeren Albumversion des Titelsongs 'Flight Of The Griffin', dass "Protectors Of The Lair" immer im Schatten des Vorgängers stand. Zudem ist der Zweitling fokussierter und homogener als das Debüt, wohingegen ich die abwechslungsreichere Scheibe immer vorgezogen habe.

Da wir aber 2026 diese Gruppentherapie machen und nicht 2024, muss ich dies so ausgewalzt darlegen, um meinen Punktabzug bei einem Album, dass eigentlich ein untergründiger, US-metallischer Begeisterungssturm meiner Jugend ist, zu rechtfertigen. "Flight Of The Griffin" ist noch besser. Da die Skala nicht bis elf geht, sorry, Nigel Tufnel, bleibt mir einfach nichts anderes übrig, als diese Diskrepanz, die sich für mich bis heute offenbart, wenn ich beide Scheiben höre, eben so auszudrücken wie unten geschehen.

Übrigens: Beide GRIFFIN-Scheiben sind als Doppel-CD mit mehreren Demo-Songs erschienen, zwar nicht mit allen, aber mit allen, die nicht auf dem Debütalbum gelandet sind, sowie zwei Liedern, die sich von den Albenversionen unterscheiden. Dazu auch ein Remix und ein Remaster von "Protectors Of The Lair". Ich könnte jetzt mal alles zusammenfassen und für diese Scheibe einfach die 10/10 ziehen und damit meinen Kopf aus der Banausenschlinge ziehen. Komme ich damit durch, Holg?

Note: 9,0/10
[Frank Jaeger]

 

"Protectors Of The Lair" von GRIFFIN ist einer der großen Klassiker des US Metals. Das dürfte unbestritten sein. Ich habe den absoluten Kultstatus der Scheibe aber nie so ganz verstanden. Dass der Sound etwas verwaschen ist, auch für 1986er-Verhältnisse: geschenkt. Das trifft ja auch auf andere Bands und Alben außerhalb des Metal-Mainstreams dieser Zeit zu und hat mich bei MANILLA ROAD auch nie gestört.

Woran "krankt" das Album für meinen Geschmack? Zum einen wirkt der Gesang merklich unausbalanciert. Das ist wahrscheinlich so gewollt und wird heute ja auch leidlich von Underground-Bands aktiv kopiert; trotzdem ist hier eben kein Übersänger am Werk - gerade US-Metal-Scheiben leben aber oft vom phänomenalen Gesang. Die Eigenwilligkeit steht dabei außer Frage. Das teils durchaus spannende Schlagzeugspiel leidet schon stark unter dem eher miesen Klangbild. Dafür ist das Riffing großartig. Wenn die Songs noch etwas stärker wären, könnte ich über die kleinen Schwächen besser hinwegsehen.

Jetzt erwartet man nach meinem Text vielleicht 6 Punkte, aber das wäre selbstverständlich Unfug. Natürlich ist "Protectors Of The Lair" besser als die meisten High-End-Produktionen unserer Zeit. Hier stimmt atmosphärisch ja alles, es ist absolut Metal. Unbestritten ist es auch ein richtig gutes Album. Aber für mich eben kein absoluter Klassiker, der die Höchstnoten-Region rechtfertigen würde. Daher möchte ich "Protectors Of The Lair" ein wenig auf gutes Normalmaß zurechtstutzen.

Note: 8,5/10
[Jonathan Walzer]

 

Credits: Das gezeichnete Bandbild und der Zettel mit den Merchpreisen stammen aus dem Archiv von Frank Jäger, der von GRIFFIN zur Veröffentlichung des Debüt-Albums "Flight Of The Griffin" einen Brief bekommen hat. Die Scans von der Original-LP und der Flyer stammen von Holger Andrae.

Redakteur:
Thomas Becker

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