Euroblast-Festival: Interview mit dem Veranstalter

26.08.2012 | 10:32

Das Prog/Djent-Tech-Metal-Highlight des Jahres steht kurz bevor: Das Euroblast-Festival 2012. Zeit, für ein ausführliches Interview mit dem Veranstalter John Giulio Sprich über vergangenes, aktuelles und zukünftiges.

Hi John! Was steht gerade bei dir an? Bist du im Moment voll im Organisationsstress für den letzten Feinschliff für das Euroblast-Festival 2012 oder sind alle Vorkehrungen schon vollbracht?

Hey Jakob! Hier bei uns im Euroblast Collective HQ geht es permanent richtig zur Sache. Gerade da wir vor einigen Wochen das finale Line-Up angekündigt haben, steht jetzt für das gesamte Team ganz viel PR/Promo und Marketing Koordination an. Ich selbst konzentriere mich derzeit sehr stark auf die User Experience und darauf wie ich das Event immer mehr zu etwas ganz Besonderem werden lassen kann. Außerdem blicke ich schon sehr stark auf 2013 und 2014 und plane die Zukunft des Euroblast Festivals.

Kannst du den Hergang des Euroblast-Festivals erläutern? Wie kam es zum Festival und was hat es für eine Entwicklung erfahren? "Vol. 8" weist darauf hin, dass es sich zum achten Mal jährt? War es schon immer ein Djent/Prog/Tech-Metal-Festival? Ein derartiges Festival ist ja in der Art in Deutschland relativ einzigartig…

Das Euroblast Festival nahm 2008 im Kölner Bogen2 seinen Anfang. Mein Freund Daniel Schneider und ich hatten Ende 2007 beschlossen, unser eigenes Festival zu machen. Einfach so und ganz unbedarft haben wir uns in die „Veranstalterei“ geworfen. Alles was wir mitbrachten, waren die ganzen eigenen Konzerterfahrungen (beide Schlagzeuger) und einige kleine Konzerte, welche wir selbst veranstaltet hatten.  Wir haben 2008 zwei und 2009 drei Euroblast Festivals veranstaltet, bevor wir auf den  jährlichen Rhythmus übergegangen sind. Im Nachhinein gesehen, war das wie ein Turbolader für uns. Durch die vielen Festivals konnten wir total viele Erfahrungen in komprimierter Form sammeln.
Es fehlte uns schmerzlichst eine Plattform für geile Underground Bands jeglicher Fasson. Wir hatten es satt darauf zu warten, dass jemand die ganzen Bands bucht, auf die wir standen. Wir wollten über den Tellerrand blicken. Was gibt es an guter Musik da draußen, die neu und frisch ist!? So wie wir uns persönlich entwickelt haben, hat sich auch das Festival entwickelt. Mit jeder Edition haben wir uns mehr zugetraut und auch Bands aus ihren Szenen herausgeholt und in unsere Line-ups gepackt. Rock, Death Metal, Black Metal, Emocore etc.. Unser Ziel war es, die Musik in ihrer Schönheit zu sehen und  Szenegrenzen zu durchbrechen. So luden wir z.B. Mitte 2009 TESSERACT zu ihrem ersten Konzert außerhalb Großbritanniens ein und das war zwei Jahre bevor ihre erste Platte auf den Markt kam. Das ging so weit, dass auf einmal Labels anfingen auf unser Festival aufmerksam zu werden und so wurden schon mehr als 12 Bands nach ihren Performances auf dem Euroblast Festival gesigned.

Die "Announcement-Videos" sind nicht nur innovativ, sondern auch ein Fest für die Sinne. Auch generell scheint der Präsentation des Festivals ein gewisses ästhetisches Konzept zugrunde zu liegen. Wie kam es dazu und was für eine Idee steht dahinter?

Hier spiegelt sich das gesamte Festivalkonzept wieder. Alles soll sich weiterentwickeln. Die Bands sind progressiv, das Festival steigert sich progressiv und das Design soll es auch tun. Seit 2010 machen wir für jedes Festival ein komplettes evolutionäres Redesign. Das heißt wir versuchen uns neu zu erfinden, ohne dabei unsere grundlegende Identität aufzugeben. Das diesjährige Euroblast steht unter dem Motto "The Sound Of Infinity", die Menschheit entwickelt sich immer weiter und der Fortschritt scheint keine Grenzen zu Kennen. Für uns stehen die ganzen visionären Bands für das Gefühl von Unendlichkeit. Und natürlich auch dafür, dass alles möglich ist (z.B. das zwei junge Männer aus Köln aus dem nichts so ein Festival aufbauen).

Finales Announcement-Video:

Auf dem Euroblast-Festival spielen ja nicht nur größere Namen auf, sondern auch unbekanntere Bands. Wie läuft die Band-Akquise, also woher und über welche Wege bekommt ihr die Bands? Oder kommen sie zu euch?

Wir bekommen natürlich unglaubliche Mengen an  Bewerbungen aus aller Welt per Post und Email.  So haben sich über die letzten Jahre mehrere tausend Bands beworben. Unser Anspruch ist es, in jede Bewerbung reinzuhören bzw. und auch darauf zu reagieren. Das war anfangs ohne die Manpower noch nicht möglich. Mittlerweile haben wir ein großes Team voll von Musikenthusiasten, wo jeder permanent Ausschau nach den Bandjuwelen aus aller Welt hält. So sind insgesamt schon einige Bands durchs Team oder durch eigene Bewerbungen aufs Festival eingeladen worden. Erwähnenswert ist hier auch die langjährig enge Zusammenarbeit mit got-djent.com. Mit der Plattform haben wir einen regen Austausch und sobald es irgendwo eine neue Band gibt, die vielversprechend ist, kriegen wir Wind davon. In Kooperation mit got-djent haben wir außerdem einen Band Contest ins Leben gerufen, und geben so einer Band die Chance sich für das Euroblast Festival zu qualifizieren.

Was das Euroblast-Festival von vielen gängigen Festivals unterscheidet ist neben der klaren (Genre-)Ausrichtung auch, dass einige Bands, die dieses Jahr auftreten, bereits letztes Jahr gespielt haben. Da ich bspw. UNEVEN STRUCTURE oder TESSERACT ziemlich großartig finde, stört mich das nicht, im Gegenteil, aber mangelt es da an passenden Bands?

Natürlich ist bei einer recht jungen Bewegung in der Musik noch kein großes Angebot an Bands vorhanden wie das z.B. im Death Metal oder Hardcore der Fall ist. Das führt natürlich dazu, dass wir etwas eingeschränkter sind bei den detaillierteren Acts. Wir laden aber schon seit dem ersten Euroblast viele ungesignte Bands ein und einige Euroblast Festivals später sind einige dieser Acts schon bemerkenswert etabliert wie z.B. die oben beschriebenen Bands TESSERACT, UNEVEN STRUCTURE oder aber auch MONUMENTS und viele weitere. Unsere Politik ist hier vergleichbar mit der von Fußball-Vereinen, die den Nachwuchs scouten, fördern und dann davon profitieren, dass sie in der Profi Mannschaft spielen. Gleichzeitig entsteht dadurch auch im Laufe der Zeit eine enge Bindung, Freundschaften, aber auch eine gewisse Verbundenheit mit dem Festival und das ist eines der wichtigsten Ingredienzien für unsere Atmosphäre auf dem Event. Bei TESSERACT kommt natürlich hinzu, das die schon drei Konzerte bei uns gespielt haben und das mit drei verschiedenen Sängern. Die Bands sorgen also auch wenn wir sie immer wieder einladen für immerwährende Abwechslung...

Gibt es eine der bisherigen Bestätigungen, auf die du besonders stolz bist bzw. dich selber wahnsinnig freust?

Als AFTER THE BURIAL Feuer und Flamme waren, eine  exklusive Europashow auf dem Euroblast zu spielen, hat das schon reingehauen. Plötzlich wurde uns bewusst, wie bekannt das Euroblast schon ist. Generell bin ich auf das Lineup als Gesamtkunstwerk stolz. Es ist handverlesen und ich möchte keine Bands missen. Für mich ist das Euroblast Festival das Festival, auf das ich auch als Besucher am liebsten hingehen würde, weil es genau mein Ding ist und hier eine unheimliche Vielfallt progressiver Musik angeboten wird. Eine Band auf die ich mich natürlich besonders freue, sind meine Jungs MONUMENTS. Die sind einfach so ein Brett live, das ist manchmal erschreckend...

Für wie viele Leute ist das Festival ausgelegt? Und wie läuft der Vorverkauf bisher, mit wie vielen Zuschauern rechnet ihr?

Dieses Jahr stellen wir uns auf ein ausverkauftes Festival mit mindestens 1500 Besuchern ein. Der Vorverkauf läuft gut an und die nächsten Wochen werden sehr spannend, da es auch die ersten Berichte zum Festival in Print-Magazinen sowie Online-Medien wie eurem geben wird.

Wie kam es dazu, dass der erste Tag des Festivals im Kölner Underground und Tag zwei und drei in der Live Music Hall stattfinden?

Das Festival beginnt mit einem Warm Up am Donnerstag den 18.10. im Underground Cologne. Dort spielen die ersten sieben Bands und stimmen die Besucher auf die darauffolgenden Tage  ein. Im Underground geht es dann auch am Freitag (19.10) mit dem ersten Festival-Tag weiter. Auf zwei Bühnen werden sich 16 Bands die Ehre geben. Der Club zeichnet sich dadurch aus, dass er sehr „kuschelig“ ist. Bands, Crew und Besucher sind sehr nah beieinander und diese Dichte ist perfekt für die harmonische Familien-Atmosphäre, die wir so auf unserem Festival lieben. Der Donnerstag mit einer 450er Kapazität und der Freitag mit einer 600er Kapazität haben auch dafür gesorgt, dass wir die Euroblast Warm Up Tickets separat verkaufen und die 3-Tages Tickets auf 600 limitiert haben. Denn am Samstag und Sonntag (20/21.10) folgt der Quantensprung in die Live Music Hall. Diese Venue ist mit einer 1500er Kapazität schon ein Dickschiff unter den Venues. Dort werden anschließend an beiden Tagen die Headliner auftreten. Auch viele der eben erwähnten Underground-Bands werde dort die Chance bekommen auf einer sehr großen Bühne zu spielen. So haben wir mit zwei Venues eine gute Mischung, die Abwechslung bietet. Deswegen haben wir uns für diese Mischlösung entschieden, eben ein bisschen von allem, was wir für wichtig erachten.

Wie lange werden die Bands auftreten? Gerade im Prog-Bereich ist man ja längere Spielzeiten gewöhnt…

Bei so einem heftigen Programm wie bei unserem diesjährigen Euroblast-Festival werden wir bewusst die Spielzeiten kürzer halten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich bei uns auf dem Festival die meisten Besucher fast alle Bands angucken und längere Spielzeiten die Besucher fertig machen. So ist es intensiv aber etwas knackiger. Die Spielzeiten bewegen sich also zwischen 30 und 70 Minuten.

Gibt es Übernachtungsmöglichkeiten vor Ort?

Als urbanes Indoor-Festival im Oktober gibt es bei uns kein Camping. Allerdings haben wir zu vergünstigten Konditionen ein Kontingent an Schlafplätzen beim Köln Deutz City Hostel für unsere Besucher gesichert. Buchen kann man die Übernachtung zentral auf unserer Website. Hier haben wir außerdem spezielle Infos zu alternativen Übernachtungsmöglichkeiten in Köln zusammengefasst.  

Wird es CDs und weitere Merch-Artikel der Bands in den Locations zu kaufen geben? Aus Erfahrung ist es nämlich teilweise schwierig vor allem an die Musik ranzukommen.

Alles, was die Bands mitbringen, darf auch verkauft werden! Daneben verkaufen wir auch unser eigenes Festival Merch, so dass es schon einiges an CDs und Merch zu kaufen geben wird.

Gibt es schon Planungen für das nächste Jahr? Und was sind die deine Visionen generell für das Festival?

Das Euroblast Festival 2013 ist schon komplett durchgeplant. Wir konnten uns bereits einige Headliner für das nächste Jahr sichern, die dafür sorgen werden, dass das Festival deutlich an Relevanz gewinnen wird. Unser Event wird nächstes Jahr noch ein wenig exklusiver und bleibt gleichzeitig ein Festival mit familiärem Flair. Was 2014 ansteht, das wird bereits intern diskutiert und man darf gespannt sein. Es sind einige Überraschungen in Planung...

Das Festival findet vom 19.-21.10. 2012 statt, Plus Warm Up am 18.10 im Kölner Underground (Warm Up + Tag 1) und in der Live Music Hall (Tag 2 + 3).

Alle weiteren Infos gibt es auf der Homepage: http://euroblast.net/

Redakteur:
Jakob Ehmke

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