ABORTED/ASPHYX: Supreme Chaos Records hat es wieder getan!

17.02.2026 | 21:02

Auf Supreme Chaos Records ist Verlass: Wenn es um etwas heftig deftigere Töne geht, kramen die Kollegen gern in den Archiven und servieren uns illustre und tolle Re-Releases längst vergriffener Klassiker. Doch ihre Pläne gehen weit über den Standard hinaus: Farbige Vinyls, Poster im Inlay, ein überarbeiteter Sound sorgen für Rundum-sorglos-Pakete für Freunde todesmetallischer Spielarten. Heute blicken wir etwas näher auf die 2010er Jahre aus dem Hause ABORTED und haben abschließend sogar noch eine feine, kultige Prise ASPHYX für euch! Zu jedem Vinyl-Re-Release ist zu sagen, dass sie mit viel Liebe zum Detail aufgearbeitet wurden und einen mächtigen Eindruck im Plattenregal hinterlassen. Wir blicken also zurück und beginnen unsere Retrospektive mit ABORTEDs Brecher "Global Flatline" aus dem Jahre 2012.

Zugegeben, mit "Strychnine.213" tue ich mich auch fast 18 Jahre später noch schwer, obwohl es mein Einstiegsalbum in die makabere ABORTED-Welt war. Doch was zwei Jährchen nach der "Coronary Reconstruction"-EP vom Stapel gelassen wurde, ist Brutal Gore Death Metal vom Allerfeinsten und hat wirklich alles, was an diesem Genre den Reiz ausmacht: Ein nervenaufreibendes Artwork - hier in Großformat - einen lupenreinen, pupstrockenen Sound, mit 'The Origin Of Disease' und 'Fecal Forgery' absolute Brecher, die auch Jahre später noch das ABORTED-Live-Repertoire ausmachen sowie eine Mannschaftsleistung, die zu den stärksten der 17-jährigen Geschichte der Belgier gehört. Ladies and gentlemen - den Anfang der illustren Re-Release-Runde macht das 2012er Ungetüm "Global Flatline". Pechschwarz - wie das Vinyl - brutal as hell und technisch auf äußerst hohem Niveau frisiert das Siebtwerk der Mannen um Frontwüterich Sven de Caluwé nahezu alle Falten aus dem Sack! 43 1/2 Minuten werden keinerlei Gefangenen gemacht, nein. Feuchtfröhlich werden Kehlen durchschnitten, Gedärme herausgerissen, Sehnen durchtrennt und das intonierte Ende der Welt zelebriert. Allein der astreine Titeltrack, der gemeinsam mit eben 'Источник болезни (The Origin Of Disease)' und 'Coronary Reconstruction' ein so bitterböses wie fast schon geniales Anfangstrio bildet, ist es schon Wert, dieses Scheibchen in seinem Regal zu haben. 2009 wurde mit J.B. van der Wal jemand ins Boot geholt, dessen Bass unheimlich viel Volumen und Wumms mit sich bringt. Und um weiter beim Personal zu bleiben: Segal und Wilson sind eine mächtige Klampfenwaffe, die jedoch nach 2012 wieder aufgelöst wurde. Zwar ist "The Necrotic Manifesto" eine ebenfalls majestätische Abrissbirne des Gore-Bereichs, doch mich hätte es sehr interessiert, wie weit ABORTED mit Segal/Wilson gekommen wäre. Doch sei's drum, als Zeitzeugnis bleibt uns "Global Flatline" jedenfalls erhaben und ist eine Sternstunde der Jungs und des Brutal Death Metals im Allgemeinen.

Nein, das Rad des Gore'schen Death Metals erfand "The Necrotic Manifesto" trotz des verheißungsvollen Namens zwar nicht neu, sorgte das Stelldichein der neuen Gitarrenfraktion aber für eine weitere Variante der ABORTED-Farbpalette. Zugegeben, die ist zwar in diesem Bereich nicht ganz so reichhaltig, funktionierte aber 2014 genauso wie heute als schmucker Re-Release. Schauen wir uns die Platte im Detail an: Zunächst fällt diese unheilvolle, matschgrüne Optik des Vinyls auf, die natürlich hervorragend zum brutalen Comic-Artwork der achten ABORTED-Scheibe passt. Passend schauen uns die fünf Bandmitglieder im Innenraum mitten ins Gesicht, die sich, wie angedeutet, für ihr neues Album mit Danny Tunker und Mendel bij de Leij an den Klampfen verstärkt haben. Derweil haben Drum-Wüterich Ken Bedene und Tieftöner J.B. auf dem Vorgänger schon einen geglückten Einstand gefeiert und gemeinsam mit Frontmann Sven kann man nach dieser knapp 43-minütigen Messer- und Gedärmeschnitzeljagd beide Daumen nach oben packen. Vor allem 'Die Verzweiflung' sorgt für einen wirklich gelungenen Aha-Moment mit deutschem Text, während zuvor der beinharte Titeltrack und 'Your Entitlement Means Nothing' den Seziertisch erst attraktiv machen. Einmal mehr gibt es am Sound nichts zu meckern und speziell zur Mitte der Platte hält die Schlachteplatte aus dem Hause ABORTED mit 'Coffin Upon Coffin' und speziell 'Sade & Libertine Lunacy' hundsgemeines und cooles Songmaterial bereit. Erbarmungslos, halsbrecherisch, in Gedärme wühlend und motiviert bis in die Haarspitzen zieht "The Necrotic Manifesto" noch immer viele Löffel lang, obwohl sich auch der eine oder andere, zumindest kurze Gähner auf der achten Platte der Jungs versammelt hat. Trotzdem war damals und ist heute das Scheibchen eine Genre-Wonne.

Wem die akustischen full-length-Folterinstrumente von ABORTED zu lang sind, aber dennoch der Gore-Rundumschlag - zumindest auf halber Strecke - Spaß macht, kann auch ruhigen Gewissens zu den EPs greifen. Den Anfang macht das - wie passenderweise auf dem Artwork inszeniert - fünfteilige "Termination Redux"-Monster, das im Januar 2016 erstmals auf die Menschheit losgelassen wurde und aktuell auf 200 Stück begrenzt ist und in geilem Neongrün schimmert. Als Appetizer für die anschließende "Retrogore"-Platte sorgt "Termination Redux" eben auch dafür, in einem kleineren Portiönchen ABORTED schmackhaft zu machen. Und dieses "Gruesome New Blasterpiece by ABORTED" serviert in 15 Minuten genau das, was man von seinen Gore-Lieblingen kennt. Die seit "The Necrotic Manifesto" unveränderte Truppe ist gut eingespielt, man merkt vor allem im Titelhit, wie viel Feuer in ihr steckt - doch auch die anderen drei Stücke liefern einfach ab. Vor allem die 'Vestal Disfigurement Upon The Sacred Chantry' ist Wahnsinn auf zwei Beinen, zu dem das Horror-Outfit der gesamten EP unheimlich gut passt. Denn: Just when you thought it was safe to listen to Death Metal...kommt ABORTED vorbei, dreht den Braten auf links, serviert Gedärme formgerecht und garniert diese leckere Zwischenmahlzeit mit allerlei Blood, Gore and Glory.

Vor zehn Jahren erschien mit "Retrogore" die insgesamt neunte Wuchtbrumme der Belgier, die mir von der Optik des Vinyls her tatsächlich am besten gefällt: Wie die EP zuvor auf 200 Einheiten limitiert und in sehr geschmackvoller Cream-Darstellung gehalten, zelebriert es einmal mehr diesen hundsgemeinen, brutalen Death Metal, der reichlich Groove, einige Tempo-Attacken und dennoch - oder genau daher - einige tolle Hooks zu bieten hat, nachdem das 'Dellamorte Dellamore'-Intro ordentlich Stimmung machte. Aggressiv und roh, catchy und am Rande des perversen Lyric-Wahnsinns sind es vor allem 'The Mephitic Conundrum', der fulminante Titeltrack und 'Whoremageddon', die sämtliche Gore-Herzen höherschlagen lassen, während 'Cadaverous Banquet' und vor allem 'From Beyond (The Grave)' in Sachen Atmosphäre keine Fragen offen lassen, welche Gestaltenwandler sich aus ihrem Grab befreien. Die Schwärze fließt in Strömen ('Divine Impediment'), das Blut spritzt aus allen Adern ('Coven Of Ignorance') und einmal mehr dürfen wir dem sadistischen Doktor auf dem Artwork dabei zuschauen, wie er Schrecken, Panik und Angst verbreitet. Im Vorfeld hat Danny Tunker das Feld geräumt und Platz gemacht für Ian Jekelis, der von ABIGAIL WILLIAMS kam und bis heute bei ABORTED an der Riff-Mauer kratzt. Ansonsten setzt das Quintett Infernale auf die altbewährten Erfolgsrezepte: Sven de Caluwé gurgelt sich einen zurecht, während J.B. und Ken für das nötige Tempo sorgen. Und Mendel? Nun, der macht mit seinem neuen Kollegen an der Klampfenseite genau das, was er auch schon auf dem Vorgänger mit Bravour leistete - dies jedoch ausschließlich bis zur "Terrorvision"-Apokalypse. Doch das ist eine andere Geschichte, die 2016 zu "Retrogore"-Zeiten noch in den Sternen stand.

Warum besagte "Terrorvision"-Platte nicht auch im Zuge dieser Reihe eine Frischzellenkur empfang, wissen wohl nur die Protagonisten, die zwei Jahre nach diesem abermals superben Schlachtfest ihre bis dato letzte EP der Meute zum Fraß vorwarfen. Zumindest diese wird nun auch als Vinyl wiederveröffentlicht und schauen wir uns das Innere der auf 500 Kopien limierten Scheibe an, lässt die dunkelrot-blutige Optik der Platte selbiges in den Adern gefrieren. Haltet das Ding mal gegen das Licht und ihr wisst, was ich meine. Große Kunst! Doch auch klanglich überzeugt "La Grande Mascarade" auf ganzer Linie, da ABORTED sämtliche Wut der letzten Jahre in lediglich drei Songs mit insgesamt 12 Minuten bündelte und eine Bestie erschuf, die zu den besten, weil vehementesten EPs gehört, die ich im Jahre 2020 gehört habe. Wir erinnern uns zurück: Der Frühling hält Einzug, die Blumen blühen, die Temperaturen steigen und das Corona-Virus hat uns fest im Griff. Und inmitten dieser doch merkwürdigen Situation schlägt "La Grande Mascarade" so vehement und blutverschmiert auf den Tisch, das dem Hörer Angst und Bange ob der Zukunft dieses Planeten werden könnte. Einmal mehr hat sich das Besetzungskarussell gedreht: Mendel raus und Gitarrist Harrison, der auch nur für diese EP bei ABORTED war, rein, während Bassist Stefano bereits auf "Terrorvision" zu hören war. Was es auf dieser EP jedenfalls zu hören gibt, ist nicht von schlechten Eltern. Apropos, was es zur Platte zu sagen gibt: "Parental Advisory banned" in at least 900 countries. Na dann, guten Appetit. Ob es am genialen Artwork oder dem Wahnsinn liegt, den 'Gloom And The Art Of Tribulation' nach ruhigem und gesprochenem Intro an den Tag legt, man weiß es nicht. Jedenfalls verströmen vor allem Bass und Schlagzeug eine ungeheure Wucht, die sich schon auf "Terrorvision" angedeutet und ein Jahr später auf "Maniacult" manifestiert hat.

Natürlich klingeln die Ohren, nachdem man sich die fünf ABORTED-Re-Releases einverleibt hat, natürlich zucken die Augenbrauen mit Blick auf die genialen Artworks und die Aufmachung der Vinyls, natürlich fletschen die Zähne bei all dem Gore, den perversen Lyrics und der Vehemenz, die Sven de Caluwé und seine Mitstreiter an den Tag legen und natürlich gehören die 2010er Jahre aus dem Hause ABORTED in jede noch so gut sortierte Death-Metal-Plattensammlung!

Ein doch überraschendes Schmankerl haben wir aber im Zuge dieser Wiederveröffentlichungen noch für euch. Diesmal dreht sich nicht alles um Belgiens Finest Gore-Truppe, sondern wir reisen ein Land weiter, sind in den Niederlanden, und statten ASPHYX einen Besuch ab. Richtig, etwas weniger Brütal und Gedärme als mehr die Vehemenz des eher klassischen Todesstahls. Wir schreiben das Jahr 1992: Wüterich Martin van Drunen hat nach sehr verheißungsvollen Demos das ASPHYX-Erstlingswerk "The Rack" veröffentlicht und für den ersten Paukenschlag gesorgt. Und bevor "Last One On Earth" diesen Weg weitergehen sollte, haute der Niederländer vor 34 Jahren (!) gemeinsam mit Eric Daniels an der Klampfe und Bob Bagchus an der Schießbude eine EP raus, die bis heute absoluten Kultstatus genießt. Die Rede ist natürlich von "Crush The Cenotaph", das heuer in pechschwarzer Vinyl-Optik und wie auch die ABORTED-Scheiben von Patrick W. Engel gemastert in neuem Glanz erscheint. Allein das Artwork lässt sämtliche Adern platzen und der schon damals wuchtige Sound hat über all die Jahre nichts an Charme verloren, weil die Neuauflage sehr nah und geschmackvoll am Original hängt. Erneut hat sich Supreme Chaos Records also nicht lumpen lassen und ein Händchen für Kult bewiesen. Und die Songs? Nun, die sollte jeder Death-Metal-Jünger im Schlaf runterbeten können, insbesondere das Titelstück und 'The Krusher' sorgen vor allem live für Furore. Als kleine Zusatzgaben gibt es die altbewährten, am 30. November 1991 in Stockholm aufgenommenen Live-Versionen von 'Evocation' und 'Wasteland Of Terror', die zwar sehr gut anzuhören sind, aber uns die Realität ins Gesicht klatschen, dass auch die schönste Re-Release-Reihe irgendwann am Ende angekommen ist. Doch wie wir Supreme Chaos Records kennen, haben die Kollegen sicherlich noch einiges im Köcher und lassen Vinyl-Herzen wieder höherschlagen.

Redakteur:
Marcel Rapp

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