PELL, AXEL RUDI - Ghost Town
Mehr über Pell, Axel Rudi
- Genre:
- Hard Rock / Heavy Metal
- ∅-Note:
- 7.50
- Label:
- SPV / Steamhammer
- Release:
- 20.03.2026
- The Regicide (Intro)
- Guillotine Walk
- Breaking Seals
- Ghost Town
- Holy Water
- The Enemy Within
- Hurricane
- Sanity
- Towards The Shore
- Steps Of Stone
- Higher Call
Solides ARP-Werk, das gegen den tollen Vorgänger den Kürzeren zieht.
Wo sich manch andere Band mit einem drehenden Besetzungskarussel oder ständigen musikalischen Kurskorrekturen herumschlägt, geht AXEL RUDI PELL seit Jahren konsequent und ohne große Turbulenzen den eigenen Weg und veröffentlich durchweg starke Scheiben. Bereits seit Jahren wird der namensgebende Gitarrist dabei von Sänger Johnny Gioeli, Schlagzeuger Bobby Rondinelli, Keyboarder Ferdy Doernberg und Bassist Volker Krawczak unterstützt und gerade das letzte Album "Risen Symbol" konnte mich vor zwei Jahren überzeugen, war der Silberling doch ein komplett gelungenes Spätwerk, das ich auch heute noch immer wieder gerne höre. Entsprechend groß ist die Erwartungshaltung dann auch an das neue Album "Ghost Town", das nunmehr den dreiundzwanzigsten (!) Eintrag der Diskografie darstellt.
Doch bevor es richtig losgeht, darf Keyboarder Ferdy erst einmal ein paar atmosphärische Töne im Intro 'The Regicide' beisteuern, das uns langsam und vielleicht mit etwas zu ausladender Laufzeit in die richtige Stimmung für die folgenden Minuten versetzen will. Während ich den Tönen lausche, bleibt mein Auge allerdings erst einmal an den beiligenden Presse-Fotos kleben, bei denen die Musiker leider ziemlich schlecht per Photoshop in einen mittelalterlichen Thronsaal teleportiert wurden und die so ungewollt für ein Schmunzeln sorgen.
Doch während hier offensichtlich gespart wurde, nimmt Her Pell wie gewohnt die musikalische Seite der Band sehr ernst, denn schon 'Guillotine Walk' ist an zweiter Stelle der Trackliste ein gewohnt hymnischer Rocksong mit feiner Gitarrenarbeit und einem grandios singenden Johnny am Mikrofon. Schade, dass die Produktion der Nummer aber eher ein paar Steine in den Weg legt, denn dank des blassen Drumsounds und der etwas zu präsenten Keyboards fehlt dem regulären Opener irgendwie der nötig Druck. Ein seltsamer abgehackt klingender Übergang in den Refrain lässt darüber hinaus vermuten, dass hier ein Schnitt im Editing der Aufnahmen nicht ganz da sitzt, wo er sitzen sollte. Ein reichlich eigenartiger Umstand, denn mit Tommy Geiger (HELLOWEEN, BLIND GUARDIAN) hat hier eigentlich ein durchaus erfahrener Mann an den Reglern gesessen.
Glücklicherweise bleibt 'Guillotine Walk' aber ein einzelner Lapsus, der leider nur an einer sehr prominenten Stelle der Trackliste platziert wurde, denn schon mit 'Breaking Seals' sind wir wieder in der hat rockenden ARP-Spur zurück. Einen gewissen ACCEPT-Vibe kann der Song dabei nicht verleugnen, was aber einen guten Grund hat, denn mit Udo Dirkschneider ist hier eine Legende der deutschen Metalszene mit dabei, die dem wirklich starken Track ihre charismatische Stimme leiht. Der Titeltrack nimmt im Anschluss den Ball an gleicher Stelle auf und setzt in Sachen Hookline für mich sogar noch einen drauf, bevor 'Holy Water' mit deutlich präsenteren Keyboards wieder vermehrt in Richtung Achtziger schielt und mir damit als episch-hymnischer Track mit tollem Gitarrensolo bisher am besten gefällt.
Trotz dieses kurzen und starken Zwischenspurts bleibt die Hit-Dichte auf "Ghost Town" insgesamt aber etwas dünn, denn gerade in der zweiten Halbzeit fehlen mir ein wenig die Ohrwürmer. Klar, das rasante 'Hurricane' macht mit tollen Riffs und einem stark singenden Johnny nochmal massiv Spaß, doch danach ist es erst das abschließende Epos 'Higher Call', das mich mit unheimlich abwechslungsreichem Songwriting und tollen Lead-Gitarren wieder komplett abholt und direkt an die Klasse des Vorgängers "Risen Symbol" anschließt.
An jenem Album kann sich "Ghost Town" in der Endabrechnung aber nicht messen. Denn auch wenn wir es hier natürlich bei weitem nicht mit einem schlechten Langspieler zu tun haben, ist der Großteil des Songmaterials gerade kompositorisch doch etwas zu vorhersehbar ausgefallen, um mich wirklich aus der Reserve zu locken. Klar, drei bis vier Höhepunkte gibt es natürlich trotzdem und auch handwerklich agiert die gesamte Band auf gewohnt hohem Niveau, dass wir auf "Ghost Town" aber einen zukünftigen Klassiker hören, der sich dauerhaft als feste Größe im Liveset etablieren kann, wage ich aber zu beweifeln. So gibt es am Ende für ein solides AXEL RUDI PELL-Album ebenso solide 7,5 Zähler.
7,5 Zähler.
- Note:
- 7.50
- Redakteur:
- Tobias Dahs


