MERCURY, FREDDIE - Mr. Bad Guy (40th Anniversary Version)
Mehr über Mercury, Freddie
- Genre:
- Rock
- ∅-Note:
- 10.00
- Label:
- Universal
- Release:
- 05.12.2025
- Side A
- Let's Turn It On
- Made In Heaven
- I Was Born To Love You
- Foolin' Around
- Your Kind Of Lover
- Side B
- Mr. Bad Guy
- Man Made Paradise
- There Must Be More To Life Than This
- Living On My Own
- My Love Is Dangerous
- Love Me Like There's No Tomorrow
Wenn man "den musikalischen Himmel" schon auf der Erde bekommt.
FREDDIE MERCURY (5.9.1946 bis 24.11.1991) ist nach wie vor für mich einer der größten Musiker der Gegenwart. Über ihn und QUEEN muss man nichts mehr schreiben, aber bemerkenswert sind natürlich auch sein Solo-Alben. Da wäre sein Album "Barcelona" gemeinsam mit MONTSERRAT CABALLÉ von 1988 und die "Special Edition" dieses Albums von 2012. Außerdem gibt es verschiedene "Compilations" (beispielsweise "The Freddie Mercury Album", "Lover Of Live, Singer Of Songs", "Never Boring") und die großartige "Solo Collection".
Heute soll es aber um "Mr. Bad Guy" gehen, genauer, um das 40-jährige Jubiläum seines Debüt-Soloalbums als Neuauflage auf durchscheinendem, grünen Vinyl, veröfentlicht am 5. Dezember 2025. Es erschien ursprünglich Ende April 1985 und war Mercurys erstes Album ohne QUEEN. Dafür arbeitete er mit verschiedenen Musikern zusammen, beispielsweise mit Schlagzeuger Curt Cress, Bassist Stephan Wissnet, Gitarrist Paul Vincent und QUEEN-Tournee-Keyboarder Fred Mandel.
Aufgenommen wurde das Album im Musicland Studio in München, produziert wurde es von Freddie Mercury gemeinsam mit Reinhold Mack, der schon früher mit QUEEN zusammengearbeitet hatte (angefangen mit "The Game", 1980) und auch später immer wieder zusammenarbeitete.
Dass Freddie längere Zeit in München gelebt und dort auch mehr oder weniger intensiv dem dortigen, sagen wir mal ausschweifenden, Nachtleben gefrönt hat, ist ja kein Geheimnis. Natürlich hat diese Zeit auf die Songs abgefärbt und vermutlich nicht nur die Zeit in München, sondern generell das, was sein Leben und seinen Lebensstil ausmachte. Wer sich für Freddie und sein Leben interessiert - nun, es gibt diverse autorisierte Biografien und Interviews. Ansonsten sollte man einfach die Musik auf sich wirken lassen, mal fetzig und mitreißend, mal nachdenklich oder auch träumerisch. Auf jeden Fall kann man mit den elf Songs eine interessante musikalische Reise durch das Wirken eines großartigen Ausnahmemusikers erleben.
Den Anfang macht das rasante 'Let's Turn It On', dem mit 'Made In Heaven' ein hymnischer Song folgt, der von einem ungewöhnlichen Video gekrönt wird. Wie übrigens einige seiner Songs. Für 'Made In Heaven' wurde extra eine Bühne des "Royal Opera House" nachgebaut und dabei ein Szenario verwendet, das wohl von Dantes Inferno inspiriert war. Fast schon fröhlich-euphorisch klingt 'I Was Born To Love You', zu dem Track gibt es sogar zwei Videos: einmal das von Freddies Solo-Kanal und einmal das vom "Official" QUEEN-Kanal.
'Foolin' Around' erzählt von der "sexy, foxy lady", die herumalbert und ihren Spaß haben will - aber auf ihre Art: "Want to play, but you always want it all your own way." Voll auf eindringliche Klavierklänge setzt 'Your Kind Of Lover', ein Song, der eher Verzweiflung ausstrahlt, weil der Geliebte gehen will, obwohl der Versuch gestartet wird, ihn aufzuhalten - ersichtlich, wenn man sich den Text anhört. Düster-bedrohlich, aber auch durch das Münchner Philharmonie Orchester ausgesprochen bombastisch, tönt das eindringliche 'Mr. Bad Guy' aus den Boxen. Oh ja, man kann förmlich die Teufelshörnchen sehen, wenn Freddie singt: "I'm Mr. Bad Guy, yes I'm everybody's Mr. Bad Guy. Can't you see, I'm Mr. Mercury ... they're all afraid of me ... I can ruin poeple's life ... it's the only way to be ... that's my destiny ... spread your wings and fly away with me." Ein weiterer, sehr nachdenklich stimmenden Track.
Eine gewisse traurige Sehnsucht vermittelt auch 'Man Made Paradise', die von den Worten "I seem to be all by myself again" unterstrichen wird. Hier zeigt sich ebenfalls Freddies ganzes Stimmvolumen, das später auch bei "Barcelona" zum Tragen kommt. Bei 'There Must Be More To Life Than This' hat ja Freddie nicht wissen können, wie sich die Welt entwickeln wird, aber man könnte meinen, der Song wäre gerade erst geschrieben worden, so aktuell ist der Text. Eine weitere stimmungsvolle, nachdenklich-sehnsuchtsvolle Ballade.
Wild geht es dagegen zu bei 'Living On My Own'. Dazu gibt es ein Video, das während der Geburtstagsfeier zu seinem 39. Geburtstag in einem Münchner Szeneclub aufgenommen wurde. Ich sage es mal salopp: Da steppt der Bär! Es gibt davon mehrere Video-Versionen, alle sind auf ihre Art sehens- und hörenswert. Obwohl der Song eigentlich eine mitreißende Melodie hat, kommt auch hier wieder mehr oder weniger eine gewisse Tragik zum Vorschein, denn die Worte "I get lonely, so lonely, living on my own" und "it's not easy living on my own", spiegeln etwas ganz anderes wider, als das, was die fetzige Musik uns suggerieren will
Auch in den letzten beiden Songs geht es im Grunde um Verlust(ängste). Wenn Freddie in 'My Love Is Dangerous' Texte geschrieben hat wie "Don't waste your time with loving, love don't work for me ... My love is dangerous, because I'm your enemy, watch your step carefully ... Dangerous, no can give you guarantee, I'm your one day ecstasy", so macht mich das schon nachdenklich, ja eigentlich betroffen. Egal, wie lebhaft der Song klingt. So bleibt zum Abschluss noch der sehnsuchtsvolle, wunderschöne, aber von Traurigkeit geprägte Song 'Love Me Like There's No Tomorrow'. Bei Textzeilen wie "This is our last goodbye and very soon it will be over, but today just love me like there's no tomorrow", musste ich schon immer etwas schlucken. Vorahnung oder Wissen, wie es um ihn stand?
Was genau "Mr. Mercury" dazu veranlasst hat, seine Songs genau so zu schreiben, ist letztendlich auch, zumindest für mich, unerheblich. Was bleibt und beeindruckt ist seine Genialität, sich musikalisch auszudrücken, einfach das zu schreiben, was ihm gefiel, was ihn bewegt hat und auch stilistisch musikalisches Neuland auszuprobieren. Ohne Rücksicht auf seiner Musiker-Kollegen von QUEEN nehmen zu müssen.
Seine Songs erscheinen fast immer nach außen hin lebensfroh, sind aber oft traurig, verletzlich, sehnsüchtig und trotzig. Ja, trotzig habe ich bewusst dazugenommen, weil es mir manchmal vorkommt, als wolle er sagen: Jetzt erst recht! Auch wenn er vielleicht noch mehr wunderbare Musik erschaffen hätte, sind wir einfach froh, dass er uns diese genialen Kompositionen hinterlassen hat. Irgendwie vermittelt seine Musik schon auf der Erde das Gefühl "made in heaven".
Made In Heaven
https://www.youtube.com/watch?v=vBCTasRgFqo
I Was Born To Love You
https://www.youtube.com/watch?v=vNhhAEupU4g
Living On My Own (1993 remix remastered)
https://www.youtube.com/watch?v=HTdd8QxifbY
Love Me Like There's No Tomorrow
https://www.youtube.com/watch?v=h5IWqBhWe2M
- Note:
- 10.00
- Redakteur:
- Hannelore Hämmer


