EVIL WARRIORS - Evil Warriors
Mehr über Evil Warriors
- Genre:
- Black Metal
- ∅-Note:
- 9.50
- Label:
- Into Endless Chaos Records
- Release:
- 13.04.2026
- Zweifel
- Suche
- Possessed
- Entäußerung
- Fieber
Black-Metal-Album des Jahres? Ja, absolut möglich!
Vor acht Jahren war ich mir sehr, sehr sicher, dass die EVIL WARRIORS den Black-Metal-Underground gehörig aufmischen würden und Liebhaber der frühen zweiten Welle mit ihrem räudigen, unverfälschten, ja extrem hässlichen Sound sofort begeistern könnten. Leider hat die Formation aus Leipzig jedoch im Anschluss nicht sonderlich viel dafür getan, sich ins Gedächtnis zu rufen bzw. die phänomenalen Eindrücke des zweiten Albums ("Fall From Reality") zu festigen. Die 2020 veröffentlichte "Schattenbringer"-EP konnte den hohen Level zwar weitgehend bestätigen, diese frostige Natur des direkten Vorgängers konnte in der Kürze der Zeit jedoch nicht wieder aufgefahren werden. Da die Band anschließend irgendwie komplett von der Bildfläche verschwunden war, hatte man bereits Sorge, die Ostdeutschen hätte ihr so verheißungsvolles Projekt wieder eingestampft.
Der Release des selbst betitelten neuen Albums kommt daher auch ein wenig überraschend, passt aber einfach so wunderbar in diese Zeit, in der die inspirativen Rädelsführer von MAYHEM einen weiteren Meilenstein ausgepackt haben, an dem sich die Leipziger nun gerne abarbeiten dürfen. Vor einer knappen Dekade hätte ich tatsächlich noch geglaubt, der Sieg würde in diesem inoffoiziellen Wettbewerb nach Deutschland gehen. Angesichts einer Kracherplatte wie "Liturgy Of Death" mag ich mir da aber noch nicht ganz sicher sein, immerhin hat sich bei den EVIL WARRIORS auch eine Menge getan. Das Soundfundament fußt zwar immer noch auf chaotischem, wildem und extrem rauem Black Metal, doch der puristische Gedanke wird nicht mehr über einhundert Prozent des Materials gestreckt, sondern durchaus auch Raum für Weiterentwicklung gelassen.
Während die massive Raserei in 'Entäußerung' womöglich noch den punkigen Geist entfesselt, sind Stücke wie 'Zweifel', 'Suche' und 'Possessed' ein wenig experimenteller geraten, ohne jedoch den infernalen, durch und durch bösartigen Charakter des Materials aus den Augen zu verlieren. Doch die Dynamik ist verdammt eigenwillig, es werden zwischen abartigem Gepolter und erschreckend kaltem Doom sämtliche Extreme ausgereizt, auch in Sachen Grundatmosphäre legt "Evil Warriors" noch einmal zu und ist an Boshaftigkeit kaum mehr zu überbieten.
Zwar sitzen nicht alle Attacken so imposant wie auf "Fall From Reality', noch ist diese Gänsehaut in allen Tracks gleich massiv. Doch spätestens wenn die Herren eine Hymne wie 'Fieber' auspacken und der gesamten nordischen Ikonenwelt noch einmal aufzeigen, wie klirrend-unterkühlter Black Metal klingen sollte, ist man sofort wieder gebannt und acht Jahre zurückversetzt. Denn mit exakt solch grandiosem Material haben die EVIL WARRIORS sich damals die Höchstnote erarbeitet.
Letztgenannte ist auch diesmal in Reichweite, wird auch nur ganz knappt verpasst, doch derlei Statsistiken dürften den Musikern ohnehin egal sein. Wichtig ist lediglich, dass die Band einmal mehr das (bisherige) Black-Metal-Werk des Jahres herausgegeben hat und als Gegenpol zu all den aufgeblähten Produktionen im finsteren Business das Heft des Handelns bei sich behält. "Evil Warriors" ist der nächste Kunstgriff, und hoffentlich nicht der letzte innerhalb der näheren Zukunft. Geil - einfach geil!
- Note:
- 9.50
- Redakteur:
- Björn Backes


