CRIPPLED BLACK PHOENIX - Sceadulhelm
Mehr über Crippled Black Phoenix
- Genre:
- New Artrock
- ∅-Note:
- 8.00
- Label:
- Season Of Mist
- Release:
- 17.04.2026
- One Man Wall Of Death
- Ravenettes
- Things Start Falling Apart
- No Epitaph / The Precipice
- The Void
- Hollows End
- Dropout
- Vampire Grave
- Colder And Colder
- Under The Eye
- Tired To The Bone
- Beautiful Destroyer
Was zum Geier ist ein Schattenhelm?
Ein neues Album meiner spät entdeckten Faves von CRIPPLED BLACK PHOENIX ist immer eine spannende Angelegenheit. Der Grund ist schnell erklärt: Die Damen und Herren erzeugen Musik, die man nicht mal eben nebenher weghört, sondern Klangwelten, die tief gehen, die musikalisch sehr breit gefächert klingen und die Stimmungen erzeugen. Ich muss dazu zumeist in einem bestimmten Mindset sein, um das richtig genießen zu können und von daher war ich froh, "Sceaduhelm" bereits vor Wochen digital bekommen zu haben. So hatte die Musik eine bessere Chance, sich zu entfalten.
Spannend war die Angelegenheit aber auch noch aus einem anderen Grund. Die schon immer sozialkritische Band, deren Engagement ich zumeist für ehrenhaft und wichtig halte, hat in jüngerer Vergangenheit die fragwürdigen Glastonbury-Auftritte mit "Free Palestine"-Aufrufen geteilt und damit öffentlich unterstützt. Da bei dieser Thematik keine oberflächliche Schwarz/Weiß-Betrachtung möglich ist, stoßen mir solche plakativen Aufrufe etwas sauer auf, verbindet ein Großteil der Öffentlichkeit damit doch leider auch die Hamas und deren Aktivitäten. Da wir uns leider in einer völlig verkorksten Welt bewegen, in der es vor komplexen und historisch lange entwickelten Konflikten nur so brodelt und Musiker mit einer Aussage oftmals auch nur plakativ reagieren können, werden wir uns zukünftig wohl immer häufiger mit solchen Diskrepanzen auseinander setzen müssen, denn eines kann ich zumindest nicht: Die Augen verschließen, wenn Musiker ihren öffentlichen Status dazu nutzen, Meinungen zu verbreiten, die ich im Grundsatz nicht teile. Da ich hier grundsätzlich für die Aussage hinter dem Slogan stehe, aber die damit verbundene, nicht zwingend intendierte, Verbindung zu terroristischen Aktivitäten, ablehne, werte ich das Zugunsten der Band, deren Historie mich zu dieser Auffassung bringt.
Schon der verwirrende Albumtitel "Sceaduhelm" sorgt für Fragezeichen auf der Stirn. Offenbar der Beowulf-Sage entnommen bedeutet es so etwas wie "Schattenhelm". Diese Überschrift sagt sehr gut aus, worum es in den zwölf Nummern geht. Um innere Konflikte, ein komplexes Miteinander, schwarze Seelen-Löcher und andere dunkelbunte Emotionen, die man allein und zusammen durchleben kann. Während man in der Vergangenheit gern auf die Welt außen geschaut hat, wendet man sich heute nach Innen und beleuchtet das Ich. Allerdings oftmals nur mit einer einzigen Kerze. Besonders hell wird es dadurch nur sehr selten.
Was mir besonders gut gefällt, ist der Umstand, dass jeweils der Texter des einzelnen Songs auch den Gesang übernommen hat. Denn gerade bei so emotionalen Texten, ist es doch wichtig, dass derjenige, der sie verfasst hat, sie auch vorträgt. Entsprechend überzeugend klingt alles. Im nachzulesenden Entstehungsprozess des Albums hat Songwriter Justin Greaves die Musik komponiert und Belinda Kordic, Justin Storms und Ryan Michael Patterson Texte dazu verfasst. Ergreifende Texte, muss ich sagen.
Aber auch die Musik ist faszinierend. So haben wir mit der Single-Auskopplung 'Ravenettes' einen mächtig nach vorne treibenden, leicht lärmigen Rocker, der schnell als eines der Highlights heraus sticht. Auch das düstere, von einem pulsierenden Bass nach vorne getrieben 'Colder And Colder', hat so eine hypnotisierende Magie. Einmal angehört, schockverliebt!
Aber, wie könnte es bei CRIPPLED BLACK PHOENIX auch anders sein, ein Großteil der Songs ist eher nicht rockig, sondern sich langsam steigernd oder auch einfach nur dahin wabernd. Darauf muss man sich einlassen, wobei natürlich die Texte helfen. Aber auch die erneut unter die Haut gehenden Stimmen aller Beteiligten. So darf man 'Things Are Falling Apart' musikalisch beim Wort nehmen, so zerbrechlich klingt die instrumentale Untermalung. 'Hollows End', wie auch andere Songs von einem unheimlichen, gesprochenen Intro, welches eventuell aus einem Film stammen könnte, eingeleitet, erinnert ein bisschen an 'Colder And Colder', ist dabei aber aufwühlender, vokal-akrobatisch um Hilfe suchend und auch anklagend.
Mein aktuelles Herz-und Lieblingsstück des Albums ist aber 'Tired To The Bone', welches mit seiner melancholischen Melodie zurzeit wohl meine Stimmung am besten einfängt. Belindas' Stimme ist in dieser Nummer so emotional, es ist beinahe beängstigend ergreifend. Dabei kommt man komplett ohne Pathos erzeugenden Bombast aus, sondern setzt auf beinahe zärtlich-verträumte Instrumentierung. Herzerwärmend.
Oder wie der letzte Song es nennt: 'Beautiful Destroyer'. Es ist fast schon gemein, mit welchem musikalischen Treibsand die Band den Hörer in die reale Welt entlässt. Mehr will ich dazu gar nicht schreiben.
Wie unschwer zu erkennen ist, bin ich dabei mich in dieses Album zu verlieben, aber der Weg ist noch nicht zu Ende gegangen. Herz und Ohren sind an einigen Stellen noch unsicher. Von daher fällt mir auch eine Objektivität vorgaukelnde Note hier und heute besonders schwer.
- Note:
- 8.00
- Redakteur:
- Holger Andrae


