BLACK CROWES, THE - A Pound Of Feathers
Mehr über Black Crowes, The
- Genre:
- Blues/ Southern Rock/ Soul/
- ∅-Note:
- 8.50
- Label:
- Silver Arrows Records
- Release:
- 13.03.2026
- Profane Prophecy
- Cruel Streak
- Pharmacy Chronicles
- Do The Parasite!
- High & Lonesome
- Queen Of The B-Sides
- It‘s Like That
- Blood Red Regrets
- You Call This A Good Time?
- Eros Blues
- Doomsday Doggerel
Familie Robinson vereint und gar nicht altersmüde.
Die Robinsons! Da sind sie wieder. Noch. Die Gebrüder Rich, der die Klampfen hält und Mister Extravaganz Chris, der die Band aus Georgia mit seinen Gesangskünsten immer wieder ganz besonders repräsentiert. Dabei war das alles schon mehrmals aus und vorbei! Für Immer! Nie Mehr! Die Brüder, als die Chefs einer Ansammlung von jeweils wechselnden Band-Musikern, gerieten immer wieder aneinander. Auf der Bühne, hinter der Bühne, in den Medien. Es gab eine Zeit, da nahmen die beiden voreinander Reißaus. Nie wieder! Viel Getöse, Affären mit Models und Modeltöchtern, Drogen im Zenit. Wirres Zeug, teilweise. Alle redeten trotzdem davon, dass der Southern Rock mit THE BLACK CROWES ein würdiges Denkmal hat und daher niemals nie sterben wird.
1990 das Debüt, was der aufkommenden Grungewelle widersprach in seiner Verschrägtheit, den konsequenten Bluesschleifen und Soulgesang des Lauchs, der sich gern in Samt und Krähenschuhen kleidete. Im Hintergrund auch für den Sound und die Ideen großteils zuständig, bei weitem nicht so schillernd Brother Rich. Ein Image war schnell entworfen, breite Hüte auf long hairs, Handballenklatschen, Stirntücher, es duftet nach Sandelholz und die Lianen des Südens werden komplett weggeraucht. So weit so Musikerschicksal. Das hätte sich auch durchgesetzt und alle dahingerafft – wenn da nicht auch die Musik wäre.
Mein Einstieg dann mit dem Album "The Southern Harmony and Musical Companion" von 1992, von dem ich alle Stücke mitsingen kann. Ich hörte es das erste Mal an einem viel zu heißen Strand und es zündete trotzdem sofort. 'Remedy', Can You Sting Me' oder 'Thorn In My Pride' sind ikonische Songs der Ära der Gitarren-Neunziger. Die Band schaffte es, ein hohes Potential an Eigenheiten zusammenzubringen und damit einen ganz typischen CROWES-Sound zu prägen, der in den friedlichen Zeiten ganz oben angebunden war. Das Album von 1992 kletterte auf die Spitze der US-Charts. Und erst letztens kroch es wieder in meinen Alltag zurück.
So fällt es mir besonders leicht, das nun erschienene "A Pound Of Feathers" direkt zum Vergleich hinzuzuziehen. Was ist seitdem passiert? Nun, die Brüder, die sich auch auf der geschäftlichen Ebene wie zwei Spuckmatrosen zerstritten hatten, sind seit der großen Versöhnung von 2019 wieder zusammengewachsen, so scheint es.
Rich Robinson ist deutlich an seinem ungeschliffenen, geradeweg und überhitzt aufdringlichen Gitarrenspiel zu erkennen, was als Kompliment verstanden werden muss. Er hat nie verlernt, einprägsame Tonfolgen zu schreiben und in die Glieder zu schieben, die einen CROWES-Song nach vorn stürmen oder eben innehalten lassen. Das alles beherrscht er auch in den neuen Stücken. Sein Bruder, der mit der markanten Stimme, der besinnt sich auf die musikalische Verbundenheit und versteht es wieder und auch wieder mehr, die Variablen ständig zu verschieben und nie langweilig zu klingen. Man bemerkt den Entwürfen deutlich die Vergangenheit in der Jam-Rock-Szene an, denn trotz der kompakten Songlängen werden viele Ideen untergebracht.
Schönstens abgehangen, wie 'Queen Of The B-Sides', das nahtlos aus 'High & Lonesome' herübergereicht wird. Aus 'It's Like That' oder auch dem Öffner 'Profane Prophecy' leuchtet der Soulanteil in der Singstimme, der sich wie immer auch Unterstützung von alarmierend guten Backgroundsängerinnen holt. Das wirkt auch hier nicht kalkuliert und konstruiert. Kontrolliert auch nicht.
Nein, ich spüre Hörfreude, wegen deren Spielfreude. Die Abwechslung zwischen den getragenen Bluesern und den aufreizend stark nach vorn gespielten Rockern entpuppt sich zur Stärke dieses Albums. Ey, ich freu mich gerade auf den Sommer! Schuld sind 'Blood Red Regrets', 'You Call This A Good Time' und 'Eros Blues'. Im Verbund gehört, ergeben sie einen viel zu heißen Abend, dem man die Hitze des Tages am gnadenlosen strukturlosen Staubhimmel anmerkt, ein zu kaltes Getränk in der schwitzigen Hand dreht und dabei die dreckigen Barfüße auf den Holztisch bettet.
'Doomsday Doggerel' ist dann derjenige, der dich schwermütig und melancholisch daran erinnert, in der Morgendämmerung endlich doch schlafen zu gehen.
Gut gemacht, Gebrüder Robinson.
- Note:
- 8.50
- Redakteur:
- Mathias Freiesleben


