WW2011 - Der Seele Streit & Fall

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Re: WW2011 - Der Seele Streit & Fall

Beitragvon 123_7 » Dienstag 31. Januar 2012, 22:22

Akt 2 Szene 7: In höchster Not gewandt zum Gotte, die Seele fleht: Die Pein, sie mög vergehn

Ich kehre in mich. Die bibbernde Kälte scheint meinen Körper nicht mehr anzugreifen; eine Taubheit stellt sich für einen kurzen Moment ein. Jeglicher Schmerz weicht. Aus der tiefen Verzweiflung heraus schreie ich mein tiefes Verlangen nach Erlösung und Ruhe in das Schneegestöber. Wie Blitze durchzucken die Schmerzen jedoch wieder meinen Körper; jeder gefolgt von einem lauten Schrei, der selbst durch das dichte Schneetreiben und den böigen Wind meilenweit in die Landschaft hinausgallt. "Wer erlöst mich von diesem Schmerz" wimmere ich erschöpft und ausgezehrt vor mich hin; ohne zu wissen, dass meine Schmerzbekundungen nicht unerhöht blieben...

Akt2 Szene 8: Doch ohne Grund so hebt der Schnitter die Sens zur großen Tat

In schweren Schritten nähert sich mein Verfolger meinem Unterschlupf. Unbeherrscht faucht er mir unverständliche Wortfetzt entgegen. Von schierer Bösartigkeit besessen neigt sich sein wuchtiger Körper über meine zusammengekaurte Gestalt. Mit tiefrot funkelnden Augen holt er mit seiner Faust aus. Doch das urwüchsige Ungetüm hält inne; seine Körperhaltung entspannt sich und er kniet sich wirsch neben meinen starren, leblosen Körper. Mein Gesicht ist in ein blasses Blau gehüllt, meine starren Glieder kapitulieren der Kälte. Mein letzter Atemzyklus bleibt unausgeatmet. Mit zielsicherem Griff entfernt mein Widersacher den Smaragd aus meiner Jackentasche und lässt ihn geschwind in seiner Hose verschwinden, umschlingt mit seinen Armen meinen Körper und trägt ihn zu einem flachen, aber großen Stein. In die Mitte legt er mich sachte ab, hält einen Moment inne und entfernt sich ohne einen Blick zurückzuwerfen.

Akt 2 Szene 9: Nach Leid und Hoffnung, Kampf und Zagen, die Seele harrt und grüßt mit offnen Armen...

In meinen letzten Lebensmomenten weicht die allumgebende Dunkelheit einer erwärmenden, ungreifbaren Helle. Der Schmerz verwandelt sich in eine positive, ausfüllende Aura. Meine Existenz scheint sich immer mehr aufzulösen, der materiellen Welt zu entfernen. Die letzte Skepsis, dass ich die Erlösung erfahre, obwohl ich mein auferlegtes Ziel nicht erreicht habe verschwindet nach und nach. Ich entferne mich von immer mehr von der Welt. Ich verliere meinen leblosen Körper aus den Augen, das Schneegestöber weicht einem gleissenden Weiß. Stetig wird die Erde, die ich nun in vollem Ausmaß sehe, kleiner und ähnelt zunehmends dem Smaragd. Mit meiner letzten Wahrnehmung verschwindet auch dieser grüne Punkt und endlich kehrt Stille in mir ein.

---

So, lieber Rüdiger, da hast du mir ja echt eine Mammutaufgabe zugeteilt, für die ich dann doch viel benötigte, als ich gehofft habe. Es tut mir Leid, dass es gegen Ende hin etwas zäh wurde, aber gerade für kreative Schreibarbeit muss ich in der Muse sein.

Ich hoffe, dir gefällt, was ich hier fabriziert habe, auch wenn ich vermute, dass ich meilenweit an deinem Konzept vorbeierzählt habe. Wie ich leider feststellen musste, bin ich kein Storyteller. Ich verliere schnell den Faden, deswegen mag manches nicht wirklich viel Sinn ergeben. Aber ich glaube, dass mir die stimmungseinfangenden Momente ganz gut gelungen sind. Ich habe versucht mich viel an der Musik zu orientieren, was mir nicht immer leicht fiel, da sie ab und zu dann doch meinen Gedankengängen, die den vorigen Songs ausgehend weitergesponnen habe, nicht harmonierten. Gerade der letzte Song hat mich geradezu zum Verzweifeln gebracht, weil das einfach nicht zu der von mir erwartenden Stimmung passte. Deswegen bin ich auch unheimlich gespannt, deine Sichtweise zu deiner Geschichte kennen zu lernen.

Auf die Songs werde ich noch von einem weniger ätherischen Standpunkt eingehen. Vielleicht schaffe ich es heute noch, sonst morgen.
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Re: WW2011 - Der Seele Streit & Fall

Beitragvon 123_7 » Dienstag 31. Januar 2012, 23:06

So, wenn schon, denn schon:

1:
Gut, dass dieser Song auf dem Sampler vorzufinden sein wird, war absehbar. Schon beim charakteristisch pumpenden Basssound und der mit leichtem Rumpelcharme angehauchten Produktion wird klar, um welche Band es sich handelt. Dass Rüdiger höchstpersönlich eines der niederknieenden Skelette des Bandlogos ist, weiß mittlerweile wohl jeder. Und das seine Lebenshymne 'I'm Alive' ist, hat wohl mittlerweile auch jeder mitbekommen. Eine wahre Hymne und Gänsehautgarant. CIRITH UNGOL.

2:
Eine rauhe Frauenstimme in Alt leitet diesen stark folkloristischen Metalsong ein. Die Stimme nimmt hier fast einen beschwörenden Charakter ein und mäandert sich mit den folkigen Leadgitarren um beinahe modern anmutendes Stakkato-Riffiung. Viele Palm Mutes und rhythmische Akzentuierung zeichnen die Rhythmusgitarren aus, die sehr mächtig im Unterholz grollen. "Once north, the legions were given their light force"? Den Text verstehe ich recht schwer. Der Song ist sehr gesangsdominiert, aber auch vereinzelte Passagen mit Bagpipes sind vorzufinden. Keine Ahnung wer das ist, gefällt mir aber gut. Wäre aber noch besser ohne die penetranten Rhythmusgitarren.

3:
Da wird ja schon munter geraten, aber alles falsch. Kauzig zwar, aber mit einem gottgleichen Gitarrenduo. Der Sänger / Bassist ist eine Kultfigur. Eingeleitet wird der Song mit zügig gespielter Hihat und Betonung auf der Bassdrum, bis der unwiderstehliche rockige Gitarrensound einsetzt. Die Gitarren sind stets melodiös; wenn Rhythmusgitarre und Leadgitarre verschmelzen. Der Gesang ist leicht nasal und kehlig. "Down from the glen came the marching men With their shields and their swords" Na los Holgi, jetzt weißt du wer es ist :-)

4:
Voluminöser Drumsound mit viel Reverb und ordentlich Attack und stoisch repetitiver Bass. Hat fast schon was New-Waviges, der Gesang ist etwas nölig, aber charakteristisch und mit Delay und Reverb belegt. Im Refrain setzen Geräusche ein, die mich an verzerrte Echolote erinnern. Recht psychedelisch, das Ganze. Der Text ist kaum verständlich und wiederholt sich recht häufig... "Sinking"? "Seeking"? "Seagate"? Keine Ahnung. Ich mag den Drive des Songs, mich würde interessieren, wie die restlichen Songs klingen.

5:
Ziemlich komprimierter Gitarren- und Drumsound eröffnen den Track und spielen unisono ihre rhythmischen Muster. Wenn das Schlagzeug in den walzenden Doublebass-Beat wechselt steigen Frauengesänge ein, die jeweils auf der 2 und 4 eine Art Stöhnen verlauten lassen. Darüber klimpert dann noch ein Glockenspiel. Das Ganze ist, auch wenn man es nicht vermuten mag, Black Metal... womöglich aber nicht in der engstirnigen Perspiktive ;-) Ich vermute dahinter DIMMU BORGIR, da mich der dann einsetzende kehlige Kreischgesang an Shagrath erinnert; auch die sonst üppigen Arrangements würden gut passen. Hab ich Recht?

6:
Völlig kompromissloses BM-Gebolze ohne Atempause. Atemberaubende Geschwindigkeit. Die Blastbeats ballern alle Soundlöcher zu, die frostigen Tremolo-Gitarren im Hintergrund sind aber überraschend melodiös. Der Gesang ist kein Gekreische sondern eher tiefes und stark verhalltes Grollen. Die Blastbeats werden dann auch gegen Pappkarton-Doublebass-Passagen ausgetauscht und gegen Ende hin wird man dann auch etwas gemächlicher und frönt im zügigen Walzer-Tempo der heidnischen Glaubensbekundung. Gegen Ende hin nehmen die Gitarren noch einen leicht folkigen Einschlag an und beenden den Song trotz der übermässigen Raserei und Lärmwand überraschend abwechslungsreich. Gefällt.

7:
Gemächliches Tempo und ausgehaltene Powerchords geben Platz für ein kleines Streichquartett. Die elektrischen Gitarren klingen aus und die Kadenz wird von einer akustischen Gitarre aufgegriffen und der Sänger (Mr. Conklin vielleicht?) stimmt mit einer Geige eine dramatische Ode an. "Take This Pain Away". So dürfte dann vermutlich auch der Song heißen. Für mein Empfinden knödelt der Sänger ein Tick zu viel und mir ist das ganze Soundbild etwas zu aufgeblasen; gut gemacht ist das aber trotzdem. Werde ich mir aber wohl nicht ins Regal stellen müssen.

8:
Das ist ein ziemlich cooler Track. Beginnt recht schleppend mit melodiösen, aber unheilvollen Gitarren, die eine verhältnismäßig simple, aber äusserst effektvolle Melodie spielen. Der Snaresound ist spitz und hallig und die Rhythmusgruppe spielt sehr dynamisch und lebhaft. Nach einem kurzen Break zieht das Tempo an und die Band fröhnt astreinem melodischen Death / Black- Metal. Im zügigen 6/8-Track wird eine mitreissende Gitarrenmelodie nach der anderen abgefeuert und kraftvolles Kreischen sorgt für die passende Untermalung. Auch hier empfinde ich den Gesang als recht unverständlich (kann aber auch den Boxen liegen). Im Refrain verstehe ich "Elysium"... kann aber auch "Elizabeth" sein (nein, Dissections "Elizabeth Bathory" ist es nicht). Auch hier zitieren die Gitarren teils folkloristische Weisen. Gefällt mir ganz ausgezeichnet.

9:
Ja, mit dem Song hast du es mir ein bisschen vergällt, Rüdiger. Ausgehaltene Powerchords und Manowar-Gedächtnis-Chöre. Über die Kadenz kommt dann durchgetretene Plastikbassdrum und das ganze klingt einfach furchtbar. "A Distant Thunder cracks the sky, They've run out of sands of time" Das Strophenriff ist ja ganz okay, aber das Geschunkle im Refrain ist nur doof. "Wipe the tears they cry, let the darkness die, with open arms, i welcome the end" *schüttel* Lediglich das coole, teils zweistimmige Riff bei Minutenmarke zwei lässt aufhorchen, aber sonst ist das echt Power Metal zum abgewöhnen.
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Re: WW2011 - Der Seele Streit & Fall

Beitragvon Holger Andrae » Dienstag 31. Januar 2012, 23:28

Song Nummer Drei ist sogar mein Lieblingssong der Band!
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: WW2011 - Der Seele Streit & Fall

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 1. Februar 2012, 04:06

123_7 hat geschrieben:Deswegen bin ich auch unheimlich gespannt, deine Sichtweise zu deiner Geschichte kennen zu lernen.

Zum Konzept sage ich später noch mehr, das ist mir jetzt im Moment zu schwierig, um die Uhrzeit. Zunächst nur so viel: Es war keine zu Ende komponierte Geschichte, sondern eine sich an lose gesetzten Eckpunkten entlang hangelnde Lückengeschichte, die absichtlich viel Raum für Interpretation lassen sollte. Die hast du für mich sehr schön ausgefüllt, und deine Story trifft sich an vielen Punkten mit dem, was mir im Kopf herum ging, als ich die Songs ausgewählt habe. Letztlich ist es eine faustische Geschichte: "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen." - Außerdem könnte auch Michael Moorcocks Elric von Melniboné der Held der Geschichte sein. Ich denke schon, dass die Elric-Saga mich geleitet hat, und letztlich sind ja auch zwei Stücke auf dem Sampler mit direktem Elric-Bezug ausgestattet. Werde demnächst mal versuchen, das noch etwas mehr aufzuschlüsseln, aber im Großen und Ganzen bist du nicht so weit von dem Weg, was ich assoziiert haben wollte.

Doch jetzt gleich ein bisschen was zur Musik:

123_7 hat geschrieben:1:
Gut, dass dieser Song auf dem Sampler vorzufinden sein wird, war absehbar. Schon beim charakteristisch pumpenden Basssound und der mit leichtem Rumpelcharme angehauchten Produktion wird klar, um welche Band es sich handelt. Dass Rüdiger höchstpersönlich eines der niederknieenden Skelette des Bandlogos ist, weiß mittlerweile wohl jeder. Und das seine Lebenshymne 'I'm Alive' ist, hat wohl mittlerweile auch jeder mitbekommen. Eine wahre Hymne und Gänsehautgarant. CIRITH UNGOL.

Jupp. Natürlich richtig. Eine Tragödie mit einer solchen Handlung kann kaum ohne diesen Song auskommen, wenn ich sie erzähle, oder?


2:
Eine rauhe Frauenstimme in Alt leitet diesen stark folkloristischen Metalsong ein. Die Stimme nimmt hier fast einen beschwörenden Charakter ein und mäandert sich mit den folkigen Leadgitarren um beinahe modern anmutendes Stakkato-Riffiung. Viele Palm Mutes und rhythmische Akzentuierung zeichnen die Rhythmusgitarren aus, die sehr mächtig im Unterholz grollen. "Once north, the legions were given their light force"? Den Text verstehe ich recht schwer. Der Song ist sehr gesangsdominiert, aber auch vereinzelte Passagen mit Bagpipes sind vorzufinden. Keine Ahnung wer das ist, gefällt mir aber gut. Wäre aber noch besser ohne die penetranten Rhythmusgitarren.

Auch für mich ist die moderne Melo-Death-Note der einzige Punkt im Sound dieser Band, der mich hin und wieder ein wenig irritiert. Wenn die Jungs noch etwas erdiger und natürlicher ans Werk gehen würden, könnte das ganz groß sein. Trotzdem finde ich, dass sie die keltische Note toll eingefangen und umgesetzt haben. Der weibliche Gesang passt auch voll. Eine deutsche Band, die ich seit langem verfolge und auch schon wiederholt im Magazin gefeatured habe. Starkes Faible für die Kelten (insbesondere Iren und Schotten). Eine sehr wechselvolle Labelgeschichte plagt sie. Ein Song vom aktuellen Album, in dem ich dankenswerterweise in den Credits erwähnt werde.

3:
Da wird ja schon munter geraten, aber alles falsch. Kauzig zwar, aber mit einem gottgleichen Gitarrenduo. Der Sänger / Bassist ist eine Kultfigur. Eingeleitet wird der Song mit zügig gespielter Hihat und Betonung auf der Bassdrum, bis der unwiderstehliche rockige Gitarrensound einsetzt. Die Gitarren sind stets melodiös; wenn Rhythmusgitarre und Leadgitarre verschmelzen. Der Gesang ist leicht nasal und kehlig. "Down from the glen came the marching men With their shields and their swords" Na los Holgi, jetzt weißt du wer es ist :-)

Jupps. Wenn jetzt noch einer raten muss, dann soll er. Wenn ich das nächste mal hier was schreibe, dann wird sonst aufgelöst.

4:
Voluminöser Drumsound mit viel Reverb und ordentlich Attack und stoisch repetitiver Bass. Hat fast schon was New-Waviges, der Gesang ist etwas nölig, aber charakteristisch und mit Delay und Reverb belegt. Im Refrain setzen Geräusche ein, die mich an verzerrte Echolote erinnern. Recht psychedelisch, das Ganze. Der Text ist kaum verständlich und wiederholt sich recht häufig... "Sinking"? "Seeking"? "Seagate"? Keine Ahnung. Ich mag den Drive des Songs, mich würde interessieren, wie die restlichen Songs klingen.

Das ist nach 'I'm Alive' die zweite Schote mit direktem Elric-Bezug. Der Songtitel entspricht dem Namen eines "Lords of Chaos", den Elric bei einer bestimmten Gelegenheit anruft und der ihm scheinbar und zunächst zur Hilfe kommt. Doch niemand weiß so recht, wie wohlgesonnen die Herren des Chaos ihren Getreuen wirklich sind. Die Assoziationen New Wave und Psychedelic sind sehr treffend. Der Drive, der Sound und die Stimme sind für mich rundum perfekt. Eine ganz große, alte und mächtige Band mit gewaltigem Moorcock-Faible ist der Verursacher, und die errät hier auch jemand. Ein "Spätwerk" aus den Mittachtzigern im Übrigen.

5:
Ziemlich komprimierter Gitarren- und Drumsound eröffnen den Track und spielen unisono ihre rhythmischen Muster. Wenn das Schlagzeug in den walzenden Doublebass-Beat wechselt steigen Frauengesänge ein, die jeweils auf der 2 und 4 eine Art Stöhnen verlauten lassen. Darüber klimpert dann noch ein Glockenspiel. Das Ganze ist, auch wenn man es nicht vermuten mag, Black Metal... womöglich aber nicht in der engstirnigen Perspiktive ;-) Ich vermute dahinter DIMMU BORGIR, da mich der dann einsetzende kehlige Kreischgesang an Shagrath erinnert; auch die sonst üppigen Arrangements würden gut passen. Hab ich Recht?

Es ist kein Stück von DIMMU BORGIR, aber der Bandleader dieser Truppe war früher mal eine Zeit lang bei Shagrath & Co. in Lohn und Brot. Von daher ist die Assoziation schon sehr treffend. Norwegischer Black Metal (ja, hier durchaus noch), von einer sehr innovativen Band, die leider in den letzten zehn Jahren ganz gewaltig aus dem Fokus geraten ist.

6:
Völlig kompromissloses BM-Gebolze ohne Atempause. Atemberaubende Geschwindigkeit. Die Blastbeats ballern alle Soundlöcher zu, die frostigen Tremolo-Gitarren im Hintergrund sind aber überraschend melodiös. Der Gesang ist kein Gekreische sondern eher tiefes und stark verhalltes Grollen. Die Blastbeats werden dann auch gegen Pappkarton-Doublebass-Passagen ausgetauscht und gegen Ende hin wird man dann auch etwas gemächlicher und frönt im zügigen Walzer-Tempo der heidnischen Glaubensbekundung. Gegen Ende hin nehmen die Gitarren noch einen leicht folkigen Einschlag an und beenden den Song trotz der übermässigen Raserei und Lärmwand überraschend abwechslungsreich. Gefällt.

Das war der Song, bei welchem ich am meisten Angst hatte, dass er dir nicht gefallen könnte. Ebenfalls eine Norweger-Band, die schon ganz früh mit am Start war, aber wegen des eher Death-Metal-lastigen Gesangs irgendwie als Randerscheinung galt. Zu den "Großen" gehörten die Jungs nie, obwohl sie bis heute eine EP und sechs Studioalben unter die Leute bringen konnten. Einer der Hauptleute eines deiner aktuellen Norge-Favoriten war auch schon mit an Bord. Dieser Song hier ist vom Debüt-Fulllength und mit einer waschechten Pytten/Grieghallen-Produktion gesegnet. Freut mich sehr, dass es dir gefält, denn es ist ein viel zu oft vergessener Klassiker der Mittneunziger-Norsk-BM-Szene.


7:
Gemächliches Tempo und ausgehaltene Powerchords geben Platz für ein kleines Streichquartett. Die elektrischen Gitarren klingen aus und die Kadenz wird von einer akustischen Gitarre aufgegriffen und der Sänger (Mr. Conklin vielleicht?) stimmt mit einer Geige eine dramatische Ode an. "Take This Pain Away". So dürfte dann vermutlich auch der Song heißen. Für mein Empfinden knödelt der Sänger ein Tick zu viel und mir ist das ganze Soundbild etwas zu aufgeblasen; gut gemacht ist das aber trotzdem. Werde ich mir aber wohl nicht ins Regal stellen müssen.

Das gilt als erkannt. JAG PANZER mit 'Take This Pain Away' vom 1998er-Meisterwerk "The Age Of Mastery". Das Harry Conklin knödeln würde, wäre mir neu, aber gut... ;-)


8:
Das ist ein ziemlich cooler Track. Beginnt recht schleppend mit melodiösen, aber unheilvollen Gitarren, die eine verhältnismäßig simple, aber äusserst effektvolle Melodie spielen. Der Snaresound ist spitz und hallig und die Rhythmusgruppe spielt sehr dynamisch und lebhaft. Nach einem kurzen Break zieht das Tempo an und die Band fröhnt astreinem melodischen Death / Black- Metal. Im zügigen 6/8-Track wird eine mitreissende Gitarrenmelodie nach der anderen abgefeuert und kraftvolles Kreischen sorgt für die passende Untermalung. Auch hier empfinde ich den Gesang als recht unverständlich (kann aber auch den Boxen liegen). Im Refrain verstehe ich "Elysium"... kann aber auch "Elizabeth" sein (nein, Dissections "Elizabeth Bathory" ist es nicht). Auch hier zitieren die Gitarren teils folkloristische Weisen. Gefällt mir ganz ausgezeichnet.

DISSECTIONs 'Elizabeth Bathory' ist ja in Wirklichkeit auch nicht Dissections, sondern TORMENTORs 'Elizabeth Bathory', weil von den Ungarn um Meister Attila gecovert. Natürlich richtig, das ist es nicht... das Wort im Refrain, das du heraus hörst, heißt "Elishia". Das ist aber nicht der Songtitel. Mit der DISSECTION-Assoziation und der Einordnung als "Melodic Black/Death" hast du das Herkunftsland quasi schon erkannt, und auch darüber hinaus ist die DISSECTION-Verbindung vorhanden. Drei der vier Musiker, die du hier hörst, waren zu irgend einem Zeitpunkt auch mal mit DISSECTION zu hören.

9:
Ja, mit dem Song hast du es mir ein bisschen vergällt, Rüdiger. Ausgehaltene Powerchords und Manowar-Gedächtnis-Chöre. Über die Kadenz kommt dann durchgetretene Plastikbassdrum und das ganze klingt einfach furchtbar. "A Distant Thunder cracks the sky, They've run out of sands of time" Das Strophenriff ist ja ganz okay, aber das Geschunkle im Refrain ist nur doof. "Wipe the tears they cry, let the darkness die, with open arms, i welcome the end" *schüttel* Lediglich das coole, teils zweistimmige Riff bei Minutenmarke zwei lässt aufhorchen, aber sonst ist das echt Power Metal zum abgewöhnen.

Schade. Für mich einer der besten Refrains ever. Power Metal hin, Schunkeln her, diese Passage geht mir so dermaßen unter die Haut, dass es nicht mehr feierlich ist. Dürften aufgrund der ansonsten treffenden Beschreibung schon ein paar Leute erkannt haben. Deine Kritikpunkte kann ich zwar verstehen, aber zum einen stört mich das als "24-Jahre-MANOWAR-Fan" kein Stück weit, und zum anderen bricht meine Gesangsfixierung mal wieder voll durch. Wer so singt, der kann im Hintergrund tackern haben, was er will: Er ist ein Gott! Als Tipp: Soloprojekt eines viel beschäftigten Sängers, der manchen durchaus schon zu viel beschäftigt ist.
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Re: WW2011 - Der Seele Streit & Fall

Beitragvon Holger Andrae » Mittwoch 1. Februar 2012, 09:21

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Jupps. Wenn jetzt noch einer raten muss, dann soll er. Wenn ich das nächste mal hier was schreibe, dann wird sonst aufgelöst.


Die Textzeiel sollte nun aber wirklich jeder kennen ;)))

Rüdiger Stehle hat geschrieben:4:
Voluminöser Drumsound mit viel Reverb und ordentlich Attack und stoisch repetitiver Bass. Hat
Das ist nach 'I'm Alive' die zweite Schote mit direktem Elric-Bezug. Der Songtitel entspricht dem Namen eines "Lords of Chaos", den Elric bei einer bestimmten Gelegenheit anruft und der ihm scheinbar und zunächst zur Hilfe kommt. Doch niemand weiß so recht, wie wohlgesonnen die Herren des Chaos ihren Getreuen wirklich sind. Die Assoziationen New Wave und Psychedelic sind sehr treffend. Der Drive, der Sound und die Stimme sind für mich rundum perfekt. Eine ganz große, alte und mächtige Band mit gewaltigem Moorcock-Faible ist der Verursacher, und die errät hier auch jemand. Ein "Spätwerk" aus den Mittachtzigern im Übrigen.



Hawkwind?


Rüdiger Stehle hat geschrieben:Schade. Für mich einer der besten Refrains ever. Power Metal hin, Schunkeln her, diese Passage geht mir so dermaßen unter die Haut, dass es nicht mehr feierlich ist. Dürften aufgrund der ansonsten treffenden Beschreibung schon ein paar Leute erkannt haben. Deine Kritikpunkte kann ich zwar verstehen, aber zum einen stört mich das als "24-Jahre-MANOWAR-Fan" kein Stück weit, und zum anderen bricht meine Gesangsfixierung mal wieder voll durch. Wer so singt, der kann im Hintergrund tackern haben, was er will: Er ist ein Gott! Als Tipp: Soloprojekt eines viel beschäftigten Sängers, der manchen durchaus schon zu viel beschäftigt ist.


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Re: WW2011 - Der Seele Streit & Fall

Beitragvon Jesus » Mittwoch 1. Februar 2012, 09:42

Holger Andrae hat geschrieben:Die Textzeiel sollte nun aber wirklich jeder kennen ;)))


Und wem bei der Beschreibung nicht wenigstens ein kleines Lichtlein aufgeht, wird aus dem Forum verbannt, nicht wahr? :grins:
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Re: WW2011 - Der Seele Streit & Fall

Beitragvon trent » Mittwoch 1. Februar 2012, 10:02

Rüdiger Stehle hat geschrieben:
5:
Ziemlich komprimierter Gitarren- und Drumsound eröffnen den Track und spielen unisono ihre rhythmischen Muster. Wenn das Schlagzeug in den walzenden Doublebass-Beat wechselt steigen Frauengesänge ein, die jeweils auf der 2 und 4 eine Art Stöhnen verlauten lassen. Darüber klimpert dann noch ein Glockenspiel. Das Ganze ist, auch wenn man es nicht vermuten mag, Black Metal... womöglich aber nicht in der engstirnigen Perspiktive ;-) Ich vermute dahinter DIMMU BORGIR, da mich der dann einsetzende kehlige Kreischgesang an Shagrath erinnert; auch die sonst üppigen Arrangements würden gut passen. Hab ich Recht?

Es ist kein Stück von DIMMU BORGIR, aber der Bandleader dieser Truppe war früher mal eine Zeit lang bei Shagrath & Co. in Lohn und Brot. Von daher ist die Assoziation schon sehr treffend. Norwegischer Black Metal (ja, hier durchaus noch), von einer sehr innovativen Band, die leider in den letzten zehn Jahren ganz gewaltig aus dem Fokus geraten ist.


Das müssten dann Covenant (oder The Kovenant, wie sie sich später umbenennen mussten) sein. Die wollte ich mir auch nochmal genauer anschauen...
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Re: WW2011 - Der Seele Streit & Fall

Beitragvon salisbury » Mittwoch 1. Februar 2012, 10:30

Jesus hat geschrieben:
Holger Andrae hat geschrieben:Die Textzeiel sollte nun aber wirklich jeder kennen ;)))


Und wem bei der Beschreibung nicht wenigstens ein kleines Lichtlein aufgeht, wird aus dem Forum verbannt, nicht wahr? :grins:


Dann bin ich mal raus... :-S
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Re: WW2011 - Der Seele Streit & Fall

Beitragvon Peter Kubaschk » Mittwoch 1. Februar 2012, 11:01

ich denke, dass kennst du.
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Re: WW2011 - Der Seele Streit & Fall

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 1. Februar 2012, 11:41

Mkeh,

um die unwürdige Rätselei bei #3 abzukürzen... :-D

#01 - CIRITH UNGOL 'I'm Alive'
#02 - deutsche Kelten
#03 - echte Kelten: THIN LIZZY 'The Emerald'
#04 - HAWKWIND 'The Sea King'
#05 - COVENANT 'Chariots Of Thunder'
#06 - völlig kompromissloses Norweger-Gebolze
#07 - JAG PANZER 'Take This Pain Away'
#08 - völlig melodisches Schweden-Gebolze
#09 - DISTANT THUNDER 'Welcome The End'
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