WW2011 - Aesops Fabel vom ahnungslosen Schaf...

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WW2011 - Aesops Fabel vom ahnungslosen Schaf...

Beitragvon Jesus » Montag 2. Januar 2012, 23:03

...und dem listigen Fuchs, der dem Schaf einen Wichtelsampler schenkte.

Das Verfassen von Einleitungen liegt mir nicht, doch vielleicht kann ich mit literarischen Anspielungen auf völkische Dichtung darüber hinweg täuschen.

Ein etwas beschwerlicher Weg liegt hinter mir und meinem Wichtel, denn die erste CD des Doppeldeckers war leider defekt; so ließ mir mein Wichtel diesen über einen Mittelsmann per MP3 zukommen. Besagter Mittelmann machte sich dadurch auch suspekt, von daher zählt der Herr von und zu Kubaschk grundsätzlich erst einmal zum engeren Kreis der Verdächtigen.

Ohne Umschweife folgen ein paar grob umrissene Beschreibungen des Liedguts:

CD 1:

1. Schwermütig verhaltenes Gezupfe, zartes Spiel mit Becken und Toms, basslastiger, monoton-rhythmischer TOOL'scher Düsterrock mit wunderbar melodisch und sonor singendem Bariton. Treibend, sich steigernd, simpel in all seiner Schönheit. Angedeutete Streicher, wortloses Singen, irgendwo leicht grungig.

Fast schon zu simpel und ungreifbar für hilfreiche Beschreibungen, doch recht gelungen. Der Aufbau und das tribalmäßige Schlagwerk erinnern mich an 'Within' von NEUROSIS & JARBOE. Gesanglich so die Richtung von Eric Clayton. Moment, woher kenne ausgerechnet ich diesen Namen? Egal.

Englisch, aber selbst für mich kaum zu verstehen. Halb klassisch-metallisch, halb modern-alternativ. Fein. "You just keep pushing on...". Hier verschwimmt alles zu einem tranceartigen Regentanz der stumm schreienden Masken. Einsame Seelen warten in der Dunkelheit ihrer blutverschmierten Zellen auf Erlösung. Passt zu mir.

2. Gewaber, Geflüster, gleiche Klangfarbe wie zuvor. Kratziger Sänger, mehr Metal. Dunkel. "Mirror... mirror... this is the place where love is broken down". Wechselt zu gotischem Melodeath mit leichten Growls und wahrmetallischen Versatzstücken. Irgendwie finnisch, glatt, verschmust. Spielten FIELDS OF THE NEPHILIM mal Metal?

Auch könnte ich mir manche Phase von AMORPHIS so vorstellen, nicht zuletzt weil nach 3 Minuten ein doch sehr schwermetallisches Break kommt. Hach, wieder so schwer greifbar, das alles. Verschwommener Stil. Gefällige Elemente verrührt zu einer sehr glatten Masse. "The winter, the winter...". Schönes Crescendo. Hat was von den SISTERS OF MERCY. Hübsch gefällig, aber doch recht konventionell und ein wenig gesichtslos.

3. "Hey, hey, hey, Mr. Hangman, go get your room". RADIOHEAD goes metal? Schon wieder so depressive Klänge zu Beginn. Plötzlich ein gewaltiger, fast schon metallischer Ausbruch. Hoher Gesang, halb post-hardcorig, halb Kauz-Prog. Irgendwas Proggiges. Greifbarer als die Stücke zuvor, nachvollziehbarer. Wieder viel Moll, aber leichter, luftiger, weniger bedrückend. "So they say, they say that in heaven there's no husbands and wives"; ab hier wird der sowieso schon recht interessante Song doch ungemein cooler. 'You Won't Know' könnte dieses Stück heißen, denn das wird immer wieder wiederholt. Feine Sache. Hat was.

4. Mehr Indie-Rock zu Beginn, wird alsbald von post-hardcorigen Klängen mit fiesem Gekeife und ebenso effektiven wie auch vertrauten Riffs abgelöst. Wechselspiel zwischen zartem und gefühlvollem Indierock und flauschigem Plüschcore. "Another happy ending lost / feel your heart cave in". Das ist doch Frosch-Mucke, nicht wahr? So vage auf Hardcore basierter Semi-Pop. Auch knuffig. Sollte ich mir notieren.

5. "Sleep, sleep, close your eyes, I'm the stranger lost in your deepest night"

Herrje, mehr nöliger Indie-Rock von androgynen Gestalten. Fängt schon wieder so schaftauglich an. Ich sollte mir echt 'nen Emo-Scheitel zulegen. Weil das ist toll. Die plüschigen Indie-Parts tönen hübschig und der Refrain ist so kraftvoll wie Power Metal es gern wäre. Seriously, that's some fist-raising shizzle:

"I am the one who will break your religion down / I will pray for you 'cause God is my lover now"

Christlicher Post-Core? Geht okay, solange es so fett klingt. Schöne Übergänge, fette Riffs, fetziger Gesang. Mein Interesse ist geweckt. Zu irgendwas muss ja sogar dieses kriminelle Gesindel mal taugen. Noch wirkt Frosch verdächtig...

"You realize what's growing inside"...

6. Funkiger, entsprechend basslastiger Rap-Rock... schwierige Kost für jemanden, der normalerweise röchelnde Giftzwerge inmitten von Blastbeatgewittern und nölende Jammerlappen auf schrammeligen Plüschwölkchen hört.

"As you look at perfection that you'll never have."

Aber sehr flüssig dargebotener Sprechgesang. Klare Aussprache, giftige Worte, tighter Flow. Der Sänger lässt sich nichts vormachen von Mike Patton oder Zack De La Rocha.

"Have I painted a portrait or picture that's clear enough?"

Zwar könnte gerade diese eine Zeile kraftvoller geschmettert werden, doch im Großen und Ganzen ist auch dieser Song wieder einmal gelungen. Ein abermals etwas wahrstahliger Refrain ("This comes in waves") platziert das Stück für meine Begriffe in den Prog Metal/Crossover der frühen oder mittleren Neunziger. Die metallischeren Momente erinnern mich ein ganz kleines bisschen an QUEENSRYCHE. Das wird natürlich keiner nachvollziehen können. Und ein wenig SUICIDAL TENDENCIES möchte ich auch raushören. Naja, meine schiefen Ohren halt. Frosch rückt aus dem Kreis der Verdächtigen heraus. Für den scheint mir das schon zu altmodisch.

7. Wieder so undefinierbarer und kaum beschreibbarer Crossover-Misch-Masch-Funk-Jazz-Metal-Rock aus den 90ern. Ich vermisse fast schon die Sampler, auf denen ich jedem Song eindeutig ein Genre zuordnen konnte. Der Wichtel macht mir das Leben schwer. Nicht wegen der Musik an sich, denn bisher war jeder Song gefällig bis toll. Nur habe ich keinen Schimmer, was genau mir hier eigentlich geboten wird.

Ein fett modernes Groove-Riff leitet den Song ein, der alsbald um einiges filigraner ausfällt. Jazzige Gitarrenläufe und weicher Gesang verwandeln sich in einen poppigen Rocksong.

"Static starlight is colouring me in the amber glow
streetlight now sweeping through the windows
in which we all lie silent and crushed
beneath these concrete memories"

Wird zunehmend rhythmisch vertrackter. Irgendwie würde ich das schon unter Prog einordnen. Aber eben sehr plüschig. So plüschiger Prog hat auch was von Kubi. Ist das schon Stelzen-Prog oder doch noch emotional und verschachtelt? Keine Ahnung. Klingt erst einmal nachvollziehbar und angenehm. Die jazzig anmutenden Momente wecken Erinnerungen an Prog-Bands wie DARK SUNS und KATHAARSYS.

"Can't stop the burning of the nerves, now set aflame / turn the air to smoke / my instinct into shame"

Auch wieder ebenso interessant wie schwierig zu definieren. Ich habe meinen Meister gefunden...

8. Wieder so zartes Indie-Genöle auf gewaltigen Riffs und plüschigen Synthie-Schleiern. Abermals habe ich nicht die blasseste Ahnung, was konkret mir hier geboten wird. Aber ich schwimme mal gegen den Strom und lasse den Verdacht gen Frosch fallen. Das hier ist eher so... keine Ahnung. Gotisch? Seltsam? Vor allem seltsam schafig? HUMAN DRAMA? Das hören doch hier die älteren Semester, nicht wahr?

"Wait and you'll find us the comfort of ghosts" erschallt es zu Beginn, was aber angesichts des sehr verhallten, vage an PALE SAINTS erinnernden Gesangs schwer auszumachen ist.

"Go where the haunted bloom... rejoices (?) and inspires (??)"

Ich verorte das in den tiefsten 80ern und meine das so positiv es nur irgend geht. Eine Prise THE CURE, die sphärischeren Stücke von A-HA, ein kräftiger Schuss PALE SAINTS, etwas fein gewürfelte DEPECHE MODE, das Gewaber von CUL DE SAC und die wenigen von männlicher Stimme getragenen Sachen der COCTEAU TWINS lassen grüßen. Und der Leibhaftige soll mich holen, diese Gesanglinien im Refrain kommen mir extrem bekannt vor. Wavig, post-rockig, synthie-rockig und irgendwie... hmm... schafig. Verdammt, schon wieder. Mein Wichtel kennt mich gut. Sollte mich nicht allzu sehr wundern, denn oft genug verbalisiere ich hierzulande meine musikalischen Abneigungen. Jhonny kann ich schon mal ausschließen.

9. Was Post-Rockiges. Repetitives Schlagwerk, flirrendes Dur-Gezupfe, wogende Klangschaften, mal minimalistisch, mal laut. EXPLOSIONS IN THE SKY und MONO kommen mir sofort in den Sinn, allerdings bin ich mir weitgehend sicher, dass es sich um keine der beiden Bands handelt.

Gerade eben habe ich ein doppeltes Déjà-vu: Zu einen klingt das Stück vertraut, zum anderen könnte ich Stein und Bein schwören, exakt diesen vorangegangen Absatz bereits einmal geschrieben zu haben. Mein Instinkt sagt mir nun, es handele sich um überhaupt keine typische Post-Rock-Truppe. Das Gehirn spielt einem gern streiche. Scumbag brain...

Alles in allem ein hübsches, für Post-Rock typisches Instrumental ohne große Überraschungen. Aber definitiv gelungen.


Gerade muss ich fast schon entsetzt feststellen, dass mir kein Song auf CD 1 missfallen hat. Zwar schien die Nummer 2 etwas zu beliebig, doch wirklich mies war nichts. Gar nichts. War alles hübschig. Nummer 5 ist bisher mein absolutes Highlight. Und wer weiß, vielleicht wächst die 2 auch noch? Wenn das nicht mal eine Erfolgsquote ist. Mein Wichtel kennt mich gut, da bin ich mir sicher. Es mangelte nur an garstigen oder kantigen Momente, die meisten Songs waren eher glatt und plüschig. Das ist an sich nicht verkehrt, doch hin und wieder gelüstete es mir zwecks Auflockerung nach brachialen Kehlkopfkarzinomen oder völlig verdrehtem Kauzgeknatter, welches mir Eike oder Loenz vorgesetzt hätten. Nebenbei fällt mir gerade auf, dass gerade Metal an sich eher rar gesät war. Schon seltsam.

Vielleicht geht es morgen mit CD 2 weiter, vielleicht brauche ich auch etwas länger. Momentan sind Zeit und Muße bei mir rar gesät.

Ohne einen genaueren Blick in die anderen Wichtel-Threads geworfen zu haben, um weitere potentielle Wichtel auszuschließen bzw. ohne genaue Kenntnis aller bisher aufgedeckten Wichtel, würde ich spontan auf den Herrn Peter Kubaschk als meinen Wichtel tippen. Er kennt meine Vorlieben mittlerweile sehr gut, verschont mich mit Germon-und-Jhonny-Metal und liefert mir stattdessen moderne, progressiv angehauchte Rockmusik mit viel Ohrenmerk auf melodischen Gesang, was ich durchaus als typisch für ihn erachten würde. Da treffen wir uns wohl in der Mitte unserer Klangwelten, denn obwohl ich selbst auch gerne Musik höre, bei der der Gesang bestenfalls die zweite Geige spielt, bin ich doch von guten Sängern durchaus auch mal angetan. Es mangelte an fiesem Gedresche, obwohl er auch hin und wieder derartiges hört. Wäre ich nicht durch den Soundcheck auf die neue VEKTOR aufmerksam geworden, hätte er mir möglicherweise einen Song von ebendieser vorgesetzt. Wer weiß... CD 2 bringt vielleicht mehr Erkenntnisse.
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Re: WW2011 - Aesops Fabel vom ahnungslosen Schaf...

Beitragvon salisbury » Montag 2. Januar 2012, 23:23

Klingt nach Kubi, alles in allem. Spontan kommt mir nix bekannt vor. Ich bin aber auch ein Mensch, der mit Textfetzten nix anfangen kann. Lyrics bleiben mir doch sehr selten im Ohr...

Kubi macht aber nicht zwei CDs...
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Re: WW2011 - Attack of the nöliges Indie-Geschrammel...

Beitragvon Jesus » Dienstag 3. Januar 2012, 07:02

CD 2:

1. Geträufeltes, helles Gebimmel aus dem Tastenbrett, blubbernde Loops, flirrende Saiten. Abermals klassischer Post-Rock, wie das letzte Stück der ersten CD 1. Thematische Überleitung von vertrauten in vertraute Gefilde inmitten eines Meeres voller Unbekannten. Wolkenverhangene Inseln mit Zuckerwattestränden. Ein für das Genre ganz typisches Stück. Typisch schön.

2. Schon wieder weckt die Gitarrenarbeit leichte Assoziationen an TOOL, gesanglich befinden wir uns abermals beim Indie-Genöle irgendwo zwischen THE MARS VOLTA und COHEED & CAMBRIA mit 'nem Schuss von Eikes iberischer Katze. Wie hießen die noch gleich? DEATH CAB FOR CUTIE, genau.

"All that remains, drowning in flames / The same old story, but the names have all been changed"

Hm, ist das noch kubistisch? Tönt doch sehr mädchenhaft. Für jemanden, der den Begriff "nerviges Indie-Geschrammel mit Anti-Sänger" prägte, ist das schon zu indie und schrammelig und anti-sängerisch. Vielleicht gefällt ihm das frickelige Solo am Schluss so sehr, dass er über diese Attribute hinweg sehen kann.

3. Mehr mädchenhaftes Indie-Genöle. Zarter Indie/Alternative Rock, der mal von weitem Progressive Rock gesehen hat.

"Tons of hydrogen, galaxies will burst / And just one living light, we knew nothing much at first"

Der AOR des 21. Jahrhunderts? Schrammelgitarren, wieder gesangsorientiert. Gefällig, ganz hübschig, aber doch sehr glatt geraten, trotz herrlich versetzter Rhythmik. Das ist halt alles schön, ohne dabei irgendeinen tieferen Eindruck zu hinterlassen. Zum Schluss lässt mich das Stück doch sehr fragend zurück, da es für meine Begriffe nirgendwo hin geführt hat. Fing hübsch an und verlor sich im eigenen Zwiespalt zwischen künstlerischem Anspruch und radiotauglicher Gefälligkeit. "Is anybody out there?" möchte ich den Song auch fragen. Vielleicht wirkt das im Albumkontext markanter.

4. In den ersten Sekunden erwarte ich fast schon Wagners Walkürenritt, als bebende Streicher für einige Sekunden einsetzen, bevor sie den Weg freigeben für klar gespielte E-Gitarren und klebrige Synthie-Teppiche. Gesprochene Fetzen, vielleicht Samples. Bei den vorangegangen Durchläufen gab's auch hier schrammeliges Indie-Genöle, aber jetzt im Moment sehnt es mich ein wenig nach Black Metal. Bitte, bitte, verwandele Dich in einen Black-Metal-Song komplett mir garstigem Gekeife, durchgehend blastenden Drums und messerscharfen Riffs. Schade, den Gefallen tut mir das Stück nicht. Macht mir die Beschreibung schwer.

Ach, ich tue jetzt einfach mal so als ob: Nach den Samples ertönt erst frostiges Tremolo-Picking, welches alsbald begleitet wird von klassischen, gut produzierten Riffs. Blastbeats setzen ein, ein Brückentroll keift "Arrgh! Satan! Six six six! I'm evil!". Darauf folgt ein kurzes Break mit klar gespielten Gitarrenläufen, bevor das dissonante Inferno wieder hereinbricht. Der schwerfällige Mid-Tempo-Part ab Minute 4:15 bringt Abwechslung ins Spiel, bevor das klassische Solo bei 6:66 dem Ganzen die Krone aufsetzt. Zum Schluss wird noch einmal kurz fies gekeift, einen Takt lang rattert der Blastbeat und es endet mit einigen Sekunden düster-sakralem Chor.

5. Was kommt jetzt? Richtig, Indie-Genöle. Kubi, ich mag so etwas manchmal auch ganz gerne, aber einen ganzen Sampler voll davon? Wirklich? So ganz ohne Abwechslung verlaufen die ähnlich gelagerten Stücke ineinander und es wird zunehmend anstrengend.

Locker-luftiger, folkiger Stadion-Indie-Rock zum Feuerzeug hochhalten und mit der Freundin im Arm im Takt mitschunkeln.

"When we collide we come together
If we don't we'll always be apart
I'll take a bruise, I know you're worth it
When you hit me, hit me hard"

Naja, ganz nett. Aber nicht fürs Heimkino. Live vielleicht. Im Nachhinein wird man vielleicht von besagter Freundin im Arm für die Mühe belohnt.

6. Schwebender, nöliger. Erinnert doch stark in seiner monoton-geloopten Art mit den hohen Vocals stark an RADIOHEAD, verbunden mit melodischen Gesanglinien à la SAVOY GRAND. Keyboardschleier und Streicher haben was von den aufdringlicheren Stücken von THE WHITE BIRCH, der zum Ende hin immer mehr in den Hintergrund gemischte Gesang lässt mich mit den weiblichen Background-Vocals schon wieder einmal an die COCTEAU TWINS denken. Vielleicht hatte ich die in letzter Zeit auch nur zu oft gehört.

Der Song lässt dem Sound viel mehr Luft, das Piano im Hintergrund ist unaufdringlich. Nicht so anstrengend wie die Stücke zuvor.

"So grab yourself a bottle / It's yours as much as mine / We'll toast the air, the sky and anything that we can't find"

Fein.

Aus Zeitgründen mache ich hier mal frühzeitig Schluss, muss nämlich jetzt aufstehen. Die drei restlichen Songs (und die Nummer 4 ;)) werden auch noch besprochen, keine Sorge.

Vorerst einmal vielen Dank, lieber Peter, für diese kleine Lektion in Sachen "Alles außer Metal". Ein wenig mehr Stilbruch hätte dem Fluss des Samplers vielleicht auch ganz gut getan, aber es wird bestimmt in alle hier vertretenen Bands noch näher reingehört, von daher hast Du wohl Dein Ziel erreicht. Doch heute Abend werde ich nach all dem nöligen Indie-Geschrammel eine ordentliche Prise Metal brauchen, um den penetrant klebrigen Zuckerguss wieder aus den Ohren zu spülen ;)

Vielleicht etwas EHNAHRE oder KHANATE zur Entspannung...
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Re: WW2011 - Aesops Fabel vom ahnungslosen Schaf...

Beitragvon salisbury » Dienstag 3. Januar 2012, 16:45

Ich müsste eigentlich theroretisch einiges von Kubis Sachen kennen, aber spontan 'klick' macht es erstmal nicht. Bands wir JOLLY, RISHLOO, KARNIVOOL, COG und Ableger und dieses Illuminaten-Zeux solltest Du mal anchecken. Lustig, wie viele RADIOHEAD-Assoziationen vorkommen. Das machst Du mit Absicht, Schafi, oder? ;-) .

Ich geh nochmal in mich, ob ich da was erkenn...
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Re: WW2011 - Aesops Fabel vom ahnungslosen Schaf...

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 3. Januar 2012, 17:16

salisbury hat geschrieben:Ich müsste eigentlich theroretisch einiges von Kubis Sachen kennen,


Nicht nur theoretisch. Auch praktisch.

salisbury hat geschrieben: Bands wir JOLLY, RISHLOO, KARNIVOOL, COG


Alle nicht dabei.

salisbury hat geschrieben:Lustig, wie viele RADIOHEAD-Assoziationen vorkommen. Das machst Du mit Absicht, Schafi, oder? ;-)


Nur zwei. Beide natürlich völlig unhaltbar.

salisbury hat geschrieben:Ich geh nochmal in mich, ob ich da was erkenn..


Ich könnte Tipps geben.
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Re: WW2011 - Aesops Fabel vom ahnungslosen Schaf...

Beitragvon salisbury » Dienstag 3. Januar 2012, 17:21

Peter Kubaschk hat geschrieben:
Ich könnte Tipps geben.


Na dann mal hopp!
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Re: WW2011 - Aesops Fabel vom ahnungslosen Schaf...

Beitragvon Martin van der Laan » Dienstag 3. Januar 2012, 18:14

Ha! Dank meiner missionarisch aktiven Indie-Rock-Fan-reichen Bekanntschaft erkenne ich hier doch einiges wieder... oder glaube es zumindest.

CD 1 Nummer 2: FIELDS OF NEPHILIM haben nicht wirklich Metal gemacht, aber danach gab es von MacCoy und anderen doch den Nachfolger NEFILIM, der war etwas härter und maschineller in meiner Erinnerung. Vielleicht die?

CD 1 Nummer 3: "Hey Hey Hangman, go and get your ROPE" macht mehr Sinn. Ich tippe auf BRAND NEW mit 'You won't know'

CD 1 Nummer 6: Australische Säugetiere - deutlich genug?

CD 2 Nummer 3: THE INTERSPHERE - Snapshot (Gerade erst intensiver mit der Band beschäftigt aus gegebenem Anlass...!)

CD 2 Nummer 5: Das hört eine Studentin von mir ständig im Labor... BILLY sowieso. Der Songtitel ist irgendwas mit "horror"...
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Re: WW2011 - Die Rückkehr der Nöli-Ritter

Beitragvon Jesus » Dienstag 3. Januar 2012, 18:43

Wie versprochen hier die Songs 4, 7, 8 und 9.

Vorher höre ich noch einmal die 6, die war nämlich toll. Locker, luftig, folkig. Die Gitarrenläufe am Anfang könnten auch von LISA O PIU stammen. Ein bisschen JENIFEREVER mag ich auch heraushören. Hach, ist das schööön. Und die dezenten Streicher im Hintergrund. Der Ride-Loop ist aber trotzdem von RADIOHEAD geklaut, lieber Peter ;) Und wieder erinnert mich die letzte Minute total an COCTEAU TWINS. "No way out / Might not be needing this oxygen".

4. Mit neuneinhalb Minuten das längste Stück des Samplers. Wirkt jetzt ohne Stress auch gleich mal viel besser. Wieder Düster-Beinahe-Prog-Alternative-Kuschel-Rock. Wieder filigran. Nicht so verhalten wie die 6. Auffälligere Streicher. Wieder viel elektronische Loops und wabernde Klanglandschaften, unterbrochen von schrammeligen Riffs, die von den Streichern unterstützt werden. Abermals ein post-rockiges Crescendo, alsbald unterstützt von Doublebass. Ganz klassisch geht alles einen Halbton nach oben, die Musik wird voller, gewaltiger und nähert sich dem Finale. Bekanntes Schema? Ja. Aber: Never change a running system. Was bei ABBA und NECROPHAGIST gleichermaßen funktioniert, dürfte auch dieser Band hier gerecht werden. Ebenfalls ein hübschiges, angenehm unaufgeregtes Stück. Nicht so penetrant eingängig wie einige andere.

7. Oje, Peter wird mich für diese Aussage wieder kreuzigen, aber hier klingt ein Sänger wie eine Kreuzung aus Thom Yorke und David Eugene Edwards. Abermals weniger aufdringliche, dafür umso eindringlichere Depri-Mucke. Wieder was ganz Tolles hat unser Kubi hier gefunden und mir serviert.

"I can't find all the pieces of my broken life / But I try, I still try"

8. Wieder schwirrt und flirrt eine Gitarre post-rockig im Äther, vocoderlastige Vocals setzen daraufhin ein. Wieder etwas schwer Greifbares bis zum gewaltigen, im Hintergrund leicht industriell gefärbten Refrain.

"My creation, my imagination / I've become different now"

Hier geht der Song kurz aus sich raus, der Rest ist schon wieder nöliges Indie-Geschrammel. Wie oft habe ich das Wort "nölig" in diesem Thread schon verwendet? Ach, egal. Auch hier hat Peter einen guten Riecher bewiesen, denn auch das klingt hübschig, wenn auch konventionell. Prog that ain't, egal was er mir da erzählen wird ;)

9. Das böse R-Wort darf ich nicht mehr als Vergleich nennen, oder? Weil auch das klingt ziemlich genau wie... diese eine schrammelige Indie-Band. Those whose name shall not be spoken! Hauptsächlich akustisches, bedrückendes Stück, fein gesponnen mit subtilen Streichern im Hintergrund und einem Sänger, der mit an den einen Anti-Sänger erinnert, den ich nicht nennen darf. Echt jetzt, dieses Stück wäre auf "OK Computer" oder "The Bends" nicht allzu deplatziert.

Sorry, das war nur ein kleiner Scherz, den ich mir hier mit Peter erlaube ;) Das ist THE PINEAPPLE THIEF mit... ähm... *nachguck* 'Barely Breathing'. Die "Someone Here Is Missing" habe ich doch mal vom Peter bekommen. Flauschiges kleines Schmuse-Rock-Album.

edit: Huch, mir fällt gerade auf, dass ich die bei Musik-Sammler einzutragen vergessen hatte. Deswegen nahm Kubi wohl an, die Band wäre mir unbekannt.

salisbury hat geschrieben:RISHLOO, KARNIVOOL, COG


Hätte ich wohl erkannt. Von RISHLOO und COG besitze ich je zwei Alben. KARNIVOOL dürfte ich auch irgendwo mal gehört haben.

salisbury hat geschrieben:Lustig, wie viele RADIOHEAD-Assoziationen vorkommen. Das machst Du mit Absicht, Schafi, oder? ;-)


Natürlich. :grins:

Peter Kubaschk hat geschrieben:Nur zwei. Beide natürlich völlig unhaltbar.


Meine schiefen Ohren bei der Arbeit. Andererseits ist das doch aus meinem Mund ein großes Lob. Da kann man das schon mal verkraften, nicht wahr? ;)

Ausgehend von Kubis letzter Playlist und den dazugehörigen Reviews sind mit einiger Sicherheit THE INTERSPHERE und ILLUMINATUS irgendwo auf dem Sampler vertreten. Aaah, der Martin hat THE INTERSPHERE bereits erkannt, als ich das hier tippte. Der Post-Rock stammt vielleicht von LDC, wenngleich ich die um einiges rockiger und weniger fußpilzig in Erinnerung habe. Wobei musikalischer Fußpilz aus meiner Sicht nichts Negatives ist. Bring on the fungus!
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Re: WW2011 - Aesops Fabel vom ahnungslosen Schaf...

Beitragvon Jesus » Dienstag 3. Januar 2012, 19:04

Martin van der Laan hat geschrieben:CD 1 Nummer 2: FIELDS OF NEPHILIM haben nicht wirklich Metal gemacht, aber danach gab es von MacCoy und anderen doch den Nachfolger NEFILIM, der war etwas härter und maschineller in meiner Erinnerung. Vielleicht die?


Ne, NEFILIM hatte mir Eike mal serviert. Das war stumpfer als dieser Song hier.

Martin van der Laan hat geschrieben:CD 1 Nummer 3: "Hey Hey Hangman, go and get your ROPE" macht mehr Sinn. Ich tippe auf BRAND NEW mit 'You won't know'


You are correct.

Martin van der Laan hat geschrieben:CD 1 Nummer 6: Australische Säugetiere - deutlich genug?


Es gibt eine Band namens KOALA? Oder KANGAROO? WOMBAT? DINGO? Vielleicht THYLACOLEO CARNIFEX? Also ich würde meine Band bestimmt so nennen.

Martin van der Laan hat geschrieben:CD 2 Nummer 3: THE INTERSPHERE - Snapshot (Gerade erst intensiver mit der Band beschäftigt aus gegebenem Anlass...!)


Hat was. Wird bestimmt noch wachsen, das Stück. Wo Peter allerdings dort den Prog raushört, bleibt mir ein Rätsel.
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Re: WW2011 - Aesops Fabel vom ahnungslosen Schaf...

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 3. Januar 2012, 19:34

Erst einmal vielen Dank für die gewohnt ausführlichen Worte, die dann ja auch sehr bald kamen. Das weiß ich sehr zu schätzen.

Jesus hat geschrieben:CD 1:
1. Schwermütig verhaltenes Gezupfe, zartes Spiel mit Becken und Toms, basslastiger, monoton-rhythmischer TOOL'scher Düsterrock mit wunderbar melodisch und sonor singendem Bariton. Treibend, sich steigernd, simpel in all seiner Schönheit. Angedeutete Streicher, wortloses Singen, irgendwo leicht grungig.

Fast schon zu simpel und ungreifbar für hilfreiche Beschreibungen, doch recht gelungen. Der Aufbau und das tribalmäßige Schlagwerk erinnern mich an 'Within' von NEUROSIS & JARBOE. Gesanglich so die Richtung von Eric Clayton. Moment, woher kenne ausgerechnet ich diesen Namen? Egal.

Englisch, aber selbst für mich kaum zu verstehen. Halb klassisch-metallisch, halb modern-alternativ. Fein. "You just keep pushing on...". Hier verschwimmt alles zu einem tranceartigen Regentanz der stumm schreienden Masken. Einsame Seelen warten in der Dunkelheit ihrer blutverschmierten Zellen auf Erlösung. Passt zu mir.


Das mit dem Grunge passt schon, da der Sänger mal bei einer (unbekannten) australischen Grunge-Band war. Der Rest ist durchaus eine australische "Supergroup". Düster-TOOL ist eine sehr treffende Beschreibung. Kein Album für jeden Zeitpunkt, aber wenn dann toll.

Jesus hat geschrieben:2. Gewaber, Geflüster, gleiche Klangfarbe wie zuvor. Kratziger Sänger, mehr Metal. Dunkel. "Mirror... mirror... this is the place where love is broken down". Wechselt zu gotischem Melodeath mit leichten Growls und wahrmetallischen Versatzstücken. Irgendwie finnisch, glatt, verschmust. Spielten FIELDS OF THE NEPHILIM mal Metal?


Die Antwort ist "Ja.". Und die Songs auf dem Album sind sehr unterschiedlich. Das ist mein Favorit, Martin hat die Gruppe schon sehr richtig erkannt. THE NEFILIM. Hätte eigentlich gedacht, dass du Carl McCoy erkennen würdest.


Jesus hat geschrieben:3. "Hey, hey, hey, Mr. Hangman, go get your room". RADIOHEAD goes metal? Schon wieder so depressive Klänge zu Beginn. Plötzlich ein gewaltiger, fast schon metallischer Ausbruch. Hoher Gesang, halb post-hardcorig, halb Kauz-Prog. Irgendwas Proggiges. Greifbarer als die Stücke zuvor, nachvollziehbarer. Wieder viel Moll, aber leichter, luftiger, weniger bedrückend. "So they say, they say that in heaven there's no husbands and wives"; ab hier wird der sowieso schon recht interessante Song doch ungemein cooler. 'You Won't Know' könnte dieses Stück heißen, denn das wird immer wieder wiederholt. Feine Sache. Hat was.


Von Martin vdL korrekt erkannt. BRAND NEW mit 'You Won't Know'.

Jesus hat geschrieben:4. Mehr Indie-Rock zu Beginn, wird alsbald von post-hardcorigen Klängen mit fiesem Gekeife und ebenso effektiven wie auch vertrauten Riffs abgelöst. Wechselspiel zwischen zartem und gefühlvollem Indierock und flauschigem Plüschcore. "Another happy ending lost / feel your heart cave in". Das ist doch Frosch-Mucke, nicht wahr? So vage auf Hardcore basierter Semi-Pop. Auch knuffig. Sollte ich mir notieren..


Ja, ich denke auch, dass das Froschmucke ist. Und auch durchaus Schafmucke. Bester Song eines meiner Top5-Alben des Jahres. Es dürfte kaum ein Song häufiger in diesem Jahr gelaufen sein.

Jesus hat geschrieben:5. "Sleep, sleep, close your eyes, I'm the stranger lost in your deepest night"

Herrje, mehr nöliger Indie-Rock von androgynen Gestalten. Fängt schon wieder so schaftauglich an. Ich sollte mir echt 'nen Emo-Scheitel zulegen. Weil das ist toll. Die plüschigen Indie-Parts tönen hübschig und der Refrain ist so kraftvoll wie Power Metal es gern wäre. Seriously, that's some fist-raising shizzle:

"I am the one who will break your religion down / I will pray for you 'cause God is my lover now"

Christlicher Post-Core? Geht okay, solange es so fett klingt. Schöne Übergänge, fette Riffs, fetziger Gesang. Mein Interesse ist geweckt. Zu irgendwas muss ja sogar dieses kriminelle Gesindel mal taugen. Noch wirkt Frosch verdächtig...

"You realize what's growing inside"....


Nee, christlich sind diese Franzosen eigentlich nicht. Zumindest nicht offensichtich. 2008 veröffentlichtes Album, der französischen "Supergroup" mit Leuten aus Bands, von denen bislang nur Franzosen gehört haben. Ist hier ziemlich untergegangen, gibt es aber meist günstig bei Grooves Inc. & Co.

Jesus hat geschrieben:6. Funkiger, entsprechend basslastiger Rap-Rock... schwierige Kost für jemanden, der normalerweise röchelnde Giftzwerge inmitten von Blastbeatgewittern und nölende Jammerlappen auf schrammeligen Plüschwölkchen hört.

"As you look at perfection that you'll never have."

Aber sehr flüssig dargebotener Sprechgesang. Klare Aussprache, giftige Worte, tighter Flow. Der Sänger lässt sich nichts vormachen von Mike Patton oder Zack De La Rocha.

"Have I painted a portrait or picture that's clear enough?"

Zwar könnte gerade diese eine Zeile kraftvoller geschmettert werden, doch im Großen und Ganzen ist auch dieser Song wieder einmal gelungen. Ein abermals etwas wahrstahliger Refrain ("This comes in waves") platziert das Stück für meine Begriffe in den Prog Metal/Crossover der frühen oder mittleren Neunziger. Die metallischeren Momente erinnern mich ein ganz kleines bisschen an QUEENSRYCHE. Das wird natürlich keiner nachvollziehen können. Und ein wenig SUICIDAL TENDENCIES möchte ich auch raushören. Naja, meine schiefen Ohren halt. Frosch rückt aus dem Kreis der Verdächtigen heraus. Für den scheint mir das schon zu altmodisch.


Hätte nicht gedacht, dass das jemand hier kennt, aber Martin vdL hat mit den australischen Säugetieren recht. Wobei Säugetier sehr wörtlich gemeint ist. Das Album ist übrigens von 2008, aber die RATM-Anleihen sind sicher nicht von der Hand zu weisen. Der Song ist allerdings nicht sonderlich repräsentativ für das Album.

Jesus hat geschrieben:7. Wieder so undefinierbarer und kaum beschreibbarer Crossover-Misch-Masch-Funk-Jazz-Metal-Rock aus den 90ern. Ich vermisse fast schon die Sampler, auf denen ich jedem Song eindeutig ein Genre zuordnen konnte. Der Wichtel macht mir das Leben schwer. Nicht wegen der Musik an sich, denn bisher war jeder Song gefällig bis toll. Nur habe ich keinen Schimmer, was genau mir hier eigentlich geboten wird.

Ein fett modernes Groove-Riff leitet den Song ein, der alsbald um einiges filigraner ausfällt. Jazzige Gitarrenläufe und weicher Gesang verwandeln sich in einen poppigen Rocksong.

"Static starlight is colouring me in the amber glow
streetlight now sweeping through the windows
in which we all lie silent and crushed
beneath these concrete memories"

Wird zunehmend rhythmisch vertrackter. Irgendwie würde ich das schon unter Prog einordnen. Aber eben sehr plüschig. So plüschiger Prog hat auch was von Kubi. Ist das schon Stelzen-Prog oder doch noch emotional und verschachtelt? Keine Ahnung. Klingt erst einmal nachvollziehbar und angenehm. Die jazzig anmutenden Momente wecken Erinnerungen an Prog-Bands wie DARK SUNS und KATHAARSYS.

"Can't stop the burning of the nerves, now set aflame / turn the air to smoke / my instinct into shame"

Auch wieder ebenso interessant wie schwierig zu definieren. Ich habe meinen Meister gefunden...


Das sind Briten, die mich ja fatal an A PERFECT CIRCLE erinnern (bei diesem Song noch am Wenigsten). Haben ein kurzes, feines Album aufgenommen, deren Klasse bei uns im SC neben mir nur holg noch erkannt hat. Und ja, ist schon Prog. Aber sicher kein Stelzen-Prog.


Jesus hat geschrieben:8. Wieder so zartes Indie-Genöle auf gewaltigen Riffs und plüschigen Synthie-Schleiern. Abermals habe ich nicht die blasseste Ahnung, was konkret mir hier geboten wird. Aber ich schwimme mal gegen den Strom und lasse den Verdacht gen Frosch fallen. Das hier ist eher so... keine Ahnung. Gotisch? Seltsam? Vor allem seltsam schafig? HUMAN DRAMA? Das hören doch hier die älteren Semester, nicht wahr?

"Wait and you'll find us the comfort of ghosts" erschallt es zu Beginn, was aber angesichts des sehr verhallten, vage an PALE SAINTS erinnernden Gesangs schwer auszumachen ist.

"Go where the haunted bloom... rejoices (?) and inspires (??)"

Ich verorte das in den tiefsten 80ern und meine das so positiv es nur irgend geht. Eine Prise THE CURE, die sphärischeren Stücke von A-HA, ein kräftiger Schuss PALE SAINTS, etwas fein gewürfelte DEPECHE MODE, das Gewaber von CUL DE SAC und die wenigen von männlicher Stimme getragenen Sachen der COCTEAU TWINS lassen grüßen. Und der Leibhaftige soll mich holen, diese Gesanglinien im Refrain kommen mir extrem bekannt vor. Wavig, post-rockig, synthie-rockig und irgendwie... hmm... schafig. Verdammt, schon wieder. Mein Wichtel kennt mich gut. Sollte mich nicht allzu sehr wundern, denn oft genug verbalisiere ich hierzulande meine musikalischen Abneigungen. Jhonny kann ich schon mal ausschließen.


Ja, die älteren Herren hören hier HUMAN DRAMA, aber davon ist diese Band weit entfernt. Ziemlich aktuelles Album der britischen Band, die als "Mischung aus The Smiths & Neurosis" beschrieben werden und bei uns im SC nicht so wirklich abgeräumt haben. Lebt ziemlich vom Kontrast zwischen zarter Stimmung und (etwas) gewaltigerer Instrumentierung.

Jesus hat geschrieben:9. Was Post-Rockiges. Repetitives Schlagwerk, flirrendes Dur-Gezupfe, wogende Klangschaften, mal minimalistisch, mal laut. EXPLOSIONS IN THE SKY und MONO kommen mir sofort in den Sinn, allerdings bin ich mir weitgehend sicher, dass es sich um keine der beiden Bands handelt.

Gerade eben habe ich ein doppeltes Déjà-vu: Zu einen klingt das Stück vertraut, zum anderen könnte ich Stein und Bein schwören, exakt diesen vorangegangen Absatz bereits einmal geschrieben zu haben. Mein Instinkt sagt mir nun, es handele sich um überhaupt keine typische Post-Rock-Truppe. Das Gehirn spielt einem gern streiche. Scumbag brain...

Alles in allem ein hübsches, für Post-Rock typisches Instrumental ohne große Überraschungen. Aber definitiv gelungen.


Doch, das ist schon eine typische Genretruppe. Polnische Band, die ich dieses Jahr für mich entdeckt habe. Meiner Meinung nach der stärkste Song des zweiten Albums der Band.
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Peter Kubaschk
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