1. Appetizer: Kandierte Kastanien (0:57)
Es fängt an mit wilden Rhythmen und Flöten, bevor die Gitarre einsetzt und mich ein grimmig gestimmter Mann warnt:
Don't come to a strange place called here and now.
Es scheint flüssug in den nächsten Gang überzugehen.
2. Iskender-Kebab (5:49)
Mir fährt prompt ein hartes Riff entgegen, hier wird keine Zeit verschwendet. Die Strophe beginnt und offenbart einen Sänger aus dem Bereich des Kraftmetalls. Ich dachte kurz, die Stimme wiederzuerkennen, mir fällt aber nicht ein, wer das sein könnte. Im Refrain wird mir dann "No more! No devotion![...] No possession! No, Religion, like a lion in the jungle" zugerufen. Es folgt ein nettes Gitarrensolo, das aufgrund der etwas dumpfen Produktion recht weit im Mix vergraben ist. Der Bass pumpt im Hintergrund sehr groovig, insgesamt erinnert mich der Song streckenweise ein wenig an Persuader, aber da klingt der Sänger anders. Sehr guter Einstieg, auch wenn ich nicht weiß, was es ist.
3. Köttbullar mit Preiselbeerkompott (6:33)
Der nächste Gang beginnt mit einer cleanen Gitarre, welcher kurz darauf vom Rest der Band Gesellschaft geleistet wird. Eher ruhig gehalten, erinnert mich hier von der Grundstimmung ein wenig an Psychotic Waltzs 'Into The Everflow'. Als wäre es kurz davor, in die Dissonanz abzudriften, sich aber doch wieder fängt. Psychedelisch. Nun wird es plötzlich härter, Gitarrenwand, Blastbeats. Es beruhigt sich genau so plötzlich wieder und ein sehr cooles tooliges Bassriff setzt ein, dazu gemutete Gitarrenleads. Der Sänger erinnert mich ein ganz klein wenig an Gildenlöw. Jetzt das Solo, kurz harmonisiert, dann Tapping und im Hintergrund Geriffe, nun wird es wieder ruhiger. Cleanes Solo, spärliche Percussion. "No, you never had a clue" singt der Vielleicht-Gildenlöw. Er könnte Recht haben. Denn jetzt geht es wieder in den dissonanten, blastigen Refrain und ich weiß nicht, wo ich das einordnen soll. Es endet mit einem kurzen Sitar-ähnlichen Lead. Ist das Pain Of Salvation? Oder Tool? Irgendwas komplett anderes?
4. Pelmeni mit Sauerrahm (4:21)
Es geht weiter mit tiefer gestimmten, stark übersteuerten Gitarren und einem dicken Keyboardteppich. Ähnlich wie bei Song Nummer zwei wieder europäischer Kraftmetall der härteren Art. "Stormchild, daughter of thunder and hail", "Come to us and fly" singt der Sänger mit der nicht allzu hohen Stimme, der für mich eine tiefere, etwas härtere Version von Tobias Sammet ist. Diese tiefen Gitarren und das Rhythmische Geriffe lassen mich an Brainstorm denken. Spielen die so?
5. Bockwurst und Pumpernickel (1:23)
Ein kurzes Zwischenspiel, mit Synthie-Teppich und akustischen Gitarren. Es geht direkt über in den sechsten Gang.
6. Potthucke (6:59)
Hier steigt der Bass ein, gefolgt von den Gitarren, welche eine bedrohlich klingende Melodie spielen. Es beruhigt sich nun, langsames Geriffe im Hintergrund, cleane Gitarrenarpeggien, das Schlagzeug spielt im Midtempo. Der Sänger kommt mir wieder bekannt vor, ist das Blad von Falconer? Im Refrain wird der Herr von einer Dame unterstützt, "Incommunicado,[...] out of communication [...] you live in silence". Marillion sind es sicher nicht.
Das folgende Solo ist verdammt schön und geht in ein Lead über, welches man vielleicht als folkig bezeichnen könnte. Oder ich ich bilde mir das nur ein, weil ich mich unterbewusst schon auf Falconer festgelegt habe.
7. Stamppot aus Grünkohl (7:56)
Es beginnt wieder clean und ruhig, mit einem Sänger der klingt wie Geoff Tate. Ruhig bleibt es auch, cleane Gitarren, Synthesizer im Hintergrund. Erinnert auch melodisch ein wenig an Queensryche. Aber es ist nicht Tate. "I walk the streets alone, waiting for my destiny". Der Song gefällt mir sehr gut, auch wenn mich die Frage nach dem Sänger quält. Okay, ich leg mich fest: das IST Geoff Tate, vor allem wenn er höher geht, kann es eigentlich niemand anders sein. Und wenn es Geoff Tate ist, ist das hier sicher auch Queensryche. Und der Song endet mit dem Klang von einer Straße und sich nähernden Schritten, was bei mir sofort Operation: Mindcrime auf den Plan ruft. Ist das hier also von der Operation: Mindcrime 2? Die habe ich mir damals zwar gekauft, habe sie aber aufgrund meiner damaligen Enttäuschung seit Jahren nicht mehr gehört.
8. Adöpfeldätscher (5:01)
Flöten Synthesizer leiten den nächsten Gang ein, der stark nach Siebziger-Prog klingt. Vertrackte Schlagzeugrhythmen und.... moment, die Stimme kenne ich! Das ist DIO. Zweifellos. "If you break her, your life must end!" Selbst die Gesangsmelodie ist so unverkennbar Dio, dass ich sie auch in einer Coverversion sofort als Dio identifizieren könnte. Und dabei habe ich den König des Metal bisher sträflich vernachlässigt. Das hier klingt von der Produktion her etwas moderner und die Stimme scheint trotz aller Herrlichkeit schon im etwas fortgeschrittenen Alter zu sein, also tippe ich auf einen etwas jüngeren DIO Song. Sehr geiles Teil. Brauche ich.
9. Gaisburger Marsch, danach Wälder Kasknöpfle (dazu ein Riegele-Bier...) (4:52)
Nun wird es moderner und alternativer. Ein treibender Bass, mit leicht angezerrten Gitarren. "My property is history(?), now I'm rich, it's so easy". Mit sowas kenne ich mich quasi garnicht aus, sind das Life Of Agony?
10. Dreck Und Hafenwasser (4:06)
Es geht alternativ-rockig weiter. Sehr beschwingtes Tempo, wieder leicht angezerrte Gitarren. Start-Stop Rhythmen, dazu "This is not my blood". Es folgen cleane Arpeggien und Glockenspiel. Gegen Ende Tremolo-Picking zum Geriffe.
Klingt nicht nach Dreck oder Hafenwasser.
11. Bismarckhering (4:51)
Gang Nummer Elf beginnt schon sehr punkig, was ich ja generell weniger mag. Es klingt sehr jovial, der Sänger wiederholt "You've got a gun in your hand". In der nächsten Strophe wird die Waffe zum Kind: "You've got a child in your hands". Es geht nun über in einen deutlich schwereren, elegischen Part. "I've seen things change and the horizons moving, with every step we take". Höre ich da im Hintergrund eine Geige? Sehr erfolgreicher Stimmungswechsel.
12. Eisbeinsülze (6:29)
Langsam geht man über zur schweren Kost. Der Einstieg durch die tiefer gestimmen, stark verzerrten Gitarren ist tatsächlich heavy, es setzt der Sänger ein. Ein Shouter. Eine schwere Gitarrenwand, die stellenweise von melancholischen Geigenklängen durchbrochen wird. Nach drei Minuten wird die Wand eingerissen und Geigen spielen sich mit einer cleanen Gitarre in den Vordergrund. Auch der Gesang wird nun clean, im Hintergrund lässt sich sogar eine ferne weibliche Stimme ausmachen. Nun auch das Glockenspiel. Es lassen sich Parallelen zu den vorherigen Songs festmachen. Nach fünf Minuten setzt nun auch der Shouter wieder ein und der Song wird wieder schwärzer, fast schon Black Metal mäßig, bevor er in einem Schrei endet.
13. Burger, Seafood & Tacos (8:43)
Der Genießer wird nun umgeben von einer monotonen Gitarrenklanglandschaft, eine tiefe, rauchige Stimme seufzt "the water's deep here". Nach anderthalb Minuten steigt dann auch der Rest der Band ein, die Stimmung bleibt auch hier dissonant. Die doomigen Riffs werden unterlegt von einem leidvollen Gitarrenlead. Immer wieder wird die Walze durchbrochen von ruhigeren Parts mit cleaner Gitarre und dem gequälten Sänger. Was bleibt ist jedoch das Gefühl der Auswegslosigkeit. "No tears from me, no river to take me home".
Das gefällt mir wieder ausgezeichnet, auch wenn ich keine Ahnung habe, was das sein könnte.
14. Rentierbraten (4:55)
Das klingt nach Black Metal. Mit vertrackten Schlagzeugrhythmen. Sehr dissonantes Geriffe. Jetzt kommt der cleane Sänge, der mich ein wenig an Arcturus erinnert, und etwas von Spinat(?) und seiner Verbannung redet. Jetzt kommen die Blastbeats. Der Chefkoch scheint mich gegen Ende des Abends nochmal verwirren zu wollen. Hier könnte ich nur vermuten, dass das frühere Arcturus sind, auch wenn das nicht so ganz passen will.
15. Dessert: Eccles Cake (4:25)
Zum Schluss nochmal etwas ganz bekömmliches. Sehr spärliche Synthie-Instrumentalisierung und ein Sänger mit hörbar britischen Wurzeln, der "I miss your stupid face, I miss your bad advice" singt. Ich muss da ein wenig an Ozzy denken. Klingt äußerst festlich.
So endet der Abend in diesem seltsamen Restaurant am Rande des Nirgendwo und ich gehe gesättigt nach Hause, voller Neugierde, herauszufinden, was ich da gerade in mich reingestopft habe.
An dieser Stelle erstmal vielen, vielen Dank an meinen Wichtel. Der Sampler enthält viele tolle Songs und nichts, was mir die Haare zu Berge stehen ließe. Besonders gut gefallen mir die Nummern 3, 7, 8 und 13.
Die Frage ist natürlich, wer war es? Ich würde momentan auf Eike tippen, der hat dem Jesus schonmal beim Wichteln mit kulinarischen Tips unter die Arme gegriffen und musikalisch müsste das doch auch hinhauen, oder?

