
Platz 10: LOU REED & METALLICA - Lulu
Als ich "The View" zum ersten mal gehört habe, hab ich genauso reagiert, wie so ziemlich jeder andere: WTF?, klingt grausam, der Gesang ist ja total schief, etc. Als ich das komplette Album zum ersten mal im Stream gehört habe, gings mir mit manch anderem Track ganz genauso, "The View" klang aber plötzlich gar nicht mehr soo schlecht und dieser Song namens "Iced Honey" war auch nicht so übel. Als ich den Stream zum zweiten mal hörte, kamen mir bereits ernsthafte Zweifel, dass das Album vielleicht gar nicht so schlecht ist, wie der erste Eindruck vermuten ließ. Schön langsam begann nämlich genau das eine gewisse Faszination auszuüben, was mich zu Beginn am meisten abgeschreckt hatte, nämlich der schief wirkende (Sprech)Gesang von Lou Reed. Und genau der ging mir in den nächsten Tagen einfach nicht mehr aus dem Kopf und deshalb musste ich mir das Album einfach zulegen. Und Hell Yeah, ich bin verdammt froh, dass ich's getan habe, denn das Teil ist seitdem bei jedem Durchlauf nochmals mächtig gewachsen. Disc 1 gefällt mir (fast) durchgehend sehr gut, bei Disc 2 steh ich noch mit ein paar Tracks auf Kriegsfuss, aber das trübt den Spass auch nur unwesentlich. Und ich sags gerne nochmals: Der fast schon poetische Gasang von Lou Reed passt zu der simplen Musik von Metallica wie die Faust aufs Auge. Einige Passagen krieg ich einfach nicht mehr aus dem Kopf, so z.B. gleich die ersten Zeilen der Scheibe ("I would cut my legs and tits off when I think of Boris Karloff and Kinski.....in the dark of the moon"), oder aber auch die von James gesungene Passage in "The View" ("I am the root / I am the progress / I am the aggressor / I am the tablet /These ten stories"). So geil! Und ja, die Lyrics sind strange, aber ganz ehrlich, das geht mir am Arsch vorbei und ausserdem scheint ja auch ein ernsthaftes Konzept hinter den Lyrics zu stecken (mit dem ich mich aber bisher nicht wirklich beschäftigt habe). Die zwei stärksten Tracks sind übrigens auch gleich die ersten beiden, hätte das ganze Album konstant die Qualität dieser beiden Songs, man müsste von einem Meisterwerk sprechen. So aber ist's immer noch ein sehr gutes Album, das mir aber zugegebenermasen musikalisch nur 7.5 Punkte wert wäre, weil ich, wie gesagt, mit dem einen oder anderen (langen) Song noch immer nicht warmgeworden bin. ABER, Metal ist halt mehr als nur Musik. Moment mal, Metal? Hat er gerade Metal gesagt? Ja, verdammt noch mal, denn Metal ist Grenzüberschreitung, Metal ist Nonkomformität, Metal ist "Scheiss drauf" und "Leck mich doch am Arsch" und deshalb ist Lulu für mich mehr Metal als jedes andere Album, das ich heuer gehört habe. Und das, und die Tatsache, dass Metallica wieder mal genau das machen, was sie wollen und sich 'nen Dreck darum scheren, was irgendwer von ihnen erwartet, ist mir doch glatt 'nen ganzen Extrapunkt wert. "I want to see your suicide / I want to see you give it up / give it up, your, your life of reason"
8,5/10

Platz 9: SHINING - VII-Född Förlorare
Warum diese Band nicht schon viel grösser ist werd ich wohl nie kapieren. Schon das 2007er-Album "V: Halmstad" war eine musikalische Grosstat, die die meisten Werke weit bekannterer Bands locker in den Schatten stellte. Die neue Scheibe knüpft stilistisch and vom Feeling her an dieses Album an, ist jedoch etwas leichter zugänglich, "mainstreamiger", wenn man so will, ohne jedoch die bekannten Trademarks vermissen zu lassen. So fängt das Album zum Beispiel schon mal typisch mit einem morbid interpretierten "Sunshine, my only sunshine .....", gesungen von einem Mädchen an bevor die Band einsetzt und Hr. Kvaforth ein beherztes "Uahh" ins Mikrofon rülpst. Das Songmaterial ist fast durchgehend im langsameren bzw. Midtempo gehalten, wer Geknüppel sucht ist hier falsch. Dafür gibts umso mehr (kranke) Atmo, jede Menge Abwechslung (Akkustikparts und Klargesang, was mich manchmal ein wenig an Opeth erinnert, Pianoparts, etc.). Und die Scheibe ist fast durchgehend auf hohem Niveau (einzig Track 4 fällt IMO ein wenig ab), Kvarforth singt souverän und dass jeder einzelne Musiker sein Instrument beherrscht ist sowieso schon längst kein Geheimnis mehr - in diesem Bereich des Metals aber dennoch nicht immer selbstverständlich. Wenn die Band auch mit dieser Scheibe den Durchbruch nicht schafft, dann läuft da irgendwie ganz gehörig was falsch!
8,5/10

Platz 8: COMMUNIC - The Bottom Deep
Ich bin ja bereits seit dem Debüt ein Fan der Band und meiner Meinung nach, auch wenn da fast niemand mit mir konform geht, haben die Jungs es geschafft, sich mit jeder neuen Scheibe immer wieder selbst zu übertreffen. Und da stellt auch Scheibe Nummer Vier keine Ausnahme dar, ganz im Gegenteil. Für mich stellt "The Bottom Deep" ganz klar den bisherigen Höhepunkt im Schaffen der Band dar. Wobei sich das Album doch auch deutlich von den bisherigen Werken unterscheidet. Es ist schwerer zugänglich, deutlich düsterer und es wirkt, im Gegensatz zu sämtlichen Vorgängern, die IMO eher eine Ansammlung (teils grossartiger!) Tracks als in sich geschlossene Werke waren, tatsächlich wie aus einem Guß. Gleichzeitig ist das Album aber auch das atmosphärischste und abwechslungsreichste der Bandgeschichte und das ist, nicht nur, aber vor allem, dem Finale der Scheibe, den letzten beiden Tracks zu verdanken. Track 8, "Wayward Soul", it eine der stärksten Kompositionen der Band und bereitet dem Hörer über gut 7 Minuten den Weg zum absoluten Höhepunkt und gleichzeitig Ausklang des Albums, dem mit nicht ganz 3 Minuten sehr kurzen, aber unglaublich emotionalen und intensiven Akkustikstück "The Bottom Deep". Bei diesen beiden Stücken, die IMO untrennbar miteinenader verbunden sind, bekomme ich auch heute noch regelmässig eine Gänsehaut und daher gehört diese Kombo für mich ohne Frage auch zu den besten Songs des Jahres.
Bisher konnten sich COMMUNIC, wie gesagt, tatsächlich mit jedem Album nochmals steigern. Ob ihnen das wohl nochmals gelingen wird? Angesichts dieses Werks wage ich das schon fast zu bezweifeln. Aber ich lasse mich natürlich gerne eines besseren belehren.
9/10

Platz 7: DREAM THEATER - A Dramatic Turn Of Events
Dream Theater war für mich in erster Linie immer Mike Portnoy, da mach ich gar keinen Hehl draus. Ich hatte immer den Eindruck, dass er der Motor der Band ist und als sich die Band und Mike getrennt haben, war ich natürlich skeptisch. Und als dann das neue Album da war, war ich zunächst nicht sonderlich begeistert. Ich glaube, dass ich das Album unbewusst gar nicht mögen wollte. Ich meine, DT ohne Portnoy, das kann doch einfach nicht gut sein, oder? Doch, kann es, und wie. Dieses Album ist vielleicht tatsächlich das beste seit "Scenes From A Memory". Ja, ich weiß, das hab ich von BC&SL auch behauptet und musste dann revidieren, aber ich bleib dabei, denn bei BC&SL hab ich das in der ersten Euphorie gesagt, hier jedoch sag ich es einige Monate nach der Veröffentlichung und nach etlichen Durchläufen. DT gehen mit diesem Album quasi wieder "back to the roots", es erinnert am ehesten an I&W oder aber auch FII, also an jene Werke, wo mehr der Prog als der Metal im Vordergrund stand. Die experimentellen und sehr metallischen, teils schon fast thrashigen Elemente, die auf vielen Alben zu finden und zweifelsohne dem Einfluss von MP zu verdanken waren, sucht man hier vergeblich. Und das ist vielleicht in weiterer Folge auch das einzige, was man dem Album ankreiden kann, nämlich, dass es quasi ein "Nummer Sicher"-Album ist. Doch selbst wenn es das ist (das möge bitte ein jeder für sich selbst entscheiden), dann ist es ein "Nummer Sicher"-Album auf verdammt hohem Niveau, das sich über die Laufzeit von knapp 80 Minuten keinerlei Schwächen erlaubt und das zudem mit einer tollen Produktion, einem warmen Sound und einem, zumindest für DT-Verhältnisse, tollem Cover überzeugt. Der König ist tot, es lebe der König. Und das sagt ein Portnoy-Fan.
9/10

Platz 6: RYAN ADAMS - Ashes & Fire
In Puncto Singer/Songwriter zählt Ryan Adams zu meinen absoluten Favoriten. Über drei Jahre ist es her, dass er sein letztes Album veröffentlicht und eine längere Pasue angekündigt hat. Jetzt ist er endlich zurück und die Pause hat ihm anscheinend richtig gut getan, denn mit dem aktuellen Album knüpft er endlich wieder an frühere Großtaten an. Vergessen sind die schwächelnden letzten Werke "Easy Tiger" und "Cardinology" und die mittelmässige Resteverwertung "III/IV". Viel mehr erinnert das neue Werk vom Feeling an die fulminanten 2005er-Scheiben "29" und "Jacksonville City Nights". Da sind sie wieder, diese herrlich melancholischen Songs, denen Ryan mit seiner ausdrucksstarken Stimme und seinem zurückhaltenden Gitarrenspiel Leben einhaucht. Welcome back Mr. Adams, I have been missing you!
9/10

für Communic. Das sind auch ungefähr meine Eindrücke zu dem Album. Wenn man dann noch die Hintergründe bedenkt, die schließlich dazu führten, dass das Album so dunkel und düster ist, wird es noch beeindruckender. Echt eine ganz, ganz tolle Band!
