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Von euch... an uns... Haben wir Mist gebaut? Geschrieben? Oder doch ein brillantes Werk verfasst? Sagt es uns!
von Julian Rohrer » Mittwoch 14. Dezember 2011, 12:48
Heute hat mich ein kritischer Leserbrief zur jüngst veröffentlichten KORN-Rezension erreicht, der einerseits auf die Rezension eingeht, andererseits aber einen vermeintlichen Trend anspricht, unter dem PM.de laut Aussage des Verfassers "leidet". Es geht ihm darum, dass die Rezi keine konkrete Auseinandersetzung mit dem Produkt nach simplen Fakten mit einer Endnote darstellt, es sich sondern eine "philosophische Abhandlung" handelt - abseits der Kritik an meinem Text, die ich mir natürlich zu Herzen nehme und aufgrund dessen ich den Text nochmal überarbeitet habe, pauschalisiert das Fazit folgendermaßen: "Wenn ihr euch als Autoren literarisch verausgaben wollt, seit ihr hier sicher falsch, denn wir als Leser wollen simple Fakten und eine klare Außeinandersetzung mit einem Produkt. Dies soll nur als anregende Kritik verstanden werden und geht nicht gegen dich als Autor persöhnlich. Wie gesagt, mir fällt das [auf Powermetal.de] immer öfter auf." Der Brief ist durchaus konstruktiv gehalten, deshalb würde ich das gerne zur Diskussion stellen.
Habt ihr ein ähnliches Gefühl? Mich würde da das Stimmungsbild interessieren.
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 14. Dezember 2011, 13:15
Mich würde interessieren, was der Leser konkret - meinetwegen auch am Beispiel deiner oder einer anderen Rezension - als "philosophische Abhandlung" versteht, welche die konkrete Auseinandersetzung mit den das Produkt betreffenden Fakten verdrängt oder zu sehr überlagert.
Deine KORN-Rezension habe ich durchgelesen, daher die Rückfrage. Meiner Meinung nach sind dort viele "Fakten" enthalten, jedenfalls soweit Musikwahrnehmung überhaupt Fakten und nicht nur Eindrücke zum Gegenstand haben kann. Aber das ist schon wieder philosophisch, gell? Sicher wird manch ein Leser denken, dass es unwichtig ist, was der Rezensent anno 1837 von KORN hielt. Andererseits kann aber diese Auskunft auch dabei helfen, die Meinung des Rezensenten für sich selbst besser einzuordnen. Eine rein faktisch aufgebaute oder dies vorgebende Rezension ist letztlich für mich schwerer einzuordnen, als eine Rezension welche subjektiv und meinetwegen auch philosophisch erörternd darstellt, warum der Rezensent gewisse Dinge so wahrnimmt, wie er sie wahrnimmt.
Es wäre toll, wenn der Leser sich vielleicht hier im Forum melden und die Kernpunkte seiner Kritik erläutern könnte. Das fände ich spannend.
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von Julian Rohrer » Mittwoch 14. Dezember 2011, 13:27
Ich werde ihm das mal nahelegen, mal sehen, vlt. antwortet er auf meine Antwort. Konkret ging es um folgendes: "viel wichtiger erscheint mir der Punkt, dass es sich bei deinem text eher um eine Philosophie-Abhandlung handelt, als um eine auf den punkt gebrachte Bewertung einer Musik-CD. Was soll mir z.B. folgender Satz sagen?: 'Dabei ziehen die Brüder mit dem verwackelten Schriftzug eine wohlig an moderne Vampirgeschichten erinnernde postmoderne Rokoko-Atmosphäre auf, voller überreifer Kostüme und sich selbst parodierender Gesten und Dogmen.'" So aus dem Kontext gerissen steht der Satz erstmal für wenig, im Kontext spielt er halt auf ein paar moderne popkulturelle Phänomene an und die Ironie, die KORN schon immer gelebt haben (man erinnere sich beispielsweise an das Video, wo sie sich von aktuellen Rappern haben doubeln lassen), etc. pp. Kann ich irgendwie schon nachvollziehen, dass ich da vlt. zuviel Eigeninteresse und -interpretation voraussetze.
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 14. Dezember 2011, 14:00
Jo. Das ist natürlich eine Gratwanderung. Zu mir persönlich - und ich spreche hier als Leser der Rezension, nicht als Redakteur - transportiert der hier in Rede stehende Satz auch nicht allzu viel Informationsgehalt, weil ich beim Hören der Korn-CD keine Assoziationen zu Vampirgeschichten und Rokoko-Kostümen finde und auch nicht so recht verstehe, an welchen Stilelementen der Band du die festmachen kannst.
Das geht schon sehr extrem ins Metaphorische, das man vermutlich nur richtig verstehen kann, wenn man eine Affinität zu diesen von dir erwähnten Vampirgeschichten hat und die Assoziation nachvollziehen kann.
Die Fragen sind dabei folgende:
1. Kann man das beim Adressaten der Rezension voraussetzen?
2. Muss man das beim Adressaten der Rezension voraussetzen?
Die Antworten:
zu 1: Ganz klar: Nein!
zu 2: Problematisch. Natürlich muss und soll ein Review nicht nur aus simpelster Fakten-Prosa bestehen, sondern es darf auch ins Metaphorische abdriften. Der Autor muss sich halt des Risikos bewusst sein, dass er über das Ziel hinaus schießen kann, mit der Folge, dass dem Leser der Informationsgehalt verloren geht.
Insofern kann ich die Leserkritik nachvollziehen, wobei ich ambivalent bin, ob ich für einen gut geschriebenen Text nicht auch mal ein Verständnisdefizit meinerseits in Kauf nehme. Wir haben einen Kollegen, dessen Rezensionen ich immer sehr unterhaltsam zu lesen finde, bei dem ich aber immer Probleme habe, alle seine manifestierten Gedanken nachvollziehen zu können.
Von daher folgende Antwort auf die Threadfrage: Ja. Es gibt wohl hier und da eine Tendenz zum Metaphorischen auf unserer Seite. Philosophische Abhandlungen sehe ich zwar darin nicht, aber durchaus hin und wieder eine verklausulierte Bildersprache, welche die Gefahr birgt, den Informationsgehalt einer Rezension zu verschleiern.
Konsequenz daraus: Hier sollten wir uns dann wohl vor der ausschweifenden Wahl der Metaphern gelegentlich überlegen, ob diese Gedanken für den Leser noch nachvollziehbar sind, oder ob nicht hier und da ein vielleicht weniger eleganter, aber dafür verständlicherer Weg gewählt werden sollte, die Assoziationen zu erläutern.
Das ist jetzt keine Kollegenschelte. Es kann gut sein, dass ich selbst auch dazu neige, Dinge als verständlich vorauszusetzen, die für Leute außerhalb meiner kleinen Welt nicht nachvollziehbar sind.
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von Martin Schneider » Mittwoch 14. Dezember 2011, 17:25
Mit dem besagten Satz kann ich auch nicht sonderlich viel Anfangen (kling super, sagt für mich aber nur wenig aus). Allerdings ist ja der Rest der Rezi durchaus informativ und die Balance zwischen nachvollziebarer Kritik und dem Philosophieren ist gut. Also mir gefällt die Besprechung so wie sie ist.
Solange die Rezis nicht nur reine Philosophie enthalten, sollte das doch kein Problem sein.
Und ich finde es sogar wichtig dass der Redakteur seine eigenen Erfahrungen preis gibt. Nur so kann der Leser die Rezi richtig einschätzen. Alles andere würde ja pure Objektivität vorgaukeln und die ist nunmal unmöglich.
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von Holger Andrae » Mittwoch 14. Dezember 2011, 18:31
Ich finde sogar, dass wir uns dadirch auszeichnen, eben nicht immer furztrockene Sachtexte zu schreiben, sondern eben manchmal etwas blumig um den heißen Brei herum lamentieren. Immerhin geht es ja auch nicht um etwas rein Sachliches.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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von Chavo89 » Mittwoch 14. Dezember 2011, 18:34
Holger Andrae hat geschrieben:Ich finde sogar, dass wir uns dadirch auszeichnen, eben nicht immer furztrockene Sachtexte zu schreiben, sondern eben manchmal etwas blumig um den heißen Brei herum lamentieren. Immerhin geht es ja auch nicht um etwas rein Sachliches.
Ganz genau! Deshalb lese ich hier so gerne Reviews! Ihr seid halt alle etwas... anders. 
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von Julian Rohrer » Mittwoch 14. Dezember 2011, 19:33
Holger Andrae hat geschrieben:Ich finde sogar, dass wir uns dadirch auszeichnen, eben nicht immer furztrockene Sachtexte zu schreiben, sondern eben manchmal etwas blumig um den heißen Brei herum lamentieren. Immerhin geht es ja auch nicht um etwas rein Sachliches.
Genau, das war eigentlich auch die Essenz meiner Antwort: Ich schreibe im wesentlichen das, was ich selbst gerne lesen würde  Vielen Dank für euer Feedback. Ich musste bei der neuen KORN halt immer wieder an Vampire Bloodlines (also das PC-Spiel) und diese ganze Vampir-Gothen-Bewegung denken 
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von Rüdiger Stehle » Mittwoch 14. Dezember 2011, 23:29
@ Holg und Chavo:
Vor mein Beitrag falsch verstanden wird: Ich sehe das genau so wie ihr. Allerdings kann ich es hier und da auch verstehen, dass sich der eine oder andere Leser fragt, wo wir jetzt gerade schweben. Bitte keiner seinen Stil ändern. Gerne blumig, bildhaft und alles andere. Trotzdem mag es nicht schaden, sich bei der Wahl der Metaphern zu fragen, ob der Leser das nun überhaupt noch verstehen kann oder nicht.
Furztrockene, rein faktenbasierte Reviews finde ich auch langweilig. Es sollte geschrieben werden, wie es sich richtig anfühlt. Das bringt LEBEN in die Bude.
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von Holger Andrae » Mittwoch 14. Dezember 2011, 23:36
Rüdiger, habe das völlig richtig verstanden. Nicht jeder kennt Bratbartgitarren und Beerenmusik.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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