Watain

Re: Watain

Beitragvon Peter Kubaschk » Freitag 14. Oktober 2011, 14:06

METAL CHURCH spielen überhaupt keinen "Stampf/Mitgrölmetal".

Wenn ich so etwas schon lese, wird mir übel. Das kann ich nicht mal akzeptieren, wenn es "selbstironisch" gemeint ist.
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Re: Watain

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 14. Oktober 2011, 16:02

Mir geht's da wie Peter. Es ist einfach ermüdend, immer und immer und immer wieder vorgekaut zu bekommen, dass der Achtzigermetal doch angeblich stumpf, bierzeltkompatibel, poppig und was weiß ich alles sei. Das haben vielleicht manche Bands der Achtziger und solche, die sich heute darauf berufen, daraus gemacht, aber ich kenne bis zum Entstehen des Black Metals keine nennenswerte Band, die ich mit den genannten Attributen umschreiben würde.

Auch stimmt es nicht, dass der Black Metal als "Gegenbewegung" zum immer poppiger werdenden Schlagermetal der 80er entstanden sei. Sagt mir doch mal, welche poppigen Schlagermetaller von 1980, 1981 und 1982 euch so einfallen. Iron Maiden und Judas Priest, oder was? Venom, Celtic Frost, Slayer und Bathory waren keine Gegenbewegung zum Metal der 80er, sondern eine Weiterentwicklung mit extremerer musikalischer und lyrischer Ausdrucksweise, allerdings den Idealen des Metal der 80er folgend und diese ausbauend, nicht sie bekämpfend. Sie WAREN Metal der Achtziger.

Und selbst wenn man den Black Metal der frühen 90er nimmt, dann war auch der keine Gegenbewegung zum Metal der Achtziger, sondern das genaue Gegenteil. Er war eine Rückbesinnung auf die musikalischen und imagetechnischen Werte der Achtziger. Bands wie Mayhem und Darkthrone sahen das Erbe des Heavy Metals und Black Metals der Achtziger bedroht durch v.a. Death-Metal-Bands mit humanistischen, sozialkritischen, ökologischen Botschaften.

So ziemlich alle Gründerbands des Black Metals, sowohl der ersten als auch der zweiten Welle, legten in ihren jeweiligen Anfangsphasen Wert auf eingängige Songs und prägnante Refrains und nichts davon hat mit Bierzelt und Schlager zu tun. Kann man eingängiger sein als "Black Metal", "Morbid Tales", "Woman Of Dark Desires", "Transilvanian Hunger", "Deathcrush", "Ancient Queen", "Call Of The Wintermoon"...?

Auf welche Einflüsse beriefen sich denn jene Bands? Die Bands der zweiten Welle auf VENOM, BATHORY, SODOM, KREATOR, SLAYER, CELTIC FROST, POSSESSED, EXODUS, SLAUGHTER, MERCYFUL FATE; und die Bands der ersten Welle auf MOTÖRHEAD, SAXON, KISS, BLACK SABBATH. Und alle diese Bands legten Wert auf eingängige Songstrukturen, mitsingbare Refrains ... da war noch nichts von dem vorhanden, was sich ab der zweiten Hälfte der Neunziger zu entwickeln begann, weil irgendwelche Stubenhocker in spätinfantil-rebellischen Zuckungen meinten, den Black Metal künstlich vom "Metal" abkoppeln zu müssen, indem sie sich mit einer pseudointellektuellen Aura umgaben und zu abstrakten Dichtern wurden. Auf dass ja keiner auf die Idee kommt, dass Musik auch was mit Spaß zu tun haben könnte. *

Das war doch der Punkt, als die BM-Szene mehr und mehr zur Karikatur ihrer selbst wurde und die wirklichen Protagonisten der Bewegung die Notbremse zogen. Ich zitiere: "Nothing to prove. Just a hellish rock'n roll freak. You call your metal black? It's just plastic, lame and weak!"

Die Hexenjagd geht nicht gegen euch, werter Lurch, die geht gegen das Phantom des "Achtziger-Schlagermetal", den es so, wie er von euch bisweilen karikiert wird, zwar durchaus auch gab, der aber nie das war, was den 80er-Metal ganz oder auch nur überwiegend ausmachte. Die 80er-Bands, die heute in der Szene vor allem noch geliebt werden, sind nicht diese Karikaturen von denen Jesus redet, sondern Bands mit Charakter und Visionen, die zu ihrer Zeit sehr wohl das waren, was Jesus hier als wahre Essenz des Metals darstellt und unter Auslassung der 80er von den 70ern direkt in die 90er vererbt wissen will.

Und was WATAIN direkt angeht: Die "Lawless Darkness" hat keinen einzigen Bierzeltrefrain, keinen Schlagermetal, keinen Kitsch an Bord. Nicht alles, was einer nachvollziehbaren und eingängigen Melodie ähnelt oder einen Kehrvers aufweist, hat Schlager-Züge. Meine Güte...

:narf:

______________________________________________________________________

* Und vor jetzt falsche Schlüsse gezogen werden: Für mich ist der Black Metal "mein" Genre, in dem ich mich sehr heimisch fühle, auch bei den Bands, die für das Abstrakte, Unnahbare, Abweisende und Schroffe stehen, und die ohne Refrains und eingängige Hooks arbeiten. Aber deswegen muss ich nicht anfangen, so zu tun, als sei es für eine Black-METAL-Band ein Makel, die Elemente der Wurzeln des Stils in sich zu tragen. Sonst möge man das Seine doch Black Post Rock nennen und den Black Metal einfach in Frieden lassen.
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Re: Watain

Beitragvon Jesus » Freitag 14. Oktober 2011, 16:42

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Auch stimmt es nicht, dass der Black Metal als "Gegenbewegung" zum immer poppiger werdenden Schlagermetal der 80er entstanden sei. Sagt mir doch mal, welche poppigen Schlagermetaller von 1980, 1981 und 1982 euch so einfallen. Iron Maiden und Judas Priest, oder was? Venom, Celtic Frost, Slayer und Bathory waren keine Gegenbewegung zum Metal der 80er


Schon Slayer, Exodus und Metallica verstanden sich als Gegenbewegung zum Hair oder Glam "Metal". Dieser war die logische Konsequenz von immer mehr auf Mainstreamtauglichkeit bedachten Heavy Metal-Bands wie Iron Maiden, Judas Priest, Saxon und Accept - alles Bands, die damals existieren. "Schlagermetal" sollte in diesem Fall kein wertender Begriff sein, sondern eine retrospektive Abgrenzung zum uneingängigen, schroffen und vor allem "heavyen" Metal. Mit den zuletzt genannten Bands habe ich per se kein Problem. Nur um Missverständnissen vorzubeugen.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Und selbst wenn man den Black Metal der frühen 90er nimmt, dann war auch der keine Gegenbewegung zum Metal der Achtziger, sondern das genaue Gegenteil.


Wie können "Deathcrush" oder "Bathory" eine Rückbesinnung auf etwas sein? Diese Bands brachen mit allem, was damals im Metal angesagt war.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:So ziemlich alle Gründerbands des Black Metals, sowohl der ersten als auch der zweiten Welle, legten in ihren jeweiligen Anfangsphasen Wert auf eingängige Songs und prägnante Refrains und nichts davon hat mit Bierzelt und Schlager zu tun.


Genau das sage ich ja. Die waren nicht forciert eingängig und doch war nichts davon mitgröltauglich. Kann irgendjemand auf Anhieb zu 'Kathaarian Lifecode' oder 'Buried by Time and Dust' schunkelnd und angetrunken mitgrölen? Nein. Man muss sich mit der Musik beschäftigen.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:da war noch nichts von dem vorhanden, was sich ab der zweiten Hälfte der Neunziger zu entwickeln begann, weil irgendwelche Stubenhocker in spätinfantil-rebellischen Zuckungen meinten, den Black Metal künstlich vom "Metal" abkoppeln zu müssen, indem sie sich mit einer pseudointellektuellen Aura umgaben und zu abstrakten Dichtern wurden. Auf dass ja keiner auf die Idee kommt, dass Musik auch was mit Spaß zu tun haben könnte. Das war doch der Punkt, als die BM-Szene mehr und mehr zur Karikatur ihrer selbst wurde und die wirklichen Protagonisten der Bewegung die Notbremse zogen.


Ja, diese Stubenhocker zogen die Notbremse, koppelten sich vom Metal ab und veröffentlichten "Grand Declaration of War", "Prometheus", "Rebel Extravaganza" und ähnlichen Kram, denn nachdem sie nicht mehr von den Atavismen des Heavy Metal behindert wurden, konnten sie das Potential des Black Metals ausschöpfen. Diese Gründer des Black Metals waren die ersten, die das erkannten. Dass da nicht jedes Experiment auf Anhieb gelang, ist eine andere Geschichte. Aber damit war der Grundstein gelegt für den zukünftigen Black Metal, der sich nicht mehr von rudimentären 80er-Metal-Resten behindern lassen muss.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Und was WATAIN direkt angeht: Die "Lawless Darkness" hat keinen einzigen Bierzeltrefrain, keinen Schlagermetal, keinen Kitsch an Bord.


An Bierzeltrefrains mangelt es nicht. Und wozu jetzt, wo der Black Metal endlich frei ist, altbackene Schlagermetal-Elemente wieder einbauen? Ist doch kontraproduktiv. Black Metal sollte black sein und wer zu "higher - fire"-Reimen schunkelnd 'ne Maß Bier leeren möchte, kann doch stattdessen Power Metal hören.
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Re: Watain

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 14. Oktober 2011, 16:59

Jesus hat geschrieben:Schon Slayer, Exodus und Metallica verstanden sich als Gegenbewegung zum Hair oder Glam "Metal". Dieser war die logische Konsequenz von immer mehr auf Mainstreamtauglichkeit bedachten Heavy Metal-Bands wie Iron Maiden, Judas Priest, Saxon und Accept - alles Bands, die damals existieren.

Gut, du reduzierst also tatsächlich den Achtziger-Metal, von dem sich der BM angeblich abgrenzen will, auf den Hair/Glam-Trend der Mittachtziger. Das ist das, was ich sagte. Dass die genannten Heavy-Metal-Größen sich zeitweise ein Stück weit gen Mainstream öffneten, ist natürlich richtig, aber frag doch bitte mal die Herren von Slayer, Exodus und Metallica, ob sie sich von Iron Maiden, Judas Priest, Saxon und Accept abgrenzen wollten. Von den New York Dolls, Aerosmith und Quiet Riot vielleicht. Das, was du aber so nebenbei in den gleichen Topf wirfst, waren große Vorbilder und Einflüsse der Herren Thrasher.

"Schlagermetal" sollte in diesem Fall kein wertender Begriff sein,

Nein, NATÜRLICH nicht...
;-)

sondern eine retrospektive Abgrenzung zum uneingängigen, schroffen und vor allem "heavyen" Metal. Mit den zuletzt genannten Bands habe ich per se kein Problem. Nur um Missverständnissen vorzubeugen.

Fein. Dann sollten deren offensichtliche und bis heute allgegenwärtige Einflüsse im BM ja hoffentlich auch keines sein.

Wie können "Deathcrush" oder "Bathory" eine Rückbesinnung auf etwas sein? Diese Bands brachen mit allem, was damals im Metal angesagt war.

Quorthon hat immer freimütig bekannt, dass er in der Bathory-Frühphase von MOTÖRHEAD und diversen Crust-Punkbands beeinflusst war. Das hört man auch. Ab "Under The Sign..." war er auch hörbar von MANOWAR beeinflusst. Und von VENOM sowieso, auch wenn er letzteres nie zugegeben hat. Und MAYHEM coverten auf der "Deathcrush" VENOM, benannten ihr Label nach einem SODOM-Song, hatten ihre Pseudonyme von HELLHAMMER-Songs, trugen Leder, Nieten und Corpsepaint. Vor allem als Gegenbewegung zum Florida-Death und Anthrax-Thrash mit Bermuda-Shorts, Sonnenbrille und Texten über Umweltverschmutzung. In Rückbesinnung auf den over-the-top evil-Klischee-Metal der Achtziger. Dazu gibt es genug Interviews, Statements u.ä. von Euronymous, Fenriz und vielen mehr.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Genau das sage ich ja. Die waren nicht forciert eingängig und doch war nichts davon mitgröltauglich. Kann irgendjemand auf Anhieb zu 'Kathaarian Lifecode' oder 'Buried by Time and Dust' schunkelnd und angetrunken mitgrölen? Nein. Man muss sich mit der Musik beschäftigen.

Zwei schlechte Beispiele für Mitgrölen; bei 'Funeral Fog', 'Transilvanian Hunger' oder 'En Vind Av Sorg' geht es schon eher.



Ja, diese Stubenhocker zogen die Notbremse, koppelten sich vom Metal ab und veröffentlichten "Grand Declaration of War", "Prometheus", "Rebel Extravaganza" und ähnlichen Kram, denn nachdem sie nicht mehr von den Atavismen des Heavy Metal behindert wurden, konnten sie das Potential des Black Metals ausschöpfen. Diese Gründer des Black Metals waren die ersten, die das erkannten. Dass da nicht jedes Experiment auf Anhieb gelang, ist eine andere Geschichte. Aber damit war der Grundstein gelegt für den zukünftigen Black Metal, der sich nicht mehr von rudimentären 80er-Metal-Resten behindern lassen muss.

An Bierzeltrefrains mangelt es nicht. Und wozu jetzt, wo der Black Metal endlich frei ist, altbackene Schlagermetal-Elemente wieder einbauen? Ist doch kontraproduktiv. Black Metal sollte black sein und wer zu "higher - fire"-Reimen schunkelnd 'ne Maß Bier leeren möchte, kann doch stattdessen Power Metal hören.

Dazu sag ich einfach nichts mehr. Führt zu nichts.

EDIT:
Eins vielleicht noch: Wenn du den Black Metal des Metals beraubst, dann ist er nicht mehr. Nenne es bitte nicht Black Metal, wenn es sich vom Metal abgekoppelt hat. Nenne es Black Music, oder wie auch immer. Aber wenn es sich vom Metal befreit und die Wurzeln abtrennt, dann ist es kein Black Metal mehr.
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Re: Watain

Beitragvon Jesus » Freitag 14. Oktober 2011, 17:03

Rüdiger Stehle hat geschrieben:In Rückbesinnung auf den over-the-top evil-Klischee-Metal der Achtziger.


Und genau das stammt doch von Coven, Black Sabbath, Black Widow u.ä. aus den 70ern.
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Re: Watain

Beitragvon Jesus » Freitag 14. Oktober 2011, 17:11

Kleines Addendum. Entschuldigt das vorzeitige Abschicken des Beitrags.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Nein, NATÜRLICH nicht...
;-)


In Bezug auf diese Diskussion nicht. Sonst gerne.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Fein. Dann sollten deren offensichtliche und bis heute allgegenwärtige Einflüsse im BM ja hoffentlich auch keines sein.


Nur weil ich kein Problem mit diesen Bands habe, heißt das nicht, dass ich ihre Musik mag. Tue ich nicht. Und es ärgert mich, wenn dann Elemente aus deren Musik in ansonsten gelungenen Black Metal unnatürlich reingezwungen werden.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Eins vielleicht noch: Wenn du den Black Metal des Metals beraubst, dann ist er nicht mehr. Nenne es bitte nicht Black Metal, wenn es sich vom Metal abgekoppelt hat. Nenne es Black Music, oder wie auch immer. Aber wenn es sich vom Metal befreit und die Wurzeln abtrennt, dann ist es kein Black Metal mehr.


Aha. Dann sollte das auch für Death Metal gelten. Oder jede Band, die nicht wie Black Sabbath oder Deep Purple klingt.
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Re: Watain

Beitragvon Peter Kubaschk » Freitag 14. Oktober 2011, 17:13

Rüdiger Stehle hat geschrieben:
Jesus hat geschrieben:Schon Slayer, Exodus und Metallica verstanden sich als Gegenbewegung zum Hair oder Glam "Metal". Dieser war die logische Konsequenz von immer mehr auf Mainstreamtauglichkeit bedachten Heavy Metal-Bands wie Iron Maiden, Judas Priest, Saxon und Accept - alles Bands, die damals existieren.

Gut, du reduzierst also tatsächlich den Achtziger-Metal, von dem sich der BM angeblich abgrenzen will, auf den Hair/Glam-Trend der Mittachtziger. Das ist das, was ich sagte. Dass die genannten Heavy-Metal-Größen sich zeitweise ein Stück weit gen Mainstream öffneten, ist natürlich richtig, aber frag doch bitte mal die Herren von Slayer, Exodus und Metallica, ob sie sich von Iron Maiden, Judas Priest, Saxon und Accept abgrenzen wollten. Von den New York Dolls, Aerosmith und Quiet Riot vielleicht. Das, was du aber so nebenbei in den gleichen Topf wirfst, waren große Vorbilder und Einflüsse der Herren Thrasher.


Davon abgesehen ist die "Hair"-These auch sachlich falsch. Um nicht zu sagen: "an den Haaren herbeigezogen". Als SLAYER, METALLICA & co. anfingen, haben BON JOVI, POISON oder CINDERELLA noch gar nicht existiert.
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Re: Watain

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 14. Oktober 2011, 17:18

Jesus hat geschrieben:
Rüdiger Stehle hat geschrieben:In Rückbesinnung auf den over-the-top evil-Klischee-Metal der Achtziger.


Und genau das stammt doch von Coven, Black Sabbath, Black Widow u.ä. aus den 70ern.


Ja, natürlich. Dass Ganze hängt doch zusammen. Es hat die Achtziger nicht übersprungen und MAYHEM und DARKTHRONE hatten das nicht von COVEN und BLACK WIDOW, sondern von SODOM, BATORY und VENOM, die von SABBATH und PENTAGRAM, die von ... whatever ...

Natürlich gab es in den Achtzigern Schlagermetalbands, die nicht in diese Tradition passen und von denen sich die harten, die schweren, die okkulten Bands abgrenzen wollten. Die gab es in den Siebziger aber auch schon, und in den Neunzigern und heute. Mich stört einfach die Penetranz, mit welcher hier bisweilen so getan wird, als wären die Achtziger das Jahrzehnt des metallischen Schlagers, der Bierzeltbands und der Kommerzialität, welche die wahren Werte der Siebziger verraten habe und erst von Mayhem überwunden werden mussten, um den Metal wieder zu reinigen. Klar, ich weiß, dass das polemisch überzogen und bewusst provokativ formuliert und pauschaliert ist.

Trotzdem läuft das Fass halt irgendwann über. Die Achtiger waren DIE große Blütezeit des Metals, welche so viele große Bands hervorgebracht hat, wie kein anderes Jahrzehnt, und natürlich genauso viele Peinlichkeiten und Rohrkrepierer. Trotzdem ist es einfach nicht wegzudiskutieren, dass diese Bands, die du für die Revolutionierung des Metals Anfang der Neunziger lobst, von Bands aus diesem ominösen Jahrzehnt beeinflusst waren, um genau das tun zu können.

Und wenn wir dann halt irgendwann so weit sind, dass wir Bands wie Saxon, Accept oder Metal Church in einem Atemzug mit Bierzeltmetal und Schlager hören und dass sie Atavismen des Metal seinen, die es abzustreifen gilt, dann fängt es einfach an körperlich weh zu tun. Jedem das Seine, wirklich. Keiner muss "The Princess, the princess, the princess of the dawn ..." mitsingen, bis Udo heiser wird. Selbst mir ist das manchmal zu blöd. Trotzdem ist ACCEPT eine Band, die den Metal (und die Musik) mit Songs wie "Fast As A Shark" revolutioniert hat, und deren Einflüsse auf Black-Metal-Bands als lästigen Atavismus zu degradieren, finde ich unfair.
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Re: Watain

Beitragvon Rüdiger Stehle » Freitag 14. Oktober 2011, 17:25

Jesus hat geschrieben:Nur weil ich kein Problem mit diesen Bands habe, heißt das nicht, dass ich ihre Musik mag. Tue ich nicht. Und es ärgert mich, wenn dann Elemente aus deren Musik in ansonsten gelungenen Black Metal unnatürlich reingezwungen werden.

Weißt du, ich glaube jetzt nicht, dass WATAIN da irgendwas irgendwo unnatürlich hinein zwingen, sondern dass sie einfach durchscheinen lassen, was sie in ihrer Jugend beeinflusst hat.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Aha. Dann sollte das auch für Death Metal gelten. Oder jede Band, die nicht wie Black Sabbath oder Deep Purple klingt.

Der Kniff gelingt nicht, weil die Folgerung völlig unlogisch ist. Ich habe mit keinem Wort gesagt, dass Metal sich nicht entwickeln darf oder keine fremden und neuen Einflüsse verwenden darf. Das Gegenteil ist der Fall. Nur wenn du den Metal an sich als Atavismus siehst, den es zu tilgen gilt, dann ist das Ergebnis halt kein Metal mehr. Wenn ich aus dem Gin Tonic den Gin nehme, dann ist es auch kein Gin Tonic mehr, sondern halt Tonic. Ändere das Mischungsverhältnis, versuche zusätzliche Zutaten, dann kann es ein Gin Tonic bleiben. Ein Lemon Gin Tonic, ein Gin Tonic mit Olive, ein Gin Tonic mit Eis, ein Gin Tonic mit Bier. Das mag nicht alles gut schmecken, aber es ist alles Gin Tonic. Wenn du aber den Gin heraus nimmst, dann halt nimmer.
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Re: Watain

Beitragvon Jesus » Freitag 14. Oktober 2011, 17:30

Peter Kubaschk hat geschrieben:Davon abgesehen ist die "Hair"-These auch sachlich falsch. Um nicht zu sagen: "an den Haaren herbeigezogen". Als SLAYER, METALLICA & co. anfingen, haben BON JOVI, POISON oder CINDERELLA noch gar nicht existiert.


Paul Baloff hat doch schon damals gegen die "Poser" gewettert und ihnen den Tod angedroht. Nur weil die 3 genannten Bands noch nicht existierten, bedeutet das nicht, dass es damals keinen Weichspüler-Trend gab. Auf "Kill 'em All" werden doch auch irgendwelche Poser geschlachtet, wenn mich jetzt nicht alles täuscht.

Zudem war der Hair-Trend nur ein Beispiel. Die "großen" Bands wurden ja auch immer poppiger und massentauglicher und im Gegenzug entwickelten sich Thrash, Death und Black.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Ja, natürlich. Dass Ganze hängt doch zusammen. Es hat die Achtziger nicht übersprungen und MAYHEM und DARKTHRONE hatten das nicht von COVEN und BLACK WIDOW, sondern von SODOM, BATORY und VENOM, die von SABBATH und PENTAGRAM, die von ... whatever ...


Ja, stimmt natürlich. Aber keiner von denen spielte Schlagermetal, sondern sie legten das Fundament für den Black Metal und sind nicht verantwortlich für die nichtschwarzen Bestandteile bei Watain o.ä.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Mich stört einfach die Penetranz, mit welcher hier bisweilen so getan wird, als wären die Achtziger das Jahrzehnt des metallischen Schlagers, der Bierzeltbands und der Kommerzialität, welche die wahren Werte der Siebziger verraten habe und erst von Mayhem überwunden werden mussten, um den Metal wieder zu reinigen.


Und mich stört die Penetranz von Schlagermetal in meinem Black Metal ;)

Rüdiger Stehle hat geschrieben:und deren Einflüsse auf Black-Metal-Bands als lästigen Atavismus zu degradieren, finde ich unfair.


Verständlich. Ich sehe - oder besser höre - das allerdings so und freue mich auch über jede BM-Band, die nicht nach 'Fast as a Shark' oder 'Princess of the Dawn' klingt. Und wenn wir nicht immer die Haare zu Berge stehen würden bei den an den 80er-Schlagermetal angelehnten Bierzelt-Refrains von 'Reaping Death', 'Four Thrones' oder 'Wolves Curse', dann würde "Lawless Darkness" vielleicht sogar die Höchstnote von mir bekommen. So knapp vorbei wegen unnötig reingequetschtem Quatsch.
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