HAREM SCAREM

HAREM SCAREM

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 30. März 2010, 10:42

HAREM SCAREM waren von ihrem Debüt 1991 bis zum finalen Album "Hope" im Jahr 2008 absolut federführend im Bereich Melodic Rock. Und das vor allem, weil sie eben nicht - wie viele andere Bands aus dem Genre - auf jedem Album gleich klangen, sondern sich kontinuierlich entwickelt haben. Dazu hat das Songwriting Duo Hess/Lesperance ein unglaubliches Gespür für Melodien und Refrains, die sich wie nix in den Ohren festsetzen ohne sich je abzunutzen.

Hope (2008)
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Das Abschiedsalbum ist schon etwas, wie eine Roadshow der Bandgeschichte. Nur eben mit neuen Songs. Das beweisen Glanztaten der Marke 'Watch Your Back' (fesselnder Opener mit Ohrwurmchorus), 'Time Bomb' (großer Midtemporocker mit Ohrwurmchorus), 'Days Are Numbered' (Uptemporocker mit, na klar, Ohrwurmchorus) oder 'Shooting Star' (dramatische Ballade mit ... ihr wisst schon). Die Band verbindet die beinahe progressive Phase von "Voice Of Reason" mit der dem Genre angemessenen Düsternis von "Overload" auf der einen, aber auch dem Sonnenschein von "Higher" auf der anderen Seite. Ein würdiger Abschied.
9,0/10


Human Nature (2006)

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Auch dieses Album hält einige Neuerungen im Bandsound bereit. 'Give Love/Get Love' packt im Refrain Reminiszenzen an STYX/QUEEN aus, '21' hat durchaus Anleihen beim College Rock, aber einen besseren Sänger. Und dazu gibt es mit 'Caught Up In Your World', 'Human Nature' und vor allem 'Tomorrow May Be Gone' perfekt austarierte Ohrwürmer zu hören. Ganz toll.
9,0/10

Overload (2005)
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Das wohl düsterste Album in der Karriere der Kanadier. Zumindest für dieses Genre. Die ganze Stimmung ist melancholischer, der Gesang von Harry Hess ist rauer und stellenweise verhältnismäßig aggressiv. Davon abgesehen gibt es natürlich trotzdem wieder Hits en masse. 'Dagger', 'Can't Live With You', 'All You're Getting', 'Leading On Me' oder die traumhafte Ballade 'Understand You' seien hier stellvertretend genannt.
9,0/10

Higher (2003)
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Mein Favorit der Band. Sehr sonnig, stellenweise beinahe poppig. Die perfekte Platte, um gute Laune zu bekommen oder zu behalten. Egal, ob 'Reach', 'Waited', 'Torn Right Out', 'Give It To You', 'Lost', 'Lucky Ones' oder 'Gone'. Hier gibt es ausschließlich Hits zu hören, die man nach 1-2 Durchgängen mitsingen kann und dennoch nie langweilig sind. Stattdessen entfaltet das Album eine beinahe unverschämte Langzeitwirkung, so dass man oft tagelang von einzelnen Songs verfolgt wird. Schon jetzt, während ich hier tippe und etwas komplett anderes höre, summe ich schon wieder 'Torn Right Out'. Absolut brillant.
9,5/10

Weight Of The World (2002)
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Nachdem die beiden Alben zuvor unter dem Bandnamen RUBBER veröffentlicht wurden, wird "Weight Of The World" außerhalb von Kanada wieder als HAREM SCAREM verkauft. Ist auch gut so. "Weight Of The World" ist nach den eher alternativen Alben zuvor wieder ganz eindeutig Melodic Rock, wie ihn Hess/Lesperance eben am besten können. Neben dem Titeltrack und dem herrlichen 'Outside Your Window' überzeugen vor allem das flotte 'If You', die Ballade 'This Ain't Over' und 'You Ruined Everything'. Bärenstark.
9,0/10

Ultra Feel (2000)
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Das wohl schwächste Album im Bandkatalog. "Ultra Feel" ist lediglich in Japan & Kanada unter dem Bandnamen RUBBER erschienen. Hess/Lesperance leben ihre Vorliebe für alternativ poppige Sounds aus, haben dabei aber irgendwo das Gespür für die Melodien verloren. Nur für beinharte Fans zu empfehlen, da es auch nur zu recht hohen Preisen zu beziehen ist.
6,0/10

Rubber (1999)
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Dieses Album erschien in Kanada unter dem Bandnamen RUBBER, in Japan aber noch als HAREM SCAREM. Ziemlich merkwürdige Politik. Aber die Band wollte den nun neuen Sound in der Heimat eben auch unter neuem Namen verkaufen. Eigentlich eine gute Entscheidung, denn "Rubber" enthält neben viel Alternative Rock auch Spuren von Bands wie WEEZER oder GREEN DAY. Mit 'Who-Buddy' und 'Stuck In You' gibt es aber wenigstens zwei ziemlich coole Stücke. Während 'Pool Party' und 'Headache' verhältnismäßige Rohrkrepierer sind. Wie "Ultra Feel" nur für Sammler zu empfehlen.
6,5/10

Big Bang Theory (1998)
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Von allen "echten" HAREM SCAREM-Alben vielleicht das am wenigsten tolle. Mit 'So Blind' und 'Never Have It All' gibt es nur zwei Songs, die ich im Schlaf mitträllern kann. Der große Rest ist gut, aber bei weitem nicht so brillant eingängig wie die Alben ab 2002 oder die vor diesem.
7,5/10

Karma Cleansing/Believe (1997)
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Dieses Album ist in Kanada als "Karma Cleansing" und in Japan als "Believe" erschienen. Und man braucht beide Versionen, da es zwei unterschiedliche Songs und unterschiedliche Songreihenfolgen gibt. Daneben gibt es von "Believe" auch noch eine "Special Edition" mit alternativen Songmixes, unveröffentlichte Songs und einem Cover von CHEAP TRICK. Die ist leider sehr rar und geht meist für gutes Geld bei eBay weg. Mehr als 20 EUR wollte ich eigentlich nicht bezahlen. Anyway, mit 'Believe', 'Die Off Hard', 'Hail, Hail' und 'Victim Of Fate' gibt es mindestens vier Knaller erster Güte. Der Rest bewegt sich auf gutem Nivau, komt aber nicht an die Vorgänger heran.
8,0/10

Voice Of Reason (1995)
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Das mutigste & experimentellste Album der Band. Die Grundstimmung ist deutlich düsterer, die Songs nicht so offensichtlich eingängig. Dafür ist die Langzeitwirkung extrem hoch. Songs wie 'Voice Of Reason', 'I'll Be Brief', 'Warming A Frozen Rose' oder 'The Paint Thins' sind beinahe schon Gemälde des Melodic Rock. Klassiker.
9,5/10

Mood Swings (1993)
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Für die meisten Fans das beste Album der Band. Eigentlich eine Blaupause von dem, was Melodic Rock ausmacht, ohne dabei zu altbacken zu klingen. Ein Song wie 'Change Comes Around' gehört sicher zu den besten Songs, die das Genre je hervorgebracht hat. Genau so MUSS Melodic Rock klingen. Daneben gibt es mit dem flotten 'Had Enough', den Rockern 'No Justice' und 'Saviors Never Cry' sowie den brillanten Balladen 'Mandy' und 'If There Was A Time' noch eine ganze Reihe absolut essentieller Songs. Auch hier gibt es nur ein Wort, dass dem Album gerecht wird: Klassiker.
9,0/10

Harem Scarem (1991)
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Das Album, dass dem Sergant eigentlich am besten gefallen müsste, da es noch 1:1 nach 80er AOR/Melodic Rock klingt. Klar, die Band war damit irgendwie spät dran, aber viele der Songs sind ja schon in den 80ern aufgenommen worden. 'Hard To Love', 'With A Little Love', 'Honestly' oder 'Slowly Slipping Away' wären in den 80ern noch lupenreine Radiohits gewesen. Aber 1991 hat das dann schon kaum noch jemanden interessiert. Dennoch ein starkes Debüt, das schon gezeigt hat, welch feines Händchen für Melodien Hess/Lesperance hatten.
8,5/10

ERGO: eine dringende Kauf- und Komplettierungempfehlung von jedem Freund von melodischem Hardrock, der immer anders klingt & dennoch zu jeder Zeit durchscheinen lässt, wer hier seine Finger im Spiel hat.
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Re: HAREM SCAREM

Beitragvon 123_7 » Dienstag 30. März 2010, 11:04

Na super, da hab ich jetzt spontan in ein paar Songs der "Voice Of Reason" hineingehört, weil mich die Beschreibung spontan am meisten angesprochen hat und die haben mir wirklich alles super gefallen. Und was seh ich jetzt? Das Teil ist gar nicht so einfach aufzutreiben... grmpf. Na dann muss ich wohl noch in ein paar andere Alben hineinhören ;-)
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Re: HAREM SCAREM

Beitragvon Peter Kubaschk » Freitag 9. April 2010, 20:09

sorry, für die späte Antwort, aber ja, gerade die "Voice Of Reason" ist eher schwierig zu bekommen und geht bei eBay in der Regel auch für 15,- bis 25,- EUR weg. Für wenig Geld gibt es normalerweise die Releases auf Frontieres (Weight Of The Word - Overload), das könnte dir aber zu sehr Ü30-Mucke sein, haha.
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