Post Rock & Instrumental Rock

Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon 123_7 » Dienstag 30. August 2011, 11:05

Du wirst sie ja nicht umsonst so weit oben in deiner Jahresliste handeln ;-)
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 30. August 2011, 11:09

Natürlich mag ich die Scheibe sehr, keine Frage. Aber eine mehrseitige Diskussion an anderer und nun dieser Stelle ist ja nicht von mir (oder von Schafi, Frosch, Sally) ausgegangen. Das meine ich, wenn ich sage, dass "nur Rüdiger Aufhebens um die Band macht."
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon 123_7 » Dienstag 30. August 2011, 11:12

Manche echauffieren sich seitenweise über eingeölten Heavy Metal in Felltangas. Jeder braucht sein Ventil und meistens lernt man ja auch etwas daraus, wenn die Diskussionspartner ihre Sichtweise plausibel und nachvollziehbar darlegen, oder meinst du nicht? Ich finde, dass Rüdiger unter Darlegung seiner Standpunkte seine Einstellung plausibel nachvollzogen hat.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 30. August 2011, 11:23

Ich muss zugeben, dass ich die Argumentation nicht besonders schlüssig finde.

Auf der einen Seite:
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Gut, was Postquark angeht, könntest du Recht haben. Rockmusik ohne Sänger ist für mich halt per se schon mal sehr grenzwertig bis abartig. Zumindest auf Albumlänge. Und wenn es dann auch noch der immer gleiche - ach Gott, was bin ich heute atmosphärisch unterwegs - Flächensound und die klebrig vor sich hin meandernden Harmonie-Disharmonie-Spielchen mit Glockenspiel, Piano und entschärften Burzum-Gitarren sind, dann dürstet mich fast schon nach Schrammelmusik oder Moschmusik.


und auf der anderen Seite dann:
Rüdiger Stehle hat geschrieben: Als "schön" empfinde ich Musik immer dann, wenn sie mich beim Hören nicht stört und keine Gefühle des Unwohlseins auslöst. Wenn sie nicht nervt. Das kann MAYBESHEWILL sein, oder eben Ernst Mosch und die Original Oberkrainer. Wenn das läuft, dann ist das für mich okay, weil es harmonisch ist und durch die Ohren flutscht, ohne Stressgefühle auszulösen.


Wie gesagt, ich verstehe absolut, warum man die Begeisterung anderer bei dieser Art von Musik nicht nachvollziehen kann. Diese demonstrierte Anti-Haltung & Ablehnung irritiert mich allerdings massiv und ist nach Rüdigers Argumentation nur noch weniger schlüssig geworden.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon 123_7 » Dienstag 30. August 2011, 11:48

Okay, der zweite Absatz irritiert mich jetzt auch. Ausgehend von der Beschreibung müssten 99% der Musik davon betroffen sein, weil Harmonie allgegenwärtig ist. Aber vielleicht versteh ich den Absatz auch nur falsch. Ich vermute, dass es darum geht, dass die Musik einfach schön sei, ohne anzuecken und niemals von diesem Schöngeisttum abweiche. Das muss aber, zumindest für mich, nichts negatives heissen.

Den ersten Absatz kann ich unter der Annahme, dass für Rüdiger Gesang einen integralen Bestandteil der Musik darstellt, so akzeptieren. Das muss ich nicht für richtig halten oder unterstützen, aber wenn er diesen Grunsatz vertritt, geht das für mich okay. Ob ich diese Worte wählen würde, steht auf einem anderen Blatt.

Und insgeheim glaube ich, dass Rüdiger von seinem Image als Allesgutfinder und Permanentrosabrillenträger ein bisschen weichen will ;-)
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Peter Kubaschk » Dienstag 30. August 2011, 13:13

123_7 hat geschrieben:Okay, der zweite Absatz irritiert mich jetzt auch. Ausgehend von der Beschreibung müssten 99% der Musik davon betroffen sein, weil Harmonie allgegenwärtig ist. Aber vielleicht versteh ich den Absatz auch nur falsch. Ich vermute, dass es darum geht, dass die Musik einfach schön sei, ohne anzuecken und niemals von diesem Schöngeisttum abweiche. Das muss aber, zumindest für mich, nichts negatives heissen.

Den ersten Absatz kann ich unter der Annahme, dass für Rüdiger Gesang einen integralen Bestandteil der Musik darstellt, so akzeptieren. Das muss ich nicht für richtig halten oder unterstützen, aber wenn er diesen Grunsatz vertritt, geht das für mich okay. Ob ich diese Worte wählen würde, steht auf einem anderen Blatt.


Jeden Absatz für sich kann ich so akzeptieren. Komisch ist, dass über die gleiche Band die Rede ist. Und dann finde ich es halt widersprüchlich.

123_7 hat geschrieben:Und insgeheim glaube ich, dass Rüdiger von seinem Image als Allesgutfinder und Permanentrosabrillenträger ein bisschen weichen will ;-)


Da ist ggf. etwas dran. Aber dafür ist es viel zu spät. :grins:
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Eike » Dienstag 30. August 2011, 22:39

Wer auf okkulten Siebzigerschwurbelpsychrock steht, aber bloß mangels Sänger mit ANEKDOTEN nichts anzufangen weiß, den werde ich wohl nie verstehen. Das klingt doch nicht weniger emotional, bloß weil da niemand drüber knödelt und greint.
Music is the only religion that delivers the goods.
(Frank Zappa * 21.12.1940 - 4.12.1993)
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Holger Andrae » Dienstag 30. August 2011, 22:54

Ich bin auch kein Frund von instrumentaler Musik. Noch nicht einmal im Heavy Metal. Da gibt es nur ganz wenige Ausnhamen, bei denen mich ein komplettes Album ohne Gesang begeistern kann. Spastic Ink zum Beispiel, weil es da neben der unglaublichen Dynamik auch noch diesen Irrwitz gibt, den ich bei Postrockern niemals höre. Ich verstehe ja den Ansatz, Klangwelten schaffen zu wollen, aber für einen hektischen Menschen, wie ich es nun einmal bin, funktioniert das nicht. Wenn ich mich in Musik fallen lassen möchte und die Zeit dazu habe, dann wird so etwas, wie Warning oder 40 Watt Sun eingelegt. Und da wird auch wenig gesungen. ABer das funktioniert für mich ganz wunderbar. Wie viele Instrumentalpassagen bei eher doomend unterwegs seienden Bands.

Natürlich kann ich Maybeshewill schön finden, während es läuft, aber ich komme im Traum nicht auf die Idee, es noch einmal aufzulegen, wenn des SC vorbei ist. Das gelingt selten LDC, weil deren Grundausrichtung und Klangformation schon eher in mir behaglichen Gefilden agiert.

Besonders dynamisch´finde ich Maybeshewill jetzt allerdings auch nicht. Und Hooks höre ich da auch keine. Trotzdem kann ich mir das anhören und es für den Moment schön finden.

Fyrnask hingegen funktioniert für mich noch viel weniger. Nein, stimmt gar nicht. Denn im Gegensatz zu Maybeshewill löst die Musik bei mir Emotionen aus:Ärger. Die Intention hinter dieser Musik - und ich tue mich in dem Fall beinahe schwer, es überhaupt so zu nennen - erschließt sich mir gar nicht. Wenn es kalt und böse klingen soll, dann geht dieser Versuch völlig in die Beinkleider, weil ich über den Gesangstil des kleinen Gartenzwerges, der offenbar seinen Erkältungstee nicht getrunken hat, nur schmunzeln kann und mich der Nähmaschinenklang der Gitarren total nervt. Hinzu kommt das Problem, keine - in Ziffern:0 - Hooks, Riffs oder sonstwas, was mich zu irgendeiner Sekunde aus der Reserve locken würde.
Wenn ich vier Ohren hätte, könnte ich länger schlafen.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 31. August 2011, 01:06

123_7 hat geschrieben:Bei der handvoll an Songs, die ich von Maybeshewill kenne, kann ich Rüdigers Äusserungen aber gut nachvollziehen. Die Band im speziellen ist mir auch zu wuschig. Das tröpfelt, säuselt, weht und wabert beispielslos langweilig vor sich hin. Wie eine verzerrte Welt, die durch Antidepressiva ihren heilen Charaketer vortäuscht. Oder wie Pachelbels Kanon in D-Dur. Widerlich schön.

Dem gesamten Genre stehe ich generell sehr ambivalent gegenüber, weil es einerseits wirklich spannende Musik gibt, aber auch diese unsäglichen Blumenwerfer ihr Unwesen treiben. Höhepunkt dieses Gruselkabinetts waren bis jetzt für mich God Is An Astronaut, aber Maybeshewill kratzen da durchaus am Valiumsthron.

Danke, danke, danke... du gibst mir das Gefühl verstanden zu werden und nicht allein zu sein. "Widerlich schön" solltest du dir patentieren lassen. Genau das meinste ich wohl, als ich das Attribut "schön" - unbewusst - in einen negativen Kontext gerückt habe.
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Re: Post Rock & Instrumental Rock

Beitragvon Rüdiger Stehle » Mittwoch 31. August 2011, 01:30

Peter Kubaschk hat geschrieben:Ich muss zugeben, dass ich die Argumentation nicht besonders schlüssig finde.

Zum einen habe ich nie behauptet, in dieser Sache schlüssig zu argumentieren, weil ich das gar nicht versuche, sondern die emotionale Wirkung der Musik auf mich zu beschreiben. Emotionen und Schlüssigkeit korrelieren nur sehr bedingt. Daher trifft mich der Vorwurf der Unschlüssigkeit kein Stück weit. Wir sind hier ja nicht im Grundkurs Rechtsdogmatik.

Auf der einen Seite:
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Gut, was Postquark angeht, könntest du Recht haben. Rockmusik ohne Sänger ist für mich halt per se schon mal sehr grenzwertig bis abartig. Zumindest auf Albumlänge. Und wenn es dann auch noch der immer gleiche - ach Gott, was bin ich heute atmosphärisch unterwegs - Flächensound und die klebrig vor sich hin meandernden Harmonie-Disharmonie-Spielchen mit Glockenspiel, Piano und entschärften Burzum-Gitarren sind, dann dürstet mich fast schon nach Schrammelmusik oder Moschmusik.

Dazu stehe ich. Wie gesagt, einzelne Instrumentalstücke zur Auflockerung eines Albums, oder mit besonderer Rolle in einem Konzept, stören mich nicht. Aber Bands, die ausschließlich instrumentale Rockmusik machen, berauben die Rockmusik für mich eines ganz wesentlichen Elements, das mir Freude an der Musik bereitet. In der Folklore, in der Klassik, im Ambient u.ä. ist für mich der Gesang nicht so wesentlich, aber im Rock ist er für mich absolut essentiell. Rein instrumentaler Rock ist für in der Tat grenzwertig bis abartig.

Rüdiger Stehle hat geschrieben:Als "schön" empfinde ich Musik immer dann, wenn sie mich beim Hören nicht stört und keine Gefühle des Unwohlseins auslöst. Wenn sie nicht nervt. Das kann MAYBESHEWILL sein, oder eben Ernst Mosch und die Original Oberkrainer. Wenn das läuft, dann ist das für mich okay, weil es harmonisch ist und durch die Ohren flutscht, ohne Stressgefühle auszulösen.

Darin sehe ich keinen Widerspruch. Wie Fabian schon gesagt hat: Es kann auch etwas "widerlich schön" sein. Der Begriff "schön" ist in meiner hier angewandten Wortwahl objektivierend genutzt. Also nicht in dem Sinne "ich finde es schön = es gefällt mir", sondern in dem Sinne "das ist schön, weil es rund, glatt und flutschig ist, weil es nicht aneckt und keine Stressgefühle auslöst". Fahrstuhlmusik ist schön. Aber sie ist belanglos und langweilig.

Diese demonstrierte Anti-Haltung & Ablehnung irritiert mich allerdings massiv und ist nach Rüdigers Argumentation nur noch weniger schlüssig geworden.

Ich kann leider keine Zeichnung machen, aber nochmal: Das ist keine Argumentation und hegt keinen Anspruch auf Schlüssigkeit. Es ist der vielleicht unbeholfene Versuch, die Gründe für meine

Überhaupt: Demonstrierte Anti-Haltung? Hier schimpft Hinz und Kunz permanent über alles, was bieder, kitschig, metallisch, 80er, old-school, Eierkneifer, pathetisch usw... ist und wird nicht müde zu betonen, dass Metal (im klassischen Sinne) eigentlich ziemlich scheiße ist, da wird doch auch ein Toleranzapostel wie ich im Falle zweier Gurkentruppen mal sagen dürfen, wie unsagbar öde er die findet, weil sie nichts bieten, was ich an Musik toll finde.

Peter Kubaschk hat geschrieben:
123_7 hat geschrieben:Aber ich glaube, ich kann an dem Stück zumindest nachvollziehen, warum hier so ein Aufheben um die Band gemacht wird.

Aufhebens um die Band macht eigentlich nur Rüdiger.

Ich hab für sich genommen kein Aufhebens gemacht, sondern einfach nur geschrieben, dass ich diese Band (sowie grob geschätzt 90 weitere Prozent des Genres) völlig öde, langweilig und uninteressant finde. Aufhebens entsteht immer erst dadurch, dass sich dann andere zur Verteidigung der Band berufen fühlen und der Protagonist versucht, seine Empfindungen zu erläutern. Das heißt, dass das Aufhebens - wie Fabian richtig erkannt hat - eine wunderbare Koproduktion von (in erster Linie) uns beiden ist.
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