Das Feuchtbiotop 2.0

Brot und Spiele für den Powermetal.de-User: große Projekte der Community und umfassende Forenspiele finden hier ihren Platz

Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Teichfrosch » Montag 29. August 2011, 13:17

Joa. Ich denke wir verstehen uns. Der Umgedrehtes-Kreuz-Ritter gegen Jodelmetal ist ohnehin Flauschi, ich dagegen hatte ja sogar ENSIFERUM und SONATA ARTICA in meinen Top100 und kann so gesehen garnichts gegen gut gemachten Jodelmetal sagen. Ich wollte nur klarstellen dass dass WIE eben auch wichtig ist und dabei wie etwas verstanden wird eine sehr bedeutende Rolle spielt.

Dass böse Pandas genauso lächerlich sein können ist nichts neues, wenn du es noch nicht kennst geh mal mit einem Proxy auf YouTube und schau dir "10 most ridiculous black metal videos" an... sagt alles :grins: IMMORTAL in Hochform!
Benutzeravatar
Teichfrosch
Metalhead
 
Beiträge: 3170
Registriert: Montag 17. Mai 2010, 00:18

Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Jesus » Montag 29. August 2011, 13:23

Martin van der Laan hat geschrieben:Aber Schlager bleibt Schlager - egal ob geröchelt oder gejodelt (womit die rhetorische Frage des Schäfchens auch beantwortet wäre - wenn auch nicht seinem Sinne).


Doch, doch, durchaus auch in meinem Sinne. Bei GALLOWBRAID könne wir uns alle darauf einigen, dass es gewaltig schlagert. Der von mir angesprochene Song hat sogar einen Polkarhythmus, hymnische BATHORY-Chöre und der eine oder andere mag Parallelen zu MANOWAR ausmachen. Daher meine etwas ungläubige Frage an den Frosch, warum das Album in seiner Topliste erscheint ;) Der Unterschied für mich wäre eben, dass dort Black Metal mit Schlagermetal verdünnt wird, aber das schwarzmetallische Fundament lässt sich trotzdem ausmachen. So wie bei der letzten WATAIN.

Martin van der Laan hat geschrieben:Ich muss bei Panda-Videos meistens genau so lachen wie bei Manowar-Clips


Es ist nicht weniger albern, geschminkt durch den Wald zu rennen als sich mit frisch eingeölter Brust im Felltanga zu präsentieren. Beiderlei Ästhetik ist lächerlich und inhärenter Teil des jeweiligen Genres. Doch während das eine mich amüsiert, verstärkt das andere meine Abneigung gegenüber der Musik. Oder liefert zumindest ein einfaches Angriffsziel in Form von billigen Seitenhieben.

Martin van der Laan hat geschrieben:Ich wehre mich nur immer und überall gegen jede Form der Andeutung, dass Jodel-Schlager-Metal prinzipiell doofer, primitiver, lächerlicher und bemitleidenswürdiger ist als Dunkel-/Röchel-Schlager


Nachvollziehbar, doch lyrisch und ästhetisch sind GALLOWBRAID trotz aller Schlagerhaftigkeit nicht auf dem Niveau von EDGUY. Da gibt es sicherlich noch armseligere BM-Bands, die besser als Vergleich herhalten können.

tl;dr:
Ich verstehe das Argument und kann es nachvollziehen, bin aber der Meinung, dass die röchelmetallische Präsentation dem Sound etwas angenehm Martialisches und vor allem Metallisches verpasst (und darum geht's doch im Metal, nicht oder?), was wiederum keine Assoziationen an Bierzeltfeste auf Dorfniveau weckt. Ohne die lächerliche Pandashow wäre IMMORTAL immer noch schwarz und düster, wohingegen HAMMERFALL ohne Kostüme immer noch... naja... tuntig klingen.
Benutzeravatar
Jesus
Super-Duper-Mega-Ober Metaller
 
Beiträge: 10890
Registriert: Dienstag 9. Februar 2010, 13:20
Wohnort: Das Herz Preußens

Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Teichfrosch » Montag 29. August 2011, 13:35

Tja, warum tauchen bei mir GALLOWBRAID und SONATA ARTICA auf und bei dir DORNENREICH? Wir haben eben alle unsere Schwächen für echt dünne Musik :) Aber das Thema hatten wir ja schon zichmal. Ich mag "Ashen Eidolon", macht immer wieder Spaß anzuhören und läuft runter wie Öl. ENSIFERUM in Schwarz. Und zur Belohnung höre ich jetzt "Iron" YEAH!
Benutzeravatar
Teichfrosch
Metalhead
 
Beiträge: 3170
Registriert: Montag 17. Mai 2010, 00:18

Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Martin van der Laan » Montag 29. August 2011, 13:44

Teichfrosch hat geschrieben:Ich wollte nur klarstellen dass dass WIE eben auch wichtig ist und dabei wie etwas verstanden wird eine sehr bedeutende Rolle spielt.


Was mich zu der überaus spannenden Frage bringt, was ein persönlicher Geschmack eigentlich ist und wie er entsteht. Ist es ein Abgleichen positiver Assoziation zum Zwecke der Positionierung im eigenen Weltbild oder der ästhetische Ausdruck einer individuellen Seele mit transzendenter Schlagseite (um mal die Extrempositionen zu nennen...)? Im ersten Fall kann man (wenn auch auf verworrenen, komplexen Wegen) prinzipiell aus dem Geschmack etwas über die Person schlussfolgern, im zweiten Falle nicht. Und dann gibt es ja noch Bescheuerte wie mich, die völlig unabhängig vom Geschmack glauben, dass sich Ästhetik und Schönheit durchaus objektiv, vermutlich sogar mathematisch beschreiben lässt (im Sinne der modernen Mathematik, die sich in ihren chaotischen Elementen aus der Sklaverei der perfekten Harmonie im Kosmos befreit hat. Aber das gehört hier jetzt nicht her... :)

@Jesus: Der letzte Punkt war jetzt ganz entscheidend. Darum schätze ich Bands wie AKERCOCKE ja so sehr, die das ganze Image-Getue nicht brauchen, um wunderbar böse zu klingen und rüber zu kommen - mit doppeltem Boden und peotischem Talent wie ich finde. Aber die anderen Punkte... ich weiß nicht... wir können das jetzt weitertreiben und fragen: Was ist an einem Bierzelt schlimmer als an einem sogenannten Vikinger-/Mittelaltermarkt? Aber das führt zu nichts, weil wir ja näher beieinander liegen als es oberflächlich den Anschein hast. Nur finde ich es schon bemerkenswert, dass du irgendwie bei allem einen Anfall kriegst, was auch nur ansatzweise theatralisch, affektiert oder verkitscht ist. Eigentlich ja ein sympathischer Zug...! Erklärt auch mir Schwer-Von-Begrifflichem endlich mal wie minimalisches Dröhnzeug mit animalischem Schwarzwurzelkram zusammen passen. Immer irgendwo zwischen schwebender, naturpoetischer Schlichtheit und bedingungslosem Blutrausch. Archaisch und blödsinnsfeindlich...

Ach ja, um 'Iron' sollte ich auch mal wieder hören... ich mag den Song.
668 - Neighbor of the Beast
Benutzeravatar
Martin van der Laan
Musikredaktion
 
Beiträge: 7662
Registriert: Sonntag 21. Februar 2010, 21:41

Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Jesus » Montag 29. August 2011, 14:12

Martin van der Laan hat geschrieben:Was mich zu der überaus spannenden Frage bringt, was ein persönlicher Geschmack eigentlich ist und wie er entsteht. Ist es ein Abgleichen positiver Assoziation zum Zwecke der Positionierung im eigenen Weltbild


Diese Idee und diese Frage...

Martin van der Laan hat geschrieben:wir können das jetzt weitertreiben und fragen: Was ist an einem Bierzelt schlimmer als an einem sogenannten Vikinger-/Mittelaltermarkt?


...passen gut zusammen. Als Dorfkind erlebte ich reichlich Feste mit Bierzelten, wo betrunkene Proleten die sprichwörtliche Sau rausließen. Und möglicherweise auch hin und wieder echte Schweine zum Vergnügen aller Besucher am Fest teilnehmen ließen. Damit weckt Bierzeltschlager à la MANOWAR bei mir nur negative Assoziationen an minderbemittelte Dorftrottel, die im Vollrausch Unzucht mit Huftieren treiben und dabei zu AC/DC mitgröhlen.

Mittelaltermärkte mag ich hingegen gerne.

Martin van der Laan hat geschrieben:Im ersten Fall kann man (wenn auch auf verworrenen, komplexen Wegen) prinzipiell aus dem Geschmack etwas über die Person schlussfolgern


Siehste ;)

Martin van der Laan hat geschrieben:Nur finde ich es schon bemerkenswert, dass du irgendwie bei allem einen Anfall kriegst, was auch nur ansatzweise theatralisch, affektiert oder verkitscht ist.


Mh. So formuliert ergibt das wenig Sinn, da ich mütterlicherseits aus einer Künstlerfamilie stamme, in der es vor Theaterschauspielern, Opernsängern, Bühnenbildnern, Malern und klassischen Musikern nur so wimmelt. Theater und Opern weiß ich daher zu schätzen, da darf und muss es theatralisch, pathetisch und kitschig sein. Doch genau das sollte auf meine Musik nicht zutreffen.

Martin van der Laan hat geschrieben:Erklärt auch mir Schwer-Von-Begrifflichem endlich mal wie minimalisches Dröhnzeug mit animalischem Schwarzwurzelkram zusammen passen. Immer irgendwo zwischen schwebender, naturpoetischer Schlichtheit und bedingungslosem Blutrausch. Archaisch und blödsinnsfeindlich...


Archaisch und blödsinnfeindlich. Wunderbare Wortwahl. Genau der Grund, warum ich das mag. Wenn mir der Sinn nach Blödsinn steht, schaue ich eine Komödie. Aber selbst da braucht es einen Film, der ein bisschen zum Nachdenken anregt - wie "Das Leben des Brian". Das ist albern, aber nicht sinnbefreit. "Meine Frau, die Spartaner und ich" ist dagegen für meine Begriffe das Äquivalent zu AC/DC und EDGUY.

Das beantwortet zwar nicht alle Deine Fragen, trägt aber vielleicht zu einer zukünftigen Studie zum Thema Musikgeschmack bei.
Benutzeravatar
Jesus
Super-Duper-Mega-Ober Metaller
 
Beiträge: 10890
Registriert: Dienstag 9. Februar 2010, 13:20
Wohnort: Das Herz Preußens

Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Martin van der Laan » Montag 29. August 2011, 14:29

Jesus hat geschrieben:Damit weckt Bierzeltschlager à la MANOWAR bei mir nur negative Assoziationen an minderbemittelte Dorftrottel, die im Vollrausch Unzucht mit Huftieren treiben und dabei zu AC/DC mitgröhlen.


Komisch, unsere Dorffeste war eigentlich ganz witzig. Um am Freitag Abend gab's immer Metal auf die Ohren... da hat dann die lokale Thrashcore-Combo MAINZEL MANIACS regelmäßig eine Heavy-Rock-/Metal-Coverband namens TESTICLE (wirklich wahr...!!) gnadenlos an die Wand gespielt! Du warst als Kind also nur auf den falschen Parties... :grins:

Für deine Mutter als Operndiva muss es noch grässlicher gewesen sein in DEM Bierzelt... :D
668 - Neighbor of the Beast
Benutzeravatar
Martin van der Laan
Musikredaktion
 
Beiträge: 7662
Registriert: Sonntag 21. Februar 2010, 21:41

Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Jesus » Montag 29. August 2011, 14:36

Martin van der Laan hat geschrieben:Für deine Mutter als Operndiva muss es noch grässlicher gewesen sein in DEM Bierzelt... :D


Zum Glück ist meine Mama das schwarze Schaf der Familie und arbeitete fürs Finanzamt ;)
Die künstlerisch begabten Familienmitglieder leben alle in Städten, fernab von den Metal und Hardrock hörenden Inzuchtopfern und Berufsproleten der Dörfer.

Zurück zur Ausgangsfrage: Erfahrungen formen ebenfalls den Musikgeschmack.
Benutzeravatar
Jesus
Super-Duper-Mega-Ober Metaller
 
Beiträge: 10890
Registriert: Dienstag 9. Februar 2010, 13:20
Wohnort: Das Herz Preußens

Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Martin van der Laan » Montag 29. August 2011, 14:45

Jesus hat geschrieben:Zum Glück ist meine Mama das schwarze Schaf der Familie und arbeitete fürs Finanzamt


:grins: :grins: :grins:
668 - Neighbor of the Beast
Benutzeravatar
Martin van der Laan
Musikredaktion
 
Beiträge: 7662
Registriert: Sonntag 21. Februar 2010, 21:41

Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Teichfrosch » Montag 29. August 2011, 15:02

MVDL hat geschrieben:Ist es ein Abgleichen positiver Assoziation zum Zwecke der Positionierung im eigenen Weltbild oder der ästhetische Ausdruck einer individuellen Seele mit transzendenter Schlagseite (um mal die Extrempositionen zu nennen...)?


Herrlich gestelzt :grins:

Interessanter finde ich die Frage ob sich Geschmack darüber definiert was man mag oder eher darüber was man NICHT mag. Anhaltspunkte für beide Ansätze kann man auch hier im Forum finden.

Erklärt auch mir Schwer-Von-Begrifflichem endlich mal wie minimalisches Dröhnzeug mit animalischem Schwarzwurzelkram zusammen passen.


Klingt ja fast so als würde das nicht zusammen funktionieren. Dabei hörst du doch selber Alkoholfahnenmetal und Schwurbeljazz. :)

Jesus hat geschrieben:die im Vollrausch Unzucht mit Huftieren treiben


Dass du dann dennoch diesen Avatar wählst ist mindestens überraschend.
Benutzeravatar
Teichfrosch
Metalhead
 
Beiträge: 3170
Registriert: Montag 17. Mai 2010, 00:18

Re: Das Feuchtbiotop 2.0

Beitragvon Jesus » Montag 29. August 2011, 15:14

Teichfrosch hat geschrieben:Interessanter finde ich die Frage ob sich Geschmack darüber definiert was man mag oder eher darüber was man NICHT mag. Anhaltspunkte für beide Ansätze kann man auch hier im Forum finden.


Wird man nach dem eigenen Musikgeschmack gefragt, so antwortet man doch mit dem, was man mag. Man sagt nicht "ich mag dieses Genre nicht, aber jenes Genre da finde ich okay, auch wenn es nicht höre".

Teichfrosch hat geschrieben:
Jesus hat geschrieben:die im Vollrausch Unzucht mit Huftieren treiben


Dass du dann dennoch diesen Avatar wählst ist mindestens überraschend.


Genau deswegen wird mir ja so übel, wenn ich Jodelschlager höre. Da bekomme ich es mit der Angst zu tun, dass plötzlich hinter mir Joey DeMaio und Tobias Sammet auftauchen und "true surprise buttsecks of steel!" schreien...
Benutzeravatar
Jesus
Super-Duper-Mega-Ober Metaller
 
Beiträge: 10890
Registriert: Dienstag 9. Februar 2010, 13:20
Wohnort: Das Herz Preußens

VorherigeNächste

Zurück zu Musica et Circenses

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste