Jhonny hat geschrieben:1) Der heutige Tag
Frauengesang, Klavier, Gitarre... die Frau kann singen. Schön gemachter Pop. Irgendjemand hatte Spaß, den Sampler auf mich zuzuschneiden. Streicheransatz. Ich hab keine Ahnung von wem der Song ist... Die Stimme klingt recht R&B mäßig. So vom Stil her wie Beyonce. Relativ kräftiger Gesang. Schön entspanntes Gitarrensolo.
Weiß nicht wer das ist... ist aber gut! Freue mich bei dem Song auf die Auflösung.
Ja, begonnen habe ich den Sampler mit einem Song aus "heutigen Tagen". BEYONCÉs viertes Album "4" wird von der Journaille recht negativ aufgenommen, weil es zu bodenständig, ich würde sagen, zu musikalisch ist. Tadaaa, jetzt kommen die wahren Musikhörer zum Tragen und freuen sich auf ein erfreulich unpoppiges Popalbum einer der wichtigsten Popkünstlerinnen unserer Zeit. Dieser Song stammt also von dem Album und zählt eins mit dem anderen zusammen...
3 Punkte für Johnny.
Jhonny hat geschrieben:2) Die Winde sind zerrende TaueSo, Nummer 2 geht fett nach vorne, eher in so ne Mathcore-Richtung. Irgendjemand wollte hier einen krassen Break. Vom Gesang her Metalcore. Band kenne ich glaub ich nicht, Text ist bei so was ja in der Regel auch nur schwer erkennbar. Wenig progressive Elemente. Alles mit durchgedrücktem Gaspedal. Der Gesang variiert kaum. Musikalisch ist das natürlich top gemacht, die Produktion ist mir aber einen Tick zu modern. Da wäre mir technischer Thrash Metal lieber.
Im Refrain (ja, der ist erkennbar) klingts nach In Flames... jetzt krieg ich bestimmt Haue
Die Gitarren hier erinnern eher an ne melodische, progigge Band wie Dream Theater.
Protest The Hero? Könnte ich mir so vorstellen...
Zwischendrin Keyboards... da, eine spur Klargesang im Background! Frickel-Abfahrt, Gebrüll und aus.
Dieser Song stammt von einer Band, die zurecht als eine der legitimen Nachfolgebands der großartigen DEATH gelten darf, ohne nach DEATH zu klingen. Der Mastermind dieser Band hat eine andere Band, in der er einer schwedischen Legende auf die Füße tritt. Mit ähnlichem Erfolg.
Jhonny hat geschrieben:3) Die Menschen erstarren
Steigt leicht orchestral ein - das dürfte aber aus der Konserve sein, klingt nicht echt. Jetzt wirds poppig, schöne Keyboard-Klänge. Eine schöne Männer-Gesangsstimme. Der Keyboard-Klang ist gut. Könnte 80er-Pop sein. Kommerzieller gehts jedenfalls kaum.
Könnte der Soundtrack von nem Disney-Film sein ^^
Im Text gehts um "You smile" und um "Eyes", und es ist "to late to realize"
Ah, the smile has left your eyes...
So, hier wurde ja schon kräftig mitgeraten. Natürlich ist ASIA völlig korrekt, auch der Song stimmt, Heydulf: 'The Smile Has Left Your Eyes'.
10 Punkte für Heydulf, Jesus war ein bisschen zu spät dran, bekommt aber 1 Bonuspunkt

Jhonny hat geschrieben:4) Metallen
Gitarreneinstieg, der an Hammerfall erinnert.
Schnelles Gefrickel, die Produktion ist recht schlecht.
Kommt da noch was?
Ah, Gesang zwischen Sabaton, Powerwolf und ähnlichen Konsorten.
Can you hear the dungeons scream? ne... aus denen rufen doch Savatage.
Die Songstruktur ist recht konstruiert, auch wenn das ganze doch auch was eigenes hat.
It's a time machine... ein wenig erinnerts auch an Grave Digger oder Rebellion.
Wenn die Nummer besser produziert wäre (oder: passender) und der Sänger mehr Abwechslung böte, wäre das durchaus interessant. Irgendwo fehlt auch ein wenig die Songstruktur.
Tja, der Rest ist Schweigen. Hier stimmt natürlich BROCAS HELM - 'Cry Of The Banshee'. Ein HAMMERSong.
3 Punkte für Frank, 5 für Fabian, 1 Bonuspunkt für Falkner.
Jhonny hat geschrieben:5) Weite weiße SeenGeholze, ähnlich wie Nummer 3. Der Sänger ist schlechter, der Sound auch. Deutlich.
Könnte Deathcore oder so was sein. Wenig Melodie.
Bäh... bisher der schwächste Song.
Jetzt passiert was! Der Bass treibt den Song, es kommt eine apokalyptische Atmosphäre auf. Qualität steigt. Das Geröchel ist interessant. Könnte durchaus auch Post-Black-Metal oder so was sein. In Ansätzen könnte ich mir so ne neuere Mayhem- oder Emperor-Scheibe vorstellen. Neuer = nach 1995
Aber manche Passagen haben auch was von Metalcore... hmm... bin ratlos.
Insgesamt abschließend ganz klar eher aus ner BM-Ecke stammend.
Jetzt gibts sogar ne Passage, die an Tiamat oder Paradise Lost erinnert.
Vielschichter Song. Sogar der Gesang passt hier jetzt zu My Dying Bride, die Atmosphäre erinnert an While Heaven Wept's Debüt.
Bestimmt läuft der Song schon 6 Minuten (mein CD-Player hat keine Zeitanzeigen, war ein billiges Ding...)
Song 3 und 5 zu vergleichen, macht überhaupt keinen Sinn. Nochmal nachsitzen und genau anhören, Jhonny. Aber fassen wir die Fakten zusammen: Die Band stammt aus der modernen Black Metal-Ecke, ist für manche ab zu plüschig. Das Album spielt in seiner Variabilität bei den Top-BM-Alben der letzten Jahre mit, ist musikalisch anspruchsvoll und bringt Schafe zum Korpulieren. Na?
Jhonny hat geschrieben:6) Bunte Scheiben
Mal ein nett-entspannter Instrumental-Einstieg.
Klingt alles recht gechillt... krasser Gegensatz zur Nummer 5.
Ein leichter "Chor" im Hintergrund?
Bisher fehlt mir echter, das Lied tragender Gesang. Instrumentalnummern begeistern mich ja nur äußerst selten.
Puh, klingt nach US-Musik aus dem Süden.
Stilistisch kann ich das gar nicht zuordnen.
Im Hintergrund mal ne Elektro-Stimme.
Am Schluss singt dann doch jemand, irgendwo zwischen Gospel, Blues, Country und 1000 anderen Sachen?!? Hier bin ich völlig blank.
Das hatte ich gehofft

Nun befinden wir uns in einer viel zu späten künstlerischen Aufarbeitung der Gräuel, die an den Indianern Amerikas verübt wurden. Es gibt zwei Alben dieser Art, der Künstlerkopf, der dahinter steckt, ist mit Sicherheit einer der wichtigsten Künstler unserer Szene - im weitesten Sinne. Seine einzigartige Nase steckte schon in vielen Musikrichtungen, am liebsten kombiniert er sie jedoch...
Jhonny hat geschrieben:7) das schneeverwehte Plätzchen
ein fettes, verzerrtes Riff, dann Double-Bass. War bei dem Titel ja zu erwarten, und es klingt auch kalt-norwegisch. Black Metal?
Der Gesang bestätigt die Vermutung.
Die Gitarren jetzt aber ungewohnt warm.
Ein Riff, dass so auch von Mayhem stammen könnte. Geil.
Sehr eigener Gesang, den Sänger kenne ich glaube ich nicht.
Death means nothing - life means less.
Ich weiß nicht, von wem das ist, tippe aber stark auf Norwegen.
Die Schlusspassage klingt aber musikalisch zu gut für Black Metal.
Zu gut für Black Metal?!
Auf jeden Fall hat Jesus den Nagel... ach, lassen wir das: THE MEADS OF ASPHODEL - 'Creed Of Abraham' stimmt natürlich.
10 Punkte für Jesus.
Jhonny hat geschrieben:8) Auf dem MondlichtplatzeSax-Einsatz.
Recht gechillter Einstieg, erinnert an "The Latest Trick" von Dire Straits.
Aber insgesamt langweiliger. So in etwa hatte ich immer Tom Waits in Erinnerung.
Jetzt das Klavier, mei, plätschert ein wenig vor sich hin, auch wenn der Typ definitiv spielen kann. Der Soundtrack einer alten Hollywood-Bar-Szene oder so
Ein paar schwarze Schuhe, ein Hut, eine Zigarre und ein rauchiges Bier, dazu eine Combo von Jazz-Freaks, die von der Musik leben wollen (aber nicht können). So in etwa klingt dat
Xylophon... allerdings habe ich von Jazz viel zu wenig Ahnung, um das zuzuordnen. Meine eine Miles-Davis-Platte ist jedenfalls deutlich ruhiger / langsamer, was aber nicht den Eindruck erwecken soll, hier wäre viel Tempo im Spiel.
Ist halt deutlich kommerzieller.
Langweilig? Ich trete dir gleich in deinen... ach, lassen wir das Pt. 2. Dieser Song stammt aus Italien, von einem Künstler, den ich auch schon in meiner Top 100 hatte. Ein Anwalt, der hier sein angestammtes Feld verlässt und sich dem Jazz widmet. Wunderbar.
Jhonny hat geschrieben:9) Vorüber an Heiligen
mit sanftem Gitarrenspiel geht die nächste Nummer los. Schöner Klang.
Oh, jetzt gehts richtig los, irgendwo im Göteborg-Sound, klingt jetzt alles kalt / modern.
Gesang erinnert an ne Band wie Underoath.
Ist der Sampler vom Frosch?
Gebt dem Jungen doch mal Gesangunterricht!
Gerade die Gitarrenlinien sind dagegen genial.
Plötzlich Computer-Einschübe a la Enter Shikari.
There is a hell... gut erkannt. Aber mehr über den Song sagt mir das auch nicht.
Post-Hardcore oder so...
Dieser Song ist im wahrsten Sinne eine Horizonterweiterung und der beste des Albums von 2010. Wenn Hardcore so klingt, finde ich das großartig. Auch die songwriterischen Kniffe funktionieren äußerst gut. Auch hier hängt der Songtitel mit meiner Paraphrasierung aus dem Gedicht zusammen. Der Sänger dieser Band hatte mal eine recht breit beachtete Schlägerei mit einem Architekten... nur, falls sich jemand mit Core-Gossip beschäftigt

Jhonny hat geschrieben:10) Himmel - Kirchen - Türmen
Beginn erinnert hmm an nichts? Relativ wüst, weniger modern als der Song davor.
Oder täuscht das?
Wüster Gesang, leider nicht mein Ding.
Recht moderner Thrash, irgendwo mit nem Schuss Metalcore und einem extrem angepissten Sänger...
Nope, nicht mein Ding.
Alles wieder recht technisch.
Weniger modern? Wüst? So langsam zweifle ich an der Tatsache, dass hier mein Sampler besprochen wird

Dieser Song stammt von einem tollen Album einer Band, die ich gerne feature - weil sie großartig ist. Ich finde das wunderschön, die Band versteht es wie keine zweite (okay, außer DEKADENT vlt.) Gemälde im Kopfgaleriepandemonium zu zeichnen. Das Album heißt übrigens wie die Zahl nach 1.
Jhonny hat geschrieben:11) Die Hände auf alten SteinenGeiles Einstiegsriff, klingt wie Doom. Also: Harter Doom, kein Psychedelic-Stoner-Gesülze.
Der Gesang ist recht krass.
Könnte auch uralt-Schweden-Death sein oder so.
Celtic Frost in den 80ern, Nihilist oder so wat.
Das ist deutlich besser als die Nummern davor
Da wird fein geröchelt.
Daumen hoch!
Vom Text versteh ich wenig, ich glaub der Typ hat aber was gegen Christen...
Könnte also auch gut BM sein. Also, räudig-ursprünglicher. Eines Schuss Darkthrone interpretiere ich auch rein.
warm as a rock, cold as ice?
irgendwie so...
Am Schluss wird der Gehörnte angeröchelt.
Bin mal gespannt, was dat is.
Tja, die Quintessenz, bevor es den Bonus gibt. Genau. DARKTHRONE mit 'Quintessence'.
10 Punkte an Heydulf.
Jhonny hat geschrieben:12) Cold And Hardso, letzte Nummer. Das Gedicht ist aus, der Titel ist auf deutsch übersetzt auch zum CD-Titel gemacht.
Ein Wind eröffnet die Nummer. Ein Ureinwohner-Flair kommt auf.
Ein recht simples Riff steht an, mal schaun was jetzt kommt.
Ähnlich wie die 11 auch wieder eine recht martialisch-altmodische Nummer.
Thrashiger... geht gut nach vorne los.
Igitt, ist das deutscher Gesang? Oder ne andere Sprache... ?

Und schwache Keyboards. Das wird ja schwächer...
Sonst ist die Nummer schon ok.
Dieser Song stammt von einer Band, die auf eine extreme Bandbreite zurückblicken kann. Eine Band, die ihr Genre gleichermaßen mitentwickelt und permanent erweitert hat. Eine meiner Lieblingsbands und großer Einfluss für mein eigenes Schaffen. Ein Bonustrack, da der Song nicht so ganz auf den Sampler passt. Eine Band, die sich aus dem alten Wald mit uralten Gedanken aufmacht, auf dem Rücken eines Wales die Antarktis zu erkunden.
Jhonny hat geschrieben:Highlights waren:
1,3,5 (mit Abstrichen),7,11.
der Rest war nicht so mein Fall, leider.
Loenz, Sally, Jesus, Eike... hatte ich alle mal überlegt, ich schätze aber, dass der Sampler vom Teichfrosch kommt, aufgrund des hohen Metalcore-Gehalts, den ich mir bei den anderen so kaum vorstellen kann.
Die Pop-Kompetenz hätte ich eher Sally oder Loenz zugetraut bei den frühen Songs der Scheibe.
Mit dem Jazz hatte ich auf Eike getippt, die z.T. wüsteren brutalen Nummern wären typisch für Jesus, aber der Metalcore-Gehalt in den anderen Songs ist wohl gar nicht sein Ding.
Mich würde ja interessieren, wie ein Julian-Sampler auszusehen hat

Aber es stimmt schon, ich habe es dir nicht leicht gemacht. Vielen Dank für deine spannenden Kommentare und ich freue mich, dass ich dir mit 5 Songs Freude bereiten konnte.
Punktestand (nach Eike: Der Punkteschlüssel ist: 3 Punkte pro Bandtreffer, 5 pro Titeltreffer, +2 Bonus für Volltreffer):
Heydulf: 20
Jesus: 11
Fabian: 5
Frank: 3
Johnny: 3
Falkner: 1
Hier noch das Gedicht von Kafka:Kühl und hart
Kühl und hart ist der heutige Tag.
Die Wolken erstarren.
Die Winde sind zerrende Taue.
Die Menschen erstarren.
Die Schritte klingen metallen
Auf erzenen Steinen,
Und die Augen schauen
Weite weiße Seen.
In dem alten Städtchen stehn
Kleine helle Weihnachtshäuschen,
Ihre bunte Scheiben sehn
Auf das schneeverwehte Plätzchen.
Auf dem Mondlichtplatze geht
Still ein Mann im Schnee fürbaß,
Seinen großen Schatten weht
Der Wind die Häuschen hinauf.
Menschen, die über dunkle Brücken gehn,
vorüber an Heiligen
mit matten Lichtlein.
Wolken, die über grauen Himmel ziehn
vorüber an Kirchen
mit verdämmernden Türmen.
Einer, der an der Quaderbrüstung lehnt
und in das Abendwasser schaut,
die Hände auf alten Steinen.
(Aus einem Brief Kafkas vom 9. November 1903, in dem er als Zwanzigjähriger
seinem Schulfreund Oskar Pollak von "einigen Versen" schreibt, die er "in
guten Stunden lesen" möge)