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von Dekalog der Elemente » Mittwoch 31. März 2010, 20:04
Hab mir den Artikel gerade durchgelesen und finde ihn sehr gelungen. Kann, darf und sollte man auch so stehen lassen. Der Artikel hat nun auch dazu geführt das ich mir das Album vorher auch endlich geordert habe.
Allerdings hab ich nen kleinen Fehlerteufel gefunden....
Bass und Gitarre umspielen sich mit einer faszinierenden, allumfassenden Launenhaftigkeit, versprühen eine echte Lebensfreude, die diametral zu allem stehen scheint, was BURZUM bislang ausgemacht hat
da fehlt ein zweites zu zwischen allem und stehen
Im Auge des Feindes sehe ich nur mich selbst - Fyrt Byrask
Grundsätzlich ist Mettwurst wie Paprika, nur in einem anderen Härtegrad.
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Dekalog der Elemente
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von Peter Kubaschk » Mittwoch 31. März 2010, 20:15
jetzt fehlt das nicht mehr. 
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von Jhonny » Mittwoch 31. März 2010, 23:07
so, bin auch durch. Liest sich schön und macht vor allem Lust auf die Musik! Burzum sind bisher immer ein wenig an mir vorbeigerauscht, und das, obwohl ich andere aus der Zeit (Mayhem, Darkthrone, Dissection, Immortal) klasse finde... Burzum kenne ich nur einzelne (allerdings gute!) Songs. Das sollte sich nun aber bald ändern...
Ich finde, ihr geht gut an die historische Thematik heran, erzählt nichts, was der Szenekenner nicht eh schon 1000 mal gehört hat, geht aber auch nicht polemisch mit zu viel Zeigefinger an das Thema ran.
Nicht ganz so super wie die anderen finde ich das Wechselspiel - da hätten mir zwei zusammenhängende Einzelberichte von euch mehr gegeben, da das für mehr Roten Faden sorgt und eine Gesamtstimmung besser zu erkennen ist.
Eure Leidenschaft für diese Band, diese Musik, und auch eure Fähigkeit, das in tolle Worte zu fassen ist aber echt super - das macht echt Freude, so einen Text zu lesen!
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von Pillamyd » Donnerstag 1. April 2010, 11:41
Im großen und ganzen kann ich Jhonny zustimmen. Ich wollte mich eigentlich doch mit diesem Album beschäftigen. Einfach weil ich wissen wollte wie Burzum heute klingt. Habe das aber wieder aus den Augen verloren, weil ich es dann doch nicht mehr so für wichtig hielt. Aus verschiedenen Gründen. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass der Artikel interessant geschrieben ist und ihr einem die Neugier weckt. Ich werde mich bemühen irgendwie das Album anzuhören um selber zu Urteilen.
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von Hagen Kempf » Donnerstag 1. April 2010, 15:47
hm also ich werds mir auf keinen fall kaufen weil ich dem arsch keinen cent gönne.
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 1. April 2010, 16:11
Ich für meinen Teil gönne ihm (oder besser: jedem) den angemessenen Lohn für seine Arbeit. Zum einen liefert er mir mit "Belus" Ware, die für mich einen angemessenen Gegenwert fürs Geld darstellt; zum anderen hat er seine Strafe abgesessen und wurde auf Bewährung entlassen. Somit ist das Ziel der norwegischen Gesellschaft ohne Wenn und Aber seine Resozialisierung in dem Sinne, dass er für sich selber sorgen kann. Was hat die Gesellschaft von einem entlassenen Straftäter, der keinen Cent verdient und somit dem Staat mitsamt seiner Familie auf der Tasche liegt? Doppelt nichts! Ihm den Lohn seiner Arbeit nicht zu gönnen straft also nicht in erster Linie ihn, sondern die norwegische Gesellschaft insgesamt, die ihn ohne Einkommen von Sozialhilfe ernähren müsste. Für mich ist es nur fair und logisch, einem Ex-Sträfling etwas abzukaufen, wenn er etwas hat, das ich haben will. Egal ob das Brezeln sind oder Schallplatten.
Aber wie wir im Artikel schon geschrieben haben: Die Gewissensentscheidung muss jeder selbst treffen und ich respektiere deine auf ganzer Linie. Wollte nur klar stellen, dass ich die Scheibe nicht unter Überwindung meines Gewissens kaufe, obwohl ich ihm das damit verdiente Geld nicht gönnen würde, sondern dass ich sie wegen meines Gewissens kaufe, weil ich der Meinung bin, dass jeder, der etwas erschafft, das mir gefällt, und das ich haben will, dafür auch den angemessenen Lohn bekommen soll.
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von Hagen Kempf » Donnerstag 1. April 2010, 16:34
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Ich für meinen Teil gönne ihm (oder besser: jedem) den angemessenen Lohn für seine Arbeit. Zum einen liefert er mir mit "Belus" Ware, die für mich einen angemessenen Gegenwert fürs Geld darstellt; zum anderen hat er seine Strafe abgesessen und wurde auf Bewährung entlassen. Somit ist das Ziel der norwegischen Gesellschaft ohne Wenn und Aber seine Resozialisierung in dem Sinne, dass er für sich selber sorgen kann. Was hat die Gesellschaft von einem entlassenen Straftäter, der keinen Cent verdient und somit dem Staat mitsamt seiner Familie auf der Tasche liegt? Doppelt nichts! Ihm den Lohn seiner Arbeit nicht zu gönnen straft also nicht in erster Linie ihn, sondern die norwegische Gesellschaft insgesamt, die ihn ohne Einkommen von Sozialhilfe ernähren müsste. Für mich ist es nur fair und logisch, einem Ex-Sträfling etwas abzukaufen, wenn er etwas hat, das ich haben will. Egal ob das Brezeln sind oder Schallplatten.
Aber wie wir im Artikel schon geschrieben haben: Die Gewissensentscheidung muss jeder selbst treffen und ich respektiere deine auf ganzer Linie. Wollte nur klar stellen, dass ich die Scheibe nicht unter Überwindung meines Gewissens kaufe, obwohl ich ihm das damit verdiente Geld nicht gönnen würde, sondern dass ich sie wegen meines Gewissens kaufe, weil ich der Meinung bin, dass jeder, der etwas erschafft, das mir gefällt, und das ich haben will, dafür auch den angemessenen Lohn bekommen soll.
juristisch magst du ja recht haben, ich bezweifel aber, dass der in irgend ner form bereut was er getan hat. geschweige denn seine verqueren theorien anzweifelt. und eine strafe ist NICHT dazu da, nen preis für ne gewisse tat darzustellen, mit der man dann leben "darf", sondern die idee beim strafen ist, denjenigen, der ein gesetz übertreten hat verständlich zu machen, warum man das nicht darf. und rüdiger sorry.. aber wenns hier um "er soll kriegen was er verdient" geht, dann gäbe es jetzt keine neue platte, über die man diskutiert ^^ verdient hat er was anderes. aber zum glück ist die gesellschaft, die er so hasst, nicht so wie er.
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 1. April 2010, 17:57
juristisch magst du ja recht haben, ich bezweifel aber, dass der in irgend ner form bereut was er getan hat. geschweige denn seine verqueren theorien anzweifelt.
Das mag jetzt hart klingen, aber es ist mir egal, ob er bereut oder nicht. Ich bin nicht Gott und es ist nicht meine Sache über die Moral und Unmoral der Menschen zu urteilen. Ich bin da auf ganzer Linie Legalist und nichts mehr: Er ist als "reuloser Mörder" mit der Höchststrafe bestraft worden, welche das norwegische Recht kennt. Also hat er auf Erden exakt das bekommen, was er nach der für ihn geltenden Rechtsordnung verdient (Justizirrtümer vorbehalten, aber die könnten bei Verhängung der Höchststrafe ja allenfalls zu seinen Gunsten gehen). Ob auf die irdische Strafe noch eine weitere Strafe folgen wird, vermag ich nicht zu beurteilen. Das entscheiden andere Instanzen, und das ist gut so. Auch das Anzweifeln seiner Theorien ist nichts, was ich von ihm erwarte, oder was das Recht von ihm erwarten dürfe. Jeder Mensch hat das fundamentale Recht darauf, sich selbst zum Narren zu machen. Im Übrigen hat Vikernes seine Theorien in den letzten 20 Jahren so oft komplett über den Haufen geworfen, dass man wohl davon ausgehen kann, dass niemand auf dieser Welt seine Theorien mehr anzweifelt als er selbst. Hast du seine Aufsätze und Thesen, sowie deren Entwicklung und Revision über die letzten 18 Jahre verfolgt? Ich habe es, und es ist immer wieder interessant zu sehen, wie oft er sich revidiert oder widerspricht. Das führt uns zu deinem Ansatz zum Strafzweck und zur Strafe: und eine strafe ist NICHT dazu da, nen preis für ne gewisse tat darzustellen, mit der man dann leben "darf", sondern die idee beim strafen ist, denjenigen, der ein gesetz übertreten hat verständlich zu machen, warum man das nicht darf.
Das ist so nicht richtig, und entspricht keiner der gängigen Theorien zum Strafzweck. Zweck der Strafe ist auf der einen Seite Vergeltung, auf der anderen Seite Prävention. 1. Vergeltung: Strafe ist sehr wohl dazu da, einen Preis für eine Tat darzustellen, mit der man dann leben darf und muss. Vikernes hat die nach norwegischem Recht angemessene Strafe für seine Tat bekommen, somit ist die Tat rechtlich betrachtet vergolten. Ob wir der Meinung sind, dass mehr oder weniger angemessen gewesen wäre, ist nicht das Problem von Vikernes, sondern das Problem des norwegischen Rechtssystems. Er hat immerhin die härteste Strafe bekommen, die nach den Kriegsverbrecherprozessen jemals in Norwegen verhängt wurde, und er hätte nach deutschem Recht mit ziemlicher Sicherheit keine höhere, sondern eine niedrigere Strafe bekommen. Ich will damit nicht ihn verteidigen, sondern die norwegische Rechtsordnung. Wenn selbst einige von Euronymous' ehemals engsten Freunden (Hellhammer, Necrobutcher und einige mehr) sagen, dass seine Tat in Anbetracht dessen, was Euronymous tat und plante, zwar nicht gerechtfertigt, aber doch verstehbar war, dann ist es mit Sicherheit nicht an mir, zu sagen: Er hat aber doch noch Schlimmeres verdient als das, was das norwegische Recht für die Tat vorsah. Wenn ich die 10-Jahre-Jugendstafe für den Mittäter im Eislinger 4-fach-Mordprozess anschaue, dann hat es den Herrn Vikernes verhältnismäßig hart erwischt. 2. Prävention: Prävention besteht aus Generalprävention (Abschreckung anderer potentieller Täter und Schutz der Allgemeinheit) und Spezialprävention (Läuterung und Unschädlichmachung des Täters): 2.1. Generalprävention: Was die generalpräventiven Aspekte der Strafzumessung angeht, denke ich, dass das Element Abschreckung verwirklicht ist. Der potentielle Nachahmer weiß, dass er in Norwegen mit der Höchststrafe zu rechnen hat, wenn er tut, was Vikernes getan hat. Auch der Aspekt des Schutzes der Allgemeinheit dürfte erfüllt sein. Ich bin zwar kein Hellseher, aber von dem was Vikernes heute sagt und tut, erwarte ich persönlich nicht, dass er nochmal morden oder brandstiften wird. Faktisch wissen, kann man das immer erst, wenn er gestorben ist, aber das ist bei jeder Strafe so. 2.2. Spezialprävention: Der Täter war für die Dauer der Strafe unschädlich, somit ist dieser Strafzweck erfüllt. Es folgt sodann die Frage nach der Läuterung und ob er nunmehr im Bezug auf die Taten, die er begangen hat, unschädlich ist. Da sind wir wieder bei der Hellseherei, aber so wie er sich äußert, scheint er gelernt zu haben, dass er mit Morden und Brandstiften nichts erreicht und in erster Linie sich selbst schadet. Ob er hier das sagt, was er wirklich denkt, das weiß ich natürlich nicht, aber es klingt nachvollziehbar. Der Strafzweck will nur erreichen, dass er das, was er getan hat, nicht mehr tut. Ob das aufgrund einer inneren Distanzierung von der Tat geschieht, oder "nur" aufgrund einer Angst vor der erneuten Bestrafung, das ist dem Strafzweck egal. 3. Strafzweck ist ausdrücklich nicht das Bereuen der Tat. Das Bereuen oder Nichtbereuen ist Aspekt der Strafzumessung. Er hat die norwegische Höchststrafe unter anderem deshalb bekommen, weil er die Tat nicht bereut hat. Die verhängte Strafe vergilt das Unrecht, das dadurch erhöht ist, dass jemand nicht bereut. Also in letzter Konsequenz muss ich - als Legalist und Anhänger des Rechtsstaates - sagen, dass Vikernes für seine schlechten Taten in der Tat das bekommen hat, was er verdient hat. Also soll er auch für die guten Taten das bekommen, was er verdient. Das Leben ist nicht nur schwarz und weiß und auch verurteilte Straftäter sind nicht nur böse und schlecht. Wer dem verurteilten Straftäter per se die Rückkehr in ein normales Leben verbauen will, der müsste an sich die Todesstrafe befürworten.
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von Hagen Kempf » Donnerstag 1. April 2010, 18:28
Rüdiger Stehle hat geschrieben:Das mag jetzt hart klingen, aber es ist mir egal, ob er bereut oder nicht. Ich bin nicht Gott und es ist nicht meine Sache über die Moral und Unmoral der Menschen zu urteilen. I
sorry rüdiger, aber das find ich nicht richtig. ich finde euren artikel super, ohne frage. aber wenn dieser satz drin gestanden hätte, hätte ich mich beschwert. es liegt sehr wohl am einzelnen, über moral und unmoral zu urteilen, letztendlich sind gesetze in dem sinne auch nichts anderes als moralorientierte regelnd, die irgendwann man als "gesellschaftstauglich" abgenickt worden - die einen mehr (die die vernunft gebietet), die andern weniger. wenn jeder mensch anfangen würde so zu denken, würde sich die menschheit selbst vernichten. juristisch gebe ich dir natürlich wieder recht, du kennst dich da besser aus. trotzdem bin ich der meinung, dass gesetze und die exekutive da einspringen, wo die moral der menschen nicht ausreicht. sie sind praktisch nötig, da der mensch an sich ein egoistisches wesen ist. das heißt aber nicht, dass menschen nicht THEORETISCH dazu fähig wären, ohne gesetze auszukommen. denn es gibt genug menschen, die WIRKLICH "gut" sind weil sie es richtig finden. praktisch ist das natürlich blödsinn, weil die "schlechten" menschen zu viele sind. das zeigt aber, dass moralisches urteilen eben nicht unnötig geschweige denn unrechtens ist. (ich bitte in diesem abschnitt die recht einfache verwendung von gut und böse gnädig zu behandeln, es ist mir klar, dass die defintion von gut und böse nicht einfach ist) es ist richtig, dass er seine strafe abgebüßt hat. damit hat er seine schuldigkeit dem gesetz gegenüber getan. was aber nicht heißt, dass er wieder teil der gesellschaft ist, das wird er erst, wenn er die allgemein gültigen regeln akzeptiert. und dazu gehört, morden als falsch zu akzeptieren. wenn er das nicht tut ist er zwar "legal" auf freiem fuß, aber kein "echter" teil der gesellschaft und gehört von dieser auch sanktioniert (zum beispiel ihn nicht in seiner vergangenheit zu bestätigen indem man seine musik kauft), bis er die regeln akzeptiert. meiner meinung nach ist ein satz wie "er hat gebüßt, mir egal was er denkt, sein konto ist ausgeglichen" eine ziemlich plumpe moralische rechtfertigung, um sich sein gewissen sauber zu reden. ich bin übrigens auch verfechter des rechtsstaats
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von Rüdiger Stehle » Donnerstag 1. April 2010, 19:23
es liegt sehr wohl am einzelnen, über moral und unmoral zu urteilen,
Das ist natürlich richtig, mein Satz war nicht gut formuliert und es ist deswegen auch richtig, dass er nicht in dem Artikel vorkommt. Er sollte eigentlich aussagen, dass meine Moralvorstellungen nur für mich gelten, und ich ihnen nicht den Anspruch der Allgemeingültigkeit beimesse. Natürlich urteile auch ich für mich darüber, ob das, was Vikernes getan hat, unmoralisch war oder nicht. Und ja, ich finde es unmoralisch, dass er Euronymous getötet hat. Ich finde es ebenso unmoralisch, dass er Kirchen angezündet hat. Doch: Muss das bedeuten, dass ich persönlich ihn noch über das Maß der Strafe hinaus bestrafen muss, die er erhalten hat? Ich finde es gut und richtig, dass er bestraft worden ist. Aber ich finde es - und das ist nun meine persönliche moralische Würdigung - auch ausreichend, wie er bestraft worden ist. Deshalb finde ich es auch nicht notwendig, ihn wegen jener abgeurteilten Taten nun weiterhin zu strafen. Wenn du wissen willst, warum ich es ausreichend finde, dann befasse dich mal mit allen Details des Ereignisses und befasse dich mit den heutigen Aussagen der ehemaligen Bandkollegen von Euronymous hierzu. Ich sage an dieser Stelle nur so viel: Vikernes würde hier und heute (und wohl auch in Norwegen) ziemlich sicher eine niedrigere Strafe bekommen, als er bekommen hat, weil Norwegen damals an einem Punkt stand, an dem ein Exempel statuiert werden sollte (und wohl auch musste). letztendlich sind gesetze in dem sinne auch nichts anderes als moralorientierte regelnd, die irgendwann man als "gesellschaftstauglich" abgenickt worden - die einen mehr (die die vernunft gebietet), die andern weniger. wenn jeder mensch anfangen würde so zu denken, würde sich die menschheit selbst vernichten.
Gesetze sind dazu da, den moralischen Minimalkonsens zu gewährleisten. Das heißt, dass die Moral (i.e. das Gewissen) höhere Ansprüche an die Menschen stellt, als das Gesetz, es heißt aber ebenso, dass die Moral im Gegensatz zum Gesetz keinen allgemeinen Gültigkeitsanspruch haben kann. juristisch gebe ich dir natürlich wieder recht, du kennst dich da besser aus. trotzdem bin ich der meinung, dass gesetze und die exekutive da einspringen, wo die moral der menschen nicht ausreicht. sie sind praktisch nötig, da der mensch an sich ein egoistisches wesen ist. das heißt aber nicht, dass menschen nicht THEORETISCH dazu fähig wären, ohne gesetze auszukommen. denn es gibt genug menschen, die WIRKLICH "gut" sind weil sie es richtig finden. praktisch ist das natürlich blödsinn, weil die "schlechten" menschen zu viele sind. das zeigt aber, dass moralisches urteilen eben nicht unnötig geschweige denn unrechtens ist. (ich bitte in diesem abschnitt die recht einfache verwendung von gut und böse gnädig zu behandeln, es ist mir klar, dass die defintion von gut und böse nicht einfach ist)
Das, was du hier sagst, passt schon so. Sehe ich auch so. Dass mein Einleitungssatz etwas unglücklich formuliert war, habe ich ja bereits zugegeben. Natürlich ist das moralische Urteil entscheidend wichtig, aber es betrifft eben jeden individuell. Ich habe auch mit keinem Wort andeuten wollen, dass ich Vikernes' Taten als durch die Strafe moralisch gerechtfertigt sehe. Ich wollte vielmehr sagen, dass die verhängte Strafe nach meinen moralischen Wertungen ausreichend ist. Doch ich glaube wir steiten gar nicht darüber, ob Vikernes' Taten unmoralisch ist (denn da besteht absoluter Konsens), sondern ob seine heutige Haltung zu den Taten unmoralisch ist. Das sehe ich ein wenig anders als du: es ist richtig, dass er seine strafe abgebüßt hat. damit hat er seine schuldigkeit dem gesetz gegenüber getan. was aber nicht heißt, dass er wieder teil der gesellschaft ist, das wird er erst, wenn er die allgemein gültigen regeln akzeptiert. und dazu gehört, morden als falsch zu akzeptieren. wenn er das nicht tut ist er zwar "legal" auf freiem fuß, aber kein "echter" teil der gesellschaft und gehört von dieser auch sanktioniert (zum beispiel ihn nicht in seiner vergangenheit zu bestätigen indem man seine musik kauft), bis er die regeln akzeptiert.
Ich weiß nicht, ob du gelesen hast, wie Varg heute zu dem Mord steht? Ich habe so ziemlich alle seine Interviews und Aufsätze gelesen und er sagt, dass er die Tat deswegen nicht bereuen könne, weil er jemanden getötet habe, der ihm damit gedroht hatte, ihn zu töten. Und er sagt weiter, dass er es heute nicht mehr machen würde, weil er weiß, was die Folge ist, und dass er daher heute lieber die Polizei informieren würde. Für mich klingt das - zumindest im Bezug auf Tötungshandlungen - nach "Regeln akzeptieren". Ob er es wirklich ernst meint, oder nur so sagt, das weiß ich natürlich nicht, aber du auch nicht. Entscheiden sind für mich im Bezug auf den Mord die folgenden Punkte: - Der Mord war unmoralisch. - Es ist notwendig und richtig, den Täter dafür zu strafen. - Ich halte die verhängte Strafe in diesem Fall rechtlich für relativ hart aber noch angemessen. - Ich erwarte vom Täter, dass er gelernt hat, dass es nicht richtig ist, so zu handeln. - Ich erwarte in diesem Fall nicht vom Täter, dass er bereut, weil ich die Tat zwar nicht akzeptabel aber für so weit verständlich halte, dass ich ein bereuen nicht erwarte, denn ich gehe davon aus, dass Vikernes nach wie vor davon überzeugt ist, dass Euronymous ihn getötet hätte, wenn er nicht schneller gewesen wäre. Ob es tatsächlich so gekommen wäre, weiß natürlich niemand, aber ich glaube Vikernes, dass er diese Überzeugung hatte. Und vor dem Hintergrund erwarte ich den Lerneffekt: "Wenn dich jemand bedroht: Polizei rufen!", aber ich erwarte nicht die Reue für die Tat. meiner meinung nach ist ein satz wie "er hat gebüßt, mir egal was er denkt, sein konto ist ausgeglichen" eine ziemlich plumpe moralische rechtfertigung, um sich sein gewissen sauber zu reden.
Ich brauche keine moralische Rechtfertigung, weil mein Gewissen im Bezug auf BURZUM sauber ist. Ich habe kein schlechtes Gewissen dabei, eine Burzum-LP zu kaufen. Für mich ist die Rechnung schlicht und einfach die, dass ich die LP haben will und deshalb den Preis dafür bezahlen muss, den sie eben kostet. Mein Moralverständnis sagt mir, dass ich denjenigen, der mir etwas gibt, das ich schätze, auch entsprechend dafür zu honorieren habe. Auch dies sollte eigentlich moralischer Grundkonsens sein - zumindest ist es Gesetz! Was du mir also allenfalls vorhalten kannst, ist die Frage: "Wie kann man eine LP haben wollen, die von einem unmoralischen Menschen stammt?" - Das ist letztlich auch die Frage, um die unser Artikel sich dreht, und die Antwort darauf kann nur sein, dass mir die Musik so viel bedeutet, dass ich sie haben muss. Wenn dies aber so ist, dann muss ich auch die - durch und durch moralische - Konsequenz tragen, dass ich die LP zu bezahlen habe. Den Nebeneffekt, dass Vikernes dadurch Geld erhält, kann ich moralisch gut verschmerzen; warum das so ist, steht in diesem und meinen vorigen Beiträgen in epischer Breite. ich bin übrigens auch verfechter des rechtsstaats
Das habe ich nie ernsthaft bezweifelt.
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